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Teschenmoschel mit
Dörrmoschel und Bisterschied (VG Rockenhausen, Donnersbergkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Teschenmoschel bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts
zurück (der Friedhof
soll angeblich seit 1665 bestehen).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1801 22 (14,1 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 27, 1825 30 (13,5
%), 1848 Höchstzahl von 56 in elf Familien, 1871 45, 1875 32, 1900 25.
Zur jüdischen Gemeinde Teschenmoschel gehörten auch die in Dörrmoschel
und Bisterschied lebenden jüdischen Personen:
in Dörrmoschel wurden gezählt: 1801 14 jüdische Einwohner (7,7 % der
Gesamteinwohnerschaft), 1808 8, 1825 31 (9,7 %), 1848 Höchstzahl von 58
jüdischen Einwohnern. In Biesterschied lebten 1848 10 jüdische
Personen.
1809/10 werden als jüdische Haushaltsvorsteher genannt: in Teschenmoschel
Abraham Berg,
Joseph Berg (Kurzwarenhändler), Abraham Forsch, Witwe von Jacob Stern; in Dörrmoschel
Salomon Frank (Franck).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule,
ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise
ein jüdischer Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig
war.
Seit 1893 gehörten auch die in Waldgrehweiler
lebenden jüdischen Familien zur Gemeinde in Teschenmoschel, nachdem die dortige
jüdische Gemeinde aufgelöst worden war.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Richard Forsch (geb.
24.11.1897 in Teschenmoschel, gef. 21.3.1918). Außerdem ist gefallen: Adolf
Forsch (geb. 15.5.1872 in Teschenmoschel, vor 1914 in Ettenheim wohnhaft, gef.
22.11.1918).
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde insgesamt (mit Dörrmoschel) noch neun Familien gehörten, war
Gemeindevorsteher Ferdinand Neumann in Dörrmoschell.
1933 lebten noch etwa 25 jüdische Personen in Teschenmoschel. In
den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurden noch 21, 1937
14, 1938 12 jüdische Einwohner gezählt. Weitere sechs verließen bis 1940 den
Ort; die letzten sechs jüdischen Einwohner wurden im Oktober 1940 nach Gurs
deportiert.
Von den in Teschenmoschel geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sigfried Berg (1892),
Aurelia Forsch (1880), Oskar Forsch (1882), Susanne Kahn geb. Neumann (1865),
Abraham Mendel (1857), Eleonore Michel geb. Berg (1896), Max Michel (1896),
Karoline Neumann geb. Berg (1861), Klara Strauß geb. Neumann (1856).
Aus Dörrmoschel sind umgekommen: Albert Frank (1881), Sally Heinz Frank
(1920), Rosa Heilbronn geb. Frank (1873), Berta Mayer geb. Honig (1882), Johanna
Weil geb. Frank (1875), Irma Wertheimer geb. Frank (1911), Jakob Wolf
(1889).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in
Teschenmoschel gefunden. |
Zur Geschichte der Synagoge
1844 befand sich nach dem Grundsteuerkataster auf dem
Grundstück im Oberdorf (Gebäude Nr. 16 / Grundstück Im Oberdorf 1) ein "Wohnhaus mit Synagoge und
Hofraum", das nach Angaben des damaligen jüdischen Gemeindevorsteher seit
"unfürdenklichen Zeiten" im Besitz der jüdischen Gemeinde stand.
Drei Jahre später wird als Erbauungsjahr der Synagoge 1756
angegeben.
In unmittelbarer Nachbarschaft der Synagoge befanden sich die Anwesen von
jüdischen Familien: des Schneiders Michael Forsch und des Krämers Jakob Forsch
(um 1900?). Nur wenig ist aus der Synagogengeschichte bekannt. Im Juli 1845 wird
berichtet, dass der in Dörrmoschel lebende Rattenfänger Salomon Wolff drei ihm
gehörige Betplätze in der Synagoge für 18 Gulden an den Krämer Salomon Wolff
in Teschenmoschel verkauft hat.
Als sich 1893 die jüdische Gemeinde Waldgrehweiler
auflöste, kamen von dort zwei Torarollen in die Synagoge in Teschenmoschel.
Immer wieder wurde die Synagoge renoviert, zuletzt Anfang des 20. Jahrhunderts.
Mindestens bis 1911 wurde sie für Gottesdienste genutzt, danach waren auf Grund
des kaum mehr zustande kommenden Minjans (10 religionsmündige Männer)
keine regelmäßigen Gottesdienste mehr möglich.
Zur Synagoge in Teschenmoschel liegen keine Fotos oder Abbildungen vor. Der
Gebetsraum war 6 mal 8 m groß und 5 m hoch. Es gab 35 Plätze für Männer, 20
für Frauen. An Einrichtungsgegenständen waren u.a. drei Torarollen, zehn
Toramäntel, ein Pult und ein Kronleuchter vorhanden.
Obwohl die Synagoge vermutlich schon Jahre nicht
mehr für Gottesdienste genutzt wurde, ist sie beim Novemberpogrom 1938
durch SA-Leute aus der Umgebung "unter Anführung des einheimischen
Zellenleiters" erstürmt und geplündert wurden. Die Ritualien und
Einrichtungsgegenstände wurden auf die Straße geworfen, auf Fuhrwerke geladen
und auf ein freies Feld am Ortsrrand gefahren, wo alles verbrannt wurde.
Das Synagogengebäude kam in den Besitz der politischen Gemeinde (es liegen
verschiedene Angaben vor: 1939, 1940 oder 1942) und wurde in der Folgezeit
abgebrochen (entweder schon 1940 oder 1946 oder erst nach der Rückübertragung
1952). Das Grundstück der Synagoge, das durch die Rückübertragung an die
Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz gekommen war, wurde von dieser 1973
verkauft. Es wurde nicht mehr bebaut; auf dem Grundstück ist heute ein
Garten.
Adresse/Standort der Synagoge: Im
Oberdorf 1
Fotos
| Standort der Synagoge |
 |
| |
Die Synagoge in Teschenmoschel
stand im Oberdorf hinter der Scheune links (Standort im Fotos oben durch
Pfeil gekennzeichnet; Foto von O. Weber s. Lit. S. 164) |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum
gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts. 1992. |
 | Karl Fücks / Michael Jäger: Synagogen der
Pfälzer Juden - Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden. Edesheim
1988. S. 214-215. |
 | Bernhard Kukatzki: Steinerne Zeugnisse jüdischen
Lebens in der Verbandsgemeinde Rockenhausen: Synagoge, Schulen, Friedhöfe
und Ritualbäder in Dielkirchen, Marienthal, Rathskirchen, Rockenhausen,
Teschenmoschel und Würzweiler. Landau 2000. S. 49-55. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 154. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 361-362 (mit weiteren Literaturangaben).
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Teschenmoschel Palatinate. The Jewish population was
22 in the early 19th century and 56 (11 merchant families) at mid-century. In
1932, the Jewish population was 21 (total population 200). The last six Jews
were deported to the Gurs concentration camp in October 1940. Five perished
there. The synagogue was damaged on Kristallnacht (9-10 November 1938).

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