Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Neubrandenburg (Kreisstadt) 
Synagoge / jüdischer Friedhof 

Übersicht:

Zur Geschichte der Synagoge  
Aus der Geschichte der Synagoge   
Zur Geschichte des Friedhofes 
Fotos   
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der Synagoge 

Die in den 1860er-Jahren in Neubrandenburg entstandene jüdische Gemeinde stellte 1876 bei den Behörden einen Antrag auf Errichtung einer Synagoge. Seit mehreren Jahren hatte man hierfür bereits Gelder und Spenden gesammelt. Auf Grund einer Spende des Großherzogs und nach Durchführung einer Synagogenbau-Lotterie waren die notwendigen Mittel zum Beginn des Baus gesammelt. Die Genehmigung wurde erteilt. Die Synagoge konnte am 4. September 1877 durch Rabbiner Dr. Jakob Hamburger eingeweiht werden. 
Bis 1937 fanden in der Synagoge regelmäßige Gottesdienste statt. Im Frühjahr 1937 kam es zu Verwüstungen und zur Zertrümmerung der Fenster bei einem Anschlag. Bis Herbst konnte das Gebäude renoviert werden, doch wurden im Oktober 1937 wiederum die Scheiben zertrümmert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Schändung und Brandstiftung völlig zerstört. Die Brandruine wurde abgebrochen.     

Aus der Geschichte der Synagoge 
Geschenk des Großherzogs zum Bau der Synagoge (1875)    
Neubrandenburg AZJ 11051875.jpg (67769 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Mai 1875: "Neubrandenburg (Mecklenburg), 28. April (1875). Ihre Leser werden sich erinnern, dass die hiesige, wenig zahlreiche Gemeinde sich ein schönes Gotteshaus zu bauen unternommen und dazu die größten Opfer gebracht hat, ohne diese auszureichen vermögen. Heute habe ich die erfreuliche Mitteilung zu machen, dass unser Großherzog uns zu obigem Zwecke ein Geschenk von 1.500 Reichsmark angewiesen, und als der Vorstand sich bei ihm bedankte, die wohlwollendste Gesinnung für uns ausgesprochen hat. Wir haben auch eine Lotterie für den Bau der Synagoge eingerichtet, deren Ziehung vor Ostern stattfinden sollte. Die Großherzogliche Regierung hat uns einen Aufschub bewilligt, und die Ziehung ist auf den 15. September festgesetzt worden."    
 
Neubrandenburger Synagogenbau-Lotterie (1875)    
Neubrandenburg AZJ 11051875b.jpg (55612 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Mai 1875: "Neubrandenburger Synagogenbau-Lotterie. Nachdem es uns trotz aller Bemühungen nicht hat gelingen wollen, bis Ostern sämtliche Lose zu platzieren, ist mit Genehmigung der Großherzoglichen Landes-Regierung der Ziehungstag unserer Synagogenbau-Lotterie nunmehr aus den 15. September dieses Jahres festgesetzt. 
Lose sind noch bei den unterzeichneten Komitee-Mitgliedern zu haben. 
Neubrandenburg, im April 1875. 
Das Komitee der Synagogenbau-Lotterie. Gustav Götz. Sylvester Löwenhaupt. Hermann Heine. Hermann Wolff."   
 
Einweihung der Synagoge (1877)   
Neubrandenburg AZJ 18091877.jpg (30754 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. September 1877: "Am 4. September wurde, wie man uns schreibt, in Neubrandenburg (Mecklenburg-Strelitz) die neue, prachtvolle Synagoge feierlich eingeweiht. Die ganze Bevölkerung nahm den erfreulichsten Anteil und auch der Großherzog sandte der Gemeinde durch ein Kabinettsschreiben seinen Glückwunsch".   
    
Rechts: Die Synagoge in Neubrandenburg 
(Quelle: Stadt Neubrandenburg; www.synagogen.info
Neubrandenburg Synagoge 120.jpg (27214 Byte) Standort der ehemaligen Synagoge: Link zu den Google-Maps    

    
    
  

Zur Geschichte des Friedhofes    
(erstellt unter Mitarbeit von Burkhard Prehn)     
 
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden zunächst in (Alt-)Strelitz beigesetzt. Nach der Gründung einer jüdischen Gemeinde in Neubrandenburg (1864) konnte diese 1864/66 einen eigenen Friedhof in unmittelbarer Nähe des (heute nicht mehr bestehenden) alten evangelischen Friedhofes anlegen. Dieser evangelische Friedhof befand sich schon seit 1805 zwischen der damaligen Scheunen- und der Katharinenstraße. Zur Finanzierung der Einfriedung und Planierung des Grundstückes des jüdischen Friedhofes steuerte jedes Gemeindeglied eine freiwillige Spende bei, den Rest deckte man über eine Anleihe. Die Mauer konnte Anfang September 1865 fertiggestellt werden. Am 14. Januar 1866 erfolgte mit dem noch nicht siebenjährigen Max Löwenhaupt die erste Beisetzung und die offizielle Einweihung des Friedhofes in Anwesenheit von Landesrabbiner Dr. Hamburger aus (Alt-)Strelitz. Der für die Beisetzungen notwendige Leichenwagen wurde in den folgenden Jahren von der jüdischen Gemeinde in Penzlin ausgeliehen, bis Ende der 1870er-Jahre ein eigener Leichenwagen angeschafft werden konnte. Zur Aufbewahrung des Leichenwagens wurde 1887 ein kleines Gebäude unmittelbar an der Friedhofsmauer errichtet. 1900 konnte der Friedhof erweitert werden. Für das Friedhofsgrundstück hatte die jüdische Gemeinde (bereits seit 1864) eine jährliche Pachtgebühr an die Stadtgemeinde zu bezahlen. Bis Ende der 1930er-Jahre wurden etwa 100 Tote auf dem Friedhof beigesetzt.    
 
Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Friedhof geschändet. Die Remise mit dem darin befindlichen Leichenwagen wurde in Brand gesteckt. Im April 1940 kündigte die Stadt Neubrandenburg den Erbpachtvertrag mit der jüdischen Gemeinde. Der Friedhof musste auf Anordnung der städtischen Behörden aufgelöst werden. Eine Umbettung von 19 Toten, deren postulierte zwanzigjährige Liegezeit noch nicht abgelaufen war (das heißt Beigesetzte ab 1920) sowie einiger weiterer Toter erfolgte im Beisein des letzten Gemeindevorstehers Isidor Heine im Jahr 1941 auf eine gegenüberliegende Fläche des alten evangelischen Friedhofes. Insgesamt wurden vermutlich 35 Tote umgebettet (eine Liste findet sich im Beitrag von Burkhard Prehn S. 167-168). Die restliche Fläche des zwangsaufgelösten jüdischen Friedhofes wurde abgeräumt und mit einer Militärbaracke bebaut. 1973/74 wurde ein großer Teil des Grundstückes durch das Verlags- und Druckereigebäude der Zeitung "Freie Erde" überbaut (Ecke Feldstraße / Woldegker Straße. Die restliche Fläche des Friedhofes ist heute als Bodendenkmal geschützt. 
  
Nach 1945
gab es auf der jüdischen Fläche im Bereich des alten evangelischen Friedhofes noch 31 jüdische Grabsteine; die Fläche wurde jedoch als Müll- und Auffüllplatz missbraucht. 1963 wurden die Beigesetzten wegen Bauarbeiten ein zweites Mal verlegt, diesmal in ein Gemeinschaftsgrab in den südwestlichen Bereich des alten evangelischen Friedhofes (an der Katharinenstraße). Hier wurde unter Einbeziehung der noch vorhandenen Grab- und Gedenksteine - auf Kosten der Jüdischen Landesgemeinde Mecklenburg - eine Gedenkanlage gestaltet, die jedoch bereits 1974 auf Anweisung der Stadt wieder beseitigt wurde. Nun wurden die Totengebeine an einen unbekannten Ort verbracht; die Steine wurden durch den Neubrandenburger Steinmetz Dassow eingelagert. Die jüdische Landesgemeinde hatte 1974 keine Zustimmung für eine dritte Verlegung der Toten gegeben. Das Friedhofsgelände des alten evangelischen Friedhofes und damit auch die beiden Teilflächen, auf denen die jüdischen Toten beigesetzt wurden, ist in den folgenden Jahren mit Wohnblöcken bebaut worden. 

Die von Steinmetz Dassow aufbewahrten Grabsteine wurden Grabsteine wurden von der Stadt übernommen, 18 davon im Jahr 2008 - zum 70. Jahrestag der Pogromnacht von 1938 - am Standort der ehemaligen Synagoge an der Poststraße (nahe dem Bahnhof) in die dort neu gestaltete Gedenkstätte integriert. Zwei Grabsteine befinden sich im Museum der Stadt (Grabstein von Hirsch Robert, gest. 1893 und ein weiterer Stein).     
    
    
Lage des Friedhofes         

Der ursprüngliche Standort des Friedhofes war am Ende der nicht mehr bestehenden Scheunenstraße - Teil der heutigen Woldegker Straße. Der alte evangelische Friedhof, auf dem die beiden Umbettungen eines Teiles der Toten vorgenommen wurde, besteht nicht mehr.    

Ungefähre Lage des alten jüdischen Friedhofes in Neubrandenburg auf dem dortigen Stadtplan: 
links anklicken und im Straßenverzeichnis zu Feldstraße (/Ecke Woldegker Straße).

  
   

Fotos
   

Gedenken an die jüdische Gemeinde und den Friedhof am Standort der früheren Synagoge 
(Fotos der oberen Reihe erhalten von Carolyn Naumann, Berlin; Aufnahmedatum 7.4.2009; 
ab der zweiten Fotoreihe von Otmar Frühauf, Breitenthal, Aufnahmedatum 1.10.2009) 

Neubrandenburg Friedhof 170.jpg (98502 Byte) Neubrandenburg Friedhof 171.jpg (74847 Byte) Neubrandenburg Friedhof 172.jpg (87800 Byte)
Am Standort der ehemaligen Synagoge liegen auch die aus dem Friedhof der jüdischen Gemeinde erhaltenen Grabsteine Informationstafeln / Gedenkstele  zur jüdischen Geschichte in Neubrandenburg
    
     
Neubrandenburg 191.jpg (104241 Byte) Neubrandenburg 192.jpg (88263 Byte) Neubrandenburg 188.jpg (97212 Byte)
Blick über das das Gedenkstätte gestaltete Grundstück der 1877 eingeweihten und 1938 zerstörten Synagoge der Stadt 
     
Neubrandenburg 190.jpg (93381 Byte) Neubrandenburg 198.jpg (96754 Byte) Neubrandenburg 196.jpg (96067 Byte)
Informationstafel zur jüdischen Geschichte der Stadt Gedenkstein
      
Neubrandenburg 197.jpg (103025 Byte) Neubrandenburg 189.jpg (94689 Byte) Neubrandenburg 193.jpg (90277 Byte)
Blick über die Gedenkstätte. Der Text der im Boden eingelassenen Gedenktafel lautet: "An dieser Stelle befand sich die Synagoge der jüdischen Gemeinde Neubrandenburg. Sie wurde in der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 durch die Faschisten zerstört". 
     
Neubrandenburg 195.jpg (92361 Byte) Neubrandenburg 194.jpg (95075 Byte) Neubrandenburg 175.jpg (108693 Byte)
Umrandung der Gedenkstätte mit den vom jüdischen Friedhof der Stadt erhaltenen Grabsteine
     
Neubrandenburg 174.jpg (106113 Byte) Neubrandenburg 170.jpg (112375 Byte) Neubrandenburg 171.jpg (109754 Byte)
Hinweis: nachfolgend werden alle 
dunklen Grabsteine im Foto gezeigt, 
nicht die hellen Grabsteinen, da sie 
auf den Fotos nicht lesbar sind.
  
   
Grabstein für Amalie Sophie Müllerheim
 geb. Marcus (1851-1912) und Theodor
 Müllerheim (1849-1918) mit
 Gedenkinschrift für den in Frankreich
 gefallenen Hermann Friedrich Müllerheim
 (1888-1914)
Grabstein für Hugo Müllerheim
 (1885-1918)
 
 
      
Neubrandenburg 173.jpg (125602 Byte) Neubrandenburg 172.jpg (109487 Byte) Neubrandenburg 176.jpg (155995 Byte)
Grabstein für Martin Keibel
(1879-1915)
Grabstein für Theodor Keibel (1849-1895)
 und Mertha Keibel geb. Heine (1857-1914)
Grabstein für Isaak Elisasowitz
(1852-1930) 
     
Neubrandenburg 177.jpg (139038 Byte) Neubrandenburg 178.jpg (111376 Byte) Neubrandenburg 179.jpg (120021 Byte)
Grabstein für Max Heine 
(1849-1922) 
Grabstein für Heinrich Hennings
 (1825-1914) und Minna Hennings 
geb. Langhals (1837-1923)
Grabstein für Rosa Jacob geb. Portheim
 (1869-1928) 
     
     
Neubrandenburg 180.jpg (125205 Byte) Neubrandenburg 181.jpg (151581 Byte) Neubrandenburg 182.jpg (98369 Byte)
Grabstein für Julius Bock (1853-1910) und
 Franziska Bock geb. Heine (1857-1928)
Grabstein für Nancy Emanuel 
geb. Ahrensdorf (1856-1919)
Grabstein für Louis Wolff (1848-1906) und
 Louise Wolff geb. Müller (1843-1913)
     
Neubrandenburg 183.jpg (129668 Byte) Neubrandenburg 184.jpg (127379 Byte) Neubrandenburg 185.jpg (124716 Byte)
Grabstein für Julius Burchard 
(1874-1921)
Grabstein für Hermann Wolff (1833-1913)
 und Clara Wolff geb. Pommer (1837-1935)
Grabstein für Louis Michelsberg
 (1861-1919)
     
Neubrandenburg 186.jpg (114430 Byte) Neubrandenburg 187.jpg (121138 Byte)   
 Grabstein für Ephraim Ahrendt 
(1807-1891) und Friederike Ahrendt 
geb. Heymann (1816-1897)
Grabstein für Ida Heine geb. Cohn
 (1885-1930) und Hella Heine geb.
 Rubensohn (1867-1936) mit
 Gedenkinschrift für den im 1. Weltkrieg
 gefallenen Walter Heine (1894-1917) 
   
 
 
     

    
     

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Neubrandenburg    

Literatur:  

Zeugnisse jüdischer Kultur S. 39-40.    
Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 516.
Mertens, Köhncke und Nicke: Jüdische Friedhöfe in Mecklenburg-Vorpommern. FHS Neubrandenburg. 2003 S. 80-92.   
Informationsblatt (pdf-Datei): Jüdisches Leben in Neubrandenburg - Spurensuche - Orte der Gewalt: zum Download eingestellt (1,5 mb).
Dieter Krüger: Stete Mahnung und Verpflichtung. Vor 50 Jahren brannte die Neubrandenburger Synagoge. In: Wohin in Brandenburg? Heft 5/1988.
Peter Maubach/Dieter Krüger: Geschmäht und verfolgt - Juden in Neubrandenburg. In: Neubrandenburger Mosaik. Nr. 13/1191 S. 36ff.  
Peter Hofmann: Jüdisches Leben in Mecklenburg-Strelitz. Steffen Verlag. Friedland/Mecklenburg. 2007. S. 26-27.52ff.
Burkhard Prehn: Der Gute Ort von Neubrandenburg. Ein Beitrag zur Geschichte, Ausstattung und Belegung des ehemaligen jüdischen Friedhofes. In: Neubrandenburger Mosaik. Heimatgeschichtliches Jahrbuch des Regionalmuseums Neubrandenburg Nr. 33 Neubrandenburg 2009. S. 154-173. 

   

    

                   
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Stand: 11. März 2012