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Neubrandenburg (Kreisstadt)
Synagoge / jüdischer Friedhof
Übersicht:
Zur Geschichte der
Synagoge
Die in den 1860er-Jahren in Neubrandenburg
entstandene jüdische Gemeinde stellte 1876 bei den Behörden einen Antrag auf
Errichtung einer Synagoge. Seit mehreren Jahren hatte man hierfür bereits
Gelder und Spenden gesammelt. Auf Grund einer Spende des Großherzogs und nach
Durchführung einer Synagogenbau-Lotterie waren die notwendigen Mittel zum
Beginn des Baus gesammelt. Die Genehmigung wurde erteilt. Die Synagoge konnte am
4. September 1877 durch Rabbiner Dr. Jakob Hamburger eingeweiht werden.
Bis 1937
fanden in der Synagoge regelmäßige Gottesdienste statt. Im Frühjahr 1937 kam
es zu Verwüstungen und zur Zertrümmerung der Fenster bei einem Anschlag. Bis
Herbst konnte das Gebäude renoviert werden, doch wurden im Oktober 1937
wiederum die Scheiben zertrümmert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
durch Schändung und Brandstiftung völlig zerstört. Die Brandruine wurde
abgebrochen.
| Aus der Geschichte der Synagoge |
| Geschenk
des Großherzogs zum Bau der Synagoge (1875) |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Mai 1875:
"Neubrandenburg (Mecklenburg), 28. April (1875). Ihre Leser
werden sich erinnern, dass die hiesige, wenig zahlreiche Gemeinde sich ein
schönes Gotteshaus zu bauen unternommen und dazu die größten Opfer
gebracht hat, ohne diese auszureichen vermögen. Heute habe ich die erfreuliche
Mitteilung zu machen, dass unser Großherzog uns zu obigem Zwecke ein
Geschenk von 1.500 Reichsmark angewiesen, und als der Vorstand sich bei
ihm bedankte, die wohlwollendste Gesinnung für uns ausgesprochen hat. Wir
haben auch eine Lotterie für den Bau der Synagoge eingerichtet, deren
Ziehung vor Ostern stattfinden sollte. Die Großherzogliche Regierung hat
uns einen Aufschub bewilligt, und die Ziehung ist auf den 15. September
festgesetzt worden." |
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| Neubrandenburger
Synagogenbau-Lotterie (1875) |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Mai 1875:
"Neubrandenburger Synagogenbau-Lotterie. Nachdem es uns trotz
aller Bemühungen nicht hat gelingen wollen, bis Ostern sämtliche Lose zu
platzieren, ist mit Genehmigung der Großherzoglichen Landes-Regierung der
Ziehungstag unserer Synagogenbau-Lotterie nunmehr aus den 15. September
dieses Jahres festgesetzt.
Lose sind noch bei den unterzeichneten Komitee-Mitgliedern zu haben.
Neubrandenburg, im April 1875.
Das Komitee der Synagogenbau-Lotterie. Gustav Götz. Sylvester
Löwenhaupt. Hermann Heine. Hermann Wolff." |
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| Einweihung
der Synagoge (1877) |
Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. September
1877: "Am 4. September wurde, wie man uns schreibt, in Neubrandenburg
(Mecklenburg-Strelitz) die neue, prachtvolle Synagoge feierlich
eingeweiht. Die ganze Bevölkerung nahm den erfreulichsten Anteil und auch
der Großherzog sandte der Gemeinde durch ein Kabinettsschreiben seinen
Glückwunsch". |
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Rechts: Die Synagoge in
Neubrandenburg
(Quelle: Stadt Neubrandenburg; www.synagogen.info) |
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Standort der ehemaligen
Synagoge: Link
zu den Google-Maps |
Zur Geschichte des Friedhofes
(erstellt unter Mitarbeit von Burkhard Prehn)
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden zunächst in (Alt-)Strelitz
beigesetzt. Nach der Gründung einer jüdischen Gemeinde in Neubrandenburg
(1864) konnte diese 1864/66 einen eigenen Friedhof in unmittelbarer Nähe
des (heute nicht mehr bestehenden) alten evangelischen Friedhofes anlegen.
Dieser evangelische Friedhof befand sich schon seit 1805 zwischen der damaligen
Scheunen- und der Katharinenstraße. Zur Finanzierung der Einfriedung und
Planierung des Grundstückes des jüdischen Friedhofes steuerte jedes
Gemeindeglied eine freiwillige Spende bei, den Rest deckte man über eine
Anleihe. Die Mauer konnte Anfang September 1865 fertiggestellt werden. Am 14.
Januar 1866 erfolgte mit dem noch nicht siebenjährigen Max Löwenhaupt die
erste Beisetzung und die offizielle Einweihung des Friedhofes in Anwesenheit von
Landesrabbiner Dr. Hamburger aus (Alt-)Strelitz. Der für die Beisetzungen
notwendige Leichenwagen wurde in den folgenden Jahren von der jüdischen
Gemeinde in Penzlin ausgeliehen, bis Ende der 1870er-Jahre ein eigener
Leichenwagen angeschafft werden konnte. Zur Aufbewahrung des Leichenwagens wurde
1887 ein kleines Gebäude unmittelbar an der Friedhofsmauer errichtet. 1900
konnte der Friedhof erweitert werden. Für das Friedhofsgrundstück hatte die
jüdische Gemeinde (bereits seit 1864) eine jährliche Pachtgebühr an die
Stadtgemeinde zu bezahlen. Bis Ende der 1930er-Jahre wurden etwa 100 Tote auf
dem Friedhof beigesetzt.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Friedhof geschändet. Die Remise mit
dem darin befindlichen Leichenwagen wurde in Brand gesteckt. Im April 1940
kündigte die Stadt Neubrandenburg den Erbpachtvertrag mit der jüdischen
Gemeinde. Der Friedhof musste auf Anordnung der städtischen Behörden
aufgelöst werden. Eine Umbettung von 19 Toten, deren postulierte zwanzigjährige
Liegezeit noch nicht abgelaufen war (das heißt Beigesetzte ab 1920) sowie
einiger weiterer Toter erfolgte im Beisein des letzten Gemeindevorstehers Isidor
Heine im Jahr 1941 auf eine gegenüberliegende Fläche des alten
evangelischen Friedhofes. Insgesamt wurden vermutlich 35 Tote umgebettet (eine
Liste findet sich im Beitrag von Burkhard Prehn S. 167-168). Die restliche
Fläche des zwangsaufgelösten jüdischen Friedhofes wurde abgeräumt und mit
einer Militärbaracke bebaut. 1973/74 wurde ein großer Teil des
Grundstückes durch das Verlags- und Druckereigebäude der Zeitung "Freie
Erde" überbaut (Ecke Feldstraße / Woldegker Straße. Die restliche
Fläche des Friedhofes ist heute als Bodendenkmal geschützt.
Nach 1945 gab es auf der jüdischen Fläche im Bereich des alten
evangelischen Friedhofes noch 31 jüdische Grabsteine; die Fläche wurde jedoch
als Müll- und Auffüllplatz missbraucht. 1963 wurden die Beigesetzten
wegen Bauarbeiten ein zweites Mal verlegt, diesmal in ein Gemeinschaftsgrab in
den südwestlichen Bereich des alten evangelischen Friedhofes (an der
Katharinenstraße). Hier wurde unter Einbeziehung der noch vorhandenen Grab- und
Gedenksteine - auf Kosten der Jüdischen Landesgemeinde Mecklenburg - eine
Gedenkanlage gestaltet, die jedoch bereits 1974 auf Anweisung der Stadt
wieder beseitigt wurde. Nun wurden die Totengebeine an einen unbekannten Ort
verbracht; die Steine wurden durch den Neubrandenburger Steinmetz Dassow
eingelagert. Die jüdische Landesgemeinde hatte 1974 keine Zustimmung für eine
dritte Verlegung der Toten gegeben. Das Friedhofsgelände des alten
evangelischen Friedhofes und damit auch die beiden Teilflächen, auf denen die
jüdischen Toten beigesetzt wurden, ist in den folgenden Jahren mit Wohnblöcken
bebaut worden.
Die von Steinmetz Dassow aufbewahrten Grabsteine wurden Grabsteine wurden von der
Stadt übernommen, 18 davon im Jahr 2008 - zum 70. Jahrestag der
Pogromnacht von 1938 - am Standort der ehemaligen Synagoge an der
Poststraße (nahe dem Bahnhof) in die dort neu gestaltete Gedenkstätte
integriert. Zwei Grabsteine befinden sich im Museum der Stadt (Grabstein von
Hirsch Robert, gest. 1893 und ein weiterer Stein).
Lage des Friedhofes
Der ursprüngliche Standort des Friedhofes war am Ende der nicht mehr
bestehenden Scheunenstraße - Teil der heutigen Woldegker Straße. Der alte
evangelische Friedhof, auf dem die beiden Umbettungen eines Teiles der Toten
vorgenommen wurde, besteht nicht mehr.
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Ungefähre Lage des
alten jüdischen Friedhofes
in Neubrandenburg auf dem dortigen Stadtplan:
links anklicken und im
Straßenverzeichnis zu Feldstraße (/Ecke Woldegker Straße). |
Fotos
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Zeugnisse jüdischer Kultur S. 39-40. |
 | Brocke/Ruthenberg/Schulenburg
S. 516. |
 | Mertens, Köhncke und Nicke: Jüdische Friedhöfe in
Mecklenburg-Vorpommern. FHS Neubrandenburg. 2003 S. 80-92. |
 |
Informationsblatt (pdf-Datei): Jüdisches
Leben in Neubrandenburg - Spurensuche - Orte der Gewalt: zum Download
eingestellt (1,5 mb). |
 | Dieter Krüger: Stete Mahnung und Verpflichtung. Vor
50 Jahren brannte die Neubrandenburger Synagoge. In: Wohin in Brandenburg?
Heft 5/1988. |
 | Peter Maubach/Dieter Krüger: Geschmäht und
verfolgt - Juden in Neubrandenburg. In: Neubrandenburger Mosaik. Nr. 13/1191
S. 36ff. |
 | Peter Hofmann: Jüdisches Leben in
Mecklenburg-Strelitz. Steffen Verlag. Friedland/Mecklenburg. 2007. S.
26-27.52ff. |
 | Burkhard Prehn: Der Gute Ort von Neubrandenburg. Ein
Beitrag zur Geschichte, Ausstattung und Belegung des ehemaligen jüdischen
Friedhofes. In: Neubrandenburger Mosaik. Heimatgeschichtliches Jahrbuch des
Regionalmuseums Neubrandenburg Nr. 33 Neubrandenburg 2009. S. 154-173. |

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