Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Langstadt (Stadt Babenhausen, Kreis Darmstadt-Dieburg) 
mit Schlierbach (Gemeinde Schaafheim) und Kleestadt (Stadt Groß-Umstadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur  

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In Langstadt bestand eine kleine jüdische Gemeinde. Zunächst gehörten die am Ort lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Babenhausen. Zeitweise bildeten jedoch im 19. Jahrhundert die in Langstadt, Schlierbach und Kleestadt lebenden jüdischen Personen eine selbständige Gemeinde. Als die Zahl der jüdischen Einwohner zurückging, gehörten die in Langstadt lebenden jüdischen Personen wieder zur Gemeinde in Babenhausen.
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Langstadt 1830 25, um 1865 ca. 50, 1905 22, 1910 14 jüdische Einwohner. In Kleestadt wurden 6 jüdische Einwohner gezahlt (nach Arnsberg, ohne Jahreszahl). Jüdische Familiennamen am Ort waren: Isenburger, Lichtenstein, Oestreich (ursprünglich Oestreicher) und Wetzler. Von diesen Familien war die Familie Lichtenstein nachweisbar ab 1780 in Langstadt beheimatet. Als Berufe der jüdischen Haushaltsvorsteher werden Mitte des 19. Jahrhunderts genannt: Spezereikrämer, Viehhändler, Rindviehhändler, Fuhrmann, Schneidermeister.     
    
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), möglicherweise auch ein Raum für den Unterricht der jüdischen Kinder und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Babenhausen beigesetzt. Zeitweise war sogar ein jüdischer Lehrer am Ort: genannt wird Jacob Katz (geb. ca. 1818 in Kirch-Brombach, gest. 1897 in Langstadt). 
 
1925 wurden noch 10 jüdische Einwohner gezählt, 1936 waren es 11. Der Vorsteher der Langstädter Juden war damals Viehhändler Julius Lichtenstein. Er wohnte mit seiner Frau Lina geb. Wolf und den beiden Kinder Hedwig und Walter Mühlstraße 129. In der Hindenburgstraße 83 lebte der Viehhändler Isidor Lichtenstein mit Frau Rosel geb. Waller und den Kindern Karola und Erich. Die dritte Familie am Ort war die Witwe Sara Oestreich geb. Adler mit ihren Kindern Max und Berta. Max Oestreich heiratete 1937 Gertrud geb. Fuld. Den Familien Julius Lichtenstein und Max Oestreich gelang die Auswanderung nach Amerika.     
    
Von den in Langstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jenny Abraham geb. Wetzler (1891), Betty (Bertha) Aumann geb. Oestreich (1913), Bernhard Fuld (1873), Adele Hanau geb. Lichtenstein (1888), Carola (Karola) Lichtenstein (1933), Elias Lichtenstein (1884), Erich Isak Lichtenstein (1935), Ferdinand Lichtenstein (1903), Isidor Lichtenstein (1900), Moritz Lichtenstein (1894), Moses Lichtenstein (1861), Rosa (Rosel) Lichtenstein geb. Waller (1907), Mathilde Michel geb. Lichtenstein (1895), Leo Oestreich (1886), Sara Oestreich geb. Adler (1880), Benzion (Zion) Wetzler (1877), Hermann Wetzler (1881).    
   
Von den in Kleestadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Amalie Mirjam Dahlberg (1874), David Dahlberg (1866), Emanuel Dahlberg (1873), Jakob Dahlberg (1881), Mathilde Jacob geb. Hecht (1871), Meta Mannheimer geb. Dahlberg (1900), Rosa (Rosy) Wartenberg geb. Hecht (1873).       
  
      
       
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
    
 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben      
Aufruf zu Spenden für die in Not geratene einzige jüdische Familie in Kleestadt (1902) 

Babenhausen Israelit 05051902.jpg (57640 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1902: "Bitte um schnelle Hilfe!  Am 20. April wütete in der Gemarkung Kleestadt bei Babenhausen ein furchtbares Unwetter. Gewaltige Wassermassen stürzten von den Bergen auf das Häuschen des dort wohnenden, einzigen Glaubensgenossen. Sein ganzes Hab und Gut stand unter Wasser. Die Spezereiwaren in seinem Lädchen sind fast alle verdorben, das angekaufte Brennholz ist fortgeschwemmt. Da nun von Seiten des Staates oder der Versicherungsgesellschaft eine Entschädigung nicht geleistet wird, so wenden wir uns an das edle Herz braver und wohltätiger Menschen und bitten um rasche Beihilfe.
Julius Seewald, Babenhausen (Hessen) und Lehrer Stein, Groß-Umstadt

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige von Siegmund Dahlberg (1901)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1901: "Suche 
für meine Tochter, 16 Jahre alt, in einem israelitischen Hause eine Stelle. Dieselbe ist in aller Hausarbeit, sowie auch im Kochen bewandert. Eintritt kan in ersten Tagen erfolgen. 
Siegmund Dahlberg
Kleestadt, Post Klein-Umstadt."   


   

     
Zur Geschichte der Synagoge

Eine Synagoge der Gemeinde befand sich an der heutigen Friedhofstraße. Nach den Recherchen von Thea Altaras diente zunächst (nach den Balkeninschriften 1780 und 1820) die im Hof (also von der Straße zurückgesetzte Gebäudehälfte) als Synagoge. Der vordere Gebäudeteil war Wohnhaus eines Bauern. 1820 wurde im vorderen Gebäudeteil die Synagoge eingerichtet. Nun wurde der dem Hof zugewandte Teil als Wohnhaus benutzt.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch SA-Leute verwüstet. Die Ritualien wurden vernichtet. Das Gebäude kam im Oktober 1939 für 370 RM in nichtjüdischen Besitz. 1964 wurde die ehemalige Synagoge abgebrochen und an ihrer Stelle ein neues Wohnhaus erstellt.
  
Eine kleine Gedenktafel ist vorhanden.  
  
  
Adresse/Standort der SynagogeFriedhofstraße 1 & 2

Fotos / Darstellungen
(Quelle: obere Reihe Altaras 1988 S. 128)

Langstadt Synagoge 080.jpg (31666 Byte) Langstadt Synagoge 081.jpg (55848 Byte) Langstadt Synagoge 082.jpg (76458 Byte)
Lageplan an der Friedhofstraße mit
 Eintragung der Synagoge 1780-1820 
und 1820-1938 (dunkel) sowie des 
neuen Wohnhauses von 1965 
  
Darstellung der Synagoge von 1780-1820
 (hell) und der Synagoge 1820-1938 (dunkel)
 sowie des neuen Wohnhauses von 1965 - die Zeichnung von Altaras wurde zur Angleichung an den Plan links horizontal gespiegelt.
Foto von 1986: das Gebäude links 
im Vordergrund steht an der 
Stelle der ehemaligen Synagoge(n) 
        
Fotos vom Frühjahr 2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.3.2009)
   
Langstadt Synagoge 904.jpg (56649 Byte) Langstadt Synagoge 902.jpg (85392 Byte) Langstadt Synagoge 900.jpg (63945 Byte)
Das an Stelle der Synagoge erbaute
 Wohnhaus (zum Anbau rechts hinter 
dem Haus = Hälfte der ehemaligen Synagoge
 von 1780-1820 vgl. den Plan oben)
Hinweistafel mit Text: "An dieser Stelle 
stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde
 Langstadt. Der letzte Gottesdienst wurde
 im September 1938 gehalten". 
Fotoperspektive ähnlich wie das 
Foto oben von 1986 
  
     
     

  
   
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Babenhausen 

Website zu Langstadt    

Literatur:      

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 52-53 (unter Babenhausen)
Babenhausen Lit 140.jpg (44459 Byte)Klaus Lötzsch und Georg Wittenberger (Hrsg.): Die Juden von Babenhausen. Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinden von Babenhausen, Langstadt, Sickenhofen und Hergershausen. Hrsg. im Auftrag des Heimat- und Geschichtsvereins Babenhausen. Babenhausen einst und jetzt, Beiheft 1. Babenhausen 1988. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 127-128.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 111.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 31.             

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Dezember 2011