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Kreis Gießen"
Holzheim mit
Grüningen (Stadt
Pohlheim, Kreis Gießen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Holzheim (mit Grüningen) bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts
zurück. Bereits 1640 werden jüdische Personen am Ort genannt. Holzheim und
Grüningen gehörten bis 1806 zum Fürstentum Solms-Braunfels.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: in Holzheim 1836 27 jüdische Einwohner, 1852 42, 1861 39 (3,3 % von insgesamt
1.179 Einwohnern), 1871 53, 1880 32 (4,4 % von 1.186), 1900 31 (2,8 % von
1.107), 1910 37 (3,2 % von 1.163). In Grüningen 1830 8, 1905 23, 1910:
15, 1925 9, 1932 10 jüdische Einwohner. 1838 gab es acht jüdische
Gewerbetreibende in Holzheim: vier Viehhändler und vier Hausierer. In der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert eröffneten mehrere der jüdischen Familien
Handlungen und Läden am Ort.
Eine offizielle Gründung der jüdischen Gemeinde erfolgte im Jahr 1836.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Schule, ein rituelles Bad und (auf Gemarkung Grüningen) ein Friedhof.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Gemeinde möglicherweise einen
jüdischen Lehrer, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war. Spätestens
seit Ende des 19. Jahrhunderts übernahmen auswärtige Lehrer den
Religionsunterricht der jüdischen Kinder. Die Gemeinde gehörte zum liberalen
Provinzialrabbinat in Gießen.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Albert
Weinberg.
Um 1924, als zur Gemeinde 26 Personen in etwa 12 Familien gehörten (2,2 % von insgesamt
1.190 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Moses Weinberg, Ferdinand Hess
(Grüningen) und Mayer Lindheimer. Als Vorbeter und Schochet war David Meyer in
der Gemeinde tätig (auch noch 1932). Damals erhielt ein jüdische Kind der
jüdischen Gemeinde, das eine höhere Schule in Gießen besuchte,
Religionsunterricht durch Lehrer Josef Marx aus Gießen. 1932 waren die
Gemeindevorsteher weiterhin Moses Weinberg (1. Vors.), Mayer Lindheimer (2.
Vors.) und Ferdinand Hess aus Grüningen (3. Vors.).
1933 lebten noch 19 jüdische Personen in Holzheim, 11 in Grüningen. In
den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (vier Personen in die USA,
eine nach Belgien; zwei Berlin sind 1935 nach Berlin gezogen, zwei 1939-40 nach
Mainz). 1939/40 wurden noch 13
jüdische Einwohner in Holzheim gezählt, von denen 1942 elf deportiert
wurden (vier davon in das Ghetto Theresienstadt). Von den in Grüningen
lebenden elf jüdischen Personen sind zwei in die USA emigriert, je eine
Abmeldung gab es nach Bad Nauheim (Altersheim) und nach Pohl-Göns; sieben
Personen verzogen nach Frankfurt.
Von den in Holzheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Gertrud Bamberger (1910),
Isaak Bamberger (1880), Meier Bamberger (1878), Rosalie Bamberger geb. Weinberg
(1881), Mathilde Daniel geb. Grünebaum (1876), Rosa Frohwein geb. Bamberger
(1880), Leopold Goldschmidt (1881), Mathilde Goldschmidt geb. Grünebaum (1871),
Abraham Grünebaum (1873), Abraham Grünebaum (1876), Bertha Grünebaum (1874),
Lily Herz geb. Weinberg (1891), Mayer Katz (1873), Rosa Katz geb. Bamberger
(1882), Adolf Lindheimer (1879), Friedrich Lindheimer (1908), Jettchen
Lindheimer geb. Hammerschlag (1883), Ludwig Lindheimer (1910), Mayer (Meier) Lindheimer
(1877), Rosa Lindheimer (1911), Veitel Lindheimer (1940), Betty Rosenthal geb.
Katz (1870).
Aus Grüningen sind umgekommen: Markus Engel (1877), Selma Engel geb.
Sommer (1880), Siegmund Engel (1873), Adolf Hess (1867), Emma Scheuer geb. Engel
(1866), Eliona Simon geb. Engel (1865), Meta Wallenstein geb. Engel
(1905).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Zur Anstellung eines gemeinsamen Wanderlehrers mit Sitz
in Wieseck schließen sich mehrere jüdische Gemeinden zusammen (1904)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 18. April 1904: "Gießen, 21. April (1904). Als Ergebnis
des Eintretens der hessischen Regierung für Anstellung nur seminaristisch
gebildeter Religionslehrer in den israelitischen Gemeinden ist eine
Vereinigung der jüdischen Kultusgemeinden von Wieseck,
Großen-Linden (statt
Gießen-Linden), Langgöns, Leihgestern,
Holzheim, Grüningen und Watzenborn-Steinberg
(statt -Steinbach)
zustande gekommen, um einen Wanderlehrer mit dem Sitze in Wieseck
anzustellen, zu dessen Gehalt die Regierung vorerst einen kleinen Zuschuss
leistet. Wenn die Einrichtung sich bewährt, ist die feste Anstellung des
Lehrers in Aussicht genommen. Man hört, dass auch in den anderen
oberhessischen Kreisen Verhandlungen schweben, die die Frage der
israelitischen Religionslehrer in gleicher Weise regeln
sollen." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Vorstandwahl der israelitischen Gemeinde Grüningen und
Holzheim (1922)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1922: "Grüningen,
10. Februar. Bei der Vorstandswahl der israelitischen Gemeinde Grüningen
und Holzheim wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder Moses Weinberg,
Kaufmann in Holzheim und Meier Lindheimer, Viehhändler in Holzheim, sowie
als neues Vorstandsmitglied Kaufmann Ferdinand Heß, Grüningen
gewählt." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der
jüdischen Häuser vorhanden. Dabei handelte es sich um eine Privatsynagoge
im Haus des Moses Weinberg (beziehungsweise seines Schwiegervaters) im
Gebäude Hauptstraße 50, wo in der rechten Gebäudehälfte, die als Betsaal
eingerichtet war, Gottesdienste abgehalten wurde. In der linken Gebäudeseite
lebte der Hausbesitzer.
Nach der Gründung der israelitischen Gemeinde in Holzheim (mit Grüningen),
kaufte die jüdische Gemeinde 1854 ein bestehendes Gebäude und richtete
darin eine Synagoge
ein. Das Gebäude hatte 33 Plätze für Männer, 12 für Frauen.
Beim Novemberpogrom 1938 sollte die Synagoge angezündet werden. Auf
Grund der Aufforderungen des Nachbarn, der um seine danebenliegende Scheune
fürchtete, wurde jedoch davon abgesehen. Die vom damaligen Bürgermeister
sichergestellten Bücher kamen in das Gemeindearchiv des Ortes. Das
Synagogengebäude kam in Privatbesitz.
1963 ließ der Besitzer, ein Landwirt, das Gebäude wegen angeblicher
Baufälligkeit abreißen. Nur ein Stück der gemauerten Einfriedung blieb
erhalten. Auf einem Teil des Synagogengrundstückes wurde ein Gebäude erstellt,
das als Werkstatt und Waschküche benutzt wurde.
Eine Gedenktafel für die ehemalige Synagoge wurde 2003
angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Im
Noll 3 (frühere Anschrift: Schulstraße 3)
Fotos
(Quelle: Altaras 1988 S. 82 und 2007 S. 201)
| Das Synagogengebäude 1958 |
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"Judenschule am
Noll" (Foto von 1958; Archiv K.H. Jung, Pohlheim) |
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Standort des Synagogengebäudes
nach seinem Abbruch
(Foto vom Mai 1985) |
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Blick auf den Hof, wo die
ehemalige Synagoge bis 1963 stand; im Vordergrund ein Stück der alten
Einfriedung. |
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Grundstück des
Synagogengebäudes
im Juni 2002 |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 387-388 und auch Bd. I S. 235 (innerhalb
des Abschnittes zu Gambach). |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 82. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 20078 S. 99.104. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S.46-47. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 170-171. |
 | Karl Heinrich Jung: Die Holzheimer Juden.
Manuskript, teilweise veröffentlicht in "Hessische Heimat" =
Wochenendausgabe Gießener Allgemeine Zeitung. 1988 Nr. 12/4 S. 45.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Holzheim
Hesse. Jews lived there from 1640 and the community gained official status
in 1836. It numbered 52 (4 % of the total) in 1880, but thereafter declined. In
the late 19th century the most extreme antisemitic party won 90 % of local votes.
Six of the 19 Jews who remained after 1933 managed to emigrate; 11 were deported
in 1942.

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