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Hemmersdorf (Großhemmersdorf,
Kerprichhemmersdorf) mit Niedaltdorf und Biringen
(Gemeinde Rehlingen-Siersburg, Kreis Saarlouis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In den Orten Großhemmersdorf, Kerprichhemmersdorf, Biringen
und Niedaltdorf bestand eine gemeinsame jüdische
Gemeinde bis nach 1933. Im 18. Jahrhundert werden erstmals in diesen Orten
jüdische Einwohner genannt, so in Hemmersdorf Sara Levy um 1785, die in zweiter
Ehe Isaak Kahn heiratete (Quelle: Dirk S. Lennartz: Fast vergessene Zeugen.
Juden in Freudenburg und im Saar-Mosel-Raum S. 221).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: in Großhemmersdorf 1824 8 jüdische Einwohner, 1895 12; in Kerprichhemmersdorf
1824 26 jüdische Einwohner, 1895 22. Zahlen aus Biringen und Niedaltdorf liegen
nicht vor. Die jüdischen Familienvorsteher waren als Viehhändler,
Kaufleute oder als Metzger tätig.
An Einrichtungen bestand in Großhemmersdorf ein Betraum / Synagoge
(s.u.). Möglicherweise gab es einen Raum für den Unterricht der Kinder,
vielleicht ein rituelles Bad. Die Anlage eines jüdischen Friedhofes war 1866
offensichtlich geplant, als hinter der Sakristei der Pfarrkirche in
Großhemmersdorf ein "Friedhof für Nichtkatholiken" angelegt wurde,
der wohl als jüdischer Friedhof gedacht war. Eine tatsächliche Belegung ist
jedoch nicht wahrscheinlich.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Moritz Michel
(geb. 2.7.1893 in Kerprichhemmersdorf, gef. 23.10.1916) und Salomon Michel (geb.
2.5.1893 in Kerprichhemmersdorf, gef. 15.6.1917).
Um 1924 wurden in Kerprichhemmersdorf 27 jüdische Einwohner gezählt;
Vorsteher der Gemeinde war H. Michel. Zahlen aus den anderen Orten liegen nicht
vor.
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wird aus Dillingen berichtet, dass mehrere
jüdische Schüler aus Niedaltdorf das Gymnasium (Realgymnasium) in Dillingen
besuchten. 1927 legte Rudi Max Michel aus Niedaltdorf das Abitur in
Dillingen ab.
In
den Jahren nach 1933 ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die letzten jüdischen
Einwohner werden 1942 aus den einzelnen Ort deportiert worden sein.
Von den in Hemmersdorf (Großhemmersdorf, Kerprichhemmersdorf) geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Josef Hanau (1883),
Benjamin Levy (1871), Edmund Michel (1904), Irma Michel geb. Michel (1908),
Isidor Michel (1895), Rosa Michel geb. Michel (1863), Milli Salm geb. Michel
(1889), Clementine Schwarz geb. Hanau (1880), Babette Süßkind (1866), Leo Süskind (1905), Sigmund Süskind (1870), Walter Süskind
(1906).
Aus Biringen ist umgekommen: Franziska Kahn geb. Frank
(1894).
Aus Niedaltdorf sind umgekommen: Max Isaac (1897), Else (Elsa) Lazar geb.
Michel (1894), Esther Lorig geb. Michel (1873), Max Michel (1896), Mertel Michel
(1899), Moritz (Maurice) Michel (1905), Rose Michel geb. Michel (1863), Trude
Michel (geb.?), Rosina Nadler (1888), Karolina Wolff geb. Michel
(1880).
Nach 1945 kehrte eine aus Niedaltdorf stammende Familie Michel zurück
und ließ sich in Wallerfangen nieder,
wo Leo Michel (1893-1967) als Viehhändler tätig war (vgl. Beitrag von Pascal
Strobel in der Literaturliste) .
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Goldene Hochzeit von Max Levy und Sara Levy geb. Hahn in
Kerprichhemmersdorf (1904)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. März
1904: "Kerprichhemmersdorf (Kreis Saarlouis). Herr Max Levy
und seine Gattin Sara Levy geb. Hahn feierten hier vor kurzem das seltene
Fest der goldenen Hochzeit. Der Ortsvorsteher überreichte dem Jubelpaare
die Ehemedaille. An der Feier nahmen die ganze israelitische und
katholische Gemeinde teil." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen des gemischten Warengeschäftes A. Isaac in
Niedaltdorf (1887 / 1901 / 1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1887:
"Zu Pessach. Feinsten Schleuder-Honig, 4 1/2
Pfund-Büchse 4 1/2 Mark franko Nachnahme versendet die Bienenwirtschaft
von
A. Isaac, Niedaltdorf bei Saarlouis." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1901:
"Lehrlings-Gesuch.
Für mein gemischtes Warengeschäft suche zum baldigen Eintritt
einen Lehrling unter günstigen Bedingungen. Junge Leute mit
Vorkenntnissen gegen sofortige Vergütung bevorzugt. Pension im
Hause.
Sabbat und Festtage geschlossen.
A. Isaac, Niedaltdorf, Bezirk Trier." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1904: "Lehrling
zum baldigen Eintritt für mein gemischtes Warengeschäft unter günstigen
Bedingungen gesucht.
Freie Pension im Hause.
A. Isaac, Niedaltdorf bei Saarlouis." |
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Moses Michel in
Kerprichhemmersdorf (1906)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Juli 1906:
"Lehrlingsstelle sucht
junger Mann in einem Manufakturwarengeschäft. Offerten bitte zu richten
an
Moses Michel, Kerprichhemmersdorf, Kreis
Saarlouis." |
Zur Geschichte der Synagoge
Ein Betraum in Großhemmersdorf bestand Mitte des 19.
Jahrhunderts (1850 nachgewiesen). 1863 wird eine Synagoge genannt.
Eintragung
der jüdischen Gemeinde unter "Niedaltdorf" in:
"Allgemeines Lexicon sämmtlicher jüdischen Gemeinden
Deutschlands..." von B. Heidingsfelder. Frankfurt am Main
1884:
"Niedaltdorf, Rheinpreußen, bh. Saarlouis, 539 Einwohner.
Synagoge in Groß-Hemmersdorf,
H.: Abr. Isaac, Hirsch Michel". |
1892
war die Synagoge für die in den vier Orten lebenden jüdischen Personen zu klein
geworden. Da das Gebäude in baulich schlechtem Zustand war, sollte es auf
Abbruch verkauft werden. Ein neues Gebäude wurde erworben, um es zur
Synagoge umzubauen. Dabei handelte es sich um ein zweigeschossiges Haus, in dem
neben dem Betraum auch Wohnräume vorhanden waren. Eine hierfür
durchzuführende Kollekte (Haussammlung) wurde zwar behördlicherseits nicht
genehmigt, dennoch wurde das Gebäude als Synagoge eingerichtet.
Noch vor 1935 wurde die Synagoge in Großhemmersdorf aufgegeben. 1939/40 wurde
es während der Zeit der Evakuierung aus der Roten Zone zusammen mit den
Nachbarhäusern abgebrochen.
Adresse/Standort der Synagoge: Schoppachstraße
Fotos
Fotos zur
jüdischen Geschichte in Hemmersdorf (bzw. den vier einzelnen Orten)
sind nicht vorhanden. |
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"Stolpersteine"
in Hemmersdorf -
siehe Informationen über
den Link unten |
Fotos zur den
"Stolpersteinen"
in Hemmersdorf werden noch erstellt
über Zusendungen freut sich der Webmaster - Adresse siehe Eingangsseite. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 443 mit weiteren Literaturangaben). |
 | Pascal Strobel: Erlebnisbericht von Henriette Rotfuchs.
2005 als pdf-Datei online zugänglich |

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