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Hahnstätten (VG
Hahnstätten, Rhein-Lahn-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Hahnstätten bestand eine jüdische Gemeinde bis nach 1933, deren
Entstehung mindestens in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurückgeht. 1714 lebten
zehn jüdische Familien mit zusammen 51 Personen im Amt Hahnstätten (die
jüdischen Familien des Judle, Lemle, David der Ältere, David der Jüngere,
Gumbel, Debel, Elias der Ältere, Elias der Jüngere, Affron, Gumbels Witwe).
Damals gab es im Amt Hahnstätten mehr jüdische Personen als zur selben Zeit in
der Stadt und im Land Diez. Die jüdischen
Familien lebten ausschließlich vom Viehhandel.
Bis 1746 und 1770 ging die Zahl der jüdischen Familien jedoch -
vermutlich auf Grund der rigider werdenden Judenpolitik im Herzogtum Nassau - auf jeweils drei
zurück. 1746 werden genannt: der Viehhändler Jud Judle mit seinem
verheirateten Sohn Scholem, der Kram- und Fruchthändler Jud Anschle und der
Viehhändler Jud Jacob. 1770 hatte die Familie des Gumbrich Anschel einen
Kramladen, die Familie Loeb handelte mit Rindvieh, Scholems Witwe hatte nur
geringe Einkünfte, da sie "mit nichts" handelt. 1784 gab es
nur noch zwei jüdische Familien und eine Einzelperson: Jud Loeb, der einen
Viehhandel betreibt, Issak Gumbrich, der auch Viehhandel betreibt und in seinem
Haushalt noch ein "Mitweib" (vermutlich eine Magd) hatte.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Einwohner
zunächst langsam wieder zu: 1821 gab es vier jüdische Familien am Ort (Löwie
Salomon, Moses Löwie, Abraham Gumbricht und Witwe Isaak Gumbricht), 1841 und 1852 sechs Familien
(mit
24 Personen), um danach durch Aus- und Abwanderung wieder zurückzugehen (1895 6
jüdische Einwohner, 1900 5, 1910 3, 1925 wieder 14).
1841 werden die neuen Familiennamen der jüdischen Familien genannt: die
Familien des Jacob Isaak, des Bernhardt Isaak und des Gumbel Levi nahmen den
Namen Adler an. Die Familie des Levi Salomon wollte zwar den Namen
Salomon als Familiennamen behalten, was jedoch nicht genehmigt wurde - nun
wählen sie den Namen Grünwald. Die Familie des Salomon Hirtz/Hirsch
hieß seitdem Hirschland und die des Moses Levi Löwensohn.
Im 19. Jahrhundert
gehörten auch die in Niederneisen, Oberneisen und
Kaltenholzhausen lebenden jüdischen
Familien zur Gemeinde in Hahnstätten, bis diese von 1928 bis nach 1933 der Gemeinde in Flacht
zugeteilt wurden. 1865 gab es in Kaltenholzhausen drei, in Oberneisen
eine, in Niedereisen zwei jüdische Familien. 1875 waren es in
Kaltenholzhausen drei, in Niederneisen und Oberneisen jeweils noch eine
Familie.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich
als Vorbeter und Schochet tätig war. Bereits 1714 wird ein
"Schulmeister" der jüdischen Gemeinde genannt. Bei einer Lehrerversammlung des
Bezirksrabbinates Diez, die 1843 in Limburg
abgehalten wurde, wird als Teilnehmer aus Hahnstätten Lehrer Freund
genannt. 1865 war als Lehrer Lewi Dickstein (aus Staatisca/Russisch Polen)
angestellt. Die Gemeinde gehörte nach 1843 zum Bezirksrabbinat Diez, nach dessen
Auflösung 1860 zum Bezirksrabbinat (Bad) Ems (später Ems-Weilburg).
Von den in Hahnstätten geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Moritz Adler (1857), Max Hermann
(1885), Clotilde Strauß geb. Adler (1882), Greta (Gerda) Strauß (1915).
Aus Kaltenholzhausen ist umgekommen: Fanny Hirsch geb. Löwenthal (1850,
im Alter von 92 Jahren von Frankfurt nach Theresienstadt deportiert, wenig
später in das Vernichtungslager Treblinka).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in
Flacht gefunden. |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge wurde 1713 eingerichtet, zuvor bestand vermutlich bereits ein
Betsaal.
1841 wird über die Synagoge (Betstube) berichtet, dass sie im
Obergeschoss des Wohnhauses der jüdischen Familie Bernhardt Isak (Bernhard
Adler) lag. Es handelte sich wahrscheinlich noch um dasselbe Gebäude wie 1713.
Bei der Synagoge handelte es sich um zwei Räume im zweiten Stock, wobei der
kleinere Raum für die Frauen, der größere für die Männer eingerichtet war.
Insgesamt hatte es Platz für 50 Personen. Um 1843 bestand der Plan, eine neue Synagoge zu bauen. Er wurde
nicht ausgeführt. 1867 sollte die Synagoge geschlossen werden, die Hahnstätter
Juden wurden behördlich angewiesen, von nun an die Synagoge in Kirberg zu
besuchen, doch konnte dies nicht durchgesetzt werden.
In den 1920er-Jahren wurde
der Frauenraum der Synagoge aufgegeben.
1936 wurde das Gebäude verkauft, die
Ritualien und die Torarollen an den Bezirksrabbiner in Koblenz und den Rabbiner
in Bad Ems gegeben.
Adresse/Standort der Synagoge: Dahlstraße 1
Fotos
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 178 und Pinkas Hakehillot S. 539)
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Die Synagoge in Hahnstätten,
die im oberen
Stockwerk des Gebäudes eingerichtet war
(Foto von Mina Dörner in Hahnstätten
in: Jungbluth s.Lit. S. 6) |
Innenaufnahme der Synagoge in
Hahnstätten mit Blick auf Vorbeterpult
und Toraschrein |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 539-540 (im Artikel zu Flacht). |
 | Uli Jungbluth: Jüdisches Leben in unserer Region -
Jüdisches Leben in Hahnstätten. In: Sachor. Beiträge zur Jüdischen
Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Nr. 1/1997 Heft
Nr. 13 S. 5-10. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 178 (mit weiteren Literaturangaben).
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