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Eltville am Rhein
mit Erbach, Hattenheim und Rauenthal (Stadtteile von Eltville),
sowie Kiedrich (alle Rheingau-Taunus-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Eltville
bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Bereits im Mittelalter gab es zeitweise mehrere jüdische Familien in der
Stadt (Stadtrechte seit 1332), vermutlich kam es auch zur Gründung einer
kleinen Gemeinde (innerhalb des Gemeindeverbandes Mainz-Rheingau). 1331
wird Salman von Eltville in Frankfurt als Bürger aufgenommen. 1342-1343 verpfändete
der Mainzer Erzbischof Heinrich III. von Virneburg seine Steuern von den
Eltviller Juden an Abraham von Kreuznach.
1343 werden vorübergehend Jakob ben Mose mit Sohn und Schwiegersohn in Eltville
genannt. Sie ließen sich später in Bingen
nieder. Bei der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurden auch in
Eltville Juden ermordet.
1354 werden wieder Juden genannt. 1356 und nach 1384 wanderten mehrere jüdische
Personen beziehungsweise Familien in der Stadt zu, die wiederum durch die
Erzbischöfe von Mainz aufgenommen wurden. Auch im 15. Jahrhundert ließen sich
mehrere Juden aus anderen Städten in Eltville nieder (1437 aus Worms, 1438
einer oder mehrere aus Mainz, 1467 fünf jüdische Personen, darunter einer aus
Eppstein); mehrere Eltviller Juden werden in anderen Städten genannt (Heidelberg,
Dortmund, Frankfurt, Mainz,
Windecken).
Sie lebten zumindest teilweise vom Geldhandel. Ein jüdischer Arzt wird 1362
genannt. 1467 und danach lebte ein Rabbiner namens Cossmann in Eltville. Die
damals in der Stadt verstorbenen Juden wurden in Mainz
beigesetzt.
Von einer Vertreibung der Juden aus Eltville ist nichts bekannt. Keine Erwähnungen
von Juden in der Stadt liegen jedoch aus der Zeit zwischen 1517 und 1603 vor.
Die Entstehung der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde geht in das 17./18.
Jahrhundert zurück. 1603 wird eine jüdische Familie in der Stadt
genannt, 1627 zwei, 1659 drei, 1691 und 1718 sind es vier jüdische Familien. Im
18. Jahrhundert gehörten (nach der Synagogenordnung von 1787) die in
Erbach
(Juden seit 1643 genannt), Oestrich,
Neudorf,
Kiedrich,
Rauenthal,
Hattenheim sowie
Ober-
und Niederwalluf lebenden jüdischen
Personen zur Gemeinde in Eltville.
1749 wurde "Jacob Marx aus Eltville im Rheingau iudeus" an der
Universität in Frankfurt a.d. Oder immatrikuliert, möglicherweise identisch mit
dem einige Jahre später bekannten Arzt in Hannover Mordechai Jacob Marx (in:
Louis Lewin: "Die jüdischen Studenten an der Universität in Frankfurt a.d. Oder"
in "Jahrbuch der Jüdisch-literarischen Gesellschaft XV 1923 S. 59-97, Nennung S.
67).
1842 wurden feste jüdische
Familiennamen angenommen: in Eltville Neumaier, Meier, Mannheimer und
Meiersohn, in Rauenthal Neumann (vgl. zur Geschichte der Familie
https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/judenhaus-nerotal-53/karolina-neumann-genannt-lina-und-ihre-familie/), in Kiedrich Nathan und in Mittelheim Loeser; zu
Oestrich
siehe dort.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1825 34 jüdische Einwohner, 1842 28, 1871 28 (0,9 % von
insgesamt 2.585 Einwohner), 1885 51 (1,5 % von 3.340), 1895 58 (1,6 % von
3.646, in 25 Familien), 1900 49 (28 männlich, 21 weiblich), 1905 32 (0,8 % von 4.065).
Weiterhin gehörten die in Orten der Umgebung lebenden jüdischen Personen zur jüdischen
Gemeinde in Eltville, so die in Erbach (1865 eine Familie,
1901 10 Personen in 2 Haushaltungen),
Kiedrich, Oestrich
(zeitweise auch selbständige Gemeinde),
Mittelheim und
Rauenthal (1865 vier
Familien, 1901 17 Personen in 3 Haushaltungen) lebenden jüdischen Einwohner. Zusammen
mit den in den umliegenden Orten lebenden jüdischen Einwohnern gehörten zur
jüdischen Gemeinde Eltville teilweise weit über 100 Personen (nach
"Statistischem Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1887 S. 15:
Eltville: 124 Gemeindeglieder, 1905: 90).
Die jüdischen Familien waren angesehene Händler, teilweise mit Läden
in der Stadt, Handwerker und Metzger.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule,
ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Bis nach der Mitte
des 19. Jahrhunderts bestellten einzelne Familien der Gemeinde Privatlehrer zum
Unterricht ihrer Kinder. So beantragte 1824 Nathan Joseph aus Kiedrich die
Anstellung von Lehrer Mayer Salomon aus Bayern zum Unterricht seiner
Kinder. Noch um 1855 wird Lehrer Feist Strauß als Lehrer auf einer
"Privatstelle" in Eltville genannt (zu ihm auf Seite zu
Oettingen).
Schließlich wurde eine Religionsschule der Gemeinde eingerichtet. Der
Unterricht wurde in der Synagoge oder in Privaträumen erteilt. Genannt werden
als Lehrer: 1847 M. Heymann aus Bingen,
um 1855 Lehrer M. Morgenthal aus
Holzappel, 1862/66 Lehrer E. Levi (wird verschiedentlich im
Zusammenhang mit der Gründung eines Lehrerunterstützungsvereins für
Hessen-Nassau / Deutschland genannt, siehe Bericht unten), 1868
Salomon Bloch aus Schüttüber (Sudetenland, heute Malá Šitboř); von 1870
bis 1913 Lehrer Simon Ackermann (1895 unterrichtete er 19, 1901 12
Kinder an der Religionsschule; um 1893/95 unterrichtete Ackermann auch die
damals 15 Kinder in Schierstein, gest.
1915). Seit der Zurruhesetzung von Lehrer Ackermann wurden
die Schüler der Gemeinde Eltville durch den Lehrer aus Schierstein (Arnold
Katzenstein, siehe Bericht unten) unterrichtet. Der
Vorbeterdienst wurde meist ehrenamtlich verrichtet. Anfang 1921 wird in einer
Meldung zur Gründung eines jüdischen Jugendvereins in Oestrich-Winkel "Lehrer
Adler aus Eltville" genannt (siehe unten; Adler wird auch genannt bei
einer Spendensammlung für die "Ukrainehilfe" in "Blätter ... der Agudas Jisroel"
vom 8. September 1921 S. 4). Über ihn liegen noch keine weiteren
Informationen vor.
Die Gemeinde gehörte zum
Rabbinatsbezirk Wiesbaden.
Von jüdischen Vereinen werden in Eltville genannt: Ein "Israelitischer
Brüderschaftsverein" (1901 unter Leitung von R. Rosenthal in Oetrich), ein
"Israelitischer Krankenverein" (1901 unter Leitung von A. Strauß in
Geisenheim und Lehrer S. Ackermann in Eltville).
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1887 J. Nathan, S. Nathan,
S. Heymann; um 1895/1901 J. Nathan, Emil Haimann, S. Nathan und S. Rosenthal in
Oestrich.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: aus Eltville
Jacob Mannheimer (geb. 11.2.1884 in Eltville, gef. 7.7.1918) und Sally Neumann
(geb. 3.4.1889 in Rauenthal, Rheingau, gef. 13.5.1916) sowie Max Lehmann aus
Oestrich
(geb. 24.9.1890 in Gissigheim, gef. 30.9.1915). 1931 wurde für sie in der
Synagoge eine Gedenktafel angebracht. Außerdem sind aus Eltville gefallen: Max
Haimann (geb. 21.7.1886 in Eltville, vor 1914 in Kein wohnhaft, gef. 25.9.1915)
und Josef Simons (geb. 1.10.1879 in Eltville, vor 1914 in
Friedberg wohnhaft, gef. 11.8.1918), aus Oestrich Hugo Wertheim (geb. 2.11.1869 in Oestrich, vor
1914 in Saarlouis wohnhaft, gef. 10.6.1915) und Sally Rosenthal (geb. 19.2.1872
in Oestrich, gef. 4.9.1917).
Um 1924, als 48 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt wurden (1,2 %
von insgesamt 4.137 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Jacob Simons,
Leopold Bach und Max Neumann. Den Religionsunterricht der damals acht jüdischen
Kinder der Gemeinde erteilte der bereits genannte Lehrer Arnold Katzenstein aus
Schierstein.
1932 waren die Gemeindevorsteher Leopold Bach (1. Vors.) und Eduard Rosenthal
(2. Vors.). Weiterhin unterrichtete Lehrer Katzenstein aus Schierstein die im
Schuljahr 1931/32 insgesamt elf Kinder der jüdischen Gemeinde.
1933 lebten noch 37 jüdische Personen in Eltville (0,9 % von
insgesamt 4.340 Einwohnern); in Kiedrich lebte bis 1937 die Familie des
Schriftstellers Gerson Stern. In den folgenden Jahren sind die meisten der in
den beiden Orten auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der
zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (Wiesbaden, Frankfurt)
beziehungsweise ausgewandert. Zehn Personen konnten in die USA auswandern, je
eine Person nach Palästina/Israel und nach London. Auch die Familie des
Schriftstellers Gerson Stern aus Kiedrich ist nach
Palästina emigriert. Drei Personen sind nach 1933 in Eltville verstorben. Die
letzten jüdischen Einwohner wurden von Eltville aus deportiert. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge geschändet und verwüstet (s.u.). 1939 wurden noch
sechs jüdische Personen in Eltville gezählt.
Von den in Eltville geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Joanna
Arnold geb. Italiaander (1873), Bertha Bender geb. Mannheimer (1879), Paula
Ensgraber geb. Heyum (1887), Regina Grohé geb. Mannheimer (1889), Emma Lesem
geb. Ackermann (1874, Tochter von Lehrer Simon Ackermann, Stolperstein in
Mainz-Altstadt s.u.), Gunda Loeb geb. Mannheimer (1879), Erna Lähnemann geb.
Baar (1893), Alfons Mannheimer (1886), Alfred Mannheimer (1914), Betty
Mannheimer geb. Levi (1877), Günter Mannheimer (1925), Moritz Mannheimer
(1868), Otto Mannheimer (1924), Walter Mannheimer (1919), Artur Neumann (1921), Lore Neumann (1926), Friedel Simons (1918), Helene Simons (1887), Julius
Simons (1878), Elsa Stern (1911).
Aus Hattenheim ist umgekommen: Manfred David Winterfeld (1928,
"Stolperstein" für ihn und seine Mutter Betty Winterfeld geb. Marx in Mainz).
Aus Kiedrich werden in den angegebenen Listen keine Personen genannt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Kurze
Beschreibung der jüdischen Gemeinde Eltville mit Kiedrich (1936)
Aus einem Beitrag "Von Frankfurt zur Lahn" -
Artikel wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der jüdischen
Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober 1877 in
Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Weitere
Informationen:
https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).
Artikel im
"Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom 20. Juli 1936:
"Eltville.
Ort wohl aus der Römerzeit, erhält 1331 Stadtrecht, gilt damals als
Hauptstadt des Rheingaus, wird Standort Günthers von Schwarzburg, der
hier, von Karl IV. belagert, der Kaiserwürde entsagt (1349). In demselben
Jahr Judenverfolgung ('schwarzer Tod')! – Synagoge, um 1830 erbaut,
Schwalbacher Straße, nicht weit davon Friedhof, neben dem allgemeinen. —
Am Kiedricher Bach aufwärts durchs Kiedricher Tal in 1 Std. nach Kiedrich.
Hier schrieb Gerson Stern, der hier lange Jahre als Kaufmann lebte
und nebst seiner Gattin Außerordentliches für die Verinnerlichung und
jüdische Erfülltheit der Juden des Rheingaues leistete und leistet, seine
viel gelesenen Romane 'Weg ohne Ende' und 'Auf drei Dingen steht die Welt'.
Der Flecken Kiedrich hat dank der Bemühungen des englischen Baronets Sutton
sein altertümliches Gepräge erhalten können. Die Pfarrkirche, 1481
abgeschlossener Bau, sehr sehenswert, desgl. der Bassenheimer Hof, der
'Lange Hof' und zahlreiche Holzhäuser. Über Kiedrich die Ruine
Scharfenstein, 1/4 km oberhalb Kiedrich der Kiedricher Sprudel, die
'Virchowquelle'. — Einer der schönsten Wege des Rheingaus: Vom Schwalbacher
Tor in Kiedrich nach Kloster Eberbach..." |
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| Ergänzend: in einer Reisebeschreibung
einer "Dampferfahrt auf dem Rheine" in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 25. Juni 1925 heißt es von Eltville (allgemein, ohne Bezug zur
jüdischen Geschichte): "Das malerische Städtchen Eltville taucht auf.
An Inseln, Klippen und Riffen fährt das Schiff vorbei, die des Stromes Lauf
bestimmen. Auf beiden Seiten blühen die Reben im Tale und auf welligem
Lande, nette Villen und Landhäuschen mit hübschem Giebelwerk unten, und von
oben winken Ruinen alter Schlösser von nicht allzu großer Höhe, wie Zeugen
verflossener Jahrhunderte. Die Menschen oben haben den Strom fließen sehen
und die Wellen rauschen gehört wie die heutigen, auch die Reben sahen sie
blühen, Jahr für Jahr. Aber diese heimeligen Giebelhäuschen mit den bunten
Fenstern sahen sie nicht und auch nicht die rauchenden, fauchenden,
schlanken weißen Dampfer der 'Niederländer' und 'Köln-Düsseldorfer' Linie.
Viel Neues hat der Menschengeist seitdem erfunden und geschaffen, um das
Leben zu erleichtern, zu verschönern, mit etwas Liebe und Anmut zu
verbrämen. Aber das Alte hat seine Spuren hinterlassen. Und das Älteste ist
geblieben, gigantisch, gewaltig und unberührt, wie vor tausend Jahren: der
Rhein selbst und seine grünen Wogen." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet für Eltville und
Oestrich 1913 / 1920
Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. August 1913: "
Die Kultusgemeinde Eltville a. Rh. sucht zum 1. November dieses
Jahres einen
Lehrer und Schochet
bei einem Gehalt von Mk. 1000 und einem Nebeneinkommen von ca. Mk. 500.
Der Kultusvorsteher, gez. E. Haimann." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1920:
"Die Kultusgemeinde Eltville sucht möglichst per sofort einen
tüchtigen Lehrer, Schochet und Chasen.
Gehalt Mark 1.500 nebst
1.000-1.500 Mark Teuerungszulage sowie Nebeneinkommen. Offerte mit
Lebenslauf und Zeugnisabschrift an
Eduard Rosenthal, Oestrich am
Rhein." |
Lehrer E. Levi (Eltville) initiiert
mit zwei Kollegen die Gründung eines Lehrerunterstützungsvereines in
Hessen-Nassau (1863)
Artikel
in "Der israelitische Lehrer" vom 1. Januar 1863: "Aufruf an die
israelitischen Lehrer im Herzogtum Nassau!
Liebe Brüder, Freunde und Kollegen!
Es wird Euch aus diesen Blättern bekannt geworden sein, wie in den
verschiedenen Gegenden Deutschlands die israelitischen Lehrer sich
zusammenscharen, zur gegenseitigen Verbrüderung und Unterstützung, im Leben,
und im Beruf, in Not und Sorge.
Auch wir bedürfen sicherlich des erbebenden Genusses, der in der Vereinigung
gleichstrebender Genossen liegt, auch wir können der kollegialischen
Mitwirkung nicht entbehren in den schwierigen Lagen, in welche Leben und
Beruf uns bringen; auch wir können die Verbesserung unserer Stellung
anbahnen, wenn wir uns vereinigen, denn 'Einigkeit macht stark.' Auch
wir bedürfen, der Unterstützung in Krankheitsfällen, in den Jahren
unverschuldeter Dienstunfähigkeit! Auch unsere Frauen und Kinder harren als
Witwen und Waisen noch des Trösters und Annehmers! Nur allein der Vater der
Bedrängten, der Witwen und Waisen, kennt die Tränen. die von den Unsrigen
wohl in solchen Lagen mögen vergossen worden sein!
Auf denn, liebe Brüder, Freunde und Kollegen! Lasst auch uns in Nassau den
Brüdern in anderen Ländern folgen, und scharet euch zusammen zu einem Bunde
zu Schutz und Schirm, zum Trost und zur Beruhigung für uns und unsere
Teueren.
Wir sind überzeugt, unsere humane väterliche Regierung, die all denjenigen
wohl will, welche der religiösen Erziehung ihrer Staatsangehörigen ihr Leben
weihen, unsere Gemeinden und Religionsbeamten werden unser Unternehmen
gewiss kräftig unterstützen, und der Hüter Israel, der nicht schläft und
nicht schlummert wird sich unsrer annehmen, dass sich an unserem Werke
erfreuen die spätesten Geschlechter.
Die Redaktion dieser Zeitschrift wird gewiss bereit sein, das Organ dieser
Vereinigung zu bilden, alle betreffender Veröffentlichungen bringen* (*Anmerkung
der Redaktion: 'Mit Vergnügen'), und unser Unternehmen unterstützen.
Alle diejenigen Lehrer, welche an einer Vereinigung der israelitischen
Lehrer Nassaus, insbesondere zur Gründung einer Unterstützungskasse für
dienstunfähige Lehrer, deren Witwen und Waisen teilnehmen wollen, wollen
sich baldigst im protofreien Briefen an einen der Unterzeichneten wenden.
Sobald eine genügende Anzahl sich gemeldet haben wird, werden wir dies durch
diese Blätter bekannt machen lassen, und einen Tag zur Versammlung und
Entwerfung der Statuten etc. bestimmen.
Eltville, am 15. Dezember 1862.
E. Levi, Lehrer zu Eltville. S. Friedberg, Lehrer zu
Nastätten. S. Friedberg, Lehrer
zu Ruppertshofen." |
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| Zwar kam es zunächst nicht zur Gründung
eines Lehrerunterstützungsvereins in Hessen Nassau, doch im Sommer 1864 zur
Gründung eines "Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer
Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland". Das Protokoll der
ersten Generalversammlung dieses Vereines, die im jüdischen Gemeindesaal
in Mainz am 22. und 23. August 1864 abgehalten wurde, findet sich in "Der
israelitische Lehrer" vom 15. September 1864 S. 1-4. Bei der
Gründungsversammlung des Vereines war auch Lehrer E. Levi aus Eltville
anwesend. Protokoll siehe über
Link. |
Lehrer E. Levi in Eltville wird bei einer Lehrerkonferenz
in Singhofen genannt (1864)
Artikel
in "Der Israelitische Lehrer" vom 6. Oktober 1864:
"Aus Nassau. Zu Singhofen
(Amt Nassau) hat am 19. September eine Versammlung israelitischer Lehrer zu
dem Zwecke stattgefunden, einen gemeinsamen Anschluss an den
Unterstützungsverein zu bewerkstelligen. Diese Versammlung war von den
Herren Friedberg aus Nastätten,
Morgenthal aus Holzappel,
Emmel aus Limburg, Levi aus
Eltville, Laubheim aus Singhofen,
Aron aus Kördorf (nicht:
Kirdorf), Friedberg aus
Ruppertshofen besucht (Heymann aus
Schierstein hatte seine Verhinderung
angezeigt). Als vorzüglichster Erfolg dieser Vorberatung haben wir vorläufig
mitzuteilen, dass Anfangs November eine größere Versammlung in
Limburg a.L. stattfinden soll, und dass
als Vertrauensmann Herr Friedberg aus
Ruppertshofen bestimmt worden,
welcher die Einladung (an Rabbiner, Vorstände, Lehrer und Gemeindeglieder
erlassen wird, und bei welchem auch die Anmeldungen zu machen sind. Die
betreffende Ansprache wird in einer der nächsten Nummern des 'Israelitischen
Lehrer' erscheinen." |
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Weitere Erwähnungen von Lehrer Levi in
Eltville: in "Der israelitische Lehrer" vom 18. Februar 1864 S. 28; in "Der
israelitische Lehrer" vom 23. Februar 1865 S. 32; in: "Der israelitische
Lehrer" vom 24. Mai 1866 S. 6 und 14. Juni 1866 S. 102. Dabei hat Lehrer
Levi immer wieder Spenden für den Lehrerunterstützungsverein gesammelt und
weitergereicht.
Lehrer Levi hielt an der Idee eines Lehrervereines für Nassau fest und lud
die Lehrer Nassaus hierzu auf den 26. Dezember 1866 zu einer Besprechung in
seiner Wohnung in Eltville ein, in: "Der israelitische Lehrer" vom 22.
November 1866 S. 194. |
Aufruf in "Der israelitische Lehrer" vom 22. November 1866: "An die
israelitischen Lehrer des vormaligen Herzogtums Nassau. 'Da sprachen
zu ihm seine Weisen...' Wenn sie weise sind, Wie ein Menschenkind; Tun
sie erspähen, Was wird erstehen!?
Liebe Kollegen !
Die Kriegswirren der letzten Zeit, die mit Gottes Hilfe hinter uns sind,
sowie die verschiedenartigsten Ideen, die sich in Betreff unserer künftigen
Existenz eben jetzt durchkreuzen, führen wohl dem israelitischen
Religionslehrerstand des ehemaligen Herzogtums Nassau die Pflicht sehr nahe,
sich alsbald seinen Standpunkt näher klar zu machen.
Die Unterzeichneten haben sich daher bei einer Vorversammlung zu
Holzhausen, Amts Wehen, am 5.
November dieses Jahres besprochen, dass es allernächstes Bedürfnis und
heilige Pflicht für uns sein möchte, soviel als möglich unsere zukünftige
Lage in Erwägung zu ziehen und uns klare Einsicht hierüber zu verschaffen.
Wir laden daher alle Kollegen zur Besprechung dieser so wichtigen und
heiligen Angelegenheit, sowie zum Entwurfe einer Petition dieses Betreffs an
das hohe königliche Ministerium zu Berlin zu einer Versammlung auf den 26.
Dezember laufenden Jahres, Vormittags, nach Eltville bei Herrn Lehrer
Levi ein.
Diesen so heiligen und uns nahe berührenden Punkt glauben wir nicht weiter
empfehlen zu müssen, und dürften schon wohl mit Zuversicht auf eine
zahlreiche Versammlung hoffen, da diese bezügliche Versammlung nur unseren
und der Gemeinden Interessen förderlich sein kann. Wir bitten, dass alle
Sonderinteressen um des lieben Ganzen und Guten Willen, beiseite geschoben
werden, und geben der Hoffnung Raum, dass sich dieses Mal der sonst so
bewährte Lehrerstand seiner eigenen Sache bewusst sei und ein Jeglicher sein
geistiges Scherflein dazu beitrage.
Kollegialischen Gruß und Handschlag!
Holzhausen ü./A., 5. November 1866. Friedberg in
Nastätten. Burger in
Laufenselden, Friedberg in
Ruppertshofen, Kahn in
Holzhausen." |
Über Lehrer Simon Ackermann (1870
bis 1913 Lehrer in Eltville)
Simon Ackermann ist am 13. Dezember
1847 in Villmar geboren als Sohn von Wolf
Ackermann und seiner Frau Eva geb. ?. Er war verheiratet mit Regina
(Rahel) geb. Pickarth, die am 19. Februar 1851 als Tochter des Löb
Pickarth in Oestrich und seiner Frau
Amalie geb. Lorch aus Bingen geboren ist.
Die beiden hatten eine Tochter Emma (geb. 3. August 1874 in Eltville,
verheiratet am 23. Juli 1896 in Eltville mit Ludwig Lazarus Lesem,
geb. 7. April 1863 in Zweibrücken;
Emma Lesem wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, 1944 in das
KZ Auschwitz und ermordet. Stolperstein seit 2019 in Mainz-Altstadt,
Schusterstraße 44).
Simon Ackermann war zunächst Lehrer in
Flörsheim, von 1870 bis 1913 in
Eltville (wohnhaft Eltville: 1877/81 Burgstraße 121, 1896 Schwalbacherstraße
21. Nach seiner Zurruhesetzung 1913 blieb er in Eltville wohnen
(Taunusstraße 32).
Simon Ackermann starb am 14. November 1915 in Eltville (bestätigt durch
Standesamt Eltville, Sterbenebenregister 1911-1920 Nr. 97, HStAMR 919 Nr.
993, siehe Bericht zur Beisetzung unten) und wurde auf dem dortigen Friedhof beigesetzt. Seite Frau Regina
starb am 6. August 1921 und wurde ebd. beigesetzt. |
Hinweis: es gab einen weiteren Lehrer Simon Ackermann (geb.
20. Juni 1876 in Hermeskeil, 1896 Lehrer in Villmar,
dann bis 1907 Lehrer in Simmern,
anschließend bis zu seinem Tod 1930 Lehrer in Salzwedel, gest. 12. April
1930 in Magdeburg-Sudenburg). War verheiratet mit Bella geb. Cahn (geb. 16.
Dezember 1879 in Rülzheim, umgekommen
nach Deportation am 24. Februar 1944 im Ghetto Theresienstadt. Die beiden
hatten zwei Söhne: Sally (geb. 1907 in Simmern, gest. 9. März 1933 in
Salzwedel, Kurt, geb. 30. September 1909 in Salzwedel.
Hinweis:
Eventuelle verwandtschaftliche Zusammenhänge konnten noch nicht geklärt
werden.
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Zum Tod von Lehrer Simon Ackermann
(1915)
Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 23. Dezember 1915:
"Eltville am Rhein. Dienstag, den 16. November, betteten wir die
sterblichen Reste eines würdigen Lehrers, Herrn S. Ackermann zur
Ruhe. Der Verstorbene hatte in Treue seinem heiligen Berufe seit seinem 18.
Jahre bis zu seiner im vorletzten Jahre erfolgten Pensionierung über 45
Jahre obgelegen. Die letzten 35 Jahre wirkte er in unserer Gemeinde. Daneben
erstreckte sich seine Wirksamkeit über verschiedene Gemeinden des
Rheingaues. Ackermann war ein Lehrer alten Schlages mit gediegenem jüdischen
Wissen und unbeirrbarer Treue in religiöser Beziehung, dabei aber frei von
jeder Intoleranz. Sein Leichenbegängnis zeigte klar, dass mit ihm eine
Persönlichkeit dahingegangen ist. Ein für die hiesigen Verhältnisse sehr
großes Gefolge — selbstredend die ganze jüdische Gemeinde — und viele
Schüler aus der Umgegend von Mainz und Wiesbaden. Die Leichenrede hielt
Bezirksrabbiner Dr. Kober aus Wiesbaden, der das Wirken des
Verlebten in zündenden Worten rühmte und die Gemeinde ermahnte, in den
vorbildlichen Bahnen ihres Lehrers weiter zu wandeln. Vor allen Dingen sei
es in den kleinen Gemeinden unbedingt erforderlich, dass der
Religionsunterricht erhalten bleibe und die Opfer zu seiner Pflege willig
gebracht werden. Als Freund der Familie sprach Rabbiner Professor Salfeld
aus Mainz, der das treue und innige
Familienglück des Dahingeschiedenen pries und sein jüdisches Heim auf
jüdisch-historischem Boden als vorbildlich rühmte. Zuletzt sprach im Namen
des Vereins israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau Lehrer
Capell - Wiesbaden
Abschiedsworte an den lieben, treuen und edlen Kollegen und persönlichen
Freund." |
Lehrer Arnold Katzenstein aus
Schierstein unterrichtet seit etwa 1915 auch in Eltville (1930)
Artikel
in "Israelitisches Familienblatt" vom 15. Dezember 1930: "Wiesbaden-Schierstein.
Herr Arnold Katzenstein konnte am 15. Januar auf eine 40jährige
Amtstätigkeit als Lehrer und Kantor zurückblicken. Von dieser Zeit amtiert
er allein 35 Jahre in Schierstein.
Seine arbeitsreiche Tätigkeit erstreckt sich seit mehr als 15 Jahren auch
auf die Gemeinden des Rheingaues Eltville und
Rüdesheim. Vor keiner Mühe
zurückschreckend ist er rastlos bestrebt, dass eine Jugend herangezogen
wird, die stolz auf ihr Judentum ist. Wegen seiner edlen Gesinnung und
Hilfsbereitschaft allen Menschen gegenüber ist er nicht nur von seinen
Glaubensgenossen geschätzt, sondern ebenso angesehen bei den übrigen
Mitbürgern." |
Berichte aus der jüdischen
Gemeinde
Die Verleumdung jüdischer Einwohner wird bestraft (1915)
Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 25. November 1915:
"Leipzig. (Bestrafte Verleumdung.) Beim Gouverneur der Festung Mainz
ging Ende Oktober 1914 aus der Stadt Eltville eine schriftliche
Eingabe ein, die mit 'A. Becker' unterzeichnet war. Das Schriftstück besagte
folgendes: 'Hier bei dem Juden Nathan S. wohnt jetzt dessen Tochter,
die in Paris verheiratet sei, sie habe einen sehr losen Mund über
Deutschland und sage immer, ihr Mann werde bald mit den Franzosen nach
Eltville kommen und sie nach Hause holen. Ferner hätten sich der Sohn
dieses Juden, Jakob S., und ein Arbeiter L. vom Militär gedrückt,
indem sie durch unlautere Machenschaften der Aushebungskommission gegenüber
einen schweren Herzfehler vorgespiegelt hätten. Die müssten jetzt richtig
herangenommen und nach Russland geschickt und dort kuriert werden.' Die vom
Gouvernement zu Mainz sofort eingeleitete Untersuchung ergab die völlige
Haltlosigkeit dieser schweren Vorwürfe. L. und Jakob S. waren keine
Drückeberger', sondern wegen tatsächlich vorhandener Krankheiten für
'vorläufig nur garnisondienstfähig' erklärt worden. Weiter stellte sich
heraus, dass die Unterschrift der Eingabe gefälscht war. Der in Eltville
wohnhafte Adolf Becker, die einzige als 'A. Becker" in Frage stehende
Person, kam nicht als Absender in Betracht. Vielmehr ist erwiesen, dass die
Ehefrau Katharina Witterstein die Schreiberin des Verleumderbriefes
gewesen ist und sich hierbei nach edler Verleumderweise fürsorglich mit
einem falschen Namen gedeckt hat. Die Witterstein wurde daher vom
Landgericht Wiesbaden am 7. Mai 1915) wegen Beleidigung und schwerer
Urkundenfälschung zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Schutz des § 193
StGB. kommt ihr nicht zu, da sie keine allgemeinen, staatsbürgerlichen
berechtigten Interessen hat wahrnehmen, sondern mittels der
Urkundenfälschung nur die ihr verhassten Personen hat anschwärzen und durch
Verwickelung in ein Strafverfahren schädigen wollen. Die Revision der
Angeklagten, die das Bewusstsein der Strafbarkeit ableugnete, hat jetzt das
Reichsgericht als unbegründet verworfen." |
Maßnahmen der Preußischen
Domänenverwaltung gegen jüdische Weinhändler (1935)
Mitteilung
in "Jüdische allgemeine Zeitung" vom 31. Juli 1935: "Wie der 'Westdeutsche
Beobachter' mitteilt, hat die Preußische Domänenvorwaltung in Eltville
beschlossen, den gesteigerten Wein erst nach acht Tagen zuzuschlagen
und sich in der Zwischenzeit eingehend nach dem Steigerer zu erkundigen. Der
'Westdeutsche Beobachter' bemerkt u.a. dazu, dass die Domänenverwaltung
jetzt auch in der Lage sei, gegebenenfalls nichtarischen Kommissionären
den gesteigerten Wein nicht zuzuschlagen, sondern dem Nächstbietenden oder
dem Drittem, wenn diese Wert darauf legten." |
Kleine Mitteilungen aus dem
Gemeindeleben
| - 1921: "Oestrich-Winkel
(Rheingau). Hier wurde unter Leitung des Herrn Lehrer Adler aus Eltville
ein jüdischer Jugendverein
gegründet" (in "Israelitisches Familienblatt" vom 6. Januar
1921 S. 4). |
- 1927 / 1928: der
Besitzer des Bahnhofshotel
Eltville stellt Räume für nationalsozialistische Treffen zur Verfügung.
Dazu schreibt die "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 23.
Oktober 1927 S. 607): "Wiesbaden. Wir begrüßen es mit Genugtuung, dass der
überwiegende Teil der Bevölkerung der Rheingauorte den Hetzreden
deutschvölkischer Agitatoren nicht folgt. Wenn der Besitzer des
Bahnhofshotels in Eltville hiervon eine Ausnahme macht und den
Nationalsozialisten seine Räume zu Versammlungszwecken zur Verfügung stellt,
wird er wohl auf die jüdischen Reisenden, die bisher sehr zahlreich dort
erschienen, gerne verzichten."
In Zusammenstellungen in: "Israelitisches Familienblatt" vom 10. Mai 1928 S.
9 und ebd. vom 12. Juli 1928 S. 9 "Wo Juden unerwünscht sind" wird das
Bahnhofshotel in Eltville (Besitzer Adolf Höltgen) aufgeführt unter "Judenfeindliche
Hotels und Pensionen". Im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. Juni
1929 S. 4 wird mitgeteilt, dass das Bahnhofshotel in Eltville aus der Liste
gestrichen werden kann. In der CV-Zeitung von 20. September 1929 S. 10 wird
berichtet, dass die Versammlungen der Nationalsozialisten in Eltville
inzwischen im Hotel Reisenbach
stattfinden. |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Wolf Meier aus
Flörsheim wird in den Schutz nach
Eltville aufgenommen (1807, Artikel von 1874)
|
|
Artikel in "Jüdische
Volkszeitung" vom 18. August 1874: "Zwei Original-Aktenstücke im Urtexte.
II. Nachfolgenden Schutzbrief eines Juden aus dem Fürstentum
Nassau-Saarbrücken wird nicht minder das Interesse unserer geschätzten
Leser erregen, wie der im Vorigen beigebrachte Beweis von der Art, wie die
alten Rabbinen zuweilen die 'Gewissensfreiheit', so anjetzo von den
Orthodoxen so lebhaft verteidigt wird, verstanden haben. Die 'Erneuerte
Ordnung' ist gedruckt und wurde das uns vorliegende Opus als 'Schutzbrief'
laut Beilage gegen Erlegung von Fünfzehn Dukaten dem 'Juden Wolf Meier
von Flürsheim" (Flörsheim)
gegeben, welcher in den landesherrlichen Schutz nach Eltville den 28.
Februar 1807 aufgenommen wurde. Also noch im Anfänge dieses
Jahrhunderts! Welcher sprechende Beweis vom Umschwung der Zeiten in diesem
kurzen Zeiträume. Als 'Zalsdax' (wohl Kurs der Ducaten?) ist noch die Summe
von fl. 8. 15. aufgeführt und mit den anderweitigen Stempel etc. 'Daxen'
machte es für jene Zeit immerhin ein erkleckliches Sümmchen. Für viel Geld
wenig Schutz und wenig Gnad, doch viel Straf und Ungnad! (Redaction.).
Es folgt der Text eines Fürstlichen Schutzbriefes - unterzeichnet 1732 von
Charlotta Amalia von Nassau-Dillenburg (1680-1738), Fürstin von
Nassau-Usingen vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Charlotta_Amalia_von_Nassau-Dillenburg"
|
Besuch der Kaiserin von Russland bei Gutsbesitzer Salomon
Marix in Eltville (1864)
Anmerkung: Der Bericht kann sich nur auf einen Besuch der russischen
Kaiserin bei der Familie Salomon Marix beziehen; wieso hier von Adolph Marx die
Rede ist, ist nicht bekannt.
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1864: "Eltville (Nassau), den
26. Juli (1864). Ihre Majestät, die Kaiserin von Russland, welche gegenwärtig
in Bad Schwalbach weilt, beehrte heute unseren Glaubensgenossen, den
Gutsbesitzer Herrn Adolph Marx, mit Allerhöchstihrem Besuche." |
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Salomon Marix war ein jüdischer
Tuch- und Seidenwarenhändler, der aus Paris stammte und sich 1849 in
Eltville niedergelassen hat. Er erwarb zwischen 1850 und 1860 91 Morgen
Land in der Stadt. Er besaß neben seiner Villa und dem 1864 erbauten
Gästehaus (spätere "Villa Elvers") an der Erbacher Straße
1 ein Haus am Burgplatz, ein Haus am Bahnhof und die Eltviller Aue
(bzw. Königsklinger Aue, 80 ha große Binneninsel im Rhein). Auch
in Johannisberg (Erwerb des Schlosses Hansenberg 1861) und Wiesbaden hatte
er Güter. Das Marix'sche Anwesen reichte vom Rheinufer bis zur Erbacher
Straße, von dort bis zur Wörthstraße und zum Kiliansring. Im Park der
Villa Elvers gab es eine Orangerie, Treibhäuser mit Aufenthaltsräumen,
verschiedene chinesische Pavillons, einen Weiher, auf dem Seerosen
blühten u.a.m.
In der Villa Marix gab es auch eine Synagoge.
Salomon Marx errichtete in Villmar eine durch Wasserkraft maschinell
betriebene Marmorfabrik auf der linken Lahnseite ("Nassauische
Marmorwerke"). |
Die
1864 als Gästehaus der Villa Marix erbaute, später sogenannte
"Villa Elvers" (Foto aus dem Artikel im "Wiesbadener
Kurier" vom 13.2.2009, siehe Link) war durch einen Übergang
mit dem Haus der Familie Marx verbunden. Zahlreiche prominente
Gäste konnte Salomon Marix hier empfangen, darunter die russische
Kaiserin, den König von Württemberg, Mitglieder der herzoglich
nassauischen Familie oder des preußischen Königshauses. Auch Albert
Schweitzer soll zu Gast gewesen sein. |
| Salomon Marx hatte zwei Söhne - Paul und
Myrtil - und eine Tochter Olga. Nach seinem Tod 1873 in
Wiesbaden wurde der Eltviller Besitz unter den Kindern aufgeteilt, Tochter
Olga erhielt die Eltviller Aue (daher auch "Olga-Insel"
genannt). Nach einigen Jahrzehnten wurden die Besitztümer der Familie
weiterverkauft. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Familie Marix keinen
Besitz mehr in Eltville. |
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| Links:
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Hinweis: Die Villa Elvers wird
2010/11 zu einem Wohnhaus mit hochwertigen Wohnungen umgebaut
(nähere Informationen siehe Artikel
in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10. April 2010 [pdf-Datei];
über das "Projekt "Villa am Park" siehe Website www.vap-gmbh.de). |
Zum Tod des Fruchthändlers Salomon
S. aus Biebrich in Eltville (1873)
Anmerkung: hinter der geäußerten Kritik im Artikel steht die Problematik, dass
nach jüdischer Tradition ein Verstorbener möglichst innerhalb von 24 Stunden
nach dem Tod beigesetzt werden sollte. Dem widersprach die inzwischen (teilweise
seit Anfang des 19. Jahrhunderts) geltende staatliche Vorschrift, dass eine
48-Stunden-Frist zwischen Tod und Beisetzung eingehalten werden sollte.
Beim Verstorbenen handelt es sich um Salomon Sender aus Biebrich, gest.
24. Juni 1873 und beigesetzt im alten jüdischen
Friedhof in Wiesbaden. Grab
https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/9337.
Artikel
in der "Jüdischen Volkszeitung" vom 6. August 1873: "Vom Rhein. Vor
einigen Wochen ging ein jüdischer Fruchthändler, Salomon S. von
Biebrich, zu Fuß nach dem zwei Stunden
entfernten Eltville. Dort seine Kunden besuchend, bricht er gegen
Abend bei dem Heraustreten aus dem Hause eines Bäckers plötzlich zusammen
und nach einer Stunde hört er auf zu atmen. Am darauf folgenden Tage des
Mittags 1 Uhr lag dieser so plötzlich Verstorbene unter der Erde. Um sich
diese übermäßig rasche Beerdigung zu erklären, munkelte man, dass hier
vielleicht ein Cholerafall vorliege. Das war aber durchaus nicht der Fall.
Der Grund dieser schnellen Beerdigung ist vielmehr in dem Umstande zu
suchen, dass der Verstorbene und dessen Familie als feurige Anhänger des
Lehmann'schen Judenthums in Mainz, das auch in der Religionsgesellschaft zu
Wiesbaden einen Ableger hat, es für eine Religionspflicht halten, den
Verstorbenen so rasch als möglich der Erde zu übergeben. Hierbei entsteht
nun die Frage: ist diese schnelle Beerdigung mit oder ohne Erlaubnis der
Behörde geschehen?" |
| Hinweis: ein weiterer ausführlicher und
sehr kritischer Artikel zum Vorfall findet sich in der "Jüdischen
Volkszeitung" vom 3. Dezember 1873 S. 388f Link:
https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/9578889?query=Eltville
|
Über den Kaufmann und Schriftsteller Gerson Stern in
Kiedrich (1936)
Artikel
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom
Juli 1936: "Am Kiedricher Bach aufwärts durch Kiedricher Tal in 1
Stunde nach Kiedrich. Hier schrieb Gerson Stern, der hier lange
Jahre als Kaufmann lebte und nebst seiner Gattin Außerordentliches für
die Verinnerlichung und jüdische Erfülltheit der Juden des Rheingaues
leistete und leistet, seine viel gelesenen Romane 'Weg ohne Ende' und 'Auf
drei Dingen steht die Welt'. Der Flecken Kiedrich hat dank der Bemühungen
des englischen Baronets Sutton sein altertümliches Gepräge erhalten
können. Die Pfarrkirche, 1481 abgeschlossener Bau, sehr sehenswert,
desgleichen der Bassenheimer Hof, der 'Lange Hof' und zahlreiche
Holzhäuser. Über Kiedrich die Ruine Scharfenstein, 1/4 km oberhalb
Kiedrich der Kiedricher Sprudel, die 'Virchowquelle'. - Eine der
schönsten Wege des Rheingaus: Vom Schwalbacher Tor in Kiedrich nach
Kloster Eberbach." |
| |
Über Gerson Stern: Der Schriftsteller Gerson Stern (1874-1956) stammte aus Holzminden im Weserbergland und lebte bis zu seiner Emigration in Kiedrich im Rheingau. 1939 zog er nach Palästina und gab 1941 zusammen mit Schalom Ben-Chorin in Tel Aviv die Anthologie »Menora« (Walter Menke) heraus, in der Else Lasker-Schüler mit den beiden Gedichten »Herbst« (Ich pflücke mir am Weg das letzte Tausendschön) und »Mein blaues Klavier« vertreten ist. – Sterns Hauptwerk, der Roman »Weg ohne Ende« von 1934, ist 1999 vom Verlag Carl Böschen (Siegen) neu aufgelegt worden (ISBN 3-932212-19-3).
Links: Titelbild des 2002 im Carl Böschen-Verlag aufgelegten, 1935
erstmals in Berlin erschienenen Werkes "Auf drei Dingen steht die
Welt". |
| Links: Wikipedia-Artikel
zu Gerson Stern |
| Literatur: Friedrich Voit:
Gerson Stern. Zum Leben und Werk des jüdisch-deutschen Schriftstellers
(1874-1956). De Gruyter Berlin / Boston 2013. ISBN
978-3-11-031567-7. |
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen
| - 1910: Verlobung von Helene Baer aus
Seligenstadt mit Julius Simon aus
Eltville (in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches
Familienblatt" vom 6. Mai 1910 S. 5) |
| - 1927: Verlobung von Hanne Wolff aus
Bruchsal mit Philipp Simons aus Eltville (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 10. November 1927 S. 5; Mitteilung der bevorstehenden
Hochzeit in "Israelitisches Familienblatt" vom 10. Mai 1928 S. 5).
|
- 1928: Der Junge Manfred
Winterfeld ist am 15. Dezember 1928 in Hattenheim geboren. Eltern:
Hermann Winterfeld und seine Frau Betty geb. Marx in Hattenheim (in:
Israelitisches Familienblatt" vom 20. Dezember 1928 S. 6). Hermann
Winterfeld ist am 25. Juli 1892 in Lauenburg in Pommern geboren als Sohn von
David Winterfeld und der Friederike geb. Goldstrom. 1921 heiratete er in
Frankfurt am Main Emilie Dick; die Ehe wurde am 24. Januar 1924 geschieden.
1927 heiratete er in zweiter Ehe in Hattenheim Betty geb. Marx,
die am 16. Januar 1901 in (Mainz-)Finthen geboren ist. Nach dem
Heiratsnebenregister Standesamt Hattenheim 1926-1930 Nr. 11/1926 HStAMR
Best. 919 Nr. 1628 war Hermann zum Zeitpunkt der Hochzeit Polizeibeamter
außer Dienst, Betty ist als Geschäftsinhaberin eingetragen, sie war später
als Schneiderin tätig. Die Ehe zwischen Hermann und Betty Winterfeld wurde
am 21. Januar 1930 geschieden. Hermann Winterfeld heiratete in dritter Ehe
1933 in Wiesbaden.
Betty Winterfeld geb. Marx und ihr Sohn Manfred lebten zuletzt in
Mainz (siehe Kennkarte von Manfred unten), beide wurden 1942 über
Darmstadt in das Ghetto Piaski deportiert und ermordet. Seit 2009 erinnern
"Stolpersteine" an die beiden in der Poststraße 13 in Mainz-Finthen (hier
auch Stolpersteine für Leopold Marx und Ella Marx).
https://beer-mainz.de/Stolpersteine-Mainz/Mainz-Finthen Nach Betty
Winterfeld ist in Finthen seit 2021 die "Betty-Winterfeld-Straße"
benannt. |
| - 1929: 86. Geburtstag von Simon
Neumann in Rauenthal am 17. Juli 1929 (in "Israelitisches
Familienblatt" vom 11. Juli 1929 S. 6). |
| - 1931: Gestorben ist Simon Neumann
in Rauenthal im Alter von 88 Jahren (in "Israelitisches
Familienblatt" vom 30. Juli 1931 S. 7).
|
| - 1938: Trauung von Arthur Reis in
Frankfurt, Rechneigrabenstraße 8, mit Paula Lamm aus Eltville (in:
"Jüdisches Gemeindeblatt für Frankfurt" September 1938 S. 22)
|
Anzeigen jüdischer
Gewerbebetriebe
Lehrlingssuche des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes
E. Haimann (1900)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1900:
"Suche für mein
Manufaktur- und Konfektionsgeschäft zum baldigen Eintritt einen
Lehrling.
E. Haimann, Eltville, Rheingau." |
Anzeige von Metzgermeister Alfons Mannheimer (1912)
Anmerkung: Für Alfons Mannheimer (geb. 9. Juli 1886 in Eltville als Sohn
von Leopold Mannheimer [1852-1936] und Karolina geb. Löb [ca. 1855-1933], 1942
deportiert und im KZ Majdanek oder Vernichtungslager Sobibor ermordet) und seine
Frau Thekla Mannheimer geb. Haas (geb. 1886, deportiert und ermordet in
Sobibor) sowie ihre Kinder Alfred Mannheimer (geb. 24. Juni 1914 in
Eltville, wohnhaft in Aachen, Wiesbaden und Frankfurt, 1942 deportiert und
ermordet in Majdanek), Kurt Mannheimer (geb. 1915, Flucht in die USA
1938), Ernst Mannheimer (geb. 1917, Flucht in die USA 1938), Walter
Mannheimer (geb. 15. Mai 1919, wohnhaft Wiesbaden, dann Aachen, Flucht 1939
Belgien usw., deportiert 31. Juli 1943 nach Auschwitz und ermordet) und Hilde
Mannheimer geb. Goldberg (geb. 1920, Flucht nach Belgien, mit Hilfe
überlebt), Otto Mannheimer (geb. 31. März 1924, wohnhaft in Eltville,
Wiesbaden, Frankfurt am Main, deportiert 1942 Majdanek und ermordet), Günter
Mannheimer (geb. 31. Oktober 1925, wohnhaft Eltville, Wiesbaden und
Frankfurt am Main, deportiert 1942 Majdanek und ermordet.
Am früheren Haus der Familie in der Leerstraße 22 befinden sich seit 24. Oktober
2019 für alle genannten Personen Stolpersteine.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eltville_am_Rhein
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. März 1912: "Suche einen jüngeren
sauberen
Metzgergehilfen
bei gutem Lohn.
Alfons Mannheimer
Metzgerei u. Wurstfabrik Eltville u. Rh., Leerstraße 22." |
Anzeige von Rechtsanwalt Dr. Robert Rosenthal (1919)
Anmerkung: Dr. Robert Rosenthal ist am 9. April 1888 in Wetzlar
geboren als Sohn des Kaufmanns Julius Rosenthal und seiner Frau Mathilde geb.
Levy. Er war seit dem 20. Mai 1924 verheiratet mit Marie Margarete geb. Ganz,
die am 18. Januar 1905 in Mainz geboren ist als Tochter von Isidor Ganz und
seiner Frau Berta Elise geb. Bender. Robert und Margarete Rosenthal hatten eine
Tochter Renate Mirjam, die am 3. August 1925 in Wiesbaden geboren ist.
Robert Rosenthal hat 1919 in Eltville eine Rechtsanwaltspraxis eröffnet.
Zuvor und danach war er in Halle. 1923 erhielt er für das Amts- und auch für das
Landgericht Wiesbaden eine Zulassung als Rechtsanwalt. Nach der Hochzeit mit
Marie Margarete geb. Ganz zog das Paar nach Wiesbaden in die Parkstraße 43.
Robert Rosenthal betrieb zunächst gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Dr. Seligsohn,
dann gemeinsam mit dem Anwalt Arnold Kahn eine Praxis. Da er ab 1933 in
Deutschland als Rechtsanwalt keine Zukunft mehr sah, verließ die Familie
Deutschland Ende 1933 und lebte zunächst in Paris, danach in Holland. Hier
wurden freilich alle drei 1943 in Amsterdam verhaftet und nach Westerbork
verbracht. Am 6. Juli 1943 erfolgte der Weitertransport von Robert und seiner
Frau Margarete in das Vernichtungslager Sobibor. Die Tochter Renate Mirjam wurde
nach Auschwitz deportiert. Alle drei wurden ermordet.
Ausführliche Darstellung im Rahmen der Geschichte der Familie Isidor Gans siehe
https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/albrechtstr-13/isidor-ganz/
Anzeige
in den "KC-Blättern" März 1919 S. 70:
"Ich habe mich in Eltville am Rhein als
Rechtsanwalt niedergelassen.
Dr. Robert Rosenthal (Lic.) Rechtsanwalt." |
| Hinweis: in den "KC-Blättern" November
1919 S. 204 kam die Mitteilung: "Dr. Robert Rosental, Eltville, dankt Herrn
Rechtsanwalt Marxheimer, Wiesbaden, für eine im Andenken an den gefallenen
Kartellbruder Benjamin Marxheimer erwiesene Aufmerksamkeit" (Spende von 50.-
Mark für die K.C.-Kasse). |
Anzeigen des Manufakturwaren- und
Kurzwarengeschäftes Max Eis (1920 / 1937)
Anmerkung: Max Mordechai Eis ist am 8. Februar 1862 in
Bingen geboren als Sohn des Schreinermeisters
Josef Eis und seiner Frau Anna geb. Herzog in Bingen. Max Eis war seit 23.
Februar 1892 (in Eltville) verheiratet mit Juli(e) Bertha geb. Mannheimer,
die am 15. Januar 1867 in Eltville geboren ist als Tochter des Bernhard
Mannheimer (geb. 26. Januar 1832, gest. 29. November 1880, Grab im jüdischen
Friedhof Oestrich:
https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/4353) und seiner Frau Johanna geb.
Herzog (geb. 10. August 1837, gest. 26. April 1898, Grab im jüdischen
Friedhof Eltville:
https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/19689). Max und Juli Eis hatten zwei
Kinder: Bernhard (geb. 7. Juni 1894 in Eltville, verheiratet mit Hertha
Paula geb. Pollak) sowie Franziska Frieda (geb. 1889 später verheiratet
mit dem Kaufmann und Juwelier Carl Salomon Oppenheim, 1936 nach Palästina/Erez
Israel eingewandert).
Max Eis hatte 1889 in Eltville mit großem Erfolg ein
Kaufhaus für Möbel und Textilwaren gegründet (Adresse Schwalbacherstraße
11). Sein Sohn Bernhard übernahm Anfang 1919 die Führung des Geschäftes. Der
Vater Max Eis ist bereits am 4. Mai 1919 verstorben und wurde im jüdischen
Friedhof Eltville beigesetzt
https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/19715. Seine Frau Juli starb am 24.
Januar 1926 in Eltville und wurde neben ihrem Mann im jüdischen Friedhof
Eltville beigesetzt.
Über die weitere Geschichte von Sohn Bernhard Eis und seiner Frau Hertha geb.
Pollack siehe ausführlich - mit Fotos und Dokumenten - die Seite
https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/bahnhofstr-46/bernhard-und-hertha-eis-bzw-ness/.
Nach schlimmen Vorkommnissen nach 1933 und speziell beim Novemberpogrom 1938 in
Eltville, zuletzt im Judenhaus Wiesbaden Bahnhofstraße 46 konnten die beiden
1941 noch in die USA emigrieren. Bernhard Eis nannte sich hier Bernard Ness. Er
starb am 4. März 1972 in San Francisco, seine Frau Hertha am 21. Oktober 1979.
Vor dem Haus Schwalbacher Straße 11 wurden am 24. Oktober 2018 Stolpersteine
für die Ehepaare Bernhard und Hertha Eise sowie Karl und Franziska Frieda
Oppenheim verlegt, siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eltville_am_Rhein.
Anzeige
in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 12. März 1920: "Suche per 1. April oder
später für mein Manufakturwaren- und Kurzwarengeschäft eine tüchtige
junge Verkäuferin
möglichst israelitisch bei freier Station. Offerten mit Gehaltsansprüchen,
Zeugnissen und Bild erbeten an
Max Eis, Eltville a. Rh." |
| |
Anzeige
im "Israelitisches Familienblatt" vom 11. Februar 1937: "Tüchtiger jüngerer
Detailreisender
der Manufakturwarenbranche mit guten Zeugnissen und Referenzen per sofort
oder später gesucht. Kost und Logis im Hause (nicht rituell). Offerten mit
Lichtbild und Zeugnissen an
Max Eis, Eltville am Rhein, bei Wiesbaden." |
| Anmerkung: weitere Anzeigen der Fa. Max
Eis unter anderem in "Israelitisches Familienblatt" vom 28. April 1927 S. 7,
ebd. vom 10. Januar 1929 S. 16 und ebd. vom 22. November 1935 S. 5.
|
Anzeige Max Neumann, Manufaktur-
und Schuhwarengeschäft (1922)
Anmerkung: der Kaufmann Max Neumann ist am 4. Juli 1884 in Rauenthal geboren
als Sohn des Metzgers Adolph Neumann und der Betti geb. Löwenstein in Rauenthal.
Max Neumann heiratete am 19. Oktober 1919 in Leer Amalie geb. Gans, die am 25.
April 1889 in Leer geboren ist als Tochter des Uhrmachers Jakob Nathan Gans und
seiner Frau Karoline geb. Weinberg.
Max und Amalie Neumann hatten zwei Kinder: Adolf (geb. 16. Mai 1921 in Eltville)
und Karola (geb. 6. August 1922 in Eltville). Die Familie lebte in der
Rheingauer Straße 23 in der Eltviller Kernstadt.
Alle Familienglieder konnten 1936 in die USA emigrieren. Für die Familie wurden
im Herbst 2026 "Stolpersteine" verlegt. In den USA verstarben Amalie Neumann am
29. Juli 1978, Max Neumann am 21. Mai 1982. Carola heiratete am 31. August in
den USA Norbert David Hess aus Würzburg. Die beiden konnten September 1938 in
die USA emigrieren. Sohn Adolf änderte seinen Familiennamen in den USA in
Alfred. Gräber von Max und Amalie:
https://de.findagrave.com/memorial/233169523/max-neumann, Grab von Carole
und ihrem Mann Norbert:
https://de.findagrave.com/memorial/287509917/carole-hess
Ausführliche Informationen zur Familie Neumann aus Rauenthal:
https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/judenhaus-nerotal-53/karolina-neumann-genannt-lina-und-ihre-familie/
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 12. Januar 1922: "Verkäuferin
für Manufaktur- und Schuhwaren,
welche branchekundig ist, für sofort gesucht. Angebote erbittet mit
Gehaltsansprüchen
Max Neumann, Eltville am Rhein." |
Anzeige der Metzgerei Alfons
Mannheimer (1923)
Anmerkung: Alfons Mannheimer (geb. 1886) war in erster Ehe verheiratet
mit Berta geb. Meyer (geb. 21. August 1857 in Neidenstein oder
Niedenstein als Sohn des Metzgers Isaak Meyer und der Adelheid geb. Haber; Berta
starb am 25. Oktober 1929, beigesetzt im jüdischen Friedhof Eltville, Grab:
https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/19709 .
Hinweis: Der Geburtsort wird nicht das badische Neidenstein sein, wie der Blick
in das Geburtsregister von Neidenstein zeigt. Dort ist 1857 (siehe
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1221727-310), jedoch am 7. April
1857 eine Bertha Maier geboren, doch war sie Tochter des Handelsmannes Abraham
Maier und der Sophie geb. Strauß. Die jüdischen Familien Maier schreiben sich in
Neidenstein mit "ai".
Über das Schicksal von Alfons Mannheimer und seiner (zweite) Frau Thekla geb.
Haas (geb. 1894) sowie ihren Kindern geben in Kürze die für sie in der
Leerstraße 22 verlegten Stolpersteine Auskunft:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eltville_am_Rhein
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 1923: "Ein tüchtiger
Geselle
bei gutem Lohn sofort gesucht.
Alfons Mannheimer, Metzgerei,
Eltville am Rhein, Leerstraße 22." |
Anzeige der Barmizwa-Feier von
Fritz Simons (1927)
Anmerkung: in der Taunusstraße 14 in Eltville wurden am 24. Oktober 2018
"Stolpersteine" verlegt für Fritz Simons, Jahrgang 1914, Flucht 1937 USA"
sowie für weitere Angehörige der Familie Simons. Fritz Simons war ein Sohn von
Jacob Simons (geb. 15. Februar 1883 als Sohn von Adolf Nathan Simons aus Gießen
und seiner Frau Johanna geb. Nathan aus Kiedrich) und dessen Frau Karoline
(Lina) geb. Jacoby. Jacob Simons ist 1933 gestorben und wurde im jüdischen
Friedhof Eltville beigesetzt, Grab:
https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/19712.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 14. Juli 1927: "Allen Verwandten und
Bekannten zeigen hiermit die am
23. Juli 1927 / 23. Tamus 5687 - so Gott will - stattfindende Barmizwoh
unseres Sohnes Fritz an.
Jakob Simons und Frau Lina geb. Jacoby. Eltville im Rheingau." |
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Kennkarte
aus der NS-Zeit |
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Am 23. Juli 1938 wurde
durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von
Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht
eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen
Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch"
galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste
Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt.
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv
zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände:
Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV:
Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm.
Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de |
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Kennkarte
des in Hattenheim
geborenen Manfred Winterfeld |
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Kennkarte (Mainz 1939)
für Manfred David Winterfeld (geb. 15. Dezember 1928
in Hattenheim im Rheingau, siehe weitere Informationen oben), Schüler, am 25. März 1942 deportiert
über
Darmstadt
in das Ghetto Piaski, umgekommen; für Manfred Winterfeld wurde am 23.
Januar 2009
in Mainz-Finthen, Poststraße 13 ein "Stolperstein" verlegt (Link)
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Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum in
einem der jüdischen Häuser vorhanden. 1739 wurde regelmäßig Gottesdienst
abgehalten. Der Betsaal war 1787 im Haus des Enoch Abraham.
1831 hat das jüdische Gemeindeglied Israel Mayer der jüdischen Gemeinde
ein Gebäude in der heutigen Schwalbacher Strauße überschrieben und dieses zu
einer Synagoge umbauen lassen. Es wurde ein zweigeschossiger Massivbau mit
Stilformen des romantischen Klassizismus erstellt. Das Gebäude hatte
beziehungsweise hat ein steiles Satteldach traufseitig zum Verlauf der Straße
und einen Zwerchgiebel mit zwei Rundbogenfenstern. Die Fassade zeigt eine
dreiteilige Fenstergruppe mit Rundbögen und kleiner Brüstung.
In der Synagoge hatte es im Betsaal im Erdgeschoss auf ca. 30 Quadratmetern 44
Plätze für Männer, auf der Empore 30 für Frauen. Schwierigkeiten mit dem
Gottesdienst gab es in den 1840er-Jahren, da die Oestricher Juden ihre eigene
Synagoge nicht aufgeben wollten und so nicht mehr genügend Männer regelmäßig zum
Gottesdienst nach Eltville kamen.
Am 5. September 1931 konnte das 100-jährige Bestehen der Synagoge gefeiert
werden. Der "Rheingauer Bürgerfreund" berichtete am 7. September
1931: "Israelitische Gemeinde feiert 100-jähriges Bestehen der Synagoge.
...Sie wurde 1831 erworben und zweckentsprechend umgebaut... Es wurde seit
Jahrzehnten an einen Neubau gedacht, aber in Anbetracht der schlechten Verhältnisse
davon Abgesehen. Die Synagoge wurde jetzt renoviert. Die Eröffnungs- und Begrüßungsrede
hielt Lehrer Katzenstein aus Schierstein - die Festrede der Bezirksrabbiner Dr.
Lazarus aus Wiesbaden. Es wurde eine Tafel für die für das Vaterland
Gefallenen enthüllt."
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Leute völlig verwüstet,
das Gebäude blieb erhalten. Es ging wenig später in Privatbesitz über und
wurde zu einem bis heute bestehenden Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Eine
Hinweistafel ist angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Schwalbacher
Straße 3 (frühere Holzstraße bzw. Holzgasse Gebäude Nr. 179)
Fotos
(Fotos: sw-Fotos: links aus Arnsberg Bilder s. Lit. S. 49,
rechts aus Altaras 1988 S. 177; farbige Fotos Hahn, Aufnahmedatum 10.8.2008)
| Historische Fotos |
Historische Fotos
sind noch nicht vorhanden;
über Hinweise oder Zusendungen freut sich der
Webmaster der "Alemannia Judaica";
Adresse siehe Eingangsseite. |
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Das ehemalige
Synagogengebäude
nach 1945 |
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Das Gebäude um 1970 |
Das Gebäude im Juli 1984 |
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Das Gebäude der ehemaligen Synagoge
(2008 und 2018)
(Foto in der Mitte rechts von Klara Strompf, Aufnahme vom 24.8.2018) |
Hinweistafel:
"Hier befand sich von
1832-1938 die Synagoge der
Israelitischen
Kultusgemeinde Eltville" |
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Ehemalige Synagoge
und Hinweistafel
(Fotos: Stefan Haas, Aufnahmen vom 29.10.2025) |
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Text der Tafel siehe
oben |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| März 2010:
Verlegung von "Stolpersteinen" in
Kiedrich |
Artikel im "Wiesbadener Kurier"
vom 13. März 2010 (Artikel):
"Kiedrich - Erstmals Stolpersteine
Kiedrich. (red). Auf Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen hat der Künstler Gunter Demnig drei sogenannte Stolpersteine (Gedenksteine) angefertigt für den jüdischen Schriftsteller Gerson Stern, seine Ehefrau Erna und seinen Sohn Joel Harry Stern, die unter dem Druck des nationalsozialistischen Regimes 1937 Kiedrich verließen und im März 1939 nach Palästina emigrierten. Die Steine werden nun zum Gedenken vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Stern verlegt. Dazu sind alle Kiedricher am Dienstag, 16. März, um 13.30 Uhr in die Scharfensteiner Straße 16 eingeladen." |
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Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 17. März 2010 (Artikel):
"In Kiedrich hoch angesehen.
STOLPERSTEINE Förderkreis erinnert mit der Aktion von Gunter Demnig an die jüdische Familie Stern.
(dre). Im Jahr 2000 startete Gunter Demnig sein Projekt Stolpersteine zur
'Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, Zigeuner, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer im
Nationalsozialismus'. Seitdem verlegte der Künstler in 536 Orten Deutschlands und anderen Ländern Europas gut
23.000 Stolpersteine, aber noch keinen einzigen im Rheingau. Das änderte jetzt die Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen mit dem 537. Ort..." |
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Artikel im "Wiesbadener Tagblatt"
vom 3. April 2010 (Artikel):
"Erinnerung an "Tante Erna"
KIEDRICH - GEDENKEN Die ehemalige Kiedricherin, für deren Familie ein Stolperstein verlegt wurde, ist unvergessen.
(red). In Kiedrich ist vor kurzem der erste Stolperstein im Rheingau verlegt worden. Auf Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen wird damit an die
Familie Stern erinnert: Den Kaufmann, Gutsbesitzer und Autor Gerson Stern, seine Frau Erna und ihren Sohn Joel Harry. Von 1920 bis 1937 lebte die Familie in der Scharfensteiner Straße 16. Den zweiten Vorsitzenden des Förderkreises, Rudolf Fenzl, erreichte nun ein Schreiben von Christel Michal- Evenari, die mit dem Sohn des Bruders von Erna Stern verheiratet war. Eliahu Evenari ist allerdings vor einigen Jahren gestorben..."
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August 2017:
Vorbereitung der Verlegung von
"Stolpersteinen" - Wer erinnert sich an jüdische Einwohner in Eltville
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Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 31.
August 2017: "Stadt Eltville startet Aufruf: Wer erinnert sich an
jüdische Nachbarn?
ELTVILLE - (red/olko). Im Rheingau gibt es sie bislang in Geisenheim,
Oestrich-Winkel und Kiedrich: Die Rede ist von den 'Stolpersteinen'. Mit den
kleinen, in der Straße eingelassenen Messingplaketten will der Künstler
Gunter Demnig an Menschen erinnen, die in der Zeit des Nationalsozialismus
(NS) verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Nun sollen auch in Eltville
Stolpersteine verlegt werden.
Erinnerungen an die Opfer wachhalten. Wie die Stadtverwaltung
mitteilte, soll das Projekt die Erinnerung an die Opfer wachhalten. Die
Zeit, in der Augenzeugen lebendig und authentisch über die Schrecken
Nazi-Deutschlands und die Verfolgung der jüdischen Nachbarn und anderer
Opfergruppen erzählen können, sei bald vorbei. Schließlich seien die
Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges mittlerweile hochbetagte Menschen. Die
Stadtverordnetenversammlung hatte beschlossen, Stolpersteine in Eltville und
den Stadtteilen zu verlegen, um damit die Erinnerung an die Leiden der Juden
und anderer Verfolgter auch in der Stadt stets wachzuhalten.
KONTAKT. Wer etwas über jüdische Mitbürger in Eltville weiß, kann sich
bei Sebastian Koch unter Telefon 0175-590 65 01 und per E-Mail an
sebiko@gmx.de melden, oder bei Waltraud
Wolter, die für die Stadt Eltville den Kontakt zum Künstler Gunter Demnig
pflegt. Sie ist unter Telefon 0171-8306785 oder per E-Mail an
waltraud-wolter@gmx.de zu
erreichen.
Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU) ruft deshalb dazu auf, dass sich
Eltviller Bürger, die sich an verschleppte jüdische Nachbarn und andere
Opfer des NS-Regimes erinnern können, melden und darüber berichten. Der
Historiker Sebastian Koch recherchiert im Auftrag der Stadt Eltville, wo die
Opfer des nationalsozialistischen Regimes einst gelebt haben. Vor den
Häusern der Betroffenen, die einst in Eltville wohnten, sollen Stolpersteine
an die Menschen und ihr Schicksal erinnern. 'Ihre Erzählungen helfen uns bei
der Recherche', sagte Kunkel an die Adresse der Bürger. 'Eventuell führt uns
gerade Ihr Bericht auf eine Spur.'. Ziel sei es, so Kunkel, im März oder
April 2018 mit der Verlegung der Stolpersteine in Eltville zu beginnen. Der
Bürgermeister schätzt, dass man auf 30 bis 40 Stolpersteine kommen wird. Was
die Finanzierung der Aktion angeht, so hofft er auf Spenden."
Link zum Artikel https://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/rheingau/eltville/stadt-eltville-startet-aufruf-wer-erinnert-sich-an-judische-nachbarn_18146165#
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| Dezember 2017:
Die Verlegung
von 40 "Stolpersteinen" in Eltville, Erbach und Rauenthal ist
geplant |
Pressemitteilung der Stadt Eltville vom 12.
Dezember 2017: "Eltville am Rhein. In Eltville werden Stolpersteine verlegt: Paten gesucht
Das Projekt 'Stolpersteine', initiiert und organisiert von dem Künstler Gunter Demnig, soll die Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Opfer des Nationalsozialismus wachhalten. Die Zeit, in der Augenzeugen lebendig und authentisch über die Schrecken Nazi-Deutschlands und die Verfolgung der jüdischen Nachbarn erzählen können, ist bald vorbei. Denn die Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges sind mittlerweile hochbetagte Menschen. Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, Stolpersteine in Eltville und den Stadtteilen zu verlegen, damit die Erinnerung an die Leiden der Juden und anderer Verfolgter auch hier in der Stadt stets wachgehalten wird.
'Wir sind überwältigt, wie viele Menschen nach dem Vortrag des Künstlers hier in Eltville im November schon ihre Unterstützung für das Projekt angeboten
haben', freut sich Bürgermeister Patrick Kunkel. Ein Stolperstein inklusive Verlegen kostet 120 Euro.
'Wir sind auf der Suche nach Paten, die die Kosten für die Steine übernehmen', appelliert Kunkel an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Denn es werden in der Eltviller Kernstadt, in Erbach und in Rauenthal insgesamt fast 40 Steine verlegt, die für genauso viele berührende Einzelschicksale stehen.
'Jede kleine Spende hilft', erklärt Kunkel. Wer spenden möchte, kann dies unter dem
Kennwort 'Spende Stolpersteine' bei der Nassauischen Sparkasse tun: Die IBAN lautet DE17 5105 0015 0461 0000 29."
Die Pressemitteilung erschien unter anderem im "Wiesbadener
Tagblatt" vom 13. Dezember 2017: "Eltville
sucht Paten für Stolpersteine". |
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Juni 2019:
Vortrag zur jüdischen Geschichte
in Erbach und Umgebung |
Artikel von Claudia Kroll-Kubin im
"Wiesbadener Tagblatt" vom 8. Juni 2019: "Rundgang durch Erbach auf den
Spuren jüdischer Geschichte
Erbacher Erinnerungskultur: Der Historiker Sebastian Koch referiert zur
Geschichte jüdischen Lebens im Rheingau.
ERBACH - 'Auch im Rheingau wird über die Stolpersteine geredet, was ein
zentrales Anliegen des Künstlers Gunter Demnig ist, der mit ihnen ein
dezentrales Mahnmal geschaffen hat, um eine Diskussion über den Holocaust zu
entfachen. Wobei es auch Einwände gegen diese Erinnerungsform gibt und nicht
alle Juden diese befürworten.' So stieg Historiker Sebastian Koch am
Donnerstagabend vor rund 50 Gästen im Evangelischen Gemeindehaus Erbach in
seinen Vortrag zum Thema 'Jüdische Nachbarn im Rheingau – sichtbare Spuren
und (ver)stumm(t)e Zeugen' ein. Er betonte, dass auch in Erbach bereits ein
intensiver Prozess der Auseinandersetzung mit dem jüdischen Leben
stattgefunden habe. 'Stolpersteine sind eine Erinnerungskultur, die Funktion
ist sinnstiftend', erklärte der Erforscher der jüngeren jüdischen Geschichte
aus Fulda weiter. Eingeladen zu diesem Forum im Rahmen des Jahresprogrammes
'Lehrhaus trifft Gemeindehaus' hatte die Evangelische Kirchengemeinde
Triangelis mit der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden. Wie Koch aufzeigte, lässt
sich die jüdische Geschichte im Rheingau bis ins Jahr 1634 zurückverfolgen.
In Erbach liegt das erste Zeugnis 1643 vor. 'Es gab mehrere Großfamilien, in
Eltville die Familie Mannheimer, in Geisenheim die Familie Strauss und in
Rüdesheim die Familie Levitta', zählte der Historiker auf und markierte,
dass es in Erbach neben Einzelpersonen auch zwei Familien gab: Ehrenstamm
und Heyum, letztere eine recht weitverzweigte Familie von der es zur Zeit
des Nationalsozialismus noch einige Mitglieder in Erbach gab. 'Diese sind in
der Shoa umgekommen. Die Stolpersteine hier außerhalb der Kirche legen
Zeugnis davon ab', informierte Koch dann später beim Rundgang an die Orte
des Geschehens, mit Marktplatz und Hauptstraße, an dem auch Nachkommen aus
der Gesamtfamilie Heyum teilnahmen, die ihren Stammbaum mitgebracht hatten.
Zuvor hatte Koch unter anderem auch darüber referiert, dass insbesondere der
Weinhandel eine Domäne der Juden war. 'Die Forschung geht davon aus, dass
der Marktanteil der jüdischen Händler bei über 70 Prozent lag', so Koch und
unterstrich: 'Das deutsche Weingeschäft wäre ohne die internationalen
Kontakte der jüdischen Weinhändler, ohne ihre Fähigkeit den Rheingauer Wein
auf den amerikanischen Markt zu bringen und dort zu bewerben, nicht das
geworden, was es heute ist.' Wobei man auch davon ausgehen dürfe, dass das
Verhältnis zwischen Weinbau und jüdischem Handel gut war. Belegen lasse sich
das für die Weinbauverwaltung Kloster Eberbach, wo der dortige
Weinbaudirektor 1935 von den Juden als gute Geschäftspartner sprach und sich
noch im Jahr 1936 im goldenen Buch von Eberbach jüdische Namen finden.
Ausschluss jüdischer Konkurrenz im Weinbau. Nach der beginnenden
Ausschaltung der Juden aus der Wirtschaft stellte sich der Weinhandel als
'fette Beute' dar, führte der Historiker weiter aus und markierte: 'Dies
manifestiert sich in einem Brief von 25 Weinhändlern aus der Region,
eigenhändig unterschrieben, an die Weinbaudirektion Kloster Eberbach. Hier
verlangen sie den Ausschluss der jüdischen Konkurrenten von den
Versteigerungen in Eberbach, ansonsten würde man die Auktionen
boykottieren.' In der Folge wechselten viele jüdische Weinhandelsgeschäfte
den Besitzer, wie Koch zudem wissen ließ und final unterstrich, dass auch
der jüdische landwirtschaftliche Grundbesitz im Rheingau arisiert wurde.
Sebastian Koch: 'Immerhin 6,5 Hektar. Dabei dürfte es sich hauptsächlich um
Weinberge gehandelt haben.'"
Link zum Artikel |
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Oktober 2019:
Verlegung weiterer
"Stolpersteine" in Eltville |
Artikel im "Wiesbadener Tagblatt" vom 13.
August 2019: " Eltville erhält weitere 'Stolpersteine'
ELTVILLE - (red). Der Künstler Gunter Demnig wird am 24. Oktober zum
Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus weitere 18 'Stolpersteine' in
Eltville verlegen – und inzwischen steht auch fest, an welchen Stellen. Los
geht es um 9 Uhr vor der Leergasse 22, gefolgt von der Marktstraße, der
Schwalbacher Straße und der Jahnstraße. 'Wir haben schon Spenden erhalten
und bedanken uns herzlich dafür', so Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU). Das
Projekt sei allerdings noch lange nicht finanziert. Ein Stolperstein kostet
inklusive Verlegung 120 Euro. 'Wir sind auf der Suche nach weiteren
Spendern', appelliert der Rathauschef an die Bürger der Stadt. Denn
insgesamt würden mehr als 40 Steine verlegt. Spenden lassen sich unter dem
Stichwort 'Spende Stolpersteine' auf das Konto mit der IBAN DE17 5105 0015
0461 0000 29 bei der Nassauischen Sparkasse überweisen."
Link zum Artikel |
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Artikel im "Mittelrhein-Tageblatt" vom 20.
Oktober 2019: "Eltville am Rhein – Stolpersteine für Eltville am Rhein:
Route am 24. Oktober/Bus
Eltville am Rhein – Gesellschaft: In Eltville am Rhein werden weitere
Stolpersteine verlegt. Das Projekt 'Stolpersteine', initiiert und
organisiert von dem Künstler Gunter Demnig, soll die Erinnerung an die
verfolgten und ermordeten Opfer des Nationalsozialismus wachhalten. Die
Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, Stolpersteine in Eltville und
den Stadtteilen zu verlegen, damit die Erinnerung an die Leiden der Juden
und anderer Verfolgter auch hier in der Stadt stets wachgehalten wird. Am
Donnerstag, 24. Oktober 2019, kommt der Künstler erneut in die Wein-, Sekt-
und Rosenstadt, um weitere 18 Stolpersteine an vier Verlegestellen in der
Eltviller Kernstadt zu verlegen. Los geht es um 9 Uhr vor dem Haus in der
Leergasse 22. Anschließend laufen die Teilnehmenden in die
Marktstraße 1 und in die Schwalbacher Straße 11. Vierte und
letzte Station ist die Jahnstraße 2. Schülerinnen und Schüler der
Gutenberg-Realschule und des Gymnasiums Eltville umrahmen das Verlegen der
Steine mit einem Programm. 'Ganz besonders freuen wir uns in diesem Jahr auf
Angehörige der Opfer, die wir aus den USA und aus Israel erwarten',
berichtet Bürgermeister Patrick Kunkel von Kontakten im Vorfeld. Am
Donnerstag steht wieder ein Fahrdienst für diejenigen bereit, die die
Strecke zwischen den einzelnen Verlegestellen nicht laufen können. 'Wir
haben schon Spenden erhalten und bedanken uns herzlich dafür', so Kunkel.
Das Projekt ist allerdings noch nicht finanziert. Ein Stolperstein inklusive
Verlegen kostet 120 Euro. 'Wir sind auf der Suche nach weiteren Spendern',
appelliert Kunkel an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Denn es werden in
Eltville am Rhein insgesamt über 40 Steine verlegt, die für genauso viele
berührende Einzelschicksale stehen. 'Jede kleine Spende hilft', erklärt
Kunkel. Wer spenden möchte, kann dies unter dem Kennwort 'Spende
Stolpersteine' bei der Nassauischen Sparkasse tun: Die IBAN des städtischen
Kontos lautet: DE17 5105 0015 0461 0000 29."
Link zum Artikel |
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Herbst 2026:
Weitere Stolpersteine werden
verlegt |
Pressemitteilung der Stadt Eltville vom 16.
April 2026 (Andrea Schüller): "Gedenken und Erinnerung. Neue
Stolpersteine in Eltville am Rhein: Zur Erinnerung an Familie Neumann
Die Stadt Eltville am Rhein wird im Herbst diesen Jahres vier weitere
Stolpersteine verlegen und sucht Patinnen und Paten für das Projekt.
Eltville am Rhein. Die Stadt Eltville am Rhein wird noch in diesem
Jahr vier weitere Stolpersteine verlegen. 'Zur Erinnerung an Familie
Neumann, die Opfer der Nationalsozialisten wurde, stellt das Team rund um
den Künstler Gunter Demnig gerade vier neue Stolpersteine her', berichtet
Bürgermeister Patrick Kunkel. Diese sollen im Herbst verlegt werden. Der
Künstler Gunter Demnig hatte die Idee zu den Stolpersteinen nach eigenen
Angaben 1992/93. Seine Vorgabe ist, dass die Stolpersteine vor jenen
Wohnhäusern verlegt werden, in denen die Opfer des Nationalsozialismus
zuletzt freiwillig lebten. Manchmal sind diese letzten Wohnorte nicht zu
recherchieren. Deswegen war das Projekt Stolpersteine für die Stadt Eltville
im Jahr 2021 vorübergehend abgeschlossen. In Kooperation mit dem Künstler
Gunter Demnig hatte die Stadt insgesamt 54 Stolpersteine in vier Stadtteilen
verlegt. 'Inzwischen haben sich Angehörige bei der Stadt gemeldet und uns
Papiere ihrer Familie vorgelegt', berichtet Bürgermeister Kunkel weiter. Mit
Hilfe dieser Unterlagen konnte Dr. Sebastian Koch, der von der Stadt
beauftragte Historiker, die notwendigen Daten recherchieren. Die Inschriften
für die vier neuen Stolpersteine sind gerade in der Abstimmung. Es
handelt sich um Familie Neumann, die aus den Eltern Max und Amalie sowie den
Kindern Alfred und Karola bestand. Alle sind 1936 vor den
Nationalsozialisten in die USA geflohen. Ihr letzter Wohnort war die
Rheingauer Straße 23 in der Eltviller Kernstadt.
Suche nach Patinnen und Paten. 'Um das Erinnerungsprojekt in der Bevölkerung
zu verankern, suchen wir auch dieses Mal wieder Patinnen und Paten für jeden
der vier Stolpersteine', erklärt Bürgermeister Patrick Kunkel. Die
Herstellung eines Stolpersteins kostet 120 Euro. 'Es geht uns jedoch nicht
nur um die Übernahme von Kosten, sondern um eine Verbindung der Bevölkerung
zu dem Projekt und auch um die Pflege der Stolpersteine in der Zukunft',
betont Kunkel. Patinnen und Paten der bisher verlegten Stolpersteine halten
diese glänzend. Wer sich für eine Patenschaft interessiert, meldet sich
gerne bei der Projektleiterin: Andrea Schüller, E-Mail
andrea.schueller@eltville.de,
Telefon 06123 697-181. Zur Verlegung der neuen Stolpersteine lädt die Stadt
Eltville rechtzeitig alle Interessierten ein."
Link zum
Artikel - Pressemitteilung |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 207-208; III,1 S. 298-300. |
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 157-159. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 49. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 177-178. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 144. |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S.
368. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S.
292-293. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 366-367. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Eltville
Hesse-Nassau. Jews living there in the 14th century fell victim to the Black
Death persecutions of 1348-49. A permanent community was only established in
1780. Its members, who opened a synagogue in 1831 and numbered 58 (over 1 % of
the total) in 1895, were affiliated with Wiesbaden's rabbinate. In 1925 the
community also had members in Erbach (27), Oestrich (18) and three other
neighboring villages. On Kristallnacht (9-10 November 1938), SA men
destroyed the synagogue's interior and Nazis looted Jewish property (especially
wine cellars) throughout the region. Of the 37 Jews left in Eltville, 12
emigrated and 18 removed elsewhere; all those remaining in the area were
deported by 1941.

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