Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Eltville am Rhein mit Erbach, Hattenheim und Rauenthal (Stadtteile von Eltville),
sowie Kiedrich (alle Rheingau-Taunus-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Kurze Beschreibung der jüdischen Gemeinde (1936)  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte aus der jüdischen Gemeinde 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe  
Kennkarte aus der NS-Zeit   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Eltville bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.   
    
Bereits im Mittelalter gab es zeitweise mehrere jüdische Familien in der Stadt (Stadtrechte seit 1332), vermutlich kam es auch zur Gründung einer kleinen Gemeinde (innerhalb des Gemeindeverbandes Mainz-Rheingau). 1331 wird Salman von Eltville in Frankfurt als Bürger aufgenommen. 1342-1343 verpfändete der Mainzer Erzbischof Heinrich III. von Virneburg seine Steuern von den Eltviller Juden an Abraham von Kreuznach. 1343 werden vorübergehend Jakob ben Mose mit Sohn und Schwiegersohn in Eltville genannt. Sie ließen sich später in Bingen nieder. Bei der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurden auch in Eltville Juden ermordet. 
   
1354 werden wieder Juden genannt. 1356 und nach 1384 wanderten mehrere jüdische Personen beziehungsweise Familien in der Stadt zu, die wiederum durch die Erzbischöfe von Mainz aufgenommen wurden. Auch im 15. Jahrhundert ließen sich mehrere Juden aus anderen Städten in Eltville nieder (1437 aus Worms, 1438 einer oder mehrere aus Mainz, 1467 fünf jüdische Personen, darunter einer aus Eppstein); mehrere Eltviller Juden werden in anderen Städten genannt (Heidelberg, Dortmund, Frankfurt, Mainz, Windecken). Sie lebten zumindest teilweise vom Geldhandel. Ein jüdischer Arzt wird 1362 genannt. 1467 und danach lebte ein Rabbiner namens Cossmann in Eltville. Die damals in der Stadt verstorbenen Juden wurden in Mainz beigesetzt.      
   
Von einer Vertreibung der Juden aus Eltville ist nichts bekannt. Keine Erwähnungen von Juden in der Stadt liegen jedoch aus der Zeit zwischen 1517 und 1603 vor. 
   
Die Entstehung der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde geht in das 17./18. Jahrhundert zurück. 1603 wird eine jüdische Familie in der Stadt genannt, 1627 zwei, 1659 drei, 1691 und 1718 sind es vier jüdische Familien. Im 18. Jahrhundert gehörten (nach der Synagogenordnung von 1787) die in Erbach (Juden seit 1643 genannt), Oestrich, Neudorf, Kiedrich, Rauenthal, Hattenheim sowie Ober- und Niederwalluf lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Eltville.
 
1749 wurde "Jacob Marx aus Eltville im Rheingau iudeus" an der Universität in Frankfurt a.d. Oder immatrikuliert, möglicherweise identisch mit dem einige Jahre später bekannten Arzt in Hannover Mordechai Jacob Marx (in: Louis Lewin: "Die jüdischen Studenten an der Universität in Frankfurt a.d. Oder" in "Jahrbuch der Jüdisch-literarischen Gesellschaft XV 1923 S. 59-97, Nennung S. 67).
 
1842
wurden feste jüdische Familiennamen angenommen: in Eltville Neumaier, Meier, Mannheimer und Meiersohn, in Rauenthal Neumann (vgl. zur Geschichte der Familie https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/judenhaus-nerotal-53/karolina-neumann-genannt-lina-und-ihre-familie/), in Kiedrich Nathan und in Mittelheim Loeser; zu Oestrich siehe dort.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 34 jüdische Einwohner, 1842 28, 1871 28 (0,9 % von insgesamt 2.585 Einwohner), 1885 51 (1,5 % von 3.340), 1895 58 (1,6 % von 3.646, in 25 Familien), 1900 49 (28 männlich, 21 weiblich), 1905 32 (0,8 % von 4.065).
Weiterhin gehörten die in Orten der Umgebung lebenden jüdischen Personen zur jüdischen Gemeinde in Eltville, so die in Erbach (1865 eine Familie, 1901 10 Personen in 2 Haushaltungen), Kiedrich, Oestrich (zeitweise auch selbständige Gemeinde), Mittelheim und Rauenthal (1865 vier Familien, 1901 17 Personen in 3 Haushaltungen) lebenden jüdischen Einwohner. Zusammen mit den in den umliegenden Orten lebenden jüdischen Einwohnern gehörten zur jüdischen Gemeinde Eltville teilweise weit über 100 Personen (nach "Statistischem Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1887 S. 15: Eltville: 124 Gemeindeglieder, 1905: 90).
Die jüdischen Familien waren angesehene Händler, teilweise mit Läden in der Stadt, Handwerker und Metzger.  
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts bestellten einzelne Familien der Gemeinde Privatlehrer zum Unterricht ihrer Kinder. So beantragte 1824 Nathan Joseph aus Kiedrich die Anstellung von Lehrer Mayer Salomon aus Bayern zum Unterricht seiner Kinder. Noch um 1855 wird Lehrer Feist Strauß als Lehrer auf einer "Privatstelle" in Eltville genannt (zu ihm auf Seite zu Oettingen). Schließlich wurde eine Religionsschule der Gemeinde eingerichtet. Der Unterricht wurde in der Synagoge oder in Privaträumen erteilt. Genannt werden als Lehrer: 1847 M. Heymann aus Bingen, um 1855 Lehrer M. Morgenthal aus Holzappel, 1862/66 Lehrer E. Levi (wird verschiedentlich im Zusammenhang mit der Gründung eines Lehrerunterstützungsvereins für Hessen-Nassau / Deutschland genannt, siehe Bericht unten), 1868 Salomon Bloch aus Schüttüber (Sudetenland, heute Malá Šitboř); von 1870 bis 1913 Lehrer Simon Ackermann (1895 unterrichtete er 19, 1901 12 Kinder an der Religionsschule; um 1893/95 unterrichtete Ackermann auch die damals 15 Kinder in Schierstein, gest. 1915). Seit der Zurruhesetzung von Lehrer Ackermann wurden die Schüler der Gemeinde Eltville durch den Lehrer aus Schierstein (Arnold Katzenstein, siehe Bericht unten) unterrichtet. Der Vorbeterdienst wurde meist ehrenamtlich verrichtet. Anfang 1921 wird in einer Meldung zur Gründung eines jüdischen Jugendvereins in Oestrich-Winkel "Lehrer Adler aus Eltville" genannt (siehe unten; Adler wird auch genannt bei einer Spendensammlung für die "Ukrainehilfe" in "Blätter ... der Agudas Jisroel" vom 8. September 1921 S. 4). Über ihn liegen noch keine weiteren Informationen vor.
 
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Wiesbaden.
 
Von jüdischen Vereinen werden in Eltville genannt: Ein "Israelitischer Brüderschaftsverein" (1901 unter Leitung von R. Rosenthal in Oetrich), ein "Israelitischer Krankenverein" (1901 unter Leitung von A. Strauß in Geisenheim und Lehrer S. Ackermann in Eltville).
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1887 J. Nathan, S. Nathan, S. Heymann; um 1895/1901 J. Nathan, Emil Haimann, S. Nathan und S. Rosenthal in Oestrich.   
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: aus Eltville Jacob Mannheimer (geb. 11.2.1884 in Eltville, gef. 7.7.1918) und Sally Neumann (geb. 3.4.1889 in Rauenthal, Rheingau, gef. 13.5.1916) sowie Max Lehmann aus Oestrich (geb. 24.9.1890 in Gissigheim, gef. 30.9.1915). 1931 wurde für sie in der Synagoge eine Gedenktafel angebracht. Außerdem sind aus Eltville gefallen: Max Haimann (geb. 21.7.1886 in Eltville, vor 1914 in Kein wohnhaft, gef. 25.9.1915) und Josef Simons (geb. 1.10.1879 in Eltville, vor 1914 in Friedberg wohnhaft, gef. 11.8.1918), aus Oestrich Hugo Wertheim (geb. 2.11.1869 in Oestrich, vor 1914 in Saarlouis wohnhaft, gef. 10.6.1915) und Sally Rosenthal (geb. 19.2.1872 in Oestrich, gef. 4.9.1917).         
 
Um 1924, als 48 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt wurden (1,2 % von insgesamt 4.137 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Jacob Simons, Leopold Bach und Max Neumann. Den Religionsunterricht der damals acht jüdischen Kinder der Gemeinde erteilte der bereits genannte Lehrer Arnold Katzenstein aus Schierstein. 1932 waren die Gemeindevorsteher Leopold Bach (1. Vors.) und Eduard Rosenthal (2. Vors.). Weiterhin unterrichtete Lehrer Katzenstein aus Schierstein die im Schuljahr 1931/32 insgesamt elf Kinder der jüdischen Gemeinde.       

1933 lebten noch 37 jüdische Personen in Eltville (0,9 % von insgesamt 4.340 Einwohnern); in Kiedrich lebte bis 1937 die Familie des Schriftstellers Gerson Stern. In den folgenden Jahren sind die meisten der in den beiden Orten auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (Wiesbaden, Frankfurt) beziehungsweise ausgewandert. Zehn Personen konnten in die USA auswandern, je eine Person nach Palästina/Israel und nach London. Auch die Familie des Schriftstellers Gerson Stern aus Kiedrich ist nach Palästina emigriert. Drei Personen sind nach 1933 in Eltville verstorben. Die letzten jüdischen Einwohner wurden von Eltville aus deportiert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und verwüstet (s.u.). 1939 wurden noch sechs jüdische Personen in Eltville gezählt.  
  
Von den in Eltville geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Joanna Arnold geb. Italiaander (1873), Bertha Bender geb. Mannheimer (1879), Paula Ensgraber geb. Heyum (1887), Regina Grohé geb. Mannheimer (1889), Emma Lesem geb. Ackermann (1874, Tochter von Lehrer Simon Ackermann, Stolperstein in Mainz-Altstadt s.u.), Gunda Loeb geb. Mannheimer (1879), Erna Lähnemann geb. Baar (1893), Alfons Mannheimer (1886), Alfred Mannheimer (1914), Betty Mannheimer geb. Levi (1877), Günter Mannheimer (1925), Moritz Mannheimer (1868), Otto Mannheimer (1924), Walter Mannheimer (1919), Artur Neumann (1921), Lore Neumann (1926), Friedel Simons (1918), Helene Simons (1887), Julius Simons (1878), Elsa Stern (1911). 
    
Aus Hattenheim ist umgekommen: Manfred David Winterfeld (1928, "Stolperstein" für ihn und seine Mutter Betty Winterfeld geb. Marx in Mainz).
Aus Kiedrich werden in den angegebenen Listen keine Personen genannt.   
  
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Kurze Beschreibung der jüdischen Gemeinde Eltville mit Kiedrich (1936)
   
Aus einem Beitrag "Von Frankfurt zur Lahn" -
Artikel wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober 1877 in Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Weitere Informationen: https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).
 

Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom 20. Juli 1936: "Eltville. Ort wohl aus der Römerzeit, erhält 1331 Stadtrecht, gilt damals als Hauptstadt des Rheingaus, wird Standort Günthers von Schwarzburg, der hier, von Karl IV. belagert, der Kaiserwürde entsagt (1349). In demselben Jahr Judenverfolgung ('schwarzer Tod')! – Synagoge, um 1830 erbaut, Schwalbacher Straße, nicht weit davon Friedhof, neben dem allgemeinen. — Am Kiedricher Bach aufwärts durchs Kiedricher Tal in 1 Std. nach Kiedrich. Hier schrieb Gerson Stern, der hier lange Jahre als Kaufmann lebte und nebst seiner Gattin Außerordentliches für die Verinnerlichung und jüdische Erfülltheit der Juden des Rheingaues leistete und leistet, seine viel gelesenen Romane 'Weg ohne Ende' und 'Auf drei Dingen steht die Welt'. Der Flecken Kiedrich hat dank der Bemühungen des englischen Baronets Sutton sein altertümliches Gepräge erhalten können. Die Pfarrkirche, 1481 abgeschlossener Bau, sehr sehens­wert, desgl. der Bassenheimer Hof, der 'Lange Hof' und zahlreiche Holzhäuser. Über Kiedrich die Ruine Scharfenstein, 1/4 km oberhalb Kiedrich der Kiedricher Sprudel, die 'Virchowquelle'. — Einer der schönsten Wege des Rheingaus: Vom Schwalbacher Tor in Kiedrich nach Kloster Eberbach..." 
 
Ergänzend: in einer Reisebeschreibung einer "Dampferfahrt auf dem Rheine" in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1925 heißt es von Eltville (allgemein, ohne Bezug zur jüdischen Geschichte):  "Das malerische Städtchen Eltville taucht auf. An Inseln, Klippen und Riffen fährt das Schiff vorbei, die des Stromes Lauf bestimmen. Auf beiden Seiten blühen die Reben im Tale und auf welligem Lande, nette Villen und Landhäuschen mit hübschem Giebelwerk unten, und von oben winken Ruinen alter Schlösser von nicht allzu großer Höhe, wie Zeugen ver­flossener Jahrhunderte. Die Menschen oben haben den Strom fließen sehen und die Wellen rauschen gehört wie die heutigen, auch die Reben sahen sie blühen, Jahr für Jahr. Aber diese heimeligen Giebelhäuschen mit den bunten Fenstern sahen sie nicht und auch nicht die rauchenden, fauchenden, schlanken weißen Dampfer der 'Niederländer' und 'Köln-Düsseldorfer' Linie. Viel Neues hat der Menschengeist seitdem erfunden und geschaffen, um das Leben zu erleichtern, zu verschönern, mit etwas Liebe und Anmut zu verbrämen. Aber das Alte hat seine Spuren hinterlassen. Und das Älteste ist geblieben, gigantisch, gewaltig und unberührt, wie vor tausend Jahren: der Rhein selbst und seine grünen Wogen." 

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet für Eltville und Oestrich 1913 / 1920 

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. August 1913: "
Die Kultusgemeinde Eltville a. Rh. sucht zum 1. November dieses Jahres einen
Lehrer und Schochet

bei einem Gehalt von Mk. 1000 und einem Nebeneinkommen von ca. Mk. 500.
Der Kultusvorsteher, gez. E. Haimann."
 
Oestrich Israelit 12021920.jpg (49920 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1920:
"Die Kultusgemeinde Eltville sucht möglichst per sofort einen 
tüchtigen Lehrer, Schochet und Chasen.
 
Gehalt Mark 1.500 nebst 1.000-1.500 Mark Teuerungszulage sowie Nebeneinkommen. Offerte mit Lebenslauf und Zeugnisabschrift an 
Eduard Rosenthal, Oestrich am Rhein."     

   
Lehrer E. Levi (Eltville) initiiert mit zwei Kollegen die Gründung eines Lehrerunterstützungsvereines in Hessen-Nassau (1863)   

Artikel in "Der israelitische Lehrer" vom 1. Januar 1863: "Aufruf an die israelitischen Lehrer im Herzogtum Nassau!
Liebe Brüder, Freunde und Kollegen!
Es wird Euch aus diesen Blättern bekannt geworden sein, wie in den verschiedenen Gegenden Deutschlands die israelitischen Lehrer sich zusammenscharen, zur gegenseitigen Verbrüderung und Unterstützung, im Leben, und im Beruf, in Not und Sorge.
Auch wir bedürfen sicherlich des erbebenden Genusses, der in der Vereinigung gleichstrebender Genossen liegt, auch wir können der kollegialischen Mitwirkung nicht entbehren in den schwierigen Lagen, in welche Leben und Beruf uns bringen; auch wir können die Verbesserung unserer Stellung anbahnen, wenn wir uns vereinigen, denn 'Einigkeit macht stark.' Auch wir bedürfen, der Unterstützung in Krankheitsfällen, in den Jahren unverschuldeter Dienstunfähigkeit! Auch unsere Frauen und Kinder harren als Witwen und Waisen noch des Trösters und Annehmers! Nur allein der Vater der Bedrängten, der Witwen und Waisen, kennt die Tränen. die von den Unsrigen wohl in solchen Lagen mögen vergossen worden sein!
Auf denn, liebe Brüder, Freunde und Kollegen! Lasst auch uns in Nassau den Brüdern in anderen Ländern folgen, und scharet euch zusammen zu einem Bunde zu Schutz und Schirm, zum Trost und zur Beruhigung für uns und unsere Teueren.
Wir sind überzeugt, unsere humane väterliche Regierung, die all denjenigen wohl will, welche der religiösen Erziehung ihrer Staatsangehörigen ihr Leben weihen, unsere Gemeinden und Religionsbeamten werden unser Unternehmen gewiss kräftig unterstützen, und der Hüter Israel, der nicht schläft und nicht schlummert wird sich unsrer annehmen, dass sich an unserem Werke erfreuen die spätesten Geschlechter.
Die Redaktion dieser Zeitschrift wird gewiss bereit sein, das Organ dieser Vereinigung zu bilden, alle betreffender Veröffentlichungen bringen* (*Anmerkung der Redaktion: 'Mit Vergnügen'), und unser Unternehmen unterstützen.
Alle diejenigen Lehrer, welche an einer Vereinigung der israelitischen Lehrer Nassaus, insbesondere zur Gründung einer Unterstützungskasse für dienstunfähige Lehrer, deren Witwen und Waisen teilnehmen wollen, wollen sich baldigst im protofreien Briefen an einen der Unterzeichneten wenden. Sobald eine genügende Anzahl sich gemeldet haben wird, werden wir dies durch diese Blätter bekannt machen lassen, und einen Tag zur Versammlung und Entwerfung der Statuten etc. bestimmen.
Eltville, am 15. Dezember 1862.
E. Levi
, Lehrer zu Eltville. S. Friedberg, Lehrer zu Nastätten. S. Friedberg, Lehrer zu Ruppertshofen."   
 
Zwar kam es zunächst nicht zur Gründung eines Lehrerunterstützungsvereins in Hessen Nassau, doch im Sommer 1864 zur Gründung eines "Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland". Das Protokoll der ersten Generalversammlung dieses Vereines, die im jüdischen Gemeindesaal in Mainz am 22. und 23. August 1864 abgehalten wurde, findet sich in "Der israelitische Lehrer" vom 15. September 1864 S. 1-4. Bei der Gründungsversammlung des Vereines war auch Lehrer E. Levi aus Eltville anwesend. Protokoll siehe über Link.  

       
Lehrer E. Levi in Eltville wird bei einer Lehrerkonferenz in Singhofen genannt (1864)        

Artikel in "Der Israelitische Lehrer" vom 6. Oktober 1864: "Aus Nassau. Zu Singhofen (Amt Nassau) hat am 19. September eine Versammlung israelitischer Lehrer zu dem Zwecke stattgefunden, einen gemeinsamen Anschluss an den Unterstützungsverein zu bewerkstelligen. Diese Versammlung war von den Herren Friedberg aus Nastätten, Morgenthal aus Holzappel, Emmel aus Limburg, Levi aus Eltville, Laubheim aus Singhofen, Aron aus Kördorf (nicht: Kirdorf), Friedberg aus Ruppertshofen besucht (Heymann aus Schierstein hatte seine Verhinderung angezeigt). Als vorzüglichster Erfolg dieser Vorberatung haben wir vorläufig mitzuteilen, dass Anfangs November eine größere Versammlung in Limburg a.L. stattfinden soll, und dass als Vertrauensmann Herr Friedberg aus Ruppertshofen bestimmt worden, welcher die Einladung (an Rabbiner, Vorstände, Lehrer und Gemeindeglieder erlassen wird, und bei welchem auch die Anmeldungen zu machen sind. Die betreffende Ansprache wird in einer der nächsten Nummern des 'Israelitischen Lehrer' erscheinen." 
  
Weitere Erwähnungen von Lehrer Levi in Eltville: in "Der israelitische Lehrer" vom 18. Februar 1864 S. 28; in "Der israelitische Lehrer" vom 23. Februar 1865 S. 32; in: "Der israelitische Lehrer" vom 24. Mai 1866 S. 6 und 14. Juni 1866 S. 102. Dabei hat Lehrer Levi immer wieder Spenden für den Lehrerunterstützungsverein gesammelt und weitergereicht.
Lehrer Levi hielt an der Idee eines Lehrervereines für Nassau fest und lud die Lehrer Nassaus hierzu auf den 26. Dezember 1866 zu einer Besprechung in seiner Wohnung in Eltville ein, in: "Der israelitische Lehrer" vom 22. November 1866 S. 194.  
Aufruf in "Der israelitische Lehrer" vom 22. November 1866: "An die israelitischen Lehrer des vormaligen Herzogtums Nassau. 'Da sprachen zu ihm seine Weisen...' Wenn sie weise sind, Wie ein Menschenkind; Tun sie erspähen, Was wird erstehen!?
Liebe Kollegen !
Die Kriegswirren der letzten Zeit, die mit Gottes Hilfe hinter uns sind, sowie die verschiedenartigsten Ideen, die sich in Betreff unserer künftigen Existenz eben jetzt durchkreuzen, führen wohl dem israelitischen Religionslehrerstand des ehemaligen Herzogtums Nassau die Pflicht sehr nahe, sich alsbald seinen Standpunkt näher klar zu machen.
Die Unterzeichneten haben sich daher bei einer Vorversammlung zu Holzhausen, Amts Wehen, am 5. November dieses Jahres besprochen, dass es allernächstes Bedürfnis und heilige Pflicht für uns sein möchte, soviel als möglich unsere zukünftige Lage in Erwägung zu ziehen und uns klare Einsicht hierüber zu verschaffen. Wir laden daher alle Kollegen zur Besprechung dieser so wichtigen und heiligen Angelegenheit, sowie zum Entwurfe einer Petition dieses Betreffs an das hohe königliche Ministerium zu Berlin zu einer Versammlung auf den 26. Dezember laufenden Jahres, Vormittags, nach Eltville bei Herrn Lehrer Levi ein.
Diesen so heiligen und uns nahe berührenden Punkt glauben wir nicht weiter empfehlen zu müssen, und dürften schon wohl mit Zuversicht auf eine zahlreiche Versammlung hoffen, da diese bezügliche Versammlung nur unseren und der Gemeinden Interessen förderlich sein kann. Wir bitten, dass alle Sonderinteressen um des lieben Ganzen und Guten Willen, beiseite geschoben werden, und geben der Hoffnung Raum, dass sich dieses Mal der sonst so bewährte Lehrerstand seiner eigenen Sache bewusst sei und ein Jeglicher sein geistiges Scherflein dazu beitrage.
Kollegialischen Gruß und Handschlag!
Holzhausen ü./A.,
5. November 1866.  Friedberg in Nastätten. Burger in Laufenselden, Friedberg in Ruppertshofen, Kahn in Holzhausen."

   
Über Lehrer Simon Ackermann (1870 bis 1913 Lehrer in Eltville)  

Simon Ackermann ist am 13. Dezember 1847 in Villmar geboren als Sohn von Wolf Ackermann und seiner Frau Eva geb. ?. Er war verheiratet mit Regina (Rahel) geb. Pickarth, die am 19. Februar 1851 als Tochter des Löb Pickarth in Oestrich und seiner Frau Amalie geb. Lorch aus Bingen geboren ist.
Die beiden hatten eine Tochter Emma (geb. 3. August 1874 in Eltville, verheiratet am 23. Juli 1896 in Eltville mit Ludwig Lazarus Lesem, geb. 7. April 1863 in Zweibrücken; Emma Lesem wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, 1944 in das KZ Auschwitz und ermordet. Stolperstein seit 2019 in Mainz-Altstadt, Schusterstraße 44).
Simon Ackermann war zunächst Lehrer in Flörsheim, von 1870 bis 1913 in Eltville (wohnhaft Eltville: 1877/81 Burgstraße 121, 1896 Schwalbacherstraße 21. Nach seiner Zurruhesetzung 1913 blieb er in Eltville wohnen (Taunusstraße 32).
Simon Ackermann starb am 14. November 1915 in Eltville (bestätigt durch Standesamt Eltville, Sterbenebenregister 1911-1920 Nr. 97, HStAMR 919 Nr. 993, siehe Bericht zur Beisetzung unten) und wurde auf dem dortigen Friedhof beigesetzt. Seite Frau Regina starb am 6. August 1921 und wurde ebd. beigesetzt.  
Hinweis: es gab einen weiteren Lehrer Simon Ackermann (geb. 20. Juni 1876 in Hermeskeil, 1896 Lehrer in Villmar, dann bis 1907 Lehrer in Simmern, anschließend bis zu seinem Tod 1930 Lehrer in Salzwedel, gest. 12. April 1930 in Magdeburg-Sudenburg). War verheiratet mit Bella geb. Cahn (geb. 16. Dezember 1879 in Rülzheim, umgekommen nach Deportation am 24. Februar 1944 im Ghetto Theresienstadt. Die beiden hatten zwei Söhne: Sally (geb. 1907 in Simmern, gest. 9. März 1933 in Salzwedel, Kurt, geb. 30. September 1909 in Salzwedel.
Hinweis:
Eventuelle verwandtschaftliche Zusammenhänge konnten noch nicht geklärt werden.

 
Zum Tod von Lehrer Simon Ackermann (1915)  
 

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 23. Dezember 1915: "Eltville am Rhein. Dienstag, den 16. November, betteten wir die sterblichen Reste eines würdigen Lehrers, Herrn S. Ackermann zur Ruhe. Der Verstorbene hatte in Treue seinem heiligen Berufe seit seinem 18. Jahre bis zu seiner im vorletzten Jahre erfolgten Pensionierung über 45 Jahre obgelegen. Die letzten 35 Jahre wirkte er in unserer Gemeinde. Daneben erstreckte sich seine Wirksamkeit über verschiedene Gemeinden des Rheingaues. Ackermann war ein Lehrer alten Schlages mit gediegenem jüdischen Wissen und unbeirrbarer Treue in religiöser Beziehung, dabei aber frei von jeder Intoleranz. Sein Leichenbegängnis zeigte klar, dass mit ihm eine Persönlichkeit dahingegangen ist. Ein für die hiesigen Verhältnisse sehr großes Gefolge — selbstredend die ganze jüdische Gemeinde — und viele Schüler aus der Umgegend von Mainz und Wiesbaden. Die Leichenrede hielt Bezirksrabbiner Dr. Kober aus Wiesbaden, der das Wirken des Verlebten in zündenden Worten rühmte und die Gemeinde ermahnte, in den vorbildlichen Bahnen ihres Lehrers weiter zu wandeln. Vor allen Dingen sei es in den kleinen Gemeinden unbedingt erforderlich, dass der Religionsunterricht erhalten bleibe und die Opfer zu seiner Pflege willig gebracht werden. Als Freund der Familie sprach Rabbiner Professor Salfeld aus Mainz, der das treue und innige Familienglück des Dahingeschiedenen pries und sein jüdisches Heim auf jüdisch-historischem Boden als vorbildlich rühmte. Zuletzt sprach im Namen des Vereins israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau Lehrer Capell - Wiesbaden Abschiedsworte an den lieben, treuen und edlen Kollegen und persönlichen Freund."       

 
Lehrer Arnold Katzenstein aus Schierstein unterrichtet seit etwa 1915 auch in Eltville (1930)    

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 15. Dezember 1930: "Wiesbaden-Schierstein. Herr Arnold Katzenstein konnte am 15. Januar auf eine 40jährige Amtstätigkeit als Lehrer und Kantor zurückblicken. Von dieser Zeit amtiert er allein 35 Jahre in Schierstein. Seine arbeitsreiche Tätigkeit erstreckt sich seit mehr als 15 Jahren auch auf die Gemeinden des Rheingaues Eltville und Rüdesheim. Vor keiner Mühe zurückschreckend ist er rastlos bestrebt, dass eine Jugend herangezogen wird, die stolz auf ihr Judentum ist. Wegen seiner edlen Gesinnung und Hilfsbereitschaft allen Menschen gegenüber ist er nicht nur von seinen Glaubensgenossen geschätzt, sondern ebenso angesehen bei den übrigen Mitbürgern."    

     
   
Berichte aus der jüdischen Gemeinde  
Die Verleumdung jüdischer Einwohner wird bestraft (1915) 

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 25. November 1915: "Leipzig. (Bestrafte Verleumdung.) Beim Gouverneur der Festung Mainz ging Ende Oktober 1914 aus der Stadt Eltville eine schriftliche Eingabe ein, die mit 'A. Becker' unterzeichnet war. Das Schriftstück besagte folgendes: 'Hier bei dem Juden Nathan S. wohnt jetzt dessen Tochter, die in Paris verheiratet sei, sie habe einen sehr losen Mund über Deutschland und sage immer, ihr Mann werde bald mit den Franzosen nach Eltville kommen und sie nach Hause holen. Ferner hätten sich der Sohn dieses Juden, Jakob S., und ein Arbeiter L. vom Militär gedrückt, indem sie durch unlautere Machenschaften der Aushebungskommission gegenüber einen schweren Herzfehler vorgespiegelt hätten. Die müssten jetzt richtig herangenommen und nach Russland geschickt und dort kuriert werden.' Die vom Gouvernement zu Mainz sofort eingeleitete Untersuchung ergab die völlige Haltlosigkeit dieser schweren Vorwürfe. L. und Jakob S. waren keine Drückeberger', sondern wegen tatsächlich vorhandener Krankheiten für 'vorläufig nur garnisondienstfähig' erklärt worden. Weiter stellte sich heraus, dass die Unterschrift der Eingabe gefälscht war. Der in Eltville wohnhafte Adolf Becker, die einzige als 'A. Becker" in Frage stehende Person, kam nicht als Absender in Betracht. Vielmehr ist erwiesen, dass die Ehefrau Katharina Witterstein die Schreiberin des Verleumderbriefes gewesen ist und sich hierbei nach edler Verleumderweise fürsorglich mit einem falschen Namen gedeckt hat. Die Witterstein wurde daher vom Landgericht Wiesbaden am 7. Mai 1915) wegen Beleidigung und schwerer Urkundenfälschung zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Schutz des § 193 StGB. kommt ihr nicht zu, da sie keine allgemeinen, staatsbürgerlichen berechtigten Interessen hat wahrnehmen, sondern mittels der Urkundenfälschung nur die ihr verhassten Personen hat anschwärzen und durch Verwickelung in ein Strafverfahren schädigen wollen. Die Revision der Angeklagten, die das Bewusstsein der Strafbarkeit ableugnete, hat jetzt das Reichsgericht als unbegründet verworfen."    

   
Maßnahmen der Preußischen Domänenverwaltung gegen jüdische Weinhändler (1935)  
 

Mitteilung in "Jüdische allgemeine Zeitung" vom 31. Juli 1935: "Wie der 'Westdeutsche Beobachter' mitteilt, hat die Preußische Domänenvorwaltung in Eltville beschlossen, den gesteigerten Wein erst nach acht Tagen zuzuschlagen und sich in der Zwischenzeit eingehend nach dem Steigerer zu erkundigen. Der 'Westdeutsche Beobachter' bemerkt u.a. dazu, dass die Domänenverwaltung jetzt auch in der Lage sei, gegebenenfalls nichtarischen Kommissionären den gesteigerten Wein nicht zuzuschlagen, sondern dem Nächstbietenden oder dem Drittem, wenn diese Wert darauf legten."     

   
Kleine Mitteilungen aus dem Gemeindeleben

-  1921:  "Oestrich-Winkel (Rheingau). Hier wurde unter Leitung des Herrn Lehrer Adler aus Eltville ein jüdischer Jugendverein gegründet" (in "Israelitisches Familienblatt" vom 6. Januar 1921 S. 4).    
-  1927 / 1928: der Besitzer des Bahnhofshotel Eltville stellt Räume für nationalsozialistische Treffen zur Verfügung. Dazu schreibt die "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 23. Oktober 1927 S. 607): "Wiesbaden. Wir begrüßen es mit Genugtuung, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung der Rheingauorte den Hetzreden deutschvölkischer Agitatoren nicht folgt. Wenn der Besitzer des Bahnhofshotels in Eltville hiervon eine Ausnahme macht und den Nationalsozialisten seine Räume zu Versammlungszwecken zur Verfügung stellt, wird er wohl auf die jüdischen Reisenden, die bisher sehr zahlreich dort erschienen, gerne verzichten."
In Zusammenstellungen in: "Israelitisches Familienblatt" vom 10. Mai 1928 S. 9 und ebd. vom 12. Juli 1928 S. 9 "Wo Juden unerwünscht sind" wird das Bahnhofshotel in Eltville (Besitzer Adolf Höltgen) aufgeführt unter "Judenfeindliche Hotels und Pensionen". Im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. Juni 1929 S. 4 wird mitgeteilt, dass das Bahnhofshotel in Eltville aus der Liste gestrichen werden kann. In der CV-Zeitung von 20. September 1929 S. 10 wird berichtet, dass die Versammlungen der Nationalsozialisten in Eltville inzwischen im Hotel Reisenbach stattfinden.    

      
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde      
Wolf Meier aus Flörsheim wird in den Schutz nach Eltville aufgenommen (1807, Artikel von 1874) 
 

  Artikel in "Jüdische Volkszeitung" vom 18. August 1874: "Zwei Original-Aktenstücke im Urtexte.
II.
Nachfolgenden Schutzbrief eines Juden aus dem Fürstentum Nassau-Saarbrücken wird nicht minder das Interesse unserer geschätzten Leser erregen, wie der im Vorigen beigebrachte Beweis von der Art, wie die alten Rabbinen zuweilen die 'Gewissensfreiheit', so anjetzo von den Orthodoxen so lebhaft verteidigt wird, verstanden haben. Die 'Erneuerte Ordnung' ist gedruckt und wurde das uns vorliegende Opus als 'Schutzbrief' laut Beilage gegen Erlegung von Fünfzehn Dukaten dem 'Juden Wolf Meier von Flürsheim" (Flörsheim) gegeben, welcher in den landesherrlichen Schutz nach Eltville den 28. Februar 1807 aufgenommen wurde. Also noch im Anfänge dieses Jahrhunderts! Welcher sprechende Beweis vom Umschwung der Zeiten in diesem kurzen Zeiträume. Als 'Zalsdax' (wohl Kurs der Ducaten?) ist noch die Summe von fl. 8. 15. aufgeführt und mit den anderweitigen Stempel etc. 'Daxen' machte es für jene Zeit immerhin ein erkleckliches Sümmchen. Für viel Geld wenig Schutz und wenig Gnad, doch viel Straf und Ungnad! (Redaction.).
Es folgt der Text eines Fürstlichen Schutzbriefes - unterzeichnet 1732 von Charlotta Amalia von Nassau-Dillenburg (1680-1738), Fürstin von Nassau-Usingen vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Charlotta_Amalia_von_Nassau-Dillenburg"   

    
Besuch der Kaiserin von Russland bei Gutsbesitzer Salomon Marix in Eltville (1864)  
Anmerkung: Der Bericht kann sich nur auf einen Besuch der russischen Kaiserin bei der Familie Salomon Marix beziehen; wieso hier von Adolph Marx die Rede ist, ist nicht bekannt.   

Eltville Israelit 03081864.jpg (29736 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1864: "Eltville (Nassau), den 26. Juli (1864). Ihre Majestät, die Kaiserin von Russland, welche gegenwärtig in Bad Schwalbach weilt, beehrte heute unseren Glaubensgenossen, den Gutsbesitzer Herrn Adolph Marx, mit Allerhöchstihrem Besuche."
   
Salomon Marix war ein jüdischer Tuch- und Seidenwarenhändler, der aus Paris stammte und sich 1849 in Eltville niedergelassen hat. Er erwarb zwischen 1850 und 1860 91 Morgen Land in der Stadt. Er besaß neben seiner Villa und dem 1864 erbauten Gästehaus (spätere "Villa Elvers") an der Erbacher Straße 1 ein Haus am Burgplatz, ein Haus am Bahnhof und die Eltviller Aue (bzw. Königsklinger Aue, 80 ha große Binneninsel im Rhein). Auch in Johannisberg (Erwerb des Schlosses Hansenberg 1861) und Wiesbaden hatte er Güter. Das Marix'sche Anwesen reichte vom Rheinufer bis zur Erbacher Straße, von dort bis zur Wörthstraße und zum Kiliansring. Im Park der Villa Elvers gab es eine Orangerie, Treibhäuser mit Aufenthaltsräumen, verschiedene chinesische Pavillons, einen Weiher, auf dem Seerosen blühten u.a.m. 
In der Villa Marix gab es auch eine Synagoge.  
Salomon Marx errichtete in Villmar eine durch Wasserkraft maschinell betriebene Marmorfabrik auf der linken Lahnseite ("Nassauische Marmorwerke"). 
Eltville Villa Marix 100.jpg (41969 Byte)Die 1864 als Gästehaus der Villa Marix erbaute, später sogenannte "Villa Elvers" (Foto aus dem Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 13.2.2009, siehe Link) war durch einen Übergang mit  dem Haus der Familie Marx verbunden. Zahlreiche prominente Gäste konnte Salomon Marix hier empfangen, darunter die russische Kaiserin,  den König von Württemberg, Mitglieder der herzoglich nassauischen Familie oder des preußischen Königshauses. Auch Albert Schweitzer soll zu Gast gewesen sein. 
Salomon Marx hatte zwei Söhne - Paul und Myrtil - und eine Tochter Olga. Nach seinem Tod 1873 in Wiesbaden wurde der Eltviller Besitz unter den Kindern aufgeteilt, Tochter Olga erhielt die Eltviller Aue (daher auch "Olga-Insel" genannt). Nach einigen Jahrzehnten wurden die Besitztümer der Familie weiterverkauft. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Familie Marix keinen Besitz mehr in Eltville.   
   
Links
bullet Marixverlag in Wiesbaden 
bulletArtikel im "Wiesbadener Kurier" vom 13. Februar 2009 über die Geschichte der "Villa Elvers" (Artikel von Helga Simon: "Der Zar wie Albert Schweitzer waren zu Gast"
bulletGeschichte der Nassauischen Marmorwerke in Villmar an der Lahn   
   
Eltville VAP 015.jpg (243965 Byte)Hinweis: Die Villa Elvers wird 2010/11 zu einem Wohnhaus mit hochwertigen Wohnungen umgebaut 
(nähere Informationen siehe Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10. April 2010 [pdf-Datei]; 
über das "Projekt "Villa am Park" siehe Website www.vap-gmbh.de).  

   
Zum Tod des Fruchthändlers Salomon S. aus Biebrich in Eltville (1873)  
Anmerkung: hinter der geäußerten Kritik im Artikel steht die Problematik, dass nach jüdischer Tradition ein Verstorbener möglichst innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod beigesetzt werden sollte. Dem widersprach die inzwischen (teilweise seit Anfang des 19. Jahrhunderts) geltende staatliche Vorschrift, dass eine 48-Stunden-Frist zwischen Tod und Beisetzung eingehalten werden sollte.
Beim Verstorbenen handelt es sich um Salomon Sender aus Biebrich, gest. 24. Juni 1873 und beigesetzt im alten jüdischen Friedhof in Wiesbaden. Grab https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/9337

Artikel in der "Jüdischen Volkszeitung" vom 6. August 1873: "Vom Rhein. Vor einigen Wochen ging ein jüdischer Fruchthändler, Salomon S. von Biebrich, zu Fuß nach dem zwei Stunden entfernten Eltville. Dort seine Kunden besuchend, bricht er gegen Abend bei dem Heraustreten aus dem Hause eines Bäckers plötzlich zusammen und nach einer Stunde hört er auf zu atmen. Am darauf folgenden Tage des Mittags 1 Uhr lag dieser so plötzlich Verstorbene unter der Erde. Um sich diese übermäßig rasche Beerdigung zu erklären, munkelte man, dass hier vielleicht ein Cholerafall vorliege. Das war aber durchaus nicht der Fall. Der Grund dieser schnellen Beerdigung ist vielmehr in dem Umstande zu suchen, dass der Verstorbene und dessen Familie als feurige Anhänger des Lehmann'schen Judenthums in Mainz, das auch in der Religionsgesellschaft zu Wiesbaden einen Ableger hat, es für eine Religionspflicht halten, den Verstorbenen so rasch als möglich der Erde zu übergeben. Hierbei entsteht nun die Frage: ist diese schnelle Beerdigung mit oder ohne Erlaubnis der Behörde geschehen?" 
Hinweis: ein weiterer ausführlicher und sehr kritischer Artikel zum Vorfall findet sich in der "Jüdischen Volkszeitung" vom 3. Dezember 1873 S. 388f Link: https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/9578889?query=Eltville  

    
Über den Kaufmann und Schriftsteller Gerson Stern in Kiedrich (1936)  

Kiedrich GblIsrGF Juli1936.jpg (73207 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juli 1936: "Am Kiedricher Bach aufwärts durch Kiedricher Tal in 1 Stunde nach Kiedrich. Hier schrieb Gerson Stern, der hier lange Jahre als Kaufmann lebte und nebst seiner Gattin Außerordentliches für die Verinnerlichung und jüdische Erfülltheit der Juden des Rheingaues leistete und leistet, seine viel gelesenen Romane 'Weg ohne Ende' und 'Auf drei Dingen steht die Welt'. Der Flecken Kiedrich hat dank der Bemühungen des englischen Baronets Sutton sein altertümliches Gepräge erhalten können. Die Pfarrkirche, 1481 abgeschlossener Bau, sehr sehenswert, desgleichen der Bassenheimer Hof, der 'Lange Hof' und zahlreiche Holzhäuser. Über Kiedrich die Ruine Scharfenstein, 1/4 km oberhalb Kiedrich der Kiedricher Sprudel, die 'Virchowquelle'. - Eine der schönsten Wege des Rheingaus: Vom Schwalbacher Tor in Kiedrich nach Kloster Eberbach."      
 
Kiedrich Stern B010.jpg (30303 Byte)Über Gerson Stern:  Der Schriftsteller Gerson Stern (1874-1956) stammte aus Holzminden im Weserbergland und lebte bis zu seiner Emigration in Kiedrich im Rheingau. 1939 zog er nach Palästina und gab 1941 zusammen mit Schalom Ben-Chorin in Tel Aviv die Anthologie »Menora« (Walter Menke) heraus, in der Else Lasker-Schüler mit den beiden Gedichten »Herbst« (Ich pflücke mir am Weg das letzte Tausendschön) und »Mein blaues Klavier« vertreten ist. – Sterns Hauptwerk, der Roman »Weg ohne Ende« von 1934, ist 1999 vom Verlag Carl Böschen (Siegen) neu aufgelegt worden (ISBN 3-932212-19-3).
Links: Titelbild des 2002 im Carl Böschen-Verlag aufgelegten, 1935 erstmals in Berlin erschienenen Werkes "Auf drei Dingen steht die Welt".   
LinksWikipedia-Artikel zu Gerson Stern   
Literatur: Friedrich Voit: Gerson Stern. Zum Leben und Werk des jüdisch-deutschen Schriftstellers (1874-1956). De Gruyter Berlin / Boston 2013. ISBN 978-3-11-031567-7.   

  
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen   

-  1910: Verlobung von Helene Baer aus Seligenstadt mit Julius Simon aus Eltville (in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 6. Mai 1910 S. 5)  
-  1927: Verlobung von Hanne Wolff aus Bruchsal mit Philipp Simons aus Eltville (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 10. November 1927 S. 5; Mitteilung der bevorstehenden Hochzeit in "Israelitisches Familienblatt" vom 10. Mai 1928 S. 5)
-  1928: Der Junge Manfred Winterfeld ist am 15. Dezember 1928 in Hattenheim geboren. Eltern: Hermann Winterfeld und seine Frau Betty geb. Marx in Hattenheim (in: Israelitisches Familienblatt" vom 20. Dezember 1928 S. 6). Hermann Winterfeld ist am 25. Juli 1892 in Lauenburg in Pommern geboren als Sohn von David Winterfeld und der Friederike geb. Goldstrom. 1921 heiratete er in Frankfurt am Main Emilie Dick; die Ehe wurde am 24. Januar 1924 geschieden. 1927 heiratete er in zweiter Ehe in Hattenheim Betty geb. Marx, die am 16. Januar 1901 in (Mainz-)Finthen geboren ist. Nach dem Heiratsnebenregister Standesamt Hattenheim 1926-1930 Nr. 11/1926 HStAMR Best. 919 Nr. 1628 war Hermann zum Zeitpunkt der Hochzeit Polizeibeamter außer Dienst, Betty ist als Geschäftsinhaberin eingetragen, sie war später als Schneiderin tätig. Die Ehe zwischen Hermann und Betty Winterfeld wurde am 21. Januar 1930 geschieden. Hermann Winterfeld heiratete in dritter Ehe 1933 in Wiesbaden. 
Betty Winterfeld geb. Marx und ihr Sohn Manfred lebten zuletzt in Mainz (siehe Kennkarte von Manfred unten), beide wurden 1942 über Darmstadt in das Ghetto Piaski deportiert und ermordet. Seit 2009 erinnern "Stolpersteine" an die beiden in der Poststraße 13 in Mainz-Finthen (hier auch Stolpersteine für Leopold Marx und Ella Marx). https://beer-mainz.de/Stolpersteine-Mainz/Mainz-Finthen  Nach Betty Winterfeld ist in Finthen seit 2021 die "Betty-Winterfeld-Straße" benannt.   
-  1929: 86. Geburtstag von Simon Neumann in Rauenthal am 17. Juli 1929  (in "Israelitisches Familienblatt" vom 11. Juli 1929 S. 6)
-  1931: Gestorben ist Simon Neumann in Rauenthal im Alter von 88 Jahren (in "Israelitisches Familienblatt" vom 30. Juli 1931 S. 7).         
-  1938: Trauung von Arthur Reis in Frankfurt, Rechneigrabenstraße 8, mit Paula Lamm aus Eltville (in: "Jüdisches Gemeindeblatt für Frankfurt" September 1938 S. 22) 

       
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe 
Lehrlingssuche des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes E. Haimann (1900)  

Eltville Israelit 22111900.jpg (36685 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1900: 
"Suche für mein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft zum baldigen Eintritt einen 
Lehrling

E. Haimann, Eltville, Rheingau."   

   
Anzeige von Metzgermeister Alfons Mannheimer (1912) 

Anmerkung: Für Alfons Mannheimer (geb. 9. Juli 1886 in Eltville als Sohn von Leopold Mannheimer [1852-1936] und Karolina geb. Löb [ca. 1855-1933], 1942 deportiert und im KZ Majdanek oder Vernichtungslager Sobibor ermordet) und seine Frau Thekla Mannheimer geb. Haas (geb. 1886, deportiert und ermordet in Sobibor) sowie ihre Kinder Alfred Mannheimer (geb. 24. Juni 1914 in Eltville, wohnhaft in Aachen, Wiesbaden und Frankfurt, 1942 deportiert und ermordet in Majdanek), Kurt Mannheimer (geb. 1915, Flucht in die USA 1938), Ernst Mannheimer (geb. 1917, Flucht in die USA 1938), Walter Mannheimer (geb. 15. Mai 1919, wohnhaft Wiesbaden, dann Aachen, Flucht 1939 Belgien usw., deportiert 31. Juli 1943 nach Auschwitz und ermordet) und Hilde Mannheimer geb. Goldberg (geb. 1920, Flucht nach Belgien, mit Hilfe überlebt), Otto Mannheimer (geb. 31. März 1924, wohnhaft in Eltville, Wiesbaden, Frankfurt am Main, deportiert 1942 Majdanek und ermordet), Günter Mannheimer (geb. 31. Oktober 1925, wohnhaft Eltville, Wiesbaden und Frankfurt am Main, deportiert 1942 Majdanek und ermordet.
Am früheren Haus der Familie in der Leerstraße 22 befinden sich seit 24. Oktober 2019 für alle genannten Personen Stolpersteine.     https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eltville_am_Rhein   

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. März 1912: "Suche einen jüngeren sauberen
Metzgergehilfen
bei gutem Lohn.
Alfons Mannheimer
Metzgerei u. Wurstfabrik Eltville u. Rh., Leerstraße 22." 

  
Anzeige von Rechtsanwalt Dr. Robert Rosenthal (1919)
 
Anmerkung: Dr. Robert Rosenthal ist am 9. April 1888 in Wetzlar geboren als Sohn des Kaufmanns Julius Rosenthal und seiner Frau Mathilde geb. Levy. Er war seit dem 20. Mai 1924 verheiratet mit Marie Margarete geb. Ganz, die am 18. Januar 1905 in Mainz geboren ist als Tochter von Isidor Ganz und seiner Frau Berta Elise geb. Bender. Robert und Margarete Rosenthal hatten eine Tochter Renate Mirjam, die am 3. August 1925 in Wiesbaden geboren ist.
Robert Rosenthal hat 1919 in Eltville eine Rechtsanwaltspraxis eröffnet. Zuvor und danach war er in Halle. 1923 erhielt er für das Amts- und auch für das Landgericht Wiesbaden eine Zulassung als Rechtsanwalt. Nach der Hochzeit mit Marie Margarete geb. Ganz zog das Paar nach Wiesbaden in die Parkstraße 43. Robert Rosenthal betrieb zunächst gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Dr. Seligsohn, dann gemeinsam mit dem Anwalt Arnold Kahn eine Praxis. Da er ab 1933 in Deutschland als Rechtsanwalt keine Zukunft mehr sah, verließ die Familie Deutschland Ende 1933 und lebte zunächst in Paris, danach in Holland. Hier wurden freilich alle drei 1943 in Amsterdam verhaftet und nach Westerbork verbracht. Am 6. Juli 1943 erfolgte der Weitertransport von Robert und seiner Frau Margarete in das Vernichtungslager Sobibor. Die Tochter Renate Mirjam wurde nach Auschwitz deportiert. Alle drei wurden ermordet.
Ausführliche Darstellung im Rahmen der Geschichte der Familie Isidor Gans siehe https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/albrechtstr-13/isidor-ganz/ 

Anzeige in den "KC-Blättern" März 1919 S. 70:
"Ich habe mich in Eltville am Rhein als
Rechtsanwalt niedergelassen.
Dr. Robert Rosenthal (Lic.)  Rechtsanwalt."     
Hinweis: in den "KC-Blättern" November 1919 S. 204 kam die Mitteilung: "Dr. Robert Rosental, Eltville, dankt Herrn Rechtsanwalt Marxheimer, Wiesbaden, für eine im Andenken an den gefallenen Kartellbruder Benjamin Marxheimer erwiesene Aufmerksamkeit" (Spende von 50.- Mark für die K.C.-Kasse).  

    
Anzeigen des Manufakturwaren- und Kurzwarengeschäftes Max Eis (1920 / 1937)  
Anmerkung: Max Mordechai Eis ist am 8. Februar 1862 in Bingen geboren als Sohn des Schreinermeisters Josef Eis und seiner Frau Anna geb. Herzog in Bingen. Max Eis war seit 23. Februar 1892 (in Eltville) verheiratet mit Juli(e) Bertha geb. Mannheimer, die am 15. Januar 1867 in Eltville geboren ist als Tochter des Bernhard Mannheimer (geb. 26. Januar 1832, gest. 29. November 1880, Grab im jüdischen Friedhof Oestrich: https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/4353) und seiner Frau Johanna geb. Herzog (geb. 10. August 1837, gest. 26. April 1898, Grab im jüdischen Friedhof Eltville: https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/19689). Max und Juli Eis hatten zwei Kinder: Bernhard (geb. 7. Juni 1894 in Eltville, verheiratet mit Hertha Paula geb. Pollak) sowie Franziska Frieda (geb. 1889 später verheiratet mit dem Kaufmann und Juwelier Carl Salomon Oppenheim, 1936 nach Palästina/Erez Israel eingewandert).

Max Eis hatte 1889 in Eltville mit großem Erfolg ein Kaufhaus für Möbel und Textilwaren gegründet (Adresse Schwalbacherstraße 11). Sein Sohn Bernhard übernahm Anfang 1919 die Führung des Geschäftes. Der Vater Max Eis ist bereits am 4. Mai 1919 verstorben und wurde im jüdischen Friedhof Eltville beigesetzt https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/19715. Seine Frau Juli starb am 24. Januar 1926 in Eltville und wurde neben ihrem Mann im jüdischen Friedhof Eltville beigesetzt. 
Über die weitere Geschichte von Sohn Bernhard Eis und seiner Frau Hertha geb. Pollack siehe ausführlich - mit Fotos und Dokumenten - die Seite https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/bahnhofstr-46/bernhard-und-hertha-eis-bzw-ness/. Nach schlimmen Vorkommnissen nach 1933 und speziell beim Novemberpogrom 1938 in Eltville, zuletzt im Judenhaus Wiesbaden Bahnhofstraße 46 konnten die beiden 1941 noch in die USA emigrieren. Bernhard Eis nannte sich hier Bernard Ness. Er starb am 4. März 1972 in San Francisco, seine Frau Hertha am 21. Oktober 1979. 
Vor dem Haus Schwalbacher Straße 11 wurden am 24. Oktober 2018 Stolpersteine für die Ehepaare Bernhard und Hertha Eise sowie Karl und Franziska Frieda Oppenheim verlegt, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eltville_am_Rhein.  

Anzeige in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 12. März 1920: "Suche per 1. April oder später für mein Manufakturwaren- und Kurzwarengeschäft eine tüchtige
junge Verkäuferin

möglichst israelitisch bei freier Station. Offerten mit Gehaltsansprüchen, Zeugnissen und Bild erbeten an
Max Eis, Eltville a. Rh.
 
Anzeige im "Israelitisches Familienblatt" vom 11. Februar 1937: "Tüchtiger jüngerer Detailreisender
der Manufakturwarenbranche mit guten Zeugnissen und Referenzen per sofort oder später gesucht. Kost und Logis im Hause (nicht rituell). Offerten mit Lichtbild und Zeugnissen an
Max Eis, Eltville am Rhein, bei Wiesbaden.
"    
Anmerkung: weitere Anzeigen der Fa. Max Eis unter anderem in "Israelitisches Familienblatt" vom 28. April 1927 S. 7, ebd. vom 10. Januar 1929 S. 16 und ebd. vom 22. November 1935 S. 5. 

   
Anzeige Max Neumann, Manufaktur- und Schuhwarengeschäft (1922)   
Anmerkung: der Kaufmann Max Neumann ist am 4. Juli 1884 in Rauenthal geboren als Sohn des Metzgers Adolph Neumann und der Betti geb. Löwenstein in Rauenthal. Max Neumann heiratete am 19. Oktober 1919 in Leer Amalie geb. Gans, die am 25. April 1889 in Leer geboren ist als Tochter des Uhrmachers Jakob Nathan Gans und seiner Frau Karoline geb. Weinberg.
Max und Amalie Neumann hatten zwei Kinder: Adolf (geb. 16. Mai 1921 in Eltville) und Karola (geb. 6. August 1922 in Eltville). Die Familie lebte in der Rheingauer Straße 23 in der Eltviller Kernstadt.
Alle Familienglieder konnten 1936 in die USA emigrieren. Für die Familie wurden im Herbst 2026 "Stolpersteine" verlegt. In den USA verstarben Amalie Neumann am 29. Juli 1978, Max Neumann am 21. Mai 1982. Carola heiratete am 31. August in den USA Norbert David Hess aus Würzburg. Die beiden konnten September 1938 in die USA emigrieren. Sohn Adolf änderte seinen Familiennamen in den USA in Alfred. Gräber von Max und Amalie: https://de.findagrave.com/memorial/233169523/max-neumann, Grab von Carole und ihrem Mann Norbert:  https://de.findagrave.com/memorial/287509917/carole-hess   
Ausführliche Informationen zur Familie Neumann aus Rauenthal: https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/judenhaus-nerotal-53/karolina-neumann-genannt-lina-und-ihre-familie/     

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 12. Januar 1922: "Verkäuferin
für Manufaktur- und Schuhwaren
,
welche branchekundig ist, für sofort gesucht. Angebote erbittet mit Gehaltsansprüchen 
Max Neumann, Eltville am Rhein."    

  
Anzeige der Metzgerei Alfons Mannheimer (1923)  
Anmerkung: Alfons Mannheimer (geb. 1886) war in erster Ehe verheiratet mit Berta geb. Meyer (geb. 21. August 1857 in Neidenstein oder Niedenstein als Sohn des Metzgers Isaak Meyer und der Adelheid geb. Haber; Berta starb am 25. Oktober 1929, beigesetzt im jüdischen Friedhof Eltville, Grab: https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/19709
Hinweis: Der Geburtsort wird nicht das badische Neidenstein sein, wie der Blick in das Geburtsregister von Neidenstein zeigt. Dort ist 1857 (siehe http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1221727-310), jedoch am 7. April 1857 eine Bertha Maier geboren, doch war sie Tochter des Handelsmannes Abraham Maier und der Sophie geb. Strauß. Die jüdischen Familien Maier schreiben sich in Neidenstein mit "ai".
Über das Schicksal von Alfons Mannheimer und seiner (zweite) Frau Thekla geb. Haas (geb. 1894) sowie ihren Kindern geben in Kürze die für sie in der Leerstraße 22 verlegten Stolpersteine Auskunft: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eltville_am_Rhein  

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 1923: "Ein tüchtiger Geselle
bei gutem Lohn sofort gesucht. 
Alfons Mannheimer
, Metzgerei,
Eltville
am Rhein, Leerstraße 22."   

    
Anzeige der Barmizwa-Feier von Fritz Simons (1927)  
Anmerkung: in der Taunusstraße 14 in Eltville wurden am 24. Oktober 2018 "Stolpersteine" verlegt für Fritz Simons, Jahrgang 1914, Flucht 1937 USA" sowie für weitere Angehörige der Familie Simons. Fritz Simons war ein Sohn von Jacob Simons (geb. 15. Februar 1883 als Sohn von Adolf Nathan Simons aus Gießen und seiner Frau Johanna geb. Nathan aus Kiedrich) und dessen Frau Karoline (Lina) geb. Jacoby. Jacob Simons ist 1933 gestorben und wurde im jüdischen Friedhof Eltville beigesetzt, Grab: https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/19712.     

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 14. Juli 1927: "Allen Verwandten und Bekannten zeigen hiermit die am
23. Juli 1927 / 23. Tamus 5687 - so Gott will - stattfindende Barmizwoh
unseres Sohnes Fritz an.
Jakob Simons und Frau Lina geb. Jacoby.
Eltville im Rheingau."     

      

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in Hattenheim 
geborenen Manfred Winterfeld
 
 Hattenheim KK MZ Winterfeld Manfred.jpg (91167 Byte)  
   Kennkarte (Mainz 1939) für Manfred David Winterfeld (geb. 15. Dezember 1928 
in Hattenheim im Rheingau, siehe weitere Informationen oben), Schüler, am 25. März 1942 deportiert über Darmstadt 
in das Ghetto Piaski, umgekommen; für Manfred Winterfeld wurde am 23. Januar 2009 
in Mainz-Finthen, Poststraße 13 ein "Stolperstein" verlegt (Link)   
 

    
    
    

Zur Geschichte der Synagoge  
       
  
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. 1739 wurde regelmäßig Gottesdienst abgehalten. Der Betsaal war 1787 im Haus des Enoch Abraham. 
    
1831 hat das jüdische Gemeindeglied Israel Mayer der jüdischen Gemeinde ein Gebäude in der heutigen Schwalbacher Strauße überschrieben und dieses zu einer Synagoge umbauen lassen. Es wurde ein zweigeschossiger Massivbau mit Stilformen des romantischen Klassizismus erstellt. Das Gebäude hatte beziehungsweise hat ein steiles Satteldach traufseitig zum Verlauf der Straße und einen Zwerchgiebel mit zwei Rundbogenfenstern. Die Fassade zeigt eine dreiteilige Fenstergruppe mit Rundbögen und kleiner Brüstung.  
In der Synagoge hatte es im Betsaal im Erdgeschoss auf ca. 30 Quadratmetern 44 Plätze für Männer, auf der Empore 30 für Frauen. Schwierigkeiten mit dem Gottesdienst gab es in den 1840er-Jahren, da die Oestricher Juden ihre eigene Synagoge nicht aufgeben wollten und so nicht mehr genügend Männer regelmäßig zum Gottesdienst nach Eltville kamen.  
   
Am 5. September 1931 konnte das 100-jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden. Der "Rheingauer Bürgerfreund" berichtete am 7. September 1931: "Israelitische Gemeinde feiert 100-jähriges Bestehen der Synagoge. ...Sie wurde 1831 erworben und zweckentsprechend umgebaut... Es wurde seit Jahrzehnten an einen Neubau gedacht, aber in Anbetracht der schlechten Verhältnisse davon Abgesehen. Die Synagoge wurde jetzt renoviert. Die Eröffnungs- und Begrüßungsrede hielt Lehrer Katzenstein aus Schierstein - die Festrede der Bezirksrabbiner Dr. Lazarus aus Wiesbaden. Es wurde eine Tafel für die für das Vaterland Gefallenen enthüllt."    
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Leute völlig verwüstet, das Gebäude blieb erhalten. Es ging wenig später in Privatbesitz über und wurde zu einem bis heute bestehenden Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Eine Hinweistafel ist angebracht.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge Schwalbacher Straße 3  (frühere Holzstraße bzw. Holzgasse Gebäude Nr. 179)   
    
    
Fotos
(Fotos: sw-Fotos: links aus Arnsberg Bilder s. Lit. S. 49, rechts aus Altaras 1988 S. 177; farbige Fotos Hahn, Aufnahmedatum 10.8.2008)  

Historische Fotos    Historische Fotos sind noch nicht vorhanden; 
über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; 
Adresse siehe Eingangsseite.
       
Das ehemalige Synagogengebäude 
nach 1945
Eltville Synagoge 141.jpg (81222 Byte) Eltville Synagoge 140.jpg (62496 Byte)
   Das Gebäude um 1970 Das Gebäude im Juli 1984
     
Eltville Synagoge 174.jpg (75762 Byte) Eltville Synagoge 173.jpg (76938 Byte) Eltville Synagoge 170.jpg (85148 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge (2008 und 2018)
(Foto in der Mitte rechts von Klara Strompf, Aufnahme vom 24.8.2018)
Hinweistafel: "Hier befand sich von 
1832-1938 die Synagoge der
 Israelitischen Kultusgemeinde Eltville" 
  
   
   
 Ehemalige Synagoge und Hinweistafel
(Fotos: Stefan Haas, Aufnahmen vom 29.10.2025)
   
   Text der Tafel siehe oben

      
      
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

März 2010: Verlegung von "Stolpersteinen" in Kiedrich  
Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 13. März 2010 (Artikel): "Kiedrich - Erstmals Stolpersteine
Kiedrich.
(red). Auf Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen hat der Künstler Gunter Demnig drei sogenannte Stolpersteine (Gedenksteine) angefertigt für den jüdischen Schriftsteller Gerson Stern, seine Ehefrau Erna und seinen Sohn Joel Harry Stern, die unter dem Druck des nationalsozialistischen Regimes 1937 Kiedrich verließen und im März 1939 nach Palästina emigrierten. Die Steine werden nun zum Gedenken vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Stern verlegt. Dazu sind alle Kiedricher am Dienstag, 16. März, um 13.30 Uhr in die Scharfensteiner Straße 16 eingeladen." 
  
Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 17. März 2010 (Artikel): "In Kiedrich hoch angesehen. 
STOLPERSTEINE Förderkreis erinnert mit der Aktion von Gunter Demnig an die jüdische Familie Stern. 

(dre). Im Jahr 2000 startete Gunter Demnig sein Projekt Stolpersteine zur 'Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, Zigeuner, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer im Nationalsozialismus'. Seitdem verlegte der Künstler in 536 Orten Deutschlands und anderen Ländern Europas gut 23.000 Stolpersteine, aber noch keinen einzigen im Rheingau. Das änderte jetzt die Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen mit dem 537. Ort..."    
  
Artikel im "Wiesbadener Tagblatt" vom 3. April 2010 (Artikel): "Erinnerung an "Tante Erna"
KIEDRICH - GEDENKEN Die ehemalige Kiedricherin, für deren Familie ein Stolperstein verlegt wurde, ist unvergessen. 

(red). In Kiedrich ist vor kurzem der erste Stolperstein im Rheingau verlegt worden. Auf Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen wird damit an die Familie Stern erinnert: Den Kaufmann, Gutsbesitzer und Autor Gerson Stern, seine Frau Erna und ihren Sohn Joel Harry. Von 1920 bis 1937 lebte die Familie in der Scharfensteiner Straße 16. Den zweiten Vorsitzenden des Förderkreises, Rudolf Fenzl, erreichte nun ein Schreiben von Christel Michal- Evenari, die mit dem Sohn des Bruders von Erna Stern verheiratet war. Eliahu Evenari ist allerdings vor einigen Jahren gestorben..."    
   
August 2017: Vorbereitung der Verlegung von "Stolpersteinen" - Wer erinnert sich an jüdische Einwohner in Eltville  
Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 31. August 2017: "Stadt Eltville startet Aufruf: Wer erinnert sich an jüdische Nachbarn?
ELTVILLE -
(red/olko). Im Rheingau gibt es sie bislang in Geisenheim, Oestrich-Winkel und Kiedrich: Die Rede ist von den 'Stolpersteinen'. Mit den kleinen, in der Straße eingelassenen Messingplaketten will der Künstler Gunter Demnig an Menschen erinnen, die in der Zeit des Nationalsozialismus (NS) verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Nun sollen auch in Eltville Stolpersteine verlegt werden.
Erinnerungen an die Opfer wachhalten. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, soll das Projekt die Erinnerung an die Opfer wachhalten. Die Zeit, in der Augenzeugen lebendig und authentisch über die Schrecken Nazi-Deutschlands und die Verfolgung der jüdischen Nachbarn und anderer Opfergruppen erzählen können, sei bald vorbei. Schließlich seien die Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges mittlerweile hochbetagte Menschen. Die Stadtverordnetenversammlung hatte beschlossen, Stolpersteine in Eltville und den Stadtteilen zu verlegen, um damit die Erinnerung an die Leiden der Juden und anderer Verfolgter auch in der Stadt stets wachzuhalten.
KONTAKT. Wer etwas über jüdische Mitbürger in Eltville weiß, kann sich bei Sebastian Koch unter Telefon 0175-590 65 01 und per E-Mail an sebiko@gmx.de melden, oder bei Waltraud Wolter, die für die Stadt Eltville den Kontakt zum Künstler Gunter Demnig pflegt. Sie ist unter Telefon 0171-8306785 oder per E-Mail an waltraud-wolter@gmx.de zu erreichen.
Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU) ruft deshalb dazu auf, dass sich Eltviller Bürger, die sich an verschleppte jüdische Nachbarn und andere Opfer des NS-Regimes erinnern können, melden und darüber berichten. Der Historiker Sebastian Koch recherchiert im Auftrag der Stadt Eltville, wo die Opfer des nationalsozialistischen Regimes einst gelebt haben. Vor den Häusern der Betroffenen, die einst in Eltville wohnten, sollen Stolpersteine an die Menschen und ihr Schicksal erinnern. 'Ihre Erzählungen helfen uns bei der Recherche', sagte Kunkel an die Adresse der Bürger. 'Eventuell führt uns gerade Ihr Bericht auf eine Spur.'. Ziel sei es, so Kunkel, im März oder April 2018 mit der Verlegung der Stolpersteine in Eltville zu beginnen. Der Bürgermeister schätzt, dass man auf 30 bis 40 Stolpersteine kommen wird. Was die Finanzierung der Aktion angeht, so hofft er auf Spenden." 
Link zum Artikel https://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/rheingau/eltville/stadt-eltville-startet-aufruf-wer-erinnert-sich-an-judische-nachbarn_18146165#  
 
Dezember 2017: Die Verlegung von 40 "Stolpersteinen" in Eltville, Erbach und Rauenthal ist geplant  
Pressemitteilung der Stadt Eltville vom 12. Dezember 2017: "Eltville am Rhein. In Eltville werden Stolpersteine verlegt: Paten gesucht
Das Projekt 'Stolpersteine', initiiert und organisiert von dem Künstler Gunter Demnig, soll die Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Opfer des Nationalsozialismus wachhalten. Die Zeit, in der Augenzeugen lebendig und authentisch über die Schrecken Nazi-Deutschlands und die Verfolgung der jüdischen Nachbarn erzählen können, ist bald vorbei. Denn die Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges sind mittlerweile hochbetagte Menschen. Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, Stolpersteine in Eltville und den Stadtteilen zu verlegen, damit die Erinnerung an die Leiden der Juden und anderer Verfolgter auch hier in der Stadt stets wachgehalten wird.
'Wir sind überwältigt, wie viele Menschen nach dem Vortrag des Künstlers hier in Eltville im November schon ihre Unterstützung für das Projekt angeboten haben', freut sich Bürgermeister Patrick Kunkel. Ein Stolperstein inklusive Verlegen kostet 120 Euro. 'Wir sind auf der Suche nach Paten, die die Kosten für die Steine übernehmen', appelliert Kunkel an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Denn es werden in der Eltviller Kernstadt, in Erbach und in Rauenthal insgesamt fast 40 Steine verlegt, die für genauso viele berührende Einzelschicksale stehen.
'Jede kleine Spende hilft', erklärt Kunkel. Wer spenden möchte, kann dies unter dem Kennwort 'Spende Stolpersteine' bei der Nassauischen Sparkasse tun: Die IBAN lautet DE17 5105 0015 0461 0000 29."  
Die Pressemitteilung erschien unter anderem im "Wiesbadener Tagblatt" vom 13. Dezember 2017: "Eltville sucht Paten für Stolpersteine" 
 
Juni 2019: Vortrag zur jüdischen Geschichte in Erbach und Umgebung  
Artikel von Claudia Kroll-Kubin im "Wiesbadener Tagblatt" vom 8. Juni 2019: "Rundgang durch Erbach auf den Spuren jüdischer Geschichte
Erbacher Erinnerungskultur: Der Historiker Sebastian Koch referiert zur Geschichte jüdischen Lebens im Rheingau.
ERBACH
- 'Auch im Rheingau wird über die Stolpersteine geredet, was ein zentrales Anliegen des Künstlers Gunter Demnig ist, der mit ihnen ein dezentrales Mahnmal geschaffen hat, um eine Diskussion über den Holocaust zu entfachen. Wobei es auch Einwände gegen diese Erinnerungsform gibt und nicht alle Juden diese befürworten.' So stieg Historiker Sebastian Koch am Donnerstagabend vor rund 50 Gästen im Evangelischen Gemeindehaus Erbach in seinen Vortrag zum Thema 'Jüdische Nachbarn im Rheingau – sichtbare Spuren und (ver)stumm(t)e Zeugen' ein. Er betonte, dass auch in Erbach bereits ein intensiver Prozess der Auseinandersetzung mit dem jüdischen Leben stattgefunden habe. 'Stolpersteine sind eine Erinnerungskultur, die Funktion ist sinnstiftend', erklärte der Erforscher der jüngeren jüdischen Geschichte aus Fulda weiter. Eingeladen zu diesem Forum im Rahmen des Jahresprogrammes 'Lehrhaus trifft Gemeindehaus' hatte die Evangelische Kirchengemeinde Triangelis mit der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden. Wie Koch aufzeigte, lässt sich die jüdische Geschichte im Rheingau bis ins Jahr 1634 zurückverfolgen. In Erbach liegt das erste Zeugnis 1643 vor. 'Es gab mehrere Großfamilien, in Eltville die Familie Mannheimer, in Geisenheim die Familie Strauss und in Rüdesheim die Familie Levitta', zählte der Historiker auf und markierte, dass es in Erbach neben Einzelpersonen auch zwei Familien gab: Ehrenstamm und Heyum, letztere eine recht weitverzweigte Familie von der es zur Zeit des Nationalsozialismus noch einige Mitglieder in Erbach gab. 'Diese sind in der Shoa umgekommen. Die Stolpersteine hier außerhalb der Kirche legen Zeugnis davon ab', informierte Koch dann später beim Rundgang an die Orte des Geschehens, mit Marktplatz und Hauptstraße, an dem auch Nachkommen aus der Gesamtfamilie Heyum teilnahmen, die ihren Stammbaum mitgebracht hatten. Zuvor hatte Koch unter anderem auch darüber referiert, dass insbesondere der Weinhandel eine Domäne der Juden war. 'Die Forschung geht davon aus, dass der Marktanteil der jüdischen Händler bei über 70 Prozent lag', so Koch und unterstrich: 'Das deutsche Weingeschäft wäre ohne die internationalen Kontakte der jüdischen Weinhändler, ohne ihre Fähigkeit den Rheingauer Wein auf den amerikanischen Markt zu bringen und dort zu bewerben, nicht das geworden, was es heute ist.' Wobei man auch davon ausgehen dürfe, dass das Verhältnis zwischen Weinbau und jüdischem Handel gut war. Belegen lasse sich das für die Weinbauverwaltung Kloster Eberbach, wo der dortige Weinbaudirektor 1935 von den Juden als gute Geschäftspartner sprach und sich noch im Jahr 1936 im goldenen Buch von Eberbach jüdische Namen finden.
Ausschluss jüdischer Konkurrenz im Weinbau. Nach der beginnenden Ausschaltung der Juden aus der Wirtschaft stellte sich der Weinhandel als 'fette Beute' dar, führte der Historiker weiter aus und markierte: 'Dies manifestiert sich in einem Brief von 25 Weinhändlern aus der Region, eigenhändig unterschrieben, an die Weinbaudirektion Kloster Eberbach. Hier verlangen sie den Ausschluss der jüdischen Konkurrenten von den Versteigerungen in Eberbach, ansonsten würde man die Auktionen boykottieren.' In der Folge wechselten viele jüdische Weinhandelsgeschäfte den Besitzer, wie Koch zudem wissen ließ und final unterstrich, dass auch der jüdische landwirtschaftliche Grundbesitz im Rheingau arisiert wurde. Sebastian Koch: 'Immerhin 6,5 Hektar. Dabei dürfte es sich hauptsächlich um Weinberge gehandelt haben.'"
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Oktober 2019: Verlegung weiterer "Stolpersteine" in Eltville  
Artikel im "Wiesbadener Tagblatt" vom 13. August 2019: " Eltville erhält weitere 'Stolpersteine'
ELTVILLE -
(red). Der Künstler Gunter Demnig wird am 24. Oktober zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus weitere 18 'Stolpersteine' in Eltville verlegen – und inzwischen steht auch fest, an welchen Stellen. Los geht es um 9 Uhr vor der Leergasse 22, gefolgt von der Marktstraße, der Schwalbacher Straße und der Jahnstraße. 'Wir haben schon Spenden erhalten und bedanken uns herzlich dafür', so Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU). Das Projekt sei allerdings noch lange nicht finanziert. Ein Stolperstein kostet inklusive Verlegung 120 Euro. 'Wir sind auf der Suche nach weiteren Spendern', appelliert der Rathauschef an die Bürger der Stadt. Denn insgesamt würden mehr als 40 Steine verlegt. Spenden lassen sich unter dem Stichwort 'Spende Stolpersteine' auf das Konto mit der IBAN DE17 5105 0015 0461 0000 29 bei der Nassauischen Sparkasse überweisen." 
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Artikel im "Mittelrhein-Tageblatt" vom 20. Oktober 2019: "Eltville am Rhein – Stolpersteine für Eltville am Rhein: Route am 24. Oktober/Bus
Eltville am Rhein – Gesellschaft: In Eltville am Rhein werden weitere Stolpersteine verlegt. Das Projekt 'Stolpersteine', initiiert und organisiert von dem Künstler Gunter Demnig, soll die Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Opfer des Nationalsozialismus wachhalten. Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, Stolpersteine in Eltville und den Stadtteilen zu verlegen, damit die Erinnerung an die Leiden der Juden und anderer Verfolgter auch hier in der Stadt stets wachgehalten wird. Am Donnerstag, 24. Oktober 2019, kommt der Künstler erneut in die Wein-, Sekt- und Rosenstadt, um weitere 18 Stolpersteine an vier Verlegestellen in der Eltviller Kernstadt zu verlegen. Los geht es um 9 Uhr vor dem Haus in der Leergasse 22. Anschließend laufen die Teilnehmenden in die Marktstraße 1 und in die Schwalbacher Straße 11. Vierte und letzte Station ist die Jahnstraße 2. Schülerinnen und Schüler der Gutenberg-Realschule und des Gymnasiums Eltville umrahmen das Verlegen der Steine mit einem Programm. 'Ganz besonders freuen wir uns in diesem Jahr auf Angehörige der Opfer, die wir aus den USA und aus Israel erwarten', berichtet Bürgermeister Patrick Kunkel von Kontakten im Vorfeld. Am Donnerstag steht wieder ein Fahrdienst für diejenigen bereit, die die Strecke zwischen den einzelnen Verlegestellen nicht laufen können. 'Wir haben schon Spenden erhalten und bedanken uns herzlich dafür', so Kunkel. Das Projekt ist allerdings noch nicht finanziert. Ein Stolperstein inklusive Verlegen kostet 120 Euro. 'Wir sind auf der Suche nach weiteren Spendern', appelliert Kunkel an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Denn es werden in Eltville am Rhein insgesamt über 40 Steine verlegt, die für genauso viele berührende Einzelschicksale stehen. 'Jede kleine Spende hilft', erklärt Kunkel. Wer spenden möchte, kann dies unter dem Kennwort 'Spende Stolpersteine' bei der Nassauischen Sparkasse tun: Die IBAN des städtischen Kontos lautet: DE17 5105 0015 0461 0000 29." 
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Herbst 2026: Weitere Stolpersteine werden verlegt   
Pressemitteilung der Stadt Eltville vom 16. April 2026 (Andrea Schüller): "Gedenken und Erinnerung. Neue Stolpersteine in Eltville am Rhein: Zur Erinnerung an Familie Neumann
Die Stadt Eltville am Rhein wird im Herbst diesen Jahres vier weitere Stolpersteine verlegen und sucht Patinnen und Paten für das Projekt.
Eltville am Rhein. Die Stadt Eltville am Rhein wird noch in diesem Jahr vier weitere Stolpersteine verlegen. 'Zur Erinnerung an Familie Neumann, die Opfer der Nationalsozialisten wurde, stellt das Team rund um den Künstler Gunter Demnig gerade vier neue Stolpersteine her', berichtet Bürgermeister Patrick Kunkel. Diese sollen im Herbst verlegt werden. Der Künstler Gunter Demnig hatte die Idee zu den Stolpersteinen nach eigenen Angaben 1992/93. Seine Vorgabe ist, dass die Stolpersteine vor jenen Wohnhäusern verlegt werden, in denen die Opfer des Nationalsozialismus zuletzt freiwillig lebten. Manchmal sind diese letzten Wohnorte nicht zu recherchieren. Deswegen war das Projekt Stolpersteine für die Stadt Eltville im Jahr 2021 vorübergehend abgeschlossen. In Kooperation mit dem Künstler Gunter Demnig hatte die Stadt insgesamt 54 Stolpersteine in vier Stadtteilen verlegt. 'Inzwischen haben sich Angehörige bei der Stadt gemeldet und uns Papiere ihrer Familie vorgelegt', berichtet Bürgermeister Kunkel weiter. Mit Hilfe dieser Unterlagen konnte Dr. Sebastian Koch, der von der Stadt beauftragte Historiker, die notwendigen Daten recherchieren. Die Inschriften für die vier neuen Stolpersteine sind gerade in der Abstimmung. Es handelt sich um Familie Neumann, die aus den Eltern Max und Amalie sowie den Kindern Alfred und Karola bestand. Alle sind 1936 vor den Nationalsozialisten in die USA geflohen. Ihr letzter Wohnort war die Rheingauer Straße 23 in der Eltviller Kernstadt.
Suche nach Patinnen und Paten. 'Um das Erinnerungsprojekt in der Bevölkerung zu verankern, suchen wir auch dieses Mal wieder Patinnen und Paten für jeden der vier Stolpersteine', erklärt Bürgermeister Patrick Kunkel. Die Herstellung eines Stolpersteins kostet 120 Euro. 'Es geht uns jedoch nicht nur um die Übernahme von Kosten, sondern um eine Verbindung der Bevölkerung zu dem Projekt und auch um die Pflege der Stolpersteine in der Zukunft', betont Kunkel. Patinnen und Paten der bisher verlegten Stolpersteine halten diese glänzend. Wer sich für eine Patenschaft interessiert, meldet sich gerne bei der Projektleiterin: Andrea Schüller, E-Mail andrea.schueller@eltville.de, Telefon 06123 697-181. Zur Verlegung der neuen Stolpersteine lädt die Stadt Eltville rechtzeitig alle Interessierten ein." 
Link zum Artikel - Pressemitteilung  
 

  
     
Links und Literatur    

Links:  

bulletWebsite der Stadt Eltville 
bulletSeite zur jüdischen Geschichte in Eltville im Informationsdienst von LAGIS: https://lagis.hessen.de/de/orte/synagogen-in-hessen/alle-eintraege/84_eltville-am-rhein (nach intensiver Auswertung der Akten zur jüdischen Geschichte in Eltville!)     
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Eltville (interner Link) 

Literatur:  

bulletGermania Judaica II,1 S. 207-208; III,1 S. 298-300.
bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 157-159.  
bulletders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 49.  
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 177-178. 
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 144.   
bulletdies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S. 368.  
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 292-293.    
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 366-367. 

     
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Eltville  Hesse-Nassau. Jews living there in the 14th century fell victim to the Black Death persecutions of 1348-49. A permanent community was only established in 1780. Its members, who opened a synagogue in 1831 and numbered 58 (over 1 % of the total) in 1895, were affiliated with Wiesbaden's rabbinate. In 1925 the community also had members in Erbach (27), Oestrich (18) and three other neighboring villages. On Kristallnacht (9-10 November 1938), SA men destroyed the synagogue's interior and Nazis looted Jewish property (especially wine cellars) throughout the region. Of the 37 Jews left in Eltville, 12 emigrated and 18 removed elsewhere; all those remaining in the area were deported by 1941.  
   
     

                   
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Stand: 09. August 2026