|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"
zur Übersicht
"Synagogen im Kreis Bad Dürkheim"
Dirmstein mit
Laumersheim und Obersülzen (VG
Grünstadt-Land, Kreis
Bad Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Dirmstein bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. Jedoch lebten bereits im 15. Jahrhundert Juden am Ort (1464
genannt).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1804 42 jüdische Einwohner, 1848 80 (in 18 Familien), 1855 Höchstzahl
von 129 jüdischen Einwohner, 1875 53, 1900 21.
1839 wurde ein Synagogensprengel mit Sitz in Dirmstein gebildet, dem auch
die in Laumersheim, Obersülzen, Gerolsheim und Heuchelheim (= Heuchelheim bei
Frankenthal) lebenden jüdischen Personen angehörten. In Laumersheim
wurden gezählt: 1808 20 jüdische Einwohner (2,8 % der Gesamteinwohnerschaft),
1825 30 (3,9 %), in Obersülzen 1808 6
jüdische Einwohner (1,9 %), 1825 7 (1,8 %), in Gerolsheim
1801 13 jüdische Einwohner (2,5 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 20 (3,1 %),
1825 9 (1,2 %), in Heuchelheim 1801 25 (2,9
%), 1808 15 (2,9 %), 1825 13 (2,1 %).
1809/10 werden an jüdischen Haushaltsvorstehern genannt: in Dirmstein
Isaac Anton Witwe, Moses Cuhn, Elias Krämer und Emanuel Weill, in Laumersheim
Maurice Blum (Trödler), Mayer Geilsheim, Maurice Leopold (Lepell, Händler), in
Obersülzen Moses Cuhn, in Gerolsheim Witwe Thérèse Benjamin, Jacques
Mayer senior und Jaques Mayer Junior, in Heuchelheim Elias Kuhn (Cahn,
Metzger) und Lazare Marx, .
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Schule (zeitweise Elementarschule, siehe Bericht zum Tod von Lehrer
Hilpolsteiner) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem
Friedhof in Heuchelheim beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat
Frankenthal.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Eugen Hirsch (geb.
24.2.1894 in Dirmstein, gef. 22.3.1916).
Um 1924, als zur Gemeinde noch 15 Personen gehörten, waren die
Gemeindevorsteher Salomon Hirsch, Adolf Liebmann und Ferdinand Otto (letzterer
als Gemeindesekretär). An jüdischen Vereinen bestand der Israelitische
Wohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung von Adolf Liebmann). Zur Gemeinde
gehörten damals auch die in Laumersheim (1) und
Obersülzen (3) lebenden jüdischen
Personen. 1932 war Gemeindevorsteher Salomon Hirsch (1. Vors.), Beisitzer war
Ferdinand Otto.
1933 lebten noch 15 jüdische Personen in Dirmstein, von denen elf zur
Großfamilie Hirsch gehörten. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Familie Liebmann mit ihrer
neunjährigen Tochter ist 1937 nach Argentinien emigriert, gleichfalls Frieda
Hirsch 1938. Die 1940 noch am Ort lebenden neun jüdischen Personen wurden im
Oktober 1940 in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert. Von ihnen sind sechs
umgekommen beziehungsweise sind verschollen.
Von den in Dirmstein geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Dina Hirsch geb. Strauss
(1872), Irma Hirsch (1905), Karoline (Carolina) Hirsch (1892), Lilli Hirsch
(1909), Rosa Hirsch geb. Seufert (1903), Salomon Hirsch (1875), Sara Straus
(1875).
Aus Laumersheim ist umgekommen: Moritz Mayer (1864).
Eine in einem Wikipedia-Artikel ungewöhnliche, aber vorbildliche Aufstellung
"Schicksal der Juden in Dirmstein 1937-1940" im Wikipedia-Artikel
zu Dirmstein.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
| Ausschreibungen der Stelle wurden in
jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts noch nicht
gefunden. |
| |
| Suche nach einem
Hilfsvorbeter für die Hohen Feiertage (1893) |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1893:
"Eine Gemeinde der Vorderplatz sucht für die Herbstfeiertage Jom
Kippur und Rosch HaSchana einen Hilfsvorbeter. Gefällige
Offerten mit Gehaltsangabe wolle man an den Unterzeichneten richten. David
Maas, Dirmstein bei Frankenthal." |
Zum Tod des Lehrers Salomon Hilpolsteiner
(1895)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1895: "Maunheim,
im Januar (1895). Vor einigen Tagen starb hier der 82 Jahre alte
emeritierte Lehrer Salomon Hilpolsteiner. Derselbe war früher Chasan
(Vorbeter) und Lehrer in Dürmstein (gemeint: Dirmstein, Rheinpfalz) an
der Elementarschule und lebte hier bei seiner Tochter, Frau Baum,
sorgenlos, geachtet und allgemein geehrt. Er eignete sich in seiner Jugend
auf einer Jeschiwa in seinem Heimatlande Altbayern viel jüdisches Wissen
an und als Lehrer später pädagogische Disziplin, wodurch er die
Anerkennung seiner vorgesetzten Schulbehörde sich erwarb. Er war ein
gewissenstreuer Lehrer, aufrichtiger Kollege, in Tun und Lassen ein guter Jehudi
und ehrenhafter Charakter. Schlomo war sein Name und Gott gab ihm
Frieden (Schalom) und er ging in Frieden (Schalom) auf seiner Ruhestätte.
Amen." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Landesprodukten- und Mehlgeschäftes Karl
Lorch (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1902:
"Suche
für mein Landesprodukten- und Mehlgeschäft einen
Lehrling aus
guter Familie und mit guter Schulbildung. Kost und Logis im Hause.
Eintritt am 1. August.
Karl Lorch, Dirmstein (Pfalz)." |
Zur Geschichte der Synagoge
Im 18. Jahrhundert wird erstmals 1738 eine "Judenschul"
genannt, womit eine Synagoge gemeint ist.
Eine neue Synagoge konnte 1858 nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht werden.
Noch vor der Zeit des Ersten Weltkrieges konnten auf Grund der zurückgegangenen
Zahl der jüdischen Einwohner in der Synagoge keine regelmäßigen Gottesdienst
abgehalten werden.
1932 wurde das inzwischen baufällig gewordene Gebäude verkauft und zu
einem Wohnhaus umbaut, wobei nur die Rückfront original erhalten
blieb.
Adresse/Standort der Synagoge: Mitteltor
14/Ecke Hildebrandstraße (nahe der Laurentiuskirche und schräg gegenüber dem
Alten Rathaus)
Fotos
(Quelle: obere Fotozeile aus Landesamt s.Lit. S. 138)
| Die Synagoge |
 |
 |
| |
Historische
Ansicht von Dirmstein um 1930, links die Synagoge |
| |
|
|
Die zu einem Wohnhaus
umgebaute ehemalige Synagoge
(Fotos: Michael Ohmsen, Mai 2010;
ähnlich das Foto im
Wikipedia-Artikel
zu Dirmstein) |
 |
| |
Die
ehemalige Synagoge wurde durch die Umbauten unkenntlich gemacht.
Ein hochauflösendes Foto von Michael Ohmsen findet sich über den Link: www.panoramio.com/photo/36486453 |
| |
|
|
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
Wesentliche Anregungen zur Erinnerungsarbeit
in Dirmstein gingen von dem Pfälzer Mundartpreisträger Albert H. Keil
in Dirmstein aus.
Dies betrifft die Grundlagen des Dirmsteiner
Wikipedia-Artikel mit der Tabelle über das Schicksal der Juden in
Dirmstein (siehe unter Links). Der Artikel wurde 2007 zum
"exzellenten" Artikel gewählt.
2009 erfolgte die Verlegung von Stolpersteine für neun verschleppte Juden und einen durch den Ortsgruppenleiter ermordeten Engländer. Näheres
findet sich in der Publikation "Dirmstein erinnert
sich", die gemeinsam mit der Ortsgemeinde herausgegeben
wurde. Sie steht bereit als pdf-Datei über den Link http://home.arcor.de/verlag.pfalzmundart/go-dirmstein.htm
oder über Download
hier.
Ein Exposé des Mundartauftritts "Kultur gegen rechte Gewalt" von
Albert H. Keil findet sich unter http://home.arcor.de/verlag.pfalzmundart/go-exp-rechts.htm |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum
gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts. 1992. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 62. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 138-139 (mit weiteren Literaturangaben).
|
n.e.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|