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Synagogen in Bayerisch Schwaben
Binswangen (VG
Wertingen, Kreis Dillingen an der Donau)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Binswangen bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1940. Ihre Entstehung
geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Nach ungesicherten Quellen lebten
bereits im 15. Jahrhundert Juden am Ort. Die erste urkundlich
belegbare Nennung
von zwei Juden aus Binswangen (Schmuel und Mair) ist von 1525. 1609 gab es 27
jüdische Steuerzahler in Binswangen. Die jüdischen Familien konnten sich
in einem Bereich unmittelbar östlich des Dorfes an der Straße nach Wertingen
niederlassen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der jüdischen
Einwohner von 327 Personen (beziehungsweise etwa 70 jüdische Haushaltungen,
1811/12) bis auf 415 im Jahre
1848 (fast 40 % der Gesamtbevölkerung).
Damals
betrieben die meisten Binswanger Juden Handel, insbesondere Hausierhandel (mit
Ellenwaren, Leder, Häuten, optischen Waren, Wolle usw.), aber auch Viehhandel.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch
Aus- und Abwanderung zurück. 1910 lebten nur noch 74, 1925 49 Juden am Ort.
1806 wurde das Bezirksrabbinat Binswangen gegründet. Bekanntester Rabbiner war
Isaac Hirsch Gunzenhauser. Nach der Auflösung des Bezirksrabbinates wurde
Binswangen dem Bezirksrabbinat Augsburg zugeteilt.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben hatte die Gemeinde bis 1881 einen Rabbiner
(zuletzt 60 Jahre lang Isaak Hirsch Gunzenhauser) sowie einen Lehrer, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungstexte
unten). Unter den Lehrern sind bekannt: nach 1873 bis nach 1881 Mosche
Wetzler, Moritz Morgenthau aus Pahres
u.a.m..
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es am Ort zahlreiche
Handelsgeschäfte und Läden, die jüdischen Familien gehörten (um 1930 noch
drei Vieh- und zwei Pferdehandlungen, zwei Lebensmittelgeschäfte und eine Spezereihandlung). Zur
Binswanger Gemeinde gehörten auch die im benachbarten Dillingen a.d. Donau
lebenden jüdischen Einwohner (1932 8 Personen).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Hermann Neuburger
(geb. 27.2.1881 in Binswangen, vor 1914 in Köln wohnhaft, gef. 1.5.1918),
Unteroffizier Martin Strauß (geb. 18.5.1886 in Binswangen, vor 1914 in Augsburg
wohnhaft, gef. 7.9.1918) und Ludwig Bauer (geb. 8.1.1898 in Binswangen, gef.
14.10.1918). Ihre Namen stehen zusammen mit den Namen von 12
weiteren "Frontkriegern" auf einer Gedenktafel, die in der ehemaligen
Synagoge 1935 angebracht wurde (s.u.) und im Versteck sowohl das Jahr 1938 wie
auch die folgenden Jahre überstand. Auch auf dem kommunalen Kriegerdenkmal auf
dem Friedhof links vor der Friedhofskapelle finden sich die Namen der genannten
drei jüdischen Gefallenen.
Um 1925, als noch 48 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (ca. 5,1 %
von 950 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde: Leopold Gradmann,
J. Müller, Berthold Strauß und Arthur Strauß. An jüdischen Vereinen gab es
damals noch den Wohltätigkeits- und Bestattungsverein Chewra Kadischa sowie
den Israelitischen Frauenverein.
1932 wird als Vorsteher weiterhin Leopold Gradmann genannt, Schatzmeister war
Ludwig Leiter. Jüdischen Religionsunterricht erhielt im Schuljahr 1932/33 noch
ein Kind.
Von bis nach 1933 bestehenden jüdischen Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer
Familien / Einzelpersonen sind bekannt (Zusammenstellung nach K. Öhlschläger
s.Lit. S. 199): Duschenes, Lebensmittelgeschäft (Hauptstraße 2), Judenmax -
Miller, Eisenhandlung (Hauptstraße 2), Feigenbaum, Lebensmittelgeschäft
(Hauptstraße 4), Ludwig Leiter, Viehhändler (Hauptstraße 12), Ebstein,
Flaschenbier, Konditorei (Hauptstraße 16), Schwestern Neuburger (Hauptstraße
14), Max Gradmann, Textiliengeschäft (Hauptstraße 18), Albert Strauß,
Viehhändler (Hauptstraße 22), Ludwig Bauer, Pferdehändler (), Schimmelefrau
(Hauptstraße 26), Wolf, Textilien (Hauptstraße 28), Josef Strauß,
Getreidehändler (Hauptstraße 30), Josef Strauß, Metzgerei (Hauptstraße
38).
1933 lebten noch 36 jüdische Personen am Ort. Von ihnen konnten in den
folgenden Jahren neun emigrieren (Brasilien, USA, Palästina), weitere 20 sind
emigriert oder in andere Städte verzogen. 1937 konnten die wenigen hier noch
lebenden jüdischen Einwohner das 100jährige Jubiläum ihrer Synagoge feiern.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gotteshaus geschändet und völlig
verwüstet (s.u.), in jüdischen Läden und Wohnungen wurden die Fensterscheiben
eingeschlagen. 1942 wurden die letzten sieben deportiert, fünf im
April nach Piaski, zwei im September nach Theresienstadt.
Von den in Binswangen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Herrmann Apfel
(1854), Josef Bauer (1863), Max Bauer (1909), Hermann
Feigenbaum (1898), Sabine Feuchtwanger geb. Feigenbaum (1864), Therese Friedberger geb. Landauer (1864),
Julie Gallinger (1864), Marie Gallinger (1871), Mina
Gradmann geb. Wassermann (1873), Jeanette (Jenny) Harburger geb. Leiter (1872),
Irma Hellmann geb. Luchs (1896), Charlotte (Gitel) Kahn geb. Strauss (1887), Ida
Krailsheimer geb. Feigenbaum (1864), Ludwig Leiter (1878), Kathinka Liebstädter
geb. Wolf (1876), Rosa Lindauer geb. Kahn (1866), Eugen Luchs (1898), Elsa Maas geb. Müller (1890), Dina
Marx geb. Strauss (1900), Karolina Mayer geb. Morgenthau (1872), Arnold Müller (1906),
Karolina (Lina) Müller (1862), Klara Müller (1894), Caroline Neuburger (1873),
Fanny Neuburger (1871), Mina
Neuburger (1881), Lina Schönstadt geb. Strauss (1879), Emilie Schwarz (1884), Hedwig Schwarz
(1879), Klara Schwarz (1877), Rudolf Schwarz (1887), Erna Stern geb. Strauss
(1893), Friedrich Strauss (1891), Max Strauss (1925), Salomon Wetzler (1874; Sohn des
damaligen Lehrers Mose Wetzler); Siegfried Wetzler (1880, gleichfalls Sohn des
Lehrers Wetzler), Hermann Wolf (1872), Hilda Würzburger geb. Dreifuss (1903).
Von den in Dillingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist in der NS-Zeit
umgekommen (Angabe nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Kurt Baldauf (1911).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1873 /
1916 / 1920
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juli 1873:
"Offene Stelle. Die Stelle eines Religionslehrers, verbunden
mit der eines Vorsängers und Schächters, ist in hiesiger israelitischen
Gemeinde zu besetzen. - Das jährliche Einkommen entziffert sich auf
ungefähr 7-800 Gulden und zwar fünfhundert Gulden fester Gehalt und
ungefähr 2-300 Gulden an Erträgnissen der Schächter-Funktion. Hierzu
kommt noch freie Wohnung und zwar in einem schönen zweistöckigen
Wohnhause, mit sehr freundlicher Aussicht. Anmeldungstermin längstens bis
1. August laufenden Jahres. - Antritt der Stelle baldmöglichst. - Da die
Schülerzahl gering ist, so dürfte dem Bewerber, falls solcher seine
übrige Zeit dem Privatunterricht usw. widmen würde, ziemlich Gelegenheit
zu Nebenverdiensten geboten sein, und überdies steht, mit Antritt noch
anderweitiger Funktionen, demselben seinerzeit noch bedeutende
Gehaltserhöhung in Aussicht. - Reflektierende wollen recht bald sich
melden und ihre einschlägigen Befähigungszeugnisse anher einsehen. Binswangen
bei Augsburg, den 29. Juni 1873. Der Vorstand der hiesigen
israelitischen Kultus-Gemeinde." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. September 1916:
"Zum 1. Dezember dieses Jahres suchen wir einen Kantor, Schochet
und Religionslehrer. Antrag auf Beitritt zum bayerischen
Versorgungsverbande der Gemeindebeamten betreffs Pensionsberechtigung ist
bereits gestellt. Gehalt Mark 1.100 mit zirka Mark 400-500 Nebeneinkommen,
freie Wohnung mit schönem Obst- und Gemüsegarten. Gefällige Angebote
mit Zeugnissen erbeten an Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde
Binswangen bei Augsburg." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1920: "Die
pensionsberechtigte Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schochet in
unserer Gemeinde ist per sofort oder 1. Juli zu besetzen.
Der feste Gehalt beträgt Mark 3.000.-, hierzu kommen noch Mark 400.- aus
Stiftungen und ca. Mark 500.- Nebeneinnahmen für Schächtgebühren und
Friedhofsverwaltung. Die Stelle würde sich ganz besonders gut für einen
verheirateten Bewerber eignen, da freie Wohnung im Gemeindehause dazu
gehört, nebst großem Obst- und Gemüsegarten, dessen Erträgnis bei
rationeller Bewirtschaftung ebenfalls auf etwa Mark 600.- jährlich
gewertet werden kann. In Betracht kommen nur deutsche
Reichsangehörige.
Bewerber wollen ihre Zeugnisse mit Lebenslauf baldmöglichst einsenden an
die
Vorstandschaft der Israelitischen Kultusgemeinde Binswangen bei
Augsburg." |
Aus der Geschichte des Rabbinates
Rabbiner Isaak Hirsch Gunzenhauser betreibt eine kleine
Talmudschule (1866)
Aus
einem längeren Artikel über die Situation der Tora- und Talmudschulen in
Bayern in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1866:
"g. in Binswangen (ca. 40-50 Familien) hat auch der dortige
Rabbiner unser Lehrer, der Herr und unser Meister Isak Hirsch Segal stets
bei wackerster Beteiligung und Betätigung der Gemeinde Schüler um sich
versammelt; was auch noch jetzt, leider aber vermindert,
stattfindet..." |
Zum Tod von Rabbiner Isaak Hirsch Gunzenhauser (1881)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1881: "Binswangen,
im Tischri. Nicht ehrt der Ort den Mann, sondern der Mann ehrt seinen Ort
(Taanith, Folio 21.). Kaum hat ein neues Jahr begonnen, so habe ich Ihnen
leider auch schon eine traurige Mitteilung zu machen. Herr Rabbiner Isak
Hirsch Gunzenhauser weilt nicht mehr unter den lebenden; denn Gott, dem
Allmächtigen, hat es gefallen, ihn am 3. Tischri (26. September) nach
eintägiger Krankheit, nachdem er noch am 1. Tage Rosch Haschono
(Neujahrsfest) in der Synagoge gewesen, zur Tora gerufen war und das Gebet
für den König gesprochen hatte, im hohen Alter von 84 Jahren zu sich ins
bessere Jenseits zu berufen.
Mit ihm, der sein hiesiges Amt 60 Jahre in Eintracht und Friede mit seiner
Gemeinde verwaltet und 57 Jahre hiervon in glücklicher Ehe mit seiner ihm
in Tugend und Wohltätigkeit gleichstrebenden, auch hoch betagten Gattin
verlebt hat, scheidet ein Mann aus unserer Mitte, der mit seltener
Frömmigkeit zugleich eine äußerst reichhaltige Talmudkenntnis verband
und deshalb auch von auswärts in rituellen Fragen vielfach um
Entscheidung angegangen wurde.
Derselbe hat die seinerzeit existierende Jeschiba
(Talmudhochschule) in Fürth als hervorragender Zögling gesucht und wird
wohl einer der letzten Schüler jener berühmten Hochschule gewesen
sein.
Von dem großen Ansehen, der Achtung und Liebe, die der Verstorbene
allgemein genossen, gab die zahlreiche Begleitung bei der Beerdigung ein
beredtes Zeugnis. Die katholische Geistlichkeit und die Beamten von der
benachbarten Amtsstadt Wertingen, die Mitglieder der hiesigen und
Buttenwieser israelitischen Gemeinde, sowie eine unzählige Menge Leute
christliche Konfession gaben dem würdigen Greise das Ehrengeleite.
Am Grabe sprach der von der Kultusverwaltung berufene Rabbiner, Herr Dr.
Groß in Augsburg, in geistreicher Weise über 5. Mose 32,48 etc. vom Tode
Moses, dann schilderte der Sohn des Verstorbenen, Herr Bezirksrabbiner
Gunzenhauser von Mergentheim, in
ergreifenden Worten die seltenen Eigenschaften und die rabbinische, wie
menschenfreundliche Wirksamkeit seines Vaters und zum Schlusse widmete der
Religionslehrer, Herr Wetzler von hier, dem langjährigen, gewissenhaften,
wohlwollenden und charaktervollen Führer und Lehrer der Gemeinde einen
warmen und empfindungsreichen Nachruf.
In dem Verewigten hat nicht nur der Ort seiner segensreichen
Berufstätigkeit, sondern auch das Gesamtjudentum einen schweren, in
unserer Zeit der Abnahme des Torastudiums und der echten Religiosität,
wie von den Rednern hervorgehoben wurde, unersetzlichen Verlust erlitten.
Das Andenken des Gerechten bleibt gesegnet." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Rechtsanwalt Geheimer Justizrat Dr. Ignaz Heinsfurter
(geb. 1861 in Binswangen, gest. 1926 in München)
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 7. August 1926:
"Dem Andenken Dr. Ignaz Heinsfurters. Am 27. Juli 1926 ist ein
edler Mensch nach kurzer Krankheit aus dem Leben geschieden, Rechtsanwalt
Gemeiner Justizrat Dr. Ignaz Heinsfurter, betrauert von seinen
Angehörigen, Freunden, Berufsgenossen und den vielen Hilfsbedürftigen,
denen er jederzeit ein bereitwilliger Helfer gewesen war.
Der Ignaz Heinsfurter war am 23. November 1861 in Binswangen
geboren, besuchte die Mittelschule in Nördlingen und Augsburg, die
Universitäten in München und Leipzig. Alle die Prüfungen, denen er sich
an Mittelschulen und Hochschulen zu unterziehen hatte, hat er mit dem
Prädikat 'ausgezeichnet' bestanden. Bei der zuweiten praktischen Prüfung
für den Bayerischen Justiz- und Verwaltungsdienst hat er als Erster unter
allen Referendaren die beste Note erhalten.
Eine seiner hervorragendsten Charaktereigenschaften war die stete
Hilfsbereitschaft für jeden, der nach seiner Ansicht zu den vom Schicksal
Belasteten gehörte. Er hat dies aus Pflichtgefühl schon in früher
Jugend als Student an der Hochschule. Damals erregte er die Aufmerksamkeit
des berühmtesten Nationalökonomen seiner Zeit, des Professors Lujo von Brentano,
der den jungen Studenten gegen unverdiente Schwierigkeiten in Schutz nahm.
Die gerühmte hervorstechendste Eigenschaft seiner Persönlichkeit
bewährte er besonders auch in seinem Berufe als Wahrer und Hüter des
Rechts. Wer seinen Rat suchte, fand in ihm einen bereitwilligen Berater, sofern
die Sache nach seiner Ansicht auch des Schutzes würdig war.
Den höchsten Lohn erblickte er im Erfolge seiner Bemühungen, dem
verletzten Rechte zum Siege zu verhelfen. Ich hatte vor Jahren gemeinsam
mit ihm einen Rechtsstreit gegen einen Mann durchzuführen, der es mit
seiner Auffassung vereinigen konnte, einen andern um sein Recht zu
bringen. Wie hat das Ignaz Heinsfurter, der sonst so ruhige Mensch und
Anwalt, im berechtigten Unmut über die versuchte Rechtsbeugung sich
ereifern können! Unbeugsam war er, wenn er von dem Unrecht der seinem
Klienten gegenüberstehenden Gegner überzeugt war, während er
andererseits, treu seiner Natur als friedliebender Mensch, immer einen
Ausgleich unter den streitenden Parteien herbeizuführen bedacht war.
.....
Wir verehren in Ignaz Heinsfurter den hervorragenden scharfsinnigen
Juristen und Denker; wir verehrten in ihm noch mehr den Menschen und
Charakter. Er war, so merkwürdig dies klingen mag, ebenso wie der vor
wenigen Tagen leider aus dem leben geschiedene Geheimrat Dr. Karl Oppenheimer
ein naives Kind mit einer überaus keuschen und reinen Empfindung, ein
Idealist in des Wortes schönster Bedeutung, ein feuriger und doch
allezeit treuer Freund seiner Freunde, reich an Milde und Menschlichkeit,
wo es galt, Notleidende zu trösten und ihnen zu helfen, ein leuchtendest
Beispiel hohen sittlichen Ernstes und unwandelbar in
Gesinnungstüchtigkeit. Es war alles in allem, wie in keiner anderen
Sprache auszudrücken möglich ist, ein Isch zadik. Er wird bei
allen, die im Leben ihm nahe standen, unvergesslich bleiben. Der Spruch
des Talmud kennzeichnet ihn: Wissen und Tugend im Verein: Ein edler
Renner, silbergezäumt. Wissen allein: Ein Klepper, der sich zaumlos
bäumt. München, im Juli 1926. Dr. Heinrich Frankenburger." |
Zum Tod von Sophie Metzger geb. Strauß, langjährige
"Vorstandsdame" im Israelitischen Frauenverein Binswangen
(1929)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. März
1929: "Augsburg. Am 17. Februar 1929 verschied in Augsburg nach
kurzem Leiden Frau Sophie Metzger geb. Strauß im 69. Lebensjahre. Die
Beerdigung gestaltete sich nach Überführung in den israelitischen
Friedhof zu Binswangen zu einer erhebenden Trauerfeier, die Zeugnis
ablegte von der großen Beliebtheit, deren sich die Verblichene zu
erfreuen hatte. Die Trauerrede hielt Herr Oberkantor Wilhelm Heimann aus
Augsburg, der ein klares, wahrheitsgetreues Lebensbild der Verstorbenen
entwarf. Am offenen Grabe betrauerten die Mitglieder des israelitischen
Frauenvereins Binswangen den Heimgang ihrer langjährigen ersten
Vorstandsdame". |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Josef Gallinger sucht für sein Manufakturwarengeschäft
einen Commis (1869)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1869: "In
meinem Manufakturwaren-Geschäft en gros et détail (Feiertag geschlossen)
findet ein Commis, der mit Korrespondenz und Buchführung vertraut,
Engagement. Binswangen, 19. Oktober 1869." |
Moritz Feigenbaum verkauft sein Wohn- und
Geschäftshaus in Binswangen (1901)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 21. November 1901: "Geschäfts-Verkauf.
Wegzugshalber verkaufe ich mein in Binswangen bei
Höchstädt an der Donau, stehendes Wohn- und Geschäftshaus. Seit
circa 20 Jahren wird auf dem Anwesen ein Manufaktur-, Weiß- und
Wollwarengeschäft mit nachweisbarem Erfolg betrieben. Für einen
strebsamen jungen Mann würde sich Gelegenheit bieten, sich eine dauernde,
sichere Existenz zu verschaffen. Das Haus samt Warenlager hat einen Werk
von circa Mark 15.000, als Anzahlung wären 3-4 Mille erforderlich. Zu
weiterer Auskunft erbietet sich
Moritz Feigenbaum, Nördlingen,
Bayern." |
Hochzeitsanzeige für Sigmund Bauer und Lina Bauer geb.
Goldschmidt (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1925: "Statt
Karten - Gott sei gepriesen - Sigmund Bauer - Lina
Bauer geb. Goldschmidt. Vermählte. Binswangen, 8. Juni
1925, 16. Siwan 5685, Unterreichenbach. Trauung: so Gott will.
Montag, 8. Juni 1925, mittags 1 Uhr, Hotel Goldschmidt in Würzburg." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
(1837: eine Synagoge, "die
durch ihre Schönheit und Eleganz sich fast mit allen bisher erbauten messen
kann")
Eine Synagoge ("Judenschule") wird
erstmals 1609 genannt. Vermutlich stand bereits sie am Platz des heute noch
vorhandenen Synagogengebäudes. Diese Synagoge wurde bereits 1612 Opfer eines
Brandanschlags, wurde aber wieder aufgebaut und spätestens seit 1625 wieder
genutzt. Um 1830 war die alte Synagoge - ein schmaler, rechteckiger Bau - für
die stark gewachsene Gemeinde zu klein geworden. Im Oktober 1833
beschloss die Gemeinde, eine neue Synagoge auf dem
Platz der alten Synagoge zu erbauen. An der konkreten Planung waren auch der
damalige Rabbiner Isaac Hirsch Gunzenhauser und der Religionslehrer Jakob Neuburger
beteiligt. Mit dem Entwurf wurde der Maurermeister Michael Christa aus Zusamaltheim
beauftragt. Christa's Pläne fanden keine Zustimmung, weswegen von Regierungsbauinspektor Eduard Rüber ein
neuer Plan gefertigt wurde. Dieser orientierte sich am Bau der Synagoge
von Ingenheim in der Pfalz aus dem Jahre 1830, in dem erstmals im Synagogenbau
das maurische Motiv des Hufeisenbogens (Fenster, Portal) und des Treppengiebels
begegnet. Im Blick auf die Bauausführung wurde mit dem Baumeister Leonhard Christa, dem
Bruder des ersten Planfertigers, ein Vertrag über 3.400 Gulden abgeschlossen.
Im Juni 1836 wurde die alte Synagoge abgebrochen, am 15.
September 1837 konnte die neue Synagoge durch den Ortsrabbiner Gunzenhauser unter
Anwesenheit von Landrichter Herrmann und einer großen "Zahl
herbeigekommener Fremder" eingeweiht werden.
Die Gesamtkosten der neuen Synagoge betrugen 13.778 Gulden.
Der Bau der Synagoge 1837
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung" des Judentums vom 18. November
1837: "In Binswangen im Oberdonaukreise wurde eine neue Synagoge
erbaut, die durch ihre Schönheit und Eleganz sich fast mit allen bisher
erbauten messen kann. Seine Königliche Majestät ließ den Plan dazu unentgeltlich
von der königlichen Baukommission entwerfen." |
Enthüllung einer Gedenktafel für die
Kriegsgefallenen (Juni 1935)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli
1935: "Binswangen. Am Sonntag, 16. Juni, fand in der überfüllten
Synagoge, die auch von zahlreichen Andersgläubigen besucht war, die
feierliche Enthüllung einer Gedenktafel für die Kriegsgefallenen statt.
Die von Würde und Bekenntnismut getragene Weiherede des Herrn Bezirksrabbiners
Dr. Jacob (Augsburg) machte einen nachhaltigen Eindruck auf die Erschienenen.
Herr Kamerad Strauß begrüßte hierauf im Namen der Kultusgemeinde die
anwesenden Gäste. Als Vorsitzender der Ortsgruppe Augsburg des
Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten sprach Herr Kamerad Wormser Worte
von der Treue und dem Opfermute der auf der Tafel Verzeichneten. Lehrer
Lewkowitz übermittelte den Gruß und die Verbundenheit der
Nachbarsgemeinde Buttenwiesen. Die Feier wurde umrahmt von erhebenden
Gesängen des Herrn Oberkantor Haymann und Frau Marx (beide Augsburg),
sowie von einem Prolog eines Schulkindes; sie war ein Erlebnis für die
leider sehr zusammengeschmolzene Gemeinde." |
| Anmerkung: diese Gedenktafel ist in
der Synagoge heute noch zu sehen. Sie war lange versteckt und überstand
somit die Schändung des Synagoge 1938 und die folgenden Jahre. |
1937
feierte die Jüdische Gemeinde noch das Jubiläum ihrer 100 Jahre zuvor
erbauten Synagoge. Die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung
berichtete:
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
September 1937: "Binswangen. Eine erhebende Gedenkfeier beging
die hiesige israelitische Gemeinde am 15. Elul dieses Jahres (= Sonntag,
22. August 1937). An diesem Tage waren es 100 Jahre, da unser Gotteshaus
von dem damaligen Rabbiner der Gemeinde, Isak Hirsch Gunzenhauser,
eingeweiht wurde. Der Ernst der Gegenwart gestattete nur eine religiöse
Feier, welche am Sonntag, den 22. August, unter Teilnahme der hiesigen
sowie der Nachbargemeinde Buttenwiesen stattfand. Den Mittelpunkt der
Feier bildeten die Reden des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Jacob (Augsburg)
und des Herrn Lehrers M. Neuburger. Beide Redner schilderten das
Gotteshaus als den Mittelpunkt des religiösen Lebens und knüpften daran
die Mahnung, das heilige Gut trotz aller Zeitenstürme den nachkommen zu
erhalten. Herr Lehrer Neuburger gab die Eindrücke, welcher er in
frühester Jugend hier empfing, wieder, er sprach über die Geschichte der
Gemeinde, insbesondere den Lebenslauf des seligen letzten Rabbiners I. H.
Gunzenhauser. - Umrahmt waren die Ansprachen von den Gesängen des
Kultusvorstandes und ehrenamtlichen Vorbeters Herrn Gradmann und von
Psalmen-Vorträgen. Nach der Feier im Gotteshause begab sich die Gemeinde
auf den Friedhof, um den Danke jener Generation darzubringen, welche in
ihrem tiefen religiösen Sinn mit größter Opferfreudigkeit das heilige
Werk, die Errichtung dies schonen Gottestempels, vollbrachte. Möge
dasselbe noch lange Zeit seinem heiligen Zwecke dienen!" |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge wurde durch einen auswärtigen, aus Augsburg gekommenen SA-Trupp geplündert
und geschändet. Die SA-Leute fuhren vormittags um 11.00 Uhr mit einem Lkw bei der
Synagoge vor. Der einzige Binswanger, der sich am Geschehen beteiligte, brach
mit einer Kreuzhacke die Synagogentüre auf. Alle noch im Ort anwesenden Juden
mussten antreten und die kostbaren Gegenstände ihres Gotteshauses auf den Lkw
laden. Das übrige Inventar der Synagoge wurde anschließend von den SA-Leuten
zerstört. Eigentlich sollte die Synagoge in Flammen aufgehen,
jedoch sah man davon wegen der engen Bebauung um sie herum und wegen der
drohenden Brandgefahr ab.
Nach 1945 wurde die im Innenraum vollständig zerstörte Synagoge als
Kohlenlager, Werkstätte für einen Handwerksbetrieb und als Lager für
einen Baustoffhandel verwendet. 1960 wurde der als überflüssig erachtete Treppengiebel
abgetragen und später verschwand auch die Empore aus dem Innenraum. 1987 ersteigerte der Landkreis Dillingen
a.d. Donau auf Initiative
des damaligen Bürgermeisters der Gemeinde Binswangen, Josef Reißler, das
ehemalige Gotteshaus, das mittlerweile zur Konkursmasse einer Firma gehörte,
zum Preis von 15.000,00 DM. Im März 1993 wurde mit den Renovierungsarbeiten begonnen. Nach über
3-jährigen Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten, deren Kosten in Höhe von
ca. 3 Mio. DM (etwa 1,5 Mio. €) sich der Bund, der Freistaat Bayern, der Bezirk Schwaben, der
Landkreis Dillingen a.d.Donau, die Stadt Wertingen, die Gemeinde Binswangen und
der Förderkreis Synagoge Binswangen e.V. teilten, wurde die "Alte Synagoge
Binswangen" am 20. Oktober 1996 als Begegnungsstätte eröffnet.
Standort der ehemaligen Synagoge: Judengasse 3.
Besichtigungsmöglichkeiten
Jeden 2. Sonntag im Monat von 14.00 -
17.00 Uhr und nach Voranmeldung beim Kulturamt im Landratsamt Dillingen a.d.
Donau, zugleich Geschäftsstelle des Förderkreises
Synagoge Binswangen e.V. (Telefon 09071/51-145, Frau
Regensburger-Glatzmaier). Das Kulturamt gibt auch Auskünfte zu Veranstaltungen
in der Begegnungsstätte "Alte Synagoge" und vermittelt Führungen in
der Synagoge (Gebühr 1,-- € pro Person).
Bericht zur Arbeit des Fördervereins
2008 - Artikel aus der "Augsburger Allgemeinen" vom 4. April
2008:
Alte Synagoge in Binswangen wird immer beliebter.
Wertingen (syla) - Die Mitgliederversammlung des Förderkreises Synagoge Binswangen erfuhr bei ihrem jüngsten Treffen in dem historischen Binswanger Gebäude, dass sich die Einrichtung immer mehr als Kulturtreffpunkt etabliert. Vorsitzender Anton Kapfer bilanzierte für zwei Jahre die Arbeit des Förderkreises und nannte eine Vielzahl von Terminen, die in der ehemaligen Synagoge stattfanden und das Gebäude weit über den Landkreis hinaus bekannt machen.
Ein besonderes Anliegen des Landkreises und Förderkreises. Es sei ein besonderes Anliegen des Landkreises und auch des Förderkreises, die Geschichte der einstigen jüdischen Mitbürger in der Erinnerung heutiger Generationen am Leben zu erhalten, erklärte Kapfer im Beisein von Landrat Leo
Schrell. Der erste Mann des Förderkreises dankte allen, die während des Jahres Führungen veranstalten, die Aufsicht im Haus übernehmen, in der Hausverwaltung tätig sind, Öffentlichkeitsarbeit leisten oder die Geschäftsführung innehaben. Ihnen sei es zu verdanken, dass die Alte Synagoge mit Leben erfüllt werden könne, hieß es in der Jahresbilanz.
Wenn genügend Interessenten zusammenkämen, würde der Förderkreis eine Fahrt zu anderen Synagogen bzw. jüdischen Friedhöfen in Schwaben unternehmen. Wer sich dafür interessiere, könne sich anmelden, hieß es bei der Mitgliederversammlung. Besuchen möchte man auch die Synagoge in Augsburg sowie das jüdische Kulturmuseum.
Die dortige Einrichtung stellte in Binswangen Dr. Benigna Schönhagen vor. Sie warb für einen Besuch der interessanten Sammlung, die 2006 neu eröffnet wurde und die die wechselvolle Geschichte der Juden in Augsburg und Schwaben seit dem Mittelalter bis heute dokumentiert. Dr. Schönhagen hat auch mit Studenten eine mögliche Grundlage für den Aufbau einer Dauerausstellung in der Binswanger Synagogen erarbeitet, wo allerdings die räumlichen Möglichkeiten auf der engen Empore sehr begrenzt seien. Der eigentliche Kultraum könne dafür wegen der Veranstaltungen nicht für eine andauernde Präsentation genutzt werden, sagte die Fachfrau, die das jüdische Kulturmuseum in Augsburg leitet.
Schatzmeister berichtet über eine geordnete Kassenlage. Im Rahmen der Mitgliederversammlung berichtete Schatzmeister Josef Linder über eine geordnete Kassenlage des Fördervereins. Die Prüfer Urban und Hopp hatten keine Beanstandungen, so dass die Vorstandschaft entlastet werden konnte. Wie Vorsitzender Anton Kapfer noch mitteilte, habe man die Zahl der Stühle um 70 erweitern können, so dass künftig nicht mehr Sitzgelegenheiten aus dem benachbarten Schützenheim anlässlich von größeren Veranstaltungen herübertransportiert werden müssten. Förderkreis und Landkreis hätten sich an der Finanzierung beteiligt.
Auch eine neue Lautsprecheranlage habe man sich geleistet, bilanzierte Kapfer. Abschließend warb der Vorsitzende um weitere Personen für eine Aufsicht bei Tagen der offenen Tür sowie für Mitbürger, die sich bei einer Öffnung des jüdischen Friedhofes an bestimmten Tagen zur Verfügung stellen würden. |
Fotos
Historische Fotos:
(Quelle: Gedenkschrift: Alte Synagoge Binswangen s.Lit.)
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| Plan des Baumeisters Christa
von 1833 zur Erbauung der neuen Synagoge am Platz der alten Synagoge
(beide Umrisse sind eingetragen) |
Historische Innenaufnahmen der
Synagoge Binswangen |
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Die ehemalige
Synagoge in den 1950er-Jahren
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Mehrbildkarten von
Binswangen mit der Synagoge
(Quelle: beide Karten aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
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Karte rechts - verschickt im
März 1941 |
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Auf der
Gesamtansicht ist die Synagoge rechts zu sehen (Ausschnittvergrößerung) |
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| Karte unten - verschickt
1898 |
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| Die Karte wurde
am 1. August 1898 von Binswangen nach Kempten verschickt. Auffallend ist,
dass die Synagoge größer und auch über der Friedhofskapelle abgebildet
ist; die Pfarrkirche ist nicht abgebildet. Das Foto rechts zeigt die Obere
Wirthstraße mit dem Geschäft von Arnold Duschenes (vgl. Einzelkarte
unten). |
Neue re Fotos:
Neuere Fotos:
Die ehemalige
Synagoge im September 2004
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum 1.9.2004)
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Die ehemalige
Synagoge am frühen Morgen eines Spätsommertages; recht der östliche
Giebel
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Informationstafel am Eingang |
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Die ehemalige
Synagoge im September 2007
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| Blick auf den im Schatten
liegen |
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Blick auf den westlichen
Giebel |
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Informationstafel und Eingang
vom Parkplatz |
Eingangsportale, links Zugang
zur Frauenempore, rechts Zugang zum Raum des Rabbiners / Vorbeters |
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Blick in den
Betsaal |
Blick von der
Frauenempore |
Blick vom Bereich des
ehemaligen Toraschreines zum Eingang |
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Säule unter der
Frauenempore |
Blick zur
Frauenempore; einzelne auffallende Stellen in der Farbgebung
zeigen des
Zustand vor der Renovierung |
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Gedenktafel für die
Gefallenen des
Ersten Weltkrieges |
Bereich des ehemaligen
Toraschreines |
Menora |
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| Fenster über dem
ehemaligen Toraschrein |
Rundfenster am westlichen
Giebel |
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| Treppe zur Frauenempore |
Auf der
Frauenempore |
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Säulen auf Höhe
der Frauenempore. Auch hier zeigt die unterschiedliche
Bemalung den
Zustand vor der Renovierung |
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Dachboden über
der Frauenempore |
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| Dorfbrunnen bei
der Synagoge mit Erinnerung an die Geschichte der jüdischen Gemeinde
(hebräische Buchstaben: "Schma Jisrael") |
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Informationstafel "Kulturweg Binswangen" |
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Text zum Thema "Jüdisches
Leben": "In Bayerisch-Schwaben war immer ein Wechselspiel
zwischen Duldung und Vertreiben. Juden erschienen aufgrund ihrer Sitten
und Gebräuche sowie ihrer Sprache hin bis zu ihrer Kleidung oft als fremd
und wurden seit dem Mittelalter immer wieder ausgegrenzt und verfolgt. Auf
dem Hintergrund dieser andauernden Unsicherheit entwickelte die jüdische
Bevölkerung ein besonderes Talent, sich anzupassen und mit den jeweils
herrschenden Gegebenheiten zurechtzukommen.
Die erste Nennung von Menschen jüdischen Glaubens in unserer Heimat
stammt aus dem Jahr 1212. Sie siedelten zu dieser Zeit vornehmlich in den
größeren Städten. Ab dem 15. Jahrhundert wurden sie wiederholt verfolgt
und ausgewiesen. Nach diesen Austreibungen suchten die Juden Schutz und
neue Heimat auf dem breiten Land, so in Binswangen unter der
Oberherrschaft der Habsburger bei wechselnden Lehensherrn (Markgrafschaft
Burgau). In den folgenden drei Jahrhunderten entwickelten sich diese
Landjudengemeinden zu ansehnlicher Größe und Blüte, ehe im 19.
Jahrhundert ein starker Rückgang, bedingt durch die Auswanderung ganzer
Familien in die Großstädte oder in die USA, zu verzeichnen ist.
In Binswangen lässt sich die Ansiedelung von Juden ab 1525 belegen. Diese
hatten gemeinhin keinen Zugang zu den Zünften oder Handwerken. Auch
Grundbesitz war ihnen verboten. Daher konzentrierten sie sich auf den
Handel und den Geldverleih. Das Zusammenleben mit der Dorfbevölkerung
gestaltete sich nach authentischen Quellen als friedliches Nebeneinander.
Eine Ausnahme bilden die nationalsozialistischen Repressalien auf die
jüdischen und nichtjüdischen Dorfbewohner von 1933 bis 1945.
Die wichtigste Einrichtung für eine Landjudengemeinde war die Synagoge,
Die ehemalige Binswanger Synagoge, in den Jahren 1835/36 erbaut,
entspricht in ihrem Baustil den damaligen königlich-bayerischen
Bauvorschriften. Hier finden sich neomaurische Elemente wie der
Treppengiebel, die Hufeisenform als Fenster- oder Portalabschluss oder die
Palmettenkapitelle als oberer Abschluss der Säulenreihe im Innenraum. Die
Ausgestaltung des Innenraumes orientierte sich ganz an der Vorgabe, die
ihre Legitimation in der Ausstattung des salomonischen bzw. herodianischen
Tempels von Jerusalem findet." |
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Weitere Erinnerungen an die
jüdische Geschichte
(Aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
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Karte des Modewarenhauses von
Hermann Wolf mit Ausschnittsvergrößerungen. Der vor der Tür stehende
Herr könnte Hermann Wolf sein, die aus dem Fenster schauenden Personen
vermutlich Familienangehörige. Die Karte wurde am 7. Juli 1906 von
Binswangen nach Dietenheim (bei Illertissen) verschickt. Der 1872 geborene
Hermann Wolf ist nach der Deportation von München in das Ghetto
Theresienstadt 1942 umgekommen.
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Historische Karte mit Blick in die "Obere Wirthstraße", heute
Hauptstraße in Binswangen, rechts (Nr. 2) das Wohn- und Geschäftshaus der
Familie Arnold Duschenes; die Karte wurde 1911 von Arnold Duschenes nach Cannstatt
verschickt. |
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| Brief
der Fa. Hans Georg Hillenbrand sel. Erben aus Augsburg an "Herrn
Heinrich Schwarz's seel. Frau Wittwe" in Binswangen vom 27. Januar
1855. Heinrich Schwarz war verheiratet mit Nanette geb. Binswanger |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - aktuelle Berichte
| September 2008:
Bericht vom "Europäischen Tag der
Jüdischen Kultur" |
Artikel
von Rosmarie Gumpp in der "Augsburger
Allgemeinen Zeitung" vom 8.9.2008: Erinnerungen an eine schlimme Zeit
Wertingen/Binswangen - Trotz des nicht gerade freundlichen Wetters fand sich doch eine stattliche Anzahl von interessierten Bürgerinnen und Bürgern auf dem Judenberg in Wertingen ein, um mit Anton Kapfer einen geführten Rundgang durch den jüdischen Friedhof zu unternehmen.
(Foto: Gerne beantwortete der Vorsitzende des Förderkreises der Synagoge Binswangen am vergangenen Sonntag die an ihn gestellten Fragen. Dabei durfte ein kleiner geschichtlicher Exkurs nicht
fehlen).
Spätestens seit Hitlers Machtantritt am 30. Januar 1933 ahnten auch die Binswanger Juden, dass sie nichts Gutes erwartete, berichtete Kapfer. Besonders ab 1938 nahmen die antisemitischen Ausschreitungen überall in Bayern immer mehr zu. Im Juli 1938 wurden 25 Grabsteine des jüdischen Friedhofes umgestürzt und die meisten auch zerschlagen. Mit der Reichskristallnacht vom 10. November 1938 wurde der vorläufige Höhepunkt der antisemitischen Ausschreitungen erreicht. So wurden in Binswangen die Läden und Wohnhäuser der Juden zertrümmert, auf dem Judenfriedhof wurden erneut Grabdenkmäler umgeworfen und auch die Synagoge wurde durch einen SA-Trupp geplündert und geschändet. Anton Kapfer berichtet ferner: "Vormittags gegen 11 Uhr fuhren die SA-Leute mit einem Lkw bei der Binswanger Synagoge vor. Alle noch im Ort lebenden Juden mussten antreten und die kostbaren Gegenstände aus ihrer Synagoge auf den Lkw laden. Der älteste Jude trug mit zitternden Händen eine Thora-Rolle (Heilige Schrift der Juden) aus dem Gotteshaus".
Das übrige Inventar sei anschließend von den SA-Leuten zertrümmert worden, das Gotteshaus wurde nur wegen der engen Bebauung und der damit verbundenen Brandgefahr nicht niedergebrannt. Die Folge dieser Ausschreitungen war, dass von November 1938 bis Ende 1940 weitere elf Juden Binswangen verließen - neun davon wanderten aus - zwei zog es in andere Orte.
Der gläubige Jude legt als Zeichen seiner Ehrfurcht keine Blumen sondern Steine auf das Grab. "Immer wieder finden wir am verschlossenen Tor Steine vor" - erzählt Anton Kapfer, "ein Zeichen, dass Angehörige hier waren, aber den Friedhof nicht besuchen konnten". Der Friedhof müsse bis zum heutigen Tag abgesperrt bleiben - Führungen können aber jederzeit auch über den Förderkreis Synagoge Binswangen beantragt werden.
Und weiter berichtet Anton Kapfer, dass jüdische Nachfahren der Binswanger Juden, wenn sie heute aus aller Welt angereist kommen, kein Interesse an der Synagoge im Ort haben, sondern "nur" auf den Friedhof wollen, um hier ihrer verstorbenen Angehörigen zu gedenken. Die Synagoge wurde 1938 entweiht, deshalb habe sie für den gläubigen Juden keine Bedeutung mehr.
Der Friedhof der ehemals israelitischen Kultusgemeinde von Binswangen geht auf das Jahr 1663 zurück. In diesem Jahre kaufte die gesamte Judenschaft von Binswangen von der Markgrafschaft Burgau einen Acker für das Begräbnis der Juden. Gegen das Judenbegräbnis erhob die Herrschaft Wertingen in der Folgezeit des Öfteren Einspruch, weil der Platz nach Wertingen und damit unter die Gerichtsbarkeit der dortigen Herrschaft gehörte; die Stadt Wertingen beanspruchte sogar das Recht, auf dem Platz weiterhin ihr Vieh weiden zu lassen.
Dass die Markgrafschaft Burgau seinerzeit über den Platz hätte verfügen können, hängt offenbar damit zusammen, dass dort früher eine Richtstätte der Markgrafschaft vorhanden war. Die Binswanger Juden lösten in der Folgezeit das Weiderecht ab, der Friedhof selbst wurde nach und nach erweitert. Obwohl er schon im Jahr 1693 hätte eingezäunt werden sollen, zogen sich die Bemühungen um seine Eintillung (= Umzäunung) noch 70 Jahre hin, bis endlich nach exakt 100 Jahren nach seiner Anlage eine Mauer um diesen Platz gezogen werden durfte. Im Hebräischen heißt Friedhof "Haus des Lebens". |
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| Dezember 2009:
Bericht über eine der kulturellen
Veranstaltungen in der Synagoge |
Artikel
von Margot Sylvia Ruf in der "Augsburger Allgemeinen" vom 6.
Dezember 2009:
"Stimmungsvoll in der Alten Synagoge.
Binswangen Was gibt es Schöneres an einem Adventsabend, als sich gemütlich bei einem Konzert der PiccaDilly’s, einem der renommiertesten Chöre im Landkreis Dillingen, zurückzulehnen, um Kopf und Seele aufzutanken?
Wer diese Wahl am vergangenen Samstag getroffen hatte, erlebte wieder einmal mehr in der Alten Synagoge in Binswangen einen besonderen Kulturgenuss. Vorweihnachtlicher Rummel und die Jagd nach den passenden Geschenken blieben draußen vor der Tür.
Der gemischte Chor, dem Sängerinnen und Sänger aller Altersschichten angehören, servierte seinen Zuhörern ein abwechslungsreiches Adventskonzert mit klassischen Liedern aber auch heiteren amerikanischen Songs, die längst zu Ohrwürmern geworden sind. Dabei kam der Klangkörper unter der temperamentvollen Leitung von Klaus Nürnberger so richtig international aufgestellt daher.
Französische und englische Beiträge wurden abgerundet durch ein estnisches Weihnachtslied, zu dem Chormitglied Helin Heier (21) aus Tallinn die musikalischen Mitstreiter rund um den Chorleiter ermuntert hatte. Eine erstaunliche Leistung der Sänger, wenn man weiß, dass estnisch nicht gerade eine einfache Sprache ist.
Freuen durfte sich das Publikum über leise Klänge genauso wie über heitere Weisen aus Amerika, die Fröhlichkeit aufkommen lassen und das Herannahen des besonderen Festes aus einem anderen Blickwinkel in ihren Mittelpunkt stellen.
Erinnerungen an Kinderglück. Weihnachtslieder seien der Widerhall vom Kinderglück vergangener Tage, hatte zu Beginn des Konzertes.
Chormitglied Rainer Hörmann seinen Grußworten an die zahlreichen Besucher in der Synagoge vorangestellt. Und so erging es einem auch bei den klassischen Weisen wie etwa
'Es ist ein Ros’ entsprungen'. Wer in seinen Jugendjahren die stillen Rorate während der Adventszeit in einer spärlich erleuchteten Dorfkirche erleben durfte, dessen Herz wurde auf wundersame Weise berührt.
Ähnlich verhielt es sich beim Beitrag 'Ich steh an deiner Krippen hier' von Johann Sebastian Bach oder
'Und unsrer lieben Frauen' von Max Reger.
Amerikanische Songs. 'Somebody’s knocking' lautete das amerikanische Lied, das auch den Titel des Abends der PiccaDilly’s abgegeben hatte. Die ganze Sangesfreude der Chormitglieder um Klaus Nürnberger kam dabei zum Ausdruck. Der Chor beweist immer wieder seine Disziplin, und der Dirigent lässt seinen Schützlingen nicht einmal Raum für die kleinsten Patzer. Das ist weit mehr als Freizeitsingen zur netten Unterhaltung. Die PiccaDilly’s haben viel Ehrgeiz und genug Motivation, das Beste anzustreben, was der Chorgesang im Landkreis Dillingen und weit darüber hinaus zu bieten hat.
Der Beitrag 'Good news' kann für die Leistungen des Chores stehen, der wirklich gute Nachrichten für die gemeinsame Sache liefert.
Mitsingen zum Abschied. Mit 'The Lord bless you' entließen die PiccaDilly’s ihre rundum begeisterten Fans in den Adventsabend, viel beklatscht von einem dankbaren Publikum, das viel fürs Herz und Gemüt bekommen hatte. Als Zuckerl gab es noch eine Strophe des irischen Reisesegens und die Möglichkeit,
'Es ist ein Ros’ entsprungen' mitzusingen." |
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| Januar 2010:
Über das Veranstaltungsprogramm in der
ehemaligen Synagoge |
Artikel von Margot Sylvia Ruf in der
"Augsburger Allgemeinen" vom 27. Januar 2010 (Artikel):
"Viel Neues in der Alten Synagoge.
Binswangen Seit 1996 ist die Alte Synagoge Binswangen nach einer aufwändigen Restaurierung der Öffentlichkeit für kulturelle Zwecke zugänglich. Ein Förderkreis, der bereits 1992 ins Leben gerufen worden war, kann sich seit Jahren über die vielfältige Nutzung des kulturhistorisch wichtigen Gebäudes in Binswangen freuen.
Initiator der Rettung der einstigen Synagoge vor dem Verfall waren der damalige Bürgermeister des Ortes, Josef Reißler sowie der gleichzeitig amtierende Dillinger Landrat Dr. Anton Dietrich. Sie setzten alle Hebel in Bewegung, um der Synagoge zu neuem Leben und einer sinnvollen Nutzung zu verhelfen. Vorsitzender des Förderkreises ist heute der Schulmann Anton Kapfer, selbst Bürger von Binswangen. Die Geschäftsführung liegt in den bewährten Händen von Hedwig Regensburger-Glatzmaier, die die unterschiedlichsten kulturellen Veranstaltungen in der Synagoge organisiert und damit bisher eine sehr glückliche Hand bewiesen hat.
13 Konzerte. Allein im vergangenen Jahr fanden 13 Konzerte, teilweise mit namhaften Interpreten, in dem historischen Gebäude statt. Dabei waren unterschiedlichste Musikrichtungen vertreten. Besonders passend für den ungewöhnlichen Konzertraum war das Gastspiel von
'Conspiracy of Love'. Klezmer, Swing und Jazz waren dabei vertreten und fanden ein begeistertes Publikum. Aber auch das Konzert des Gesangvereins Binswangen, das Nachtkonzert der Musikschule Wertingen sowie das Jazz-Klezmer-Duo Susanne Ortner-Roberts und Tom Roberts fanden in der Synagoge den passenden Veranstaltungsrahmen.
Selbst der Knabenchor 'Rodnik' aus der Ukraine und das renommierte Duo Ariana Burstein & Roberta Legnani schwärmen von dem besonderen Konzertrahmen, den sie in Binswangen vorfanden. Nicht zuletzt sind es die Sänger der Gruppe
'PiccaDilly’s', die immer wieder gerne in die alte Synagoge kommen und sich ihren Fans aus dem ganzen Landkreis präsentieren. Und auch heuer hat bereits ein kultureller Glanzpunkt in dem einstigen jüdischen Gotteshaus stattgefunden. Die drei Musiker von
'16 gipsy strings' begeisterten ihr stattliches Auditorium mit einer 'Homage an Django
Reinhardt'.
Auch Ausstellungen. Zum Veranstaltungsrahmen in der Synagoge kamen außerdem eine Ausstellung, fünf Vorspieltermine des Musikvereins Binswangen, zwölf Tage der offenen Tür, ein Festakt, eine Trauung, acht Besichtigungen mit Führungen sowie zwei Weihnachtsfeiern für Kinder und Erwachsene hinzu. Beim Förderkreis könnte man noch gut einige interessierte Mitbürger brauchen, die sich für eine Aufsicht bei Tagen der offenen Tür usw. engagieren.
Seit Bestehen des Förderkreises hat dieser Ausstattungsgegenstände und Kunstobjekte in einer Höhe von rund 80 000 Euro beschafft. Dazu zählen ein Flügel, eine Videoausstattung, Stellwände und Scheinwerfer. Holzstelen von Norbert Zagl sowie die besonders eindrucksvolle künstlerische Arbeit
'Menschenkette' von J. Paul Menz gehören genauso dazu wie ein erst kürzlich erworbenes
'Beschneidungsbuch' aus Binswangen, das eine Besonderheit für alle darstellt, die die Geschichte der einstigen jüdischen Bevölkerung des Ortes interessiert.
Für einen namhaften Betrag hat der Förderkreis die Filmdokumentation 'Die Schul
bewahren' über die Geschichte der Synagoge erstellen lassen. Spenden sind seit Gründung der Einrichtung 68 458,84 Euro eingegangen. Dazu kamen Mitgliedsbeiträge in Höhe von rund 42 000 Euro.
Melodien aus Oper, Operette, Musical sowie Pop und Gospel. Und was wird im Jahr 2010 in der Synagoge in Binswangen alles geboten? Bisher stehen allein sechs Konzerte der beliebten Gruppe
'Saitenwind' im März auf dem Programm. Das Frühjahrskonzert mit den Binswanger Einrichtungen wie Gesangverein, Musikverein sowie Schülern der Grundschule Binswangen startet am 18. April.
'Münz und Maunz' heißt es am 5. Februar mit Melodien aus Oper, Operette, Musical sowie Pop und Gospel.
Es gastieren Roswitha Munz-Walser, Reinhard Munz und Donata Sandner. Und auch ein Schülerkonzert der Musikschule Wertingen am 24. April, eine Fotausstellung mit Bildern aus Binswangen, ein Konzert mit den
'PiccaDilly’s' am 26. Juni, ein Auftritt von Annette Sailer-Heidel und Alexandra Finck sowie von Ariana Burstein & Roberto Legnani stehen ebenfalls auf dem Programm." |
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| März 2010:
Mitgliederversammlung des Forderkreises Synagoge
Binswangen e.V. |
Artikel
in der "Augsburger Allgemeinen" vom 29. März 2010 (Artikel):
"Synagoge Binswangen wird gerne genutzt.
Binswangen. Über eine fast konstante Mitgliederzahl kann sich der Förderkreis Synagoge Binswangen freuen. Derzeit sind es 120 Bürger aus dem Landkreis Dillingen, die den Verein unterstützen und ihm damit ihr Wohlwollen signalisieren. Bei der Mitgliederversammlung des Förderkreises im Schützenheim Binswangen wurde Anton Kapfer als Vorsitzender einstimmig im Amt bestätigt.
In den Jahren 2008 und 2009 wurde die Alte Synagoge 131 Mal genutzt. Unterschiedliche Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Vereinstermine waren genauso im Programm enthalten wie etwa Besichtigungen der historischen Einrichtung. Allen Personen, die Führungen betreuen sowie Hausmeister und Reinigungspersonal galten Dankesworte von Anton Kapfer, der sich freute, dass auch Landrat Leo Schrell, Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier und Bürgermeister Anton Winkler zur Versammlung gekommen waren.
Einheitliche Schilder. In seinem Bericht ging der Vorsitzende des Förderkreises auch darauf ein, dass die jüdischen Friedhöfe in Bayerisch-Schwaben alle eine einheitliche Beschilderung in Deutsch und Englisch bekommen werden. Am Mittwoch, 28. April, erfolge um 18 Uhr ein öffentlicher Termin anlässlich der offiziellen Beschilderung in Fischach, an der Interessenten teilnehmen könnten. Wann es beim Binswanger Friedhof so weit sein soll, stünde derzeit noch nicht fest, teilte Kapfer der Mitgliederversammlung mit. Freude äußerte der Vorsitzende über die Tatsache, dass man das alte Beschneidungsbuch, das Angaben von 1773 bis 1829 enthalte, habe erwerben können.
Den Schatzmeisterbericht erstattete der ehemalige Vorstandsvorsitzende und Direktor der Kreis- und Stadtsparkasse Dillingen, Joseph Silberhorn. Daraus ging hervor, dass der Förderverein über eine solide Finanzbasis verfügt. Kapfer dankte in diesem Zusammenhang dem Landkreis, der VG Wertingen und der Gemeinde Binswangen, dass sie gemeinsam die Unterhaltungskosten für die Alte Synagoge tragen.
Neuwahlen durchgeführt. Bei den anstehenden Neuwahlen gab es keine großen Veränderungen. Vorsitzender bleibt Anton Kapfer. Seine Stellvertreter sind wie bisher Heinz Petz und Anton Winkler. Als Geschäftsführerin fungiert weiter Hedwig Regensburger-Glatzmaier. Die Schatzmeisterfunktion haben Joseph Silberhorn und Ulrich Kain inne. Beisitzer sind Willy Lehmeier, Georg Leis, Christine Nittbaur, Margot Sylvia Ruf, Alfred Sigg, Herbert Stempfle, Johann Urban und Günter Hiesinger. Als Kassenprüfer werden Wolfgang Grob und Helmut Storr tätig sein.
Bei einem kurzen Ausblick erwähnte der Vorsitzende, dass mit einer neuen Heizung für die Synagoge ein dickerer finanzieller Brocken zu verkraften sein werde. Ansonsten könne man sich auch im Jahr 2010 auf zahlreiche interessante Veranstaltungstermine in dem einstigen jüdischen Gotteshaus in Binswangen freuen, das als Konzertraum immer beliebter werde. Bürgermeister Anton Winkler informierte die Versammelten noch über den Stand des Verfahrens beim
'Schilling-Haus', wo in den nächsten zwei Monaten mit dem Baubeginn zu rechnen sei. Bei dem Gebäude handelt es sich um das letzte bestehende Privatgebäude mit jüdischer Vergangenheit in Binswangen.
(syla)" |
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Juni 2010:
Planungen für den "Europäischen Tag der
jüdischen Kultur" am 5. September 2010:
dazu ein Artikel
von Margot Sylvia Ruf in der "Augsburger Allgemeinen" vom 17.
Juni 2010: eingestellt als pdf-Datei
und ein weiterer Artikel
von Margot Sylvia Ruf in der "Augsburger Allgemeinen" vom 21.
Juni 2010: eingestellt als pdf-Datei |
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| Dezember 2010:
Rückblick auf ein erfolgreiches Jahr in der
ehemaligen Synagoge |
Foto
links von Margot Sylvia Ruf: Die alte Synagoge in Binswangen war auch 2010
ein attraktiver Veranstaltungsort.
Artikel von Margot Sylvia Ruf in der "Augsburger Allgemeinen"
vom 17. Dezember 2010 (Artikel):
"Alte Synagoge ein attraktiver Anziehungspunkt.
Binswangen Es ist wieder einmal eine erfreuliche Jahresbilanz, die der Förderkreis Synagoge ziehen kann. Auch 2010 war das historische Gebäude mit der interessanten jüdischen Vergangenheit ein attraktiver Anziehungspunkt für Besucher mit verschiedensten kulturellen Interessen.
Jedenfalls sind der Vorsitzende des Förderkreises, Anton Kapfer, und sein Team zufrieden über die Zahl der Menschen, die im zu Ende gehenden Jahr in die Synagoge nach Binswangen kamen. Geschäftsführerin Hedwig Regensburger-Glatzmaier spricht von rund 1500 Gästen, welche die Veranstaltungen in der Synagoge für einen Besuch anziehend fanden. Die Nutzung des Gebäudes für vielfältige Termine könne man nur als gut bezeichnen, heißt es beim Förderkreis. Zu nennen seien außerdem die zahlreichen auswärtigen Besucher, die zu den zehn Tagen der offenen Tür kamen und sich auch bei Führungen und Filmvorführungen ('Die Schul bewahren') informierten.
Interessante Fotoausstellung.
Genutzt wurde das einstige jüdische Gotteshaus auch für eine Fotoausstellung zum Thema
'Bilder aus Binswangen aus den 50er und 60er Jahren', die sehr gut ankam.
Fünf Vorspieltermine veranstaltete der Musikverein Binswangen in der Synagoge. Zwei Festakte, fünf Trauungen, sowie ein Schulunterricht, zählten ebenfalls zur Palette der Termine. Hinzu kamen 27 Konzerte mit einer großen Bandbreite.
Von der Hofmarkmusik Gempfing bis zu mehreren Konzerten der 'PiccaDilly’s' und von Schülerkonzerten bis zu einem Auftreten des Chores
'Chorallen' reichen die Veranstaltungen. Die meisten der Konzerte waren sehr gut besucht und tragen den Ruf der Synagoge als attraktiven Veranstaltungsraum weit über die Grenzen des Landkreises Dillingen hinaus.
Viel investiert.
Seit Bestehen des Förderkreises Synagoge hat dieser Ausstattungsgegenstände und Kunstobjekte in Höhe von 83 000 Euro beschafft. Dazu zählen ein Flügel, eine Videoausstattung, Stühle, Stellwände und Scheinwerfer.
Ein besonders interessantes Kunstwerk, das immer wieder Beachtung findet, ist die Arbeit von J. Paul Menz, das mit
'Menschenkette' betitelt ist.
Erworben hat der Förderkreis auch zwei weitere künstlerische Arbeiten (Stelen) sowie ein altes Binswanger Beschneidungsbuch.
Die Filmdokumentation 'Die Schul bewahren' kostete 32 000 Euro. Sie kann interessierten Besuchern bei Tagen der offenen Tür immer wieder gezeigt werden und ist, wie Gäste versicherten,
'sehr eindrucksvoll und anrührend'.
Infotafel am Friedhof.
Im Herbst stellte der Förderkreis eine neue Informationstafel beim Judenfriedhof auf, die Besucher auf verschiedene wichtige Daten im Zusammenhang mit der Gedenkstätte hinweist. Der Förderkreis hat heute 123 Mitglieder. Seit Gründung sind über 70 000 Euro an Spenden und 45 000 Euro an Mitgliedsbeiträgen eingegangen.
Auch im neuen Jahr wird es wieder eine Reihe von interessanten Veranstaltungsterminen in der Synagoge in Binswangen geben, versprechen der Vorsitzende des Förderkreises, Anton Kapfer, und Geschäftsführerin Hedwig
Regensburger-Glatzmaier." |
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| Februar 2011:
Klezmer-Konzert in der ehemaligen Synagoge |
Foto
links von Margot Sylvia Ruf: Das Klezmer-Ensemble 'Mesinke' aus Krumbach brachte eine besondere Botschaft mit bei seinem Konzert in der Synagoge Binswangen.
Artikel von Margot Sylvia Ruf in der "Augsburger Allgemeinen"
vom 7. Februar 2011 (Artikel):
"'Mesinke' ist eine wunderbare Botschaft.
Binswangen Das Klezmer-Ensemble 'Mesinke' (jiddisch: die jüngste Tochter) gehört seit 1991 zum festen Bestandteil der Klezmerszene in Deutschland und verfügt mittlerweile in diesem Genre über großes Ansehen. Die sechs Musiker sind also seit 20 Jahren zusammen und eine wunderbare Symbiose nicht nur in musikalischer Hinsicht geworden.
'Mesinke' ist eine Botschaft schlechthin. Die Gruppe vertritt ein wichtiges Anliegen. Vier Männer und zwei Frauen vermitteln eine unverkrampfte und spielerisch anmutende Nähe zum Judentum. Sie liefern damit einen unschätzbaren Beitrag zur Völkerverständigung. In der Alten Synagogen wurde dies am Wochenende bei einem besonderen Konzert deutlich.
Neues Programm. Erstmals präsentierte 'Mesinke' ein neues Programm, das in dem einstigen jüdischen Gotteshaus den passenden äußeren Rahmen fand. Anders als das bisherig zu Gehör gebrachte ist die Aneinanderreihung von Liedern und Musikbeiträgen unter dem Titel
'Shabes iz far ale' mit einem besonderen Schwerpunkt versehen. Wirkt alles am Anfang von Melancholie und den tausend Traurigkeiten geprägt, die das jüdische Volk im Lauf seiner Geschichte durchleiden musste, so ändert sich das im Programmverlauf.
Die Sängerin Erika Spielvogel gab beim Konzert die notwendigen Erklärungen, anfangs nur spärlich, damit die Beiträge nicht ihren Zusammenhang verloren. Das sei im ersten Konzertteil beabsichtigt, sagt denn auch Jürgen Groß, der auf Gitarre, Akkordeon und Mandoline gleichermaßen zu begeistern weiß.
Erika Spielvogel bezeichnet diesen Konzerttermin am Freitag als den passenden Tag, der bei den Juden traditionell den Sabbat einläute.
'Wir sind Gois und keine Juden, sonst wären wir heute nicht hier', erklärt die Sprecherin, die den vielen Zuhörern, die aus dem ganzen Landkreis Dillingen und darüber hinaus gekommen sind, den besonderen Tag Shabes mit seinen vielfältigen religiösen Momenten.
Vielfältige Beiträge. Musikalisch setzte die Gruppe 'Mesinke' dann den Wortbeitrag in unterschiedliche Liedbeiträge um, die die Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Freiheit auf der ganzen Welt beschwören, aber auch jüdische Lebensfreude und Traurigkeit gleichermaßen vermitteln.
Das Kinderlied 'Dayne shpiltsayg' soll an das furchtbare Schicksal jüdischer Kinder im Wilnaer Ghetto erinnern. Und wenn als eindrucksvolles Zeichen einsam eine Spieluhr erklingt, halten die Zuhörer in der Synagoge buchstäblich den Atem an. Die Musiker von
'Mesinke' wechseln mühelos die Instrumente, sie präsentieren sich alle auch als Sänger und brillieren als Solisten, wenn es die Stücke erfordern.
Wenn im zweiten Teil des Programms der heitere Abschnitt beginnt und Lieder, die in den Familien traditionell am Shabes erklangen zu hören sind, ist das Publikum aus, der Reserve gelockt. Es wird geklatscht und mitgesummt, wenn
'Shabes in feld' die ganze jüdische Fröhlichkeit der einstigen Ostjuden zum Ausdruck bringt.
Ein wunderbarer Abend. Eine gute Woche ('A gite vokh' ) wünschen dann Jürgen Groß (Gesang, Gitarre, Akkordeon, Mandoline), Martin Glogger (Gesang, Kontrabass), Nicole Hausmann (Gesang, Gitarre, Percussions), Alexander Maier (Gesang, Klarinette, Saxofon), Thilo Jörgl (Gesang, Gitarre, Schlagzeug) und Erika Spielvogel (Gesang, Percussions) am Ende eines wunderbaren Klezmer-Abends. Sie werden nicht ohne heftige Zugaben entlassen, bei denen der Wunsch nach
'Shabes zol zayn, Shabes oyf der gantsen velt' zum Ausdruck kommt. Die Zuhörer äußern ihre Freude in einem lang anhaltenden Beifall." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Binswangen, Swabia. A Jewish settlement existed in the second half of
the 16th century, augmented after 1617 by Jews expelled from Burgau and its
environs. Jews engaged in moneylending and the cattle trade. A new synagogue was
built in 1837. R. Hirsch Gunzenheimer was chief district rabbi and headed a
local yeshiva until his death in the late 1860s. The Jewish population declined
from 327 (total 894) in 1811 to 193 in 1871 and 36 in 1933. Most were still
present on Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue and
cemetery were vandalized, windows smashed in Jewish homes and stores, and
valuables stolen. Eleven Jews left by the end of 1940, nine emigrating. Of the
seven remaining in 1942, five were deported to Piaski (in Poland) on 3 April and
two to the Theresienstadt ghetto (27 July).

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