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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Weinsberg (Kreis
Heilbronn)
Jüdische Geschichte
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Weinsberg lebten einzelne Juden / jüdische Familien
im Mittelalter und im 19./20. Jahrhundert.
Im Mittelalter wird Weinsberg im Zusammenhang mit der "Rintfleisch"-Judenverfolgung
1298 genannt. Demnach wurden damals vermutlich Juden in der Stadt ermordet. In der ersten
Hälfte des 14. Jahrhunderts lebten keine Juden in der Stadt. 1375
wird ein nach Weinsberg benannter Jude (Abraham von Weinsberg) in das
Bürgerrecht der Stadt Rothenburg ob der
Tauber aufgenommen. 1401 lebten nachweislich keine jüdischen Personen in
Weinsberg. Erst 1418 lassen sich Juden in der Stadt wiederum nachweisen
(genannt in der Steuerliste Konrads von Weinsberg). Damals sollten die
Weinsberger Juden zusammen mit denen von Heilbronn 100 Gulden außerordentliche
Reichssteuern bezahlen. 1434 werden zwei Juden in der Stadt
genannt.
Vom 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts war eine Niederlassung jüdischer
Personen in Weinsberg nicht möglich.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: erste Nennung eines jüdischen Einwohners 1858, dann 1864 5, 1871 1, 1880
9, 1885 7, 1890 4, 1900 12, 1905 16, 1910 9. Unter den in Weinsberg in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jeweils ein
Zeitlang wohnenden jüdischen Personen / Familien waren: der Oberamtswundarzt
Dr. Ignatz Mainzer (seit 1855) und Justizassessor (später Amtsrichter) Dr.
Leopold Löwenstein (seit 1878).
1924 wurden 4, 1933 9 jüdische Einwohner gezählt. Dabei handelte es
sich um die beiden Familien Thalheimer, die ursprünglich aus Lehrensteinsfeld
stammten und Ende des 19. Jahrhunderts nach Weinsberg gezogen waren:
Familie Hirsch Thalheimer (Bahnhofstraße 28 oder 32 mit Viehhandlung; Frau
Bertha (Bella) und Tochter Gertrud) und Familie Alfred Thalheimer (Kanalstraße 37).
Familie Alfred Thalheimer konnte 1934 noch rechtzeitig über Frankreich (Lyon)
in die USA emigrieren. Hirsch und Bertha Thalheimer mit der Tochter Gertrud wurden
1941 deportiert und ermordet.
In der 1903 erbauten "Königlichen Heilanstalt"
(später Heil- und Pflegeanstalt) auf dem
Weißenhof, heute Psychiatrisches Landeskrankenhaus, wurden alsbald auch
jüdische Patientinnen und Patienten aufgenommen. Es wurden gezählt: 1905 8
Patienten, 1910 22, 1925 18, 1933 16. Die seelsorgerliche Betreuung der
jüdischen Patienten lag in den Händen des Bezirksrabbiners von Heilbronn, der
mehrfach im Jahr in die Anstalt kam. Rabbiner Dr. Beermann hielt seit 1915
regelmäßige Andachten für die Patienten, die auch von nichtjüdischen Kranken
"gerne besucht" wurden.
Im Zuge der "Euthanasie"-Aktion der
NS-Zeit wurden fast alle jüdischen Patientinnen und Patienten ermordet
(überwiegend in Grafeneck).
Von den in Weinsberg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", einschließlich der -
kursiv gesetzten - Insassen der Heil- und Pflegeanstalt): Julius
Falk (1882, ermordet in Grafeneck 1940), Alfred Gundelfinger (), Jutta
Haarburger (1875, ermordet in Grafeneck 1940), Irma Heilbrunn geb. Oppenheimer
(1871, ermordet in Grafeneck), Dr. Robert Herzfeld (), Rahel Kaufmann geb. Smus
(1899, ermordet in Grafeneck 1940), Max Kochertaler (1894, ermordet, "Euthansie"),
Kläre Krakauer geb. Thalheimer (geb. 1903 in Weinsberg, später in Hannover),
Kurt Krakauer (1936), Paul Landauer (), Paul Levi (1904), Julius
Löwengart (), Berta Mändle (1867, ermordet in Grafeneck 1940), Robert
Mainzer (geb. 1864 in Weinsberg, Sohn des Oberamtsarztes Dr. Mainzer, 1942 nach
Theresienstadt verbracht, s.u.), Berta Michaels (1893), Martha Neustädter
(1888, ermordet, "Euthanasie"), Ludwig Öttinger (), Ilse Pick
geb. Cohn (1902), Hedwig Stern (), Bertha Thalheimer (1876 in Lehrensteinsfeld),
Gertrud Thalheimer geb. Hirschheimer (geb. 1899 in Weinsberg), Hirsch Thalheimer
(1867 in Lehrensteinsfeld), Paula Wallenberger (1888, ermordet in Grafeneck
1940).
Berichte
zur jüdischen Geschichte in Weinsberg
Dr. Ignatz Mainzer wird Oberamtswundarzt
in Weinsberg (1855)
Anmerkung: es handelt sich um Dr. med. Ignatz Mainzer (geb. 7. September
1831, Rabbinersohn aus Weikersheim), der nach seiner Zeit in Weinsberg als
praktischer Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer in Stuttgart tätig war (wohnt 1886
Stuttgart, Marienstraße 38). Er starb am 18. September 1903 und wurde im
Israelitischen Teil des Pragfriedhofes in Stuttgart beigesetzt. Er war
verheiratet mit Beate geb. Kaiser.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Februar 1855:
"In Weinsberg, der Heimat des Justinus Kerner, ist ein
jüdischer Arzt, Dr. Mainzer, Sohn des Rabbinen in Weikersheim, in Folge
seiner trefflichen Zeugnisse, von der Amtsversammlung zum Oberamtswundarzt
gewählt und von der königlichen Regierung bestätigt worden. Es ist
dieser der zweite Israelit in Württemberg, der mit solchem Amte betraut
worden." |
Dr. Leopold Löwenstein wird Justizassessor in Weinsberg (1878)
Anmerkung: es handelt sich um Dr. Leopold Löwenstein II (geb. 19. Februar
1851), der nach seiner Zeit in Weinsberg in Stuttgart Rechtsanwalt und
Amtsrichter wurde (wohnt 1886 Stuttgart, Werastraße 3). Er starb sehr früh am
13. November 1891 und wurde im Israelitischen Teil des Pragfriedhofes in
Stuttgart beigesetzt. Er war verheiratet mit Emilie geb. Mainzer (zwei Söhne:
Ernst und Fritz).
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. April 1878:
"Stuttgart, 21. März (1878). Ein besonderes Interesse
erweckt, wie die "Neue Stuttgarter Zeitung" schreibt, die
heutige Liste der amtlichen Ernennungen, wonach der bisherige
Justizassessoratsverweser Dr. Löwenstein in Tübingen zum Justizassessor
in Weinsberg ernannt worden ist. Es ist dies der erste Fall einer
definitiven Anstellung eines Israeliten als juristischen Staatsbeamten in
Württemberg. Nachdem schon das Gesetz vom 31. Dezember 1871 jedem
Württemberger ein Recht zu einer solchen Anstellung verliehen hat, so
konstatieren wir heute die endliche erstmalige Realisierung jenes
gesetzlichen und wohlbegründeten Rechts und können dem Staat zu einem so
talentvollen und gewissenhaften Beamten wie dem oben genannten nur alles
Glück wünschen." |
"Poetischer Streit": "Liebermann und
Weibertreu" (1892)
Anmerkung: Eingetragen hatte sich mit dem Gedicht in das Fremdenbuch der
antisemitische Reichstagsabgeordnete Max Liebermann von Sonnenberg (1848-1911).
Sein Gedicht ist als Ansage des Sieges der Antisemiten über Juden (für die
nach Liebermanns Gedicht das 'Goldene Kalb' steht) zu deuten.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1892: "Liebermann
und Weibertreu.
Man schreibt der "Fr.Ztg." (Frankfurter Zeitung?) aus Heilbronn
vom 22. dieses Monats. Sie haben im vorigen Herbste einige Verse
abgedruckt, die Herr Liebermann von Sonnenberg in das Fremdenbuch der
sagenreichen Burg Weibertreu geschrieben hat: 'Bald reiten in mächtiger
Schar wir an,
Wir dulden nicht Laues, nichts Halbes,
Erlösen die Herzen von hartem Bann,
Vom Dienste des goldenen Kalbes!'
Nun hat sich an jenem idyllischem Ort ein poetischer Streit entwickelt,
dessen Kämpfer die Reiterschar des Herrn Liebermann nicht zu fürchten
scheinen. Wir lesen neben seiner schrecklichen Drohung:
'Wie oft riefst Du selber, o Liebermann -
Oder hast Du es ganz vergessen? -
Die Priester des goldenen Kalbes an,
Wenn Du in der Patsche gesessen?
So wenig wie sie, die mächtige Schar,
Ihr Geld wird je wieder kriegen,
So wenig wirst Du - 's hat keine Gefahr -
In dem Kampf gegen Windmühlen siegen!
Eine deutsche Frau, die Dich aber nicht von der Weibertreu
heruntergetragen hätte!'
Darunter ein halbes Dutzend 'Ich auch nicht' von ebenso vielen Mathilden,
Paulinen usf." |
Rabbiner Dr. Beermann (Heilbronn) hält
Volkshochschulkurse in Weinsberg (1924)
Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins)
vom 20. März 1924: "Trotz einer national-sozialen Strömung
haben die Volkshochschulkurse über Philosophie und Literatur des Herrn
Bezirksrabbiners Dr. Beermann aus Heilbronn in Weinsberg
(Württemberg) einen großen Zuhörerkreis gefunden und hier wie
anderwärts zur Versöhnung und zum Ausgleich beigetragen". |
Über den in Weinsberg geborenen Rechtsanwalt Dr.
Robert Mainzer (1864-1943) und seine Familie
Aus dem Buch "Lebenszeichen" -
Juden aus Württemberg nach 1933, hrsg. von ,Walter Strauss Gerlingen 1982
S. 184: "Dr. Robert Mainzer, geboren (als Sohn des
Oberamtswundarztes Dr. Ignatz Mainzer s.o.) in Weinsberg, ließ sich,
nachdem er die beiden Examen mit sehr guten Noten bestanden hatte, Ende
1891 in Stuttgart nieder. Schon 1886 erhielt er einen Pres der
juristischen Fakultääöt der Universität Leipzig. Das Notariat, das er
1923 bekommen hatte, wurde ihm 1933 genommen. Von 1912 bis 1933 war er
Mitglied des Vorstandes der württembergischen Anwaltskammer, von 1929 bis
1931 deren stellvertretender Vorsitzender und von 1931bis 1933 ihr
Vorsitzender. Auf 30. November 1938 wurde ihm auch die Anwalts-Zulassung
entzogen.
Seine beiden Kinder konnten noch auswandern. Er und seine Frau Helene,
geb. Heilmann wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert, beide starben
dort 1943." |
Über "Die israelitische Seelsorge in der
königlichen Heil- und Pflegeanstalt Weinsberg (1905-1918) - von Dr. Franz
Andritsch (Beitrag von 1984)
Artikel
in der Beilage der "Heilbronner Stimme" - "Schwaben und
Franken" vom 25. Februar 1984:
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Fotos
| Zur jüdischen Geschichte in
Weinsberg sind keine Fotos oder Abbildungen vorhanden. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,2 S. 871-872; III,2 S.
1565-1566. |
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg
und Hohenzollern. 1966. S. 95-100. |
 | Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in
Heilbronn. 1963. S. 37. |
 |
Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische
Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 237-238. |

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