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Ulmbach (Stadt
Steinau an der Straße, Main-Kinzig-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Ulmbach bestand eine jüdische
Gemeinde bis zum Herbst 1936. Ihre Entstehung geht in die Zeit des zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1861 36 jüdische Einwohner (2,9 % von insgesamt 1.222 Einwohnern),
1871 43 (3,8 % von 1.143), 1885 61 (5,2 % von 1.163), 1895 57 (4,7 % von 1.201),
1905 56 (4,8 % von 1.170).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), ein Schule
(Religionsschule) und ein rituelles Bad (in einem Schuppen hinter der Synagoge). Die Toten der Gemeinde wurden im
jüdischen Friedhof Eckardroth beigesetzt.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise - spätestens seit
Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit der jüdischen Gemeinde Hintersteinau - ein
Lehrer (Religionslehrer)
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk Hanau.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Baruch Nußbaum
(geb. 3.5.1888 in Ulmbach, gef. 9.6.1918).
Um 1924, als zur Gemeinde 35 Personen gehörten (3,1 % von insgesamt 1.123
Einwohnern), war Gemeindevorsteher M. Nußbaum II. Als Kantor und Schochet wird
S. Schuster genannt. 1932 war Gemeindevorsteher T. Nußbaum. Als Lehrer und
Schochet wird ein Herr Katz genannt. Im Schuljahr 1931/32 erteilte er vier
Kindern der Gemeinde den Religionsunterricht.
1933 lebten noch 36 jüdische Personen in Ulmbach (2,9 % von 1.230). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen (vor allem nach Fulda und Frankfurt am Main) beziehungsweise ausgewandert. Im April 1936 lebten nur
noch vier jüdische Personen in Ulmbach. Im Herbst 1936 wurde die Gemeinde
aufgelöst und die Synagoge verkauft.
Von den in Ulmbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ignaz Hain (1902),
Jonas Hain (1889), Karoline Hain (1882), Lina Hirsch geb. Schuster (1907), Ricka
Hirsch geb. Schuster (1898), Frieda Mayer geb. Stern (1900), Regina Nussbaum
(1886), Teiß Feisz Nussbaum (1876), Hermann Schild (1885).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1884 /
1900
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1884:
"Bekanntmachung. Die Stelle eines gemeinschaftlichen
Religionslehrers für die Synagogengemeinden Hintersteinau und Ulmbach
soll besetzt werden. Das Diensteinkommen beträgt 800 Mark (600 Mark von
Hintersteinau und 200 Mark von Ulmbach) fixer Gehalt jährlich nebst
freier Dienstwohnung in Hintersteinau und 4 Meter Holz zur Heizung des
Schullokals und 100 Mark Nebeneinkünfte, für welche jedoch keine
Garantie geleistet wird. Bewerbungsgesuche sind unter Beifügung der erforderlichen
Zeugnisse binnen vier Wochen bei uns einzureichen.
Hanau, den 5. März 1884. Königlich israelitisches Vorsteheramt.
Hamburger." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1900:
"In den Synagogengemeinden Ulmbach und Hintersteinau ist die Stelle
eines gemeinsamen Religionslehrers mit dem Wohnsitze in der
erstgenannten Gemeinde und einem Jahresgehalte von Mark 800 zu besetzen.
Bewerber haben ihre Gesuche unter Hinzufügung von Zeugnisabschriften bis
zum 21. Mai anher einzusenden.
Hanau, 7. Mai 1900. Das Vorsteheramt der Israeliten. I.V.:
Hirsch". |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Einweihung des Gefallenendenkmales (1929)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Oktober 1929:
"Ulmbach, Kreis Schlüchtern, 22. September (1929). Am Sonntag
den 15. September weihte die Dorfgemeinde Ulmbach ein schlichtes Ehrenmal
für ihre im Weltkriege gefallenen Söhne ein. Da auch zwei Juden auf dem
Denkstein verzeichnet sind, hatte das Festkomitee die kleine Jüdische
Gemeinde gebeten, einen Geistlichen bei der Feier sprechen zu lassen. Das
Vorsteheramt der Israeliten zu Hanau hatte, das der Herr
Provinzialrabbiner dienstlich verhindert war, Herrn Lehrer Marx, Gelnhausen,
gebeten, an der Feier teilzunehmen. Nach der Weiherede des katholischen
Geistlichen, der Verehrung und Hochschätzung der jüdischen Religion
zollte, sprach Herr Lehrer Marx ergreifende Worte des Gedenkens. Die
großangelegte Rede machte einen guten Eindruck auf die große
Trauergemeinde und dürfte wesentlich dazu beitragen, das gute
Einvernehmen, das hier zwischen Juden und Nichtjuden besteht, zu vertiefen
und zu befestigen." |
Angriff auf zwei jüdische Rechtsanwälte im Februar
1936
Zitat aus Heimatgeschichtlicher Wegweiser s.
Lit. S. 227: "Im Februar 1936 kam es vor dem Steinauer Amtshaus, in
dem sich damals das Amtsgericht befand, zu einem tätlichen Angriff auf
zwei jüdische Rechtsanwälte, Dr. Max Rapp aus Hanau und Dr. Elkan
Sondheimer aus Gelnhausen, die ihre Mandanten zu einer Verhandlung
begleiteten. Amtsgerichtsrat Wilhelm Harff schilderte den Vorfalls in
einem Protestschreiben an den preußischen Ministerpräsidenten Hermann
Göring:
'Diese Unbekannten sagten in schroffer Anrede zu den beiden Anwälten
dem Sinne nach. 'Hier in Steinau werden keine Juden mehr hineingelassen.
Verlassen Sie sofort Steinau!'... Die Anwälte und ganz besonders
Justizrat Sondheimer versuchten, trotzdem auf das Gerichtsgrundstück zu
gelangen. Hierdurch gab es ein Handgemenge, bei dem besonders einer der
Unbekannten die Anwälte stieß, mit den Fäusten auf die Schulter schlug,
beide am Genick fasste und würgte, sie schüttelte und mit Kniestößen
die Torkelnden vor sich hertrieb.'
Zwar fanden daraufhin Ermittlungen statt, die inzwischen bekannten Täter
blieben jedoch auf freiem Fuß, während der Amtsgerichtsrat ein Jahr
später in den vorläufigen Ruhestand versetzt wurde. |
Die Auflösung der Gemeinde (1936)
Artikel
in der CV-Zeitung (Zeitung des Central-Vereins) vom 1. Oktober 1936:
"Manche Gemeinden sind völlig verschwunden. Die Gemeinde Ulmbach
bei Schlüchtern zählte z.B. ursprünglich 32 Seelen, im April 1936 nur
noch vier Gemeindemitglieder; sie hat sich in diesen Tagen ganz
aufgelöst". |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Max Schuster (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Oktober 1925:
"Bäcker, 26 Jahre alt, sucht
Stelle.
Max Schuster, Ulmbach bei
Schlüchtern." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der
jüdischen Häuser vorhanden.
Das genaue Baujahr des erhaltenen ehemaligen Synagogengebäudes ist
unbekannt. Vermutlich wurde es in der Mitte oder Ende des 19. Jahrhunderts
erbaut. Es handelt sich um ein eingeschossiges Gebäude, das traufseitig zum
Verlauf der Straße erstellt wurde. Das Gebäude umfasste eine Synagoge mit
Empore. Links von Eingang gab es eine kleine Wohnung, die an eine jüdische
Familie vermietet war. Ein rituelles Bad war in einem Schuppen im an der
Rückseite liegenden Hofteil eingerichtet.
Wie lange in dem Gebäude nach 1933
Gottesdienste abgehalten wurden, ist nicht bekannt. Bereits vor dem
Novemberpogrom 1938, vermutlich im Zusammenhang mit der Auflösung der Gemeinde
im Herbst 1936, wurde es an eine nichtjüdische Familie verkauft. In der
Folgezeit wurde es zu einem Einfamilienwohnhaus umgebaut. Dabei wurde ein neues
Obergeschoss erstellt sowie eine Außentreppe und zusätzliche Eingangstüre
angebaut. Die früheren großen hohen Fenster der Synagoge verschwanden.
Insgesamt wurde das Gebäude als frühere Synagoge unkenntlich
gemacht.
Eine Aktualisierung der Angaben erfolgt noch.
Adresse/Standort der Synagoge:
Rabensteiner Straße 10
Fotos
(Quelle: Altaras 1988 S. 160)
Das ehemalige
Synagogengebäude
im April 1987 |
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| Aktuelle Fotos
werden noch erstellt. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 313. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 160-161. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 138. |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007² S.
345-346. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S.
227. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 361-362.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Ulmbach (now
part of Steinau) Hesse-Nassau. Numbering 612 (5 % of the total) in 1885, the
Jewish community dwindled to 36 in 1933 and disbanded three years later.

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