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Porrentruy (Kanton
Jura,
Schweiz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Porrentruy bestand eine jüdische
Gemeinde ("Communauté israelite de Porrentruy") von 1850 (nach
Angaben der "Jahrbücher" s.u.) bis zu ihrer Auflösung Anfang der 1970er-Jahre. In der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten sich in der Stadt einige jüdische Familien
aus dem südlichen Elsass, u.a. aus den beiden Sundgauer Ortschaften
Seppois-le-Bas und Durmenach niedergelassen.
1850 konnte eine jüdische Gemeinde
gegründet werden. 20 Jahre später erreichte die Zahl der jüdischen Einwohner
in der Stadt den Höchststand mit 284 Personen (1870; von insgesamt ca. 4400
Einwohnern).
Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel (Textilien, Trödlerwaren,
Vieh- und Pferdehandel).
Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner -
zumeist durch Abwanderung in größere Städte - wieder zurück. 1916/18 wurden
noch 18 Familien mit 62 Personen gezählt, 1921 noch 15 Familien mit etwa 60
Personen.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.). Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Lehrer
angestellt, der auch als Kantor und Schochet tätig war. Als Gemeindevorsteher
(Präsident) werden genannt; um 1916/18: Sylvain Hirsch, 1921 Raphael Ulmann.
Ein auswärtiger Rabbiner betreute die Gemeinde; um 1870 war es der Rabbiner von
Seppois-le-Bas, der die rabbinischen
Funktionen wahrnahm.
Von den in Porrentruy geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Valentine Belin (geb. 1871 in Porrentry; 1944 von
Frankreich aus nach Auschwitz deportiert und ermordet), Elie-Raymond Grumbach
(geb. 1902 in Porrentruy, 1944 beim Massaker an Juden in Guerry bei Bourges, Frankreich umgekommen), Clarisse Levy
(geb. 1877 in Porrentruy, 1944 von Frankreich aus nach Auschwitz deportiert und
ermordet), Maida Levy (geb. 1879 in Porrentruy, 1943 von Frankreich aus nach
Auschwitz deportiert und ermordet), Paul Ulmann (geb. 1899 in Porrentruy, 1943
von Frankreich aus nach Auschwitz deportiert und ermordet ).
Links: Gedenkblatt von Yad VaShem, Jerusalem für Elie-Raymond Grumbach
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1972 beschlossen die letzten drei jüdischen Einwohner
der Stadt, die Gemeinde aufzulösen.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Gemeindebeschreibungen
im Jüdischen Jahrbuch der Schweiz 1916 / 1921
Gemeindevorstellung
im "Jüdischen Jahrbuch der Schweiz", Jahrgang 1916 S.
128: Porrentruy. Im Jahre 1850 wurde in Porrentruy eine jüdische
Gemeinde gegründet, welche heute mit 18 Familien ca. 62 Seelen zählt. Vorstand:
Derselbe besteht aus 5 Mitgliedern. (Präsident Mr. Hirsch). Institutionen:
Synagoge". |
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Gemeindevorstellung
im "Jüdischen Jahrbuch der Schweiz", Jahrgang 1918 S.
259: "Porrentruy. Im Jahre 1850 wurde in Porrentruy eine
jüdische Gemeinde gegründet, welche heute mit 18 Familien ca. 62 Seelen
zählt. Vorstand: Derselbe besteht aus 5 Mitgliedern. (Präsident
Sylvain Hirsch. Beamte: Vakat. Institutionen:
Synagoge." |
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Gemeindevorstellung
im "Jüdischen Jahrbuch der Schweiz", Jahrgang 1921 S.
183: "Porrentruy. Im Jahre 1850 wurde in Porrentruy eine
jüdische Gemeinde gegründet, welche heute mit 15 Familien ca. 60 Seelen
zählt. Vorstand: Derselbe besteht aus 5 Mitgliedern; Präsident:
Raphael Ulmann. Beamter: vakant. Institutionen:
Synagoge." |
Zur Geschichte der Synagoge
Ab etwa 1860 war ein Versammlungs- und Betraum in einem
Gebäude an der Grande Rue eingerichtet, etwas später konnte man ein Betlokal
in einem Gebäude an der Rue des Annonciades einrichten. Nachdem in den
1860er-Jahren die Zahl der jüdischen Einwohner in der Stadt stark gewachsen
war, wurde 1869 eine Kommission gegründet, deren Ziel die Sammlung von Geldern
für eine zu erbauende Synagoge war. Durch Spenden, durch den Verkauf der
Synagogenplätze und durch eine 1870 durchgeführte Lotterie sollte die
Finanzierung des Synagogenbaus gewährleistet werden. Während der Bauzeit
mussten freilich noch erhebliche Kredite aufgenommen werden.
Im Juni 1871 konnte in der Nähe des wenig später erstellten Bahnhofs
ein Grundstück für den Synagogenbau erworben werden. 1872 konnte mit dem Bau -
zunächst auf Grund von Plänen des Bauunternehmers Jean Matt - begonnen werden.
Die weitere Bauausführung übernahm der Architekt Louis Laporte, nachdem es mit
dem Bauunternehmer Jean Matt zu Auseinandersetzungen gekommen war. Die Synagoge
konnte am 3. September 1874 eingeweiht werden. Die Weiherede hielt
Rabbiner Isaac Lévy.
Die Synagoge war nach dem "typischen basilikalen Konzept französischer und
süddeutscher Synagogen jener Epoche" (R. Epstein-Mil, s.Lit. S. 126)
gebaut. Charakteristisch waren - ganz ähnlich wie in Freiburg
im Breisgau - zwei schlanke Türme, die auf der Westseite den Haupteingang
und auf der Ostseite den eingeschossigen Apsisanbau (im Bereich des
Toraschreines) flankierten.
In den Jahrzehnten nach der Zeit des Ersten Weltkrieges wurde die Synagoge immer
weniger genutzt; die meisten Gemeindemitglieder hatten die Stadt bereits
verlassen. Ende der 1940er-Jahre wurden nochmals einige Reparaturarbeiten
durchgeführt. 1972 wurde der letzte Gottesdienst anlässlich der Bar Mitzwah
eines Sohnes ehemaliger Gemeindemitglieder abgehalten. Damals beschlossen die
drei übrig gebliebenen jüdischen Einwohner der Stadt, die Synagoge zu
verkaufen und für den Abbruch freizugeben. Gegen den Abbruch gab es keine
Einsprüche, weder von Seiten der städtischen Behörden noch durch den
Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund.
Am 28. April 1983 wurde die Synagoge abgebrochen. An die Synagoge
erinnern auf dem Grundstück nur noch das einstige eiserne Eingangstor zum
Vorplatz der Synagoge und die steinernen Gebotstafeln.
Adresse/Standort der Synagoge: Rue de la
Synagogue
Fotos:
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Ron
Epstein-Mil: Die Synagogen der Schweiz. Bauten zwischen Emanzipation, Assimilation und
Akkulturation.
Fotografien von Michael Richter
Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz. Schriftenreihe des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, Band 13.
2008. S. 123-120 (hier auch weitere Quellen und
Literatur). |

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