Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Oberaula mit Stadtteil Hausen, Schwarzenborn (Knüll) (Schwalm-Eder-Kreis)
sowie Frielingen (Gemeinde Kirchheim/Hessen, Kreis Hersfeld-Rotenburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Oberaula bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1646 gab es zwei jüdische Haushaltungen am Ort. Bis 1671 waren es bereits vier Familien. Hundert Jahre später (1774) waren es fünf und 1776 acht Familien. Auch in Schwarzenborn lebten mindestens seit dem 18. Jahrhundert jüdische Familien.  
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Oberaula 1812 24 jüdische Familien, 1835 45 jüdische Einwohner, 1861 106 jüdische Einwohner (11,5 % von insgesamt 921 Einwohnern), 1871 82 (10,1 % von 811), 1885 91 (11,1 % von 823), 1895 90 (11,4 % von 788), 1905 70 (8,2 % von 857). Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Hausen, Frielingen und Schwarzenborn lebenden jüdischen Personen: in Hausen 1835 keine, 1861 29, 1905 24, 1925 7, 1932 zwei jüdische Einwohner; in Frielingen 1835 18, 1861 22 jüdische Einwohner; in Schwarzenborn 1865 60, 1861 70, 1905 19, 1932 acht jüdische Einwohner (vgl. zu den in Schwarzenborn zuletzt lebenden jüdischen Personen den Artikel unter "Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte).    
  
An den Freiheitskriegen 1813/14 nahmen zwei jüdische Männer aus Schwarzenborn teil: Meyer Rosenberg und Joisel Wallach. 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Elementarschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet angestellt war. An der Israelitischen Elementarschule gab es 1869 18 Schüler, 1890 29, 1901 19, um 1932-33 noch etwa zehn. An jüdischen Lehrer sind bekannt: um 1837 Benedict Hause, ab 1847 bis nach 1869 Hirsch Rothschild, ab 1878 Moses Brandes. Brandes konnte 1908 sein 50-jähriges Amtsjubiläum am Ort feiern (siehe Bericht unten). Drei Jahre (um 1910?) vertrat seine Stelle sein Sohn Leo Brandes, der dann eine Lehrerstelle in Bentschen [Zbąszyń bei Posen, Poznań] übernahm (siehe Berichte zu seinem Tod als Soldat im Ersten Weltkrieg unten). Letzter Lehrer war bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand 1933 Jacob Heilbrunn (vgl. Bericht). Die jüdische Schule wurde zum 1. April 1934 aufgelöst.  Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.      
   
Im Ersten  Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Karl Goldschmidt (geb. 29.9.1893 in Oberaula, gef. 6.8.1915), Max Heilbrunn (geb. 10.9.1892 in Oberaula, gef. 12.2.1917), Joseph Wallach (geb. 25.3.1887 in Oberaula, gef. 8.9.1914) und Markus Wallach (geb. 20.4.1885 in Oberaula, gef. 30.3.1918). Außerdem ist der Sohn des Lehrers Moses Brandes - Leo Brandes - gefallen (geb. 14.11.1882 in Oberaula, gef. 24.11.1915).     
   
Um 1925, als 79 jüdische Einwohner gezählt wurden (7,1 % von 1.113 Einwohnern), war Gemeindevorsteher Meyer Rosenberg. Als Lehrer, Kantor und Schochet wird Jacob Heilbrunn genannt. Er erteilte an der Israelitischen Volksschule noch sechs Kindern den Unterricht. Ein weiteres Kind, das eine andere Schule besuchte, erhielt nur Religionsunterricht. Zur Gemeinde Oberaula gehörten damals noch 7 in Hausen lebende jüdische Personen. 1932 war Gemeindevorsteher weiterhin Meyer Rosenberg. Auch Lehrer Jacob Heilbrunn war weiter in der Gemeinde. An jüdischen Vereinen bestanden der Israelitische Frauenverein (1932 unter Leitung von Selma Traub, Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit) sowie der Israelitische Männerverein (1932 unter Leitung von Siegmund Wallach II; Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit). Im Schuljahr 1931/32 wurde die Israelitische Volksschule weiterhin von sechs Kindern besucht. Die Zahl der in Hausen lebenden jüdischen Gemeindeglieder war auf zwei zurückgegangen; aus Schwarzenborn gehörten acht jüdische Personen zur Gemeinde.       
   
1933 lebten - wie acht Jahre zuvor - noch 79 jüdische Personen in Oberaula (6,6 % von 1.197 Einwohnern). In den folgenden Jahren sind alle auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (28 Personen) beziehungsweise ausgewandert. Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938, bei dem die Synagoge geplündert und verwüstet wurde (s.u.), entschlossen sich die am Ort noch verbliebenen jüdischen Einwohner zum baldigen Verlassen des Ortes. Von den 1939 noch 39 jüdische Einwohnern am Ort (3,2 % von 1.231 Einwohnern) sind 15 nach Palästina, in die USA und nach Frankreich emigriert. Die letzten jüdischen Einwohner verließen den Ort im August 1940.     
      
Von den in Oberaula geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sara Blumenfeld geb. Rothschild (1885), Bruno Goldschmidt (1825), Hermann Goldschmidt (1891), Hilde Goldschmidt (1930), Johanna Goldschmidt geb. Apt (1897), Julius Goldschmidt (1896), Berta Heilbrunn geb. Traub (1862), Coppel Heilbrunn (1864), Isaak Heilbrunn (1872), Meta Heilbrunn (1883), Salomon Heilbrunn (1887), Betty Isaak (1907), Elfriede Isaak (1929), Jakob Isaak (1921), Lina Goldine Isaak geb. Liebermann (1880), Martin Jakob Isaak (1920), Max Marcus Isaak (1879), Moritz Isaak (1884), Rahel Hertha Isaak (1935), Selma Isaak geb. Wallach (1888), Siegfried Isaak (), Theodor Isaak (1914), Erna Katz geb. Traub (1907), Nanny Katz geb. Wallach (1880), Hesekiel Katzenstein (1851), Bertha Kopinsky geb. Rothschild (1865), Emma Löwenstein geb. Wallach (1889), Inge (Ingeborg) Löwenstein (1924), Adele Nathan geb. Jakob (1893), Meta Nußbaum geb. Heilbrunn (1883), Beate Oppenheim (1925), Friedrich Oppenheim (1888), Meta Oppenheim geb. Heilbrunn (1894), Julie Pfifferling geb. Wallach (1886), Adolf Plaut (1876), Hedwig Plaut (1902), Helene Rose geb. Wallach (1893), Siegmund Rothschild (1882), Paula Seelig geb. Wallach (1884), Berta Sonn geb. Nagel (1888), Johanna Spiegel geb. Rothschild (1923), Moritz Moser Traub (1874), Sußmann Siegmund Traub (1875), Aron Friedrich Wallach (1889), Bettina Wallach (1925), Bettina Wallach (1932), David Wallach (1886), Edith Wallach (1931), Hermann Wallach (1883), Johanna Wallach geb. Stuchardt (1896), Meta Wallach geb. Goldmeyer (1898), Rika Wallach geb. Wallach (1898).     
    
Aus Hausen sind u.a. umgekommen: Betty Isaak (1907), Lina Goldine Isaak geb. Liebermann (1880) (eine genaue Recherche ist anhand der beiden Quellen / Listen nicht möglich, da zwischen den Orten mit Namen "Hausen" mehrfach nicht ausreichend differenziert wird.   
  
Aus Frielendorf sind umgekommen: Hirsch Jakob (1868), Emma Esther Os geb. Marus (1872).
  
Aus Schwarzenborn sind umgekommen: Jakob Heilbrunn (1868), Jakob Heilbrunn (1886), Hilda Mondschein geb. Heilbrunn (1881), Jenny Oppenheimer geb. Baumann (1900), Martha Oppenheimer (1930), Martin Oppenheimer (1930), Siegfried Oppenheimer (1894), Leopold Wallach (1885). 
Zu Familie Oppenheimer siehe Bericht unten unter "Erinnerungsarbeit vor Ort".     
     
  
  
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

50jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Moses Brandes (1908)
Moses Brandes war vor Oberaula Lehrer in Wanfried. 

Oberaula FrfIsrFambl 14021908.jpg (11270 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Februar 1908: "Oberaula. Lehrer Brandes feiert am 24. dieses Monats sein 50-jähriges Amtsjubiläum."  

 
Auszeichnung für Lehrer Moses Brandes (1908)

Oberaula FrfIsrFambl 28021908.jpg (22951 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Februar 1908: "Oberaula. Anlässlich seines 50-jährigen Amtsjubiläums erhielt Herr Lehrer Moses Brandes den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern."  

   
Zum Soldatentod von Lehrer Leo Brandes, Sohn des Lehrers in Oberaula Moses Brandes (1915)      

Oberaula Israelit 04021915.jpg (118372 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1915: "Aus Hessen-Nassau. Auf den Schlachtfeldern in Russland erlitt am 24. November der Lehrer Leo Brandes aus Bentschen (nicht: Beutschen) den Heldentod fürs Vaterland. Geboren am 14. November 1882 als Sohn des Lehrers Moses Brandes zu Oberaula (Bezirk Kassel) besuchte er das Lehrerseminar zu Hannover, amtierte alsdann 3 Jahre als Vertreter seines Vaters an der öffentlichen Volksschule seiner Heimatgemeinde Oberaula und wirkte später als Lehrer in Bentschen (Posen). Begeistert zog er in den Kampf, schon war er wegen seiner Tapferkeit befördert worden und er gedachte, wie er in einem seiner letzten Briefe an seine Lieben schrieb, sich auch noch das eiserne Kreuz zu erwerben. Die Vorsehung hatte es anders beschlossen. Ein Kopfschuss setzte seinem jungen Leben ein Ziel Nun ruht er schon einige Wochen in seinem Heldengrabe, er, der so plötzlich herausgerissen wurde aus seiner ihm lieben Berufsarbeit, der er sich mit seiner ganzen Kraft, mit wahrhaft vorbildlichem Fleiße, mit großer Gewissenhaftigkeit und Treue hingab. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.  H."    
Hinweis: eine Tochter von Lehrer Moses Brandes - Johanna Brandes, geb. 10.2.1879 in Oberaula - war mit Leopold Harris verheiratet, der 1919 Kommissarischer Polizeipräsident von Frankfurt war, siehe bei Himbach

  
1922 wird Lehrer Jacob Heilbrunn genannt - er spricht beim Jubiläum von Lehrer Katz in Nentershausen.  
  
 
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Goldene Hochzeit von Manus Wallach und Rosa geb. Stern (1929)

Oberaula Israelit 18071929.jpg (14923 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1929: "Oberaula, 8. Juli (1929). Ihre goldene Hochzeit begehen morgen in seltener Frische Herr Manus Wallach und Ehefrau Rosa geb. Stern, dahier."  

     
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Todesanzeige für Johanna Rosenberg geb. Rosenbusch (1931)      

Oberaula Israelit 26111931.jpg (48183 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1931: "Nach kurzer Krankheit verschied am 22. dieses Monats meine teure Mutter Frau Johanna Rosenberg geb. Rosenbusch. Jakob Rosenberg. New York - Oberaula. 
Die Beerdigung fand bereits in Oberaula statt."  

  

  
Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war ein Betraum oder eine erste Synagoge vorhanden. Beim Bau der Synagoge von 1842 ist vom Bau einer "neuen Synagoge" die Rede (siehe Predigten unten). Diese neue Synagoge wurde 1837 erbaut und mit einer deutschen Predigt des damaligen Lehrers Benedict Hause am 15. September 1837 eingeweiht.

Oberaula Israelit19JH 30011842.jpg (76924 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 30. Januar 1842: Bekanntmachung. Bei F. Schuster in Hersfeld und Homberg ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:   
Hause, B
., Drei Predigten, vorgetragen in den Synagogen zu Sterbfritz und Oberaula. gr. 8. broch. 7 1/2 Sgr.  
-  Predigt bei der Einweihung der neuen Synagoge in Oberaula. gr. 9. br. 3 3/4 Sgr.  
Immer mehr kommt die deutsche Predigt in den Synagogen in Aufnahme und wird gewiss dazu beitragen, mehr Licht in dieselben zu bringen. Darum ist's verdienstlich, wenn gute deutsche Predigten von jüdischen Religionslehrern gedruckt werden, damit dieselben auch die häusliche Erbauung befördern und beleben. Obige Predigten sind in vielen Rezensionen sehr gerühmt worden; in denselben herrscht die reine Moral, die über allen Sekten erhaben steht."   
  
Oberaula Israelit19Jh 24111844.jpg (72118 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1844: Derselbe Text wie oben. 

Gut 100 Jahre war die Synagoge in Oberaula Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort.   
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Das Gebäude kam wenig später in Privatbesitz, wurde als Wohnhaus, der Betraum als Abstellplatz verwendet. 1969 wurde das Gebäude abgebrochen, da es angeblich baufällig war. Das Grundstück der früheren Synagoge wurde eingeebnet.  
  
Am 31. März 1984 kam es in Oberaula zu einer vielbeachteten Protestkundgebung gegen alljährliche SS-Treffen am Ort. Damals wurden am jüdischen Friedhof und am Standort der ehemaligen Synagoge provisorische Gedenktafeln angebracht. Die Tafel an der Synagoge trug die Inschrift: "Hier neben stand einst eine Synagoge. Sie wurde 1938 geplündert und zerstört. Die jüdischen Bürger von Oberaula wurden vertrieben, gequält und ermordet wie Millionen andere auch." Am 26. November 1989 wurde an der benachbarten Pfarrscheune, die der Evangelischen Kirchengemeinde gehört, eine neue Gedenktafel mit einer Abbildung der früheren Synagoge angebracht (Text siehe bei Foto unten). 
     
  
Adresse/Standort der Synagoge      Friedigeröder Straße 68      (frühere Haintorgasse)  

Fotos
(Quelle: Zeichnungen: Altaras 1994 S. 55; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 14.8.2008)  

Rekonstruktionszeichnungen 
der ehemaligen Synagoge
Oberaula Synagoge 140.jpg (44282 Byte) Oberaula Synagoge 141.jpg (59859 Byte)
  Rekonstruktion des Untergeschosses Rekonstruktion des Obergeschosses
       
Oberaula Synagoge 142.jpg (52381 Byte) Oberaula Synagoge 143.jpg (61505 Byte) Oberaula Synagoge 144.jpg (53819 Byte)
 Rekonstruktion der nördlichen Fassade Rekonstruktion der östlichen Fassade Rekonstruktion der Straßenansicht
      
Standort der Synagoge 
und Gedenktafel
Oberaula Synagoge 173.jpg (95376 Byte) Oberaula Synagoge 170.jpg (109451 Byte)
  Blick auf das unbebaute Grundstücke der ehemaligen Synagoge; Text der Gedenktafel: "In unmittelbarer Nähe stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde - nachfolgenden Generationen zur Mahnung, um für Demokratie, Völkerverständigung, inneren und äußeren Frieden einzutreten."   

    
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

April 2009: In Schwarzenborn werden drei "Stolpersteine" verlegt  
Fotos rechts: Aus Schwarzenborn deportiert: Siegfried und Jenny Oppenheimer mit Sohn Martin Schwarzenborn 071.jpg (37075 Byte) Schwarzenborn 070.jpg (23422 Byte)
Artikel von Sylke Grede in der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA-Online, Artikel) vom 3. April 2009:  
Gegen das Vergessen - Mit drei Stolpersteinen soll in Schwarzenborn Opfern der NS-Zeit gedacht werden. 
Schwarzenborn.
Martin, Siegfried und Jenny Oppenheimer: Sie starben im July 1944. Erschossen. Vermutlich bei einem Massaker in einem Wald bei Riga. Im Gedenken an die jüdische Familie aus Schwarzenborn verlegt der Künstler Gunther Demnig am kommenden Montag vor der letzten Wohnstätte der Oppenheimers drei Stolpersteine. Gerade zehn mal zehn Zentimeter groß sind die Stolpersteine. Sie erinnern an den Verlust des Lebens, der Heimat, der Wurzeln. "Die Welt soll wissen, was uns angetan wurde, sagt Lore Oppenheimer. Die Schwiegertochter der Oppenheimers überlebte Verfolgung und Deportation. Seit 1947 lebt die gebürtige Hannoveranerin in New York, dort heiratete sie 1948 den aus Schwarzenborn stammenden Leo Oppenheimer. 1941 war die Schwarzenborner Familie - Siegfried Oppenheimer (geboren 1894), seine zweite Frau Jenny (geb. 1900), das gemeinsame Kind Martin (geb. 1930) und die Kinder aus der ersten Ehe Oppenheimers, Leo (geb. 1921), Julius (geb. 1923) und Marga (geb. 1925) - von Kassel aus in das Rigaer Ghetto deportiert worden...."     
 
ab 8. Oktober 2009 im Kino: Film über die Lebensgeschichte der aus Oberaula stammenden Marga Spiegel geb. Rothschild  
Filmanzeige Unter Bauern.jpg (55760 Byte)Marga Rothschild ist die am 21. Juni 1912 in Hersfeld geborene Tochter des Kaufmanns Siegmund Rothschild in Oberaula. Vater Siegmund Rothschild wurde im Juli 1938 im KZ Oranienburg ermordet. Die einzige Schwester von Marga - Johanna, geb. 23. Januar 1923, verheiratet mit Leo Spiegel aus Ahlen, wird später im KZ Auschwitz ermordet.  
Marga lebt zunächst mit ihrer Familie im hessischen Oberaula. Ihr Physik-Studium in Frankfurt muss sie aufgrund ihrer jüdischen Abstammung nach dem 1. Semester abbrechen. Kurz darauf heiratet sie Siegmund 'Menne' Spiegel und zieht mit ihm nach Ahlen, wo ein Jahr später Tochter Karin zur Welt kommt. 1940 werden die Spiegels aus Ahlen vertrieben und fliehen nach Dortmund. Auf der Flucht vor den Nazis finden sie 1943 Zuflucht bei münsterländischen Bauern. Wie durch ein Wunder bleiben Marga und Tochter Karin bis Kriegsende unentdeckt, auch Menne überlebt die NS-Zeit. Die Familie zieht daraufhin zurück nach Ahlen. Nach dem Tod von Menne übersiedelt Marga nach Münster, wo sie bis heute lebt. Im Jahr 1965 erschienen ihre Erinnerungen "Retter in der Nacht". 
Links
Wikipedia-Artikel zu Marga Spiegel          Website zum Firm "Unter Bauern"   
Pressebericht über eine Filmvorführung in Gütersloh (pdf-Datei)     
Pressemitteilung des Kommunalen Kinos in Pforzheim (pdf-Datei)  
 

  
   
Links und Literatur  

Links: 

Website der Gemeinde Oberaula    
Website der Stadt Schwarzenborn 
Seiten zur jüdischen Geschichte von Oberaula auch bei www.hassia-judaica.de   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 149-150.  
Kein Abschnitt bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988. 
Ausführlich in dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 54-57.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 181.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 355-356.
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Oberaula  Hesse-Nassau. Jews lived there from the 17th century and built a synagogue in 1837. They numbered 106 (11 % of the total) in 1861 and 79 in 1933. Affiliated with the Marburg rabbinate, they were mostly cattle traders and farmers. Two nearby communities, Schwarzenborn (with 102 Jews in 1837) and Raboldshausen (144 in 1835) had practically vanished by 1925. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue in Oberaula was destroyed; 61 Jews left (17 emigrating) and at least 16 perished in the Holocaust. 
     

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 11. Dezember 2011