Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Interlaken (Kanton Bern, Schweiz) 
Jüdische Geschichte / Hotelsynagogen 

  

Übersicht:

Zur jüdischen Geschichte in Interlaken    
Berichte zur jüdischen Geschichte in Interlaken 
Berichte in chronologischer Reihenfolge      
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Interlaken bis in die 1930er-Jahre    

In Interlaken bestand zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde. Nur einzelne jüdische Personen / Familien ließen sich hier seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nieder. Einer der ersten jüdischen Einwohner war Dr. Weil aus dem badischen Eichstetten, der 1841 vom Sanitätsrat als Spitalarzt nach Interlaken geschickt wurde. Lange war Dr. Weil nicht in Interlaken: 1847 wird er als militärischer Kreisarzt in Walkringen im Emmental genannt.      
  
In den 1870er-Jahren gab es Bemühungen in Interlaken, für die jüdischen Kurgäste eine Israelitische Restauration einzurichten, die auch in der Folgezeit erfolgreich waren. Damals (siehe Bericht von 1876) gab es noch keinen weiteren jüdischen Bewohner des Ortes.  
  
Von der Zeit um 1889 bis um 1913/14 gab es die die jüdische Pension Levy, in der während der Saison bei ausreichender Zahl von männlichen Kurgästen auch regelmäßig am Schabbat Gottesdienste abgehalten wurden. Als Vorbeter war der von der Pension angestellte Schächter tätig (siehe unten Bericht von 1890).  
  
Zwischen 1914 und 1928 gab es - von einer nur vorübergehenden koscheren Einrichtung abgesehen - eine jüdischen Pension in Interlaken. 1928 eröffnete ein aus Lugano stammender Restaurateur namens Kempler das Haus "De la Paix" in der Bernastraße, in dem er ein streng koscher geführtes Hotel einrichtete. Auch dieses Hotel verfügte über eine Haussynagoge für Gottesdienste während der Saison.       
    
   
Weiteres zur jüdischen Geschichte am Ort liegt noch nicht vor (Informationen bitte gegebenenfalls an den Webmaster; Adresse siehe Eingangsseite)   
 
   
   
  

Berichte zur jüdischen Geschichte in Interlaken        
 
Berichte in chronologischer Reihenfolge   

Dr. Weil aus Eichstetten ist Spitalarzt in Interlaken (1841) 
  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. April 1841: "Eine bessere Stellung als die Basler Juden haben die zu Bern, wo eine hochherzige Regierung ihnen mit den französischen Bürgern gleiche Rechte erteilt. Sie haben einen Lehrer, Vorsänger und Schächter in einer Person, haben wie die zu Basel eine eigene Synagoge, schicken ihre Kinder auf öffentliche Anstalten. Erfreulich ist’s hier den ausgezeichneten Prof. Dr. Valentin aus Breslau zu treffen, den die Regierung vor mehreren Jahren an die dortige Hochschule berufen, und der nunmehr seiner Tüchtigkeit und seines liebevollen Wesens halber bei Bürgern und Studenten in hohen Achtung und Liebe steht.
Geht man von Bern aus in das naturreiche Oberland, so trifft man zu Interlaken einen wackern jungen Israeliten – Dr. Weil aus Eichstetten im Breisgau – der vom Sanitätsrat dorthin als Spitalarzt gesendet worden, nachdem er durch ein mehrjähriges fleißiges Studium zu Bern sich das Wohlwollen der Behörden erworben."         
 
Eichstetten AZJ 25011847.jpg (59014 Byte)Aus einem Artikel über jüdisches Leben in der Schweiz in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Januar 1847: "In der Nähe von Bern lebt ein jüdischer Arzt - Dr. Weil aus Eichstetten - zu Walkringen im Emmental. Der selbe bekleidet die Stelle eines Militärarztes. Das Zutrauen, dessen Herr Weil sich bei seiner christlichen Umgebung zu erfreuen hat, verschafft ihm eine wohl ausgedehnte Praxis. Auch wurde derselbe in seiner Stellung als Arzt schon oft mit Aufträgen höheren Ortes beehrt." 

 
Eine israelitische Restauration soll eröffnet werden (1876)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1876: 
"Jüdische Restauration in Interlaken (in der Schweiz). 
In Interlaken, einem der schönsten Punkte der Schweiz, gleich ausgezeichnet durch seine wundervolle Lage wie durch seine klimatischen, der Gesundheit zuträglichen Verhältnisse, von vielen Tausenden alljährlich zum mehrwöchentlichen Aufenthalte benutzt, soll eine israelitische Restauration, welche den Anforderungen streng-religiöser Glaubensgenossen genügt, errichtet werden. Einer der ersten Hôtelbesitzer daselbst ist bereit, geeignete, abgesonderte Räumlichkeiten zu diesem Zwecke pachtweise zu überlassen. Es ist zu vermuten, dass bei der alljährlich zunehmenden Reiselust und bei der Beliebtheit, welcher sich gerade Interlaken als mehrwöchentlicher Aufenthalt erfreut (Interlaken ist ein Kurort, hat eine Molken-Kur-Anstalt, ein Kurhaus und eine Kur-Kapelle), eine daselbst errichtete echt-jüdische Restauration eine glänzende Zukunft haben wird.  
Für den Anfang sind einige hervorragende Glaubensgenossen bereit, durch tatkräftige Unterstützung die Realisierung des Unternehmens zu befördern. 
Geeignete Bewerber wollen Franko-Offerten sub Nr. 174 an die Expedition dieses Blattes senden. 
Es wird zugleich bemerkt, dass in Interlaken bis jetzt kein Israelit wohnt, dass also der Restaurateur auch für einen Schauchet zu sorgen hätte."        

   
Anzeigen der Pension Levy (1889 / 1903)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1889
"Interlaken [Schweiz] Interlaken.  Pension Levy.  
Eröffnung 15. Mai 1889
. Streng koschere Küche.  
Fleischbezug von Luzern
."       
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1903
"Hôtel & Pension Levy (Villa Risold). Schweiz  Interlaken  Schweiz. 
Wiedereröffnung 1. Juni."      

    
Über die jüdische Pension Levy (1890)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1890: "Interlaken, 20. Juli (1890). Von einem angesehenen jüdischen Kurgaste erhalten wir folgende Zuschrift: 
Es dürfte die Leser Ihres geschätzten Blattes interessieren, dass jetzt hier eine recht gute jüdische Restauration (Pension Levy) ist, wodurch Gelegenheit geboten ist, für kürzere oder für längere Zeit diesen herrlichen Teil der Schweiz aufzusuchen und neben den schönen Naturgenüssen auch für leibliche Pflege zu sorgen.
Interlaken eignet sich bekanntlich, als Mittelpunkt des Berner Oberlandes, umgeben von einer Kette mächtiger Schneeberge, ebenso wohl zu zahlreichen Ausflügen, als auch zum ruhen längeren Aufenthalt, indem sowohl der Ort selbst als auch die Kurverwaltung vielseitige Zerstreuung bietet. In der Saison ist hier auch Sonnabends regelmäßiger Gottesdienst, bei dem der vom Restaurateur unter Approbation Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Cohn, Basel angestellte Schächter als Vorbeter fungiert. Zahlreiche, gute Privatlogis zu billigen Preisen machen den Aufenthalt zu einem wenig kostspieligen. Die hiesige Restauration im Verein mit der recht guten Pension Moos in Luzern bieten gute Verpflegungsstationen für jüdische Besucher der Schweiz."        

  
Während der Wintermonate betreibt die "Pension Levy" das Hotel "Joli Site" in Montreux (1900)
     

Montreux Israelit 05021900.jpg (213357 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1900: "Aus der Schweiz. Wir glauben den zahlreichen, während der Frühlingsmonate nach der Riviera reisenden, jüdischen Erholungsbedürftigen einen Gefallen zu erweisen, wenn wir sie auf eine Zwischenstation aufmerksam machen, die von vielen Ärzten mit Recht als eine überaus günstig gelegene klimatische Übergangsstation von dem rauen, deutschen Winter, zu dem warmen Süden erachtet und empfohlen wird. In anmutigster Lage, zwischen Weinbergen eingebettet, liegt dicht am Ufer des Genfer Sees das seit Jahrhunderten von Erholungs- und Ruhebedürftigen mit Vorliebe aufgesuchte Städtchen Montreux. Auf der Nordseite von den hohen Bergen des Berner Oberlandes begrenzt, ist es so völlig geschützt gegen die rauen Winde, während von Süden her die milden Lüfte des unfernen Italiens über den lieblichen See herüberwehen. das fast immer wolkenlose blaue Firmament erhöht den landschaftlichen Reiz dieses von Mutter Erde so besonders bevorzugten Fleckchens Erde.  
Der von Jahr zu Jahr steigenden Zahl der Kurgäste entsprechend, haben Stadt- und Kurverwaltung Alles aufgeboten, um den Ansprüchen und Bedürfnissen der Besucher in jeder Hinsicht entgegenzukommen und finden wir dort ein sehr schönes Kurhaus, mit vorzüglichen, zweimal täglichen Konzerten, Theater, Lese- und Spielsäle etc. Seit vorigen Herbst hat die renommierte israelitische Restauration 'Pension Levy', welche während der Sommermonate in Interlaken für die leiblichen Bedürfnisse der rituell lebenden Kurgäste sorgt, ein Hotel eröffnet, das sich trotz des kurzen Bestehens durch seine vorzügliche Küche, peinlichste Sauberkeit, aufmerksamste Bedienung und trotz dieser Vorzüge sehr mäßigen Preise einen zahlreichen Passanten- und Touristen-Verkehr zu gewinnen wusste.  
Das Hotel ist während der Wintersaison, also von Oktober bis März, geöffnet und verdient in der Tat die lebhafteste Frequenz seitens der zahlreichen, nach dem Süden pilgernden und rituell lebenden Erholungsbedürftigen und dürfte wohl kein Besucher dieses Hotels dasselbe und die freundliche und aufmerksame Bewirtung anders als dankbar in Erinnerung behalten. Der Name des Hotels 'Joli Site' spricht für dessen wunderbare Lage. Fast unmittelbar am Ufer gelegen, gewähren die Zimmerbalkons eine herrliche Aussicht auf den glänzenden See, der bei dem regen Verkehr der Dampf- und Segelschiffe an dieser Stelle ein stets abwechslungsreiches Bild zeigt.  
Wir können aus all diesen Gründen, zu welchen sich noch die absolute, religiöse Zuverlässigkeit der von Interlaken ohnedies bestrenommierten Wirte gesellt, den Besuch Montreux's aufs Wärmste empfehlen. Auch Vergnügungsreisende werden sich bei einem Aufenthalte in Montreux überzeugen, dass dieser Ort mit Recht seinen Beinamen 'Das schweizerische Nizza' verdient."              

    
Über das jüdische Hotel mit Pension im Hause "De la Paix" (1928)  
(Hinweis: im Hotelprospekt wurde mit dem Begriff "Koscher" und dem Symbol des "Hamburger Speisevereins" (Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser) für garantiert streng rituelle Haus- und Küchenführung für das Hotel geworben)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1928: "(Interlaken). Zu den Perlen des Berner Oberlandes, zwischen saftig grüne Matten gebettet, von den klaren und tiefen Thuner und Brienzer Seen umspült und von bewaldeten Bergen - aus deren Mitte die mehr als 4000 Meter himmelragende Jungfrau hervorlugt - dicht umrahmt, zählt schon seit vielen Jahrzehnten das herrliche Interlaken. Vor dem Kriege gab es hier die inzwischen gänzlich eingegangene Pension Levy, die sich immer großen Zuspruches erfreute. Seit 14 Jahren gab es hier - von einer vorübergehenden Einrichtung abgesehen, keine koschere Pension mehr. Dabei hat sowohl die Kurverwaltung, wie auch der Verein zur Förderung mit Sitz in Luzern, immer nach einer zeitgemäßen, streng koscheren Pension Ausschau gehalten. Endlich ist der Wurf gelungen. Ein Bruder des bekannten Herrn Kempler in Lugano und Schuls hat nun ein modernes Hotel mit Pension im Hause 'De la Paix', 2 Minuten vom Hauptbahnhof, in der ruhigen Bernastraße, die zum Rugenpark führt, eröffnet. Der Hamburger Führer (sc. für streng rituelle Gaststätten) hat es natürlich schon verzeichnet. Was aber wichtig ist und hervorgehoben zu werden verdient, das ist wohl der Umstand, dass hier ein wirklicher Fachmann das Haus leitet und die Küche dem verwöhntesten Geschmacke Rechnung trägt. Der Leiter hat das Haus käuflich erworben und ganz modern ausgestattet. Ein schöner Speisesaal wie auch eine gedeckte Veranda bieten Platz für 80 Tischgäste; auch eine kleine Haus-Synagoge für den Gottesdienst am Sabbat fügt sich harmonisch in das ganze ein. Mit Genugtuung darf heute festgestellt werden, dass das Hotelwesen mit Kaschrus unter Aufsicht in der Schweiz, in den letzten Jahren sich sehr stark gehoben hat."         

   
Weiterer Bericht über das jüdische Hotel de la Paix (1935)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1935: "Interlaken, das Zentrum des Berner Oberlandes, am Fuße des 4166 m hohen, ewig schneebedeckten Jungfraumassives gelegen, ist derjenige Platz, der allen, auch den verwöhntesten Ansprüchen nach Erholung entspricht: Nicht zu hoch gelegen, für die, die die Höhenluft nicht vertragen und nicht zu niedrig, um nciht alle Vorzüge der Hochgebirgswelt genießen zu können. Die herrlichen Ausflüge mit den Bergbahnen, auch bis 3450 m (Jungfraujoch, höchste Bergbahn Europas) und die bezaubernden Dampfschifffahrten auf den Thuner- und Brienzersee sind dazu angetan, die Reiseroute nach Interlaken zu lenken. Das Hotel de la Paix in Interlaken, das streng koscher geführt wird, gibt nun den jüdischen Reisenden während ihres Ferienaufenthaltes nicht nur die Möglichkeit, diese einzigen Naturschönheiten des Berner Oberlandes zu bewundern, sondern verschönert ihnen durch seine Komfort, seine ideale Lage und seine erstklassige Küche die Ferien derart, dass die ein dauerndes Erlebnis bleiben."        

  
Hotelprospekt (undatiert, siehe unten) 

Selbstvorstellung: "Hotel de la Paix, Interlaken. Ruhig, staubfrei und doch zentral gelegen, von gepflegtem Garten umgeben. Sonnige Zimmer mit fließend Kalt- und Warmwasser. Geräumige Terrassen. Erstklassige rituelle Küche, sorgfältige Diät. Aufmerksame Bedienung. Besonders für längern Erholungsaufenthalt geeignet. Geöffnet April bis Oktober. Telefon 428. Telegramm-Adresse Paixhotel. Ch. Schleichkorn, Besitzer.
Interlaken ist weltbekannt und bietet alles für einen genußreichen Ferienaufenthalt. Modernes Schwimm- und Sonnenbad, Kursaal, gesellschaftliche Anlässe jeder Art. Reiche Ausflugsmöglichkeiten per Bahn, Schiff und Auto." 
 
Hinweis: das Hotel de la Paix besteht bis zur Gegenwart in Interlaken, Bernastraße 24, ist jedoch kein rituell geführtes Hotel mehr. 
Website des Hotels: www.hotel-de-la-paix.ch/   

  

    

Fotos   
(Quelle: Hotelprospekt und Karte erhalten im Hotel de la Paix; übermittelt durch Rolf Hofmann, Stuttgart) 

  Interlaken Hotel de la Paix 131.jpg (77376 Byte)  Interlaken Hotel de la Paix 133.jpg (98704 Byte) Interlaken Hotel de la Paix 134.jpg (82799 Byte) 
Hotelprospekt (1940er-Jahre?) Blick auf das Hotel Speisesaal
        
Interlaken Hotel de la Paix 137.jpg (91293 Byte) Interlaken Hotel de la Paix 136.jpg (88030 Byte) Interlaken Hotel de la Paix 135.jpg (94701 Byte)
Überdachte Sitzbereiche Veranda über dem Hotelgarten Ausgang zum Garten 
       
  Interlaken Hotel de la Paix 138.jpg (96909 Byte) Interlaken Hotel de la Paix 130.jpg (107365 Byte)
     Hotelgarten Gegenwärtige Ansicht des Hotels
(Postkarte des Hotels)
   
      

    
    

Links und Literatur

Links:

Website der politischen Gemeinde Interlaken     

Literatur:  

  

   

   

            

   

                   
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Stand: 16. November 2011