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"Synagogen im Kreis Limburg-Weilburg"
Dauborn mit
Heringen,
Kirberg und
Mensfelden
(Gemeinde Hünfelden, Kreis Limburg-Weilburg)
Jüdische Geschichte / Synagogen
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Dauborn war der Sitz einer jüdischen
Gemeinde bis nach 1933, zu der die in den Orten Dauborn, Heringen, Kirberg und
Mensfelden lebenden jüdischen Personen / Familien gehörten. Bereits Mitte
des 18. Jahrhunderts bildeten die in diesen Orten lebendigen Juden eine
gemeinsame Gemeinde mit einer Synagoge in Kirberg.
In Kirberg siedelten sich jüdische Personen
bereits im 17. Jahrhundert an; 1644 gab es bereits fünf jüdische
Familien am Ort. 1769 waren es 14 jüdische Familien mit zusammen 43
Personen. In Dauborn werden 1670 erstmals
Juden am Ort genannt; 1720 waren vier jüdische Familien am Ort.
Aus dem 19. Jahrhundert liegen an Zahlen jüdischer Einwohner vor: 1843
in Dauborn 15 jüdische Einwohner, in Heringen 26, in Kirberg 35, in Mensfelden
54. 1841 wurden feste Familiennamen angenommen. Dabei wurden u.a. die
folgenden Namen gewählt: in Kirberg Nassauer, Rosenstein, Oppenheim,
Grünewald, Semann (früher Seligmann), Stern; in Heringen Roberg,
Straß,
Löwenstein; in Dauborn Meier, Rosenthal, Neumann; in Mensfelden
Heimann, Aaron Lion, Rosenberg, Marcus, Lösmann, Stein.
An Einrichtungen bestanden eine beziehungsweise mehrere Synagogen
beziehungsweise Beträume (s.u.), eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof
in Kirberg. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Bei der Lehrerkonferenz des
Bezirksrabbinates Diez in Limburg 1843 wird
als Teilnehmer Lehrer Abraham Levi Dickstein aus Heringen genannt. Er
stammte aus Polen und war auch noch um 1860 als Religionslehrer für die vier
Orte zuständig. Er wurde nach 1850 zum Ehrenbürger der Gemeinde Heringen
ernannt und starb 1882 im Alter von 107 Jahren in Heringen (siehe Bericht
unten).
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Hermann Dessauer aus
Heringen geb. 21.2.1898 in Heringen, gef. 5.10.1917). Außerdem ist gefallen:
Gustav Buchheim (geb. 8.6.1887 in Dauborn, vor 1914 in Dortmund wohnhaft, gef.
3.6.1915).
1933 lebten noch in den einzelnen Orten: in Dauborn 14 jüdische Personen,
Mensfelden 22, Kirberg fünf, Heringen zehn. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die letzten jüdischen
Einwohner der Orte wurden deportiert, darunter aus Mensfelden Heinrich Dublon
und seine Frau Elise geb. Stein, die nach Lodz deportiert wurden und seitdem
verschollen/umgekommen sind.
Von den in Dauborn geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Thekla Hess
geb. Buchheim (1893), Charlotte Neuberger (1891), Clementine (Tina) Schubach
geb. Simon (1897), Hannelore Schubach (1923), Lucie Klara Schubach (1926).
Aus Heringen sind umgekommen: Jeanette (Johanette) Hofmann geb. Löwenstein (1865), Abraham Löwenstein
(1867), Klara Löwenstein geb. Arnstein (1899), Rudolf Löwenstein (1901),
Salomon (Sali) Strauß (1899)
Hinweis: auch in Heringen (Werra)
bei lebten einige jüdische Familien; es kann zu Verwechslungen kommen.
Aus Kirberg sind umgekommen: Bertha Brandl geb. Oppenheimer (1859), Berta
Cahn geb. Grünewald (1872), Hedwig Goldschmidt (1881), Max Goldschmidt (1883),
Jenny Kahn geb. Löwenstein (1891), Beate (Betty) Strauß (1936).
Aus Mensfelden sind umgekommen: Johanna Besmann geb. Lichtenstein (1882),
Elise Dublon geb. Stein (1877), Heinrich Dublon (1877), Mathilde Grünebaum geb.
Stein (1892), Minna Löwenstein geb. Seemann (1896), Israel Seemann (1866), Max
Stein (1894), Elisabeth Stern geb. Mayer (1881), Beate (Betty) Strauß (1936),
Gertrud Strauß geb. Dublon (1905), Salomon (Sali) Strauß (1899).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Anmerkung: beim "alten Dickstein" handelte es sich um den
früheren jüdischen Lehrer Abraham Levi Dickstein, der 1843 als Teilnehmer bei
einer Lehrerkonferenz in Limburg genannt wird. Dadurch erklärt sich auch die
Verleihung des Ehrenbürgerrechtes der Gemeinde Heringen Anfang der
1850er-Jahre.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1882: "Aus
Nassau. Der alte 'Dickstein' in Heringen hat seinen letzten Geburtstag
nicht lange überlegt; am 7. April ist er, 107 Jahre alt, sanft
verschieden und wurde am 9. unter Begleitung der gesamten Einwohnerschaft
und unter Glockengeläute zur ewigen Ruhe bestattet. Der Kriegerverein
ehrte den Dahingeschiedenen mit 3 Salven. Rabbiner Hochstätter aus Ems
hob in seiner Grabrede hervor, dass Dickstein in dem russischen Feldzug
gegen Napoleon I. an der Beresina als Kosakenoffizier ruhmvoll gekämpft.
Er besaß schon über 30 Jahre das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde
Heringen." |
Die Leiche des vermutlich ermordeten Sally Buchheim
wird gefunden (1906)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Mai 1906:
"Frankfurt am Main. Mord. Der Musketier Sally Buchheim aus
Dauborn bei Limburg wurde, nachdem er 8 Tage abgängig war, am 13.
dieses Monats als Leiche aus dem Main geländet und am 15. dieses Monats
auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe begraben. Es liegt aller
Wahrscheinlichkeit Raubmord vor." |
Zur Geschichte der Synagoge
Spätestens seit 1720 gab es einen Betraum (Synagoge)
für die in den vier Orten lebenden jüdischen Familien in Kirberg; bereits
damals war er Haus an der Wassergasse.
Um 1844 fanden Gottesdienst in Beträumen in Kirberg und
Mensfelden statt. Da jedoch in Heringen und Mensfelden die meisten Juden der vier Orte
lebten, wurde damals der Bau einer Synagoge in Heringen beantragt. Der Antrag
wurde jedoch behördlicherseits abgelehnt, ebenso in den Jahren 1846 und 1848. Die Juden würden
schon über 100 Jahre nach Kirberg zum Gottesdienst gehen, also sollten sie es
auch weiterhin tun; auch der Friedhof würde sich in Kirberg befinden. Damals
wurden jedoch Filialsynagogen in Heringen (Hauptstraße) und Mensfelden
gestattet.
Der Betraum in Kirberg wurde - wie genannt -
bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im rückwärtigen Teil
eines zweigeschossigen Fachwerkhauses an der Wassergasse eingerichtet. 1933
wurde die Kirberger Synagoge geschlossen. 1939 wurden die
Kultgegenstände und die Schriften an die Staatspolizei in Frankfurt übergeben
und anschließend vermutlich vernichtet. Nach 1945 wurde der Bereich der
ehemaligen Synagoge zu Wohnzwecken umgebaut
Der Betraum in Heringen wurde 1846 vom
damaligen jüdischen Besitzer des Anwesens Hauptstraße 25 eingerichtet. Dazu
wurde der linke Teil einer Scheune im Hinterhof des Anwesens umgebaut. Der
Betsaal bestand bis 1933. Er war im Besitz der Familie
Strauß, die eine Vieh- und Häutehandlung betrieb; im Vorderhaus des ihnen
gehörigen Bauernhofes war die Wohnung, ein Manufakturwarenladen und eine
Zweigstelle des Nassauischen Sparkasse. 1938 wurde das Anwesen an eine
nichtjüdische Familie verkauft.
Adresse/Standort der Synagoge: Heringen,
Hauptstraße 25 - Kirberg, Wassergasse 7
Fotos
(Quelle: Altaras s. Lit. 1988 S. 95-96 und 2007)
| Synagoge in
Heringen |
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Der
Plan und die isometrische Rekonstruktionszeichnung zeigen (dunkelgrau
markiert) den 1846 zur Synagoge umgebauten Teil der Scheune hinter dem
Wohnhaus Hauptstraße 25 |
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Vorderhaus
Hauptstraße 25
(ehemaliges Haus der Familie Strauß,
daher "Juddehaus" genannt) |
linker Teil der
Scheune, ehemals Synagoge
mit Fenster aus der Synagogenzeit
(Foto vom September 1985 |
Westlicher Giebel
der Synagogenscheune
mit dem Ansatz des Eingangsvorbaus
(Foto vom September 1985) |
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| Synagoge in
Kirberg |
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Der
Betraum befand sich im rückwärtigen (= linken, durch den Efeubewuchs
dunkel
erscheinenden) Teil des Fachwerkhauses in der Wassergasse
(Foto links September 1985, Foto rechts August 2002) |
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| Aktuelle
Fotos werden noch ergänzt. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 132-133. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 94-96. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 82 (keine weiteren
Informationen). |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007². S.
225-227. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirk Gießen und Kassel. 1995 S.
134. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 418-419. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Dauborn
Hesse-Nassau. In 1750, Jews from Dauborn and from three neighboring villages -
Heringen, Kirberg and Mensfelden - established a community with synagogues in
Kirberg (1744) and Heringen (1846). They numbered 130 altogether in 1843, but
only 49 in 1933, thereafter falling victim to Nazi terror. By 1939 all the Jews
had left.

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