Zur Geschichte der jüdischen
Einwohner
In Betzdorf bestand keine selbständige jüdische
Gemeinde. Die am Ort lebenden jüdischen Familien gehörten zur
Synagogengemeinde in Hamm (Sieg).
Die ersten jüdischen Personen/Familien sind in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts in Betzdorf zugezogen. 1882 wird im Adressbuch der Stadt
Callmann Tobias genannt. 1883 wurden 13 jüdische Einwohner gezählt, 1924
35.
In den 1930er-Jahren wohnten in über 20
Familien mehr als 40 jüdische Personen (1932: 43) in Betzdorf. Die jüdischen Haushaltsvorsteher waren
als Viehhändler oder als Kaufleute tätig. Ihre Geschäfte (Handlungen, Läden)
befanden sich in der Tiergartenstraße (heute Steinerother Straße) / Ecke
Hellerstraße (Viehhandlung Tobias), Kirchstraße (Kaufhaus der Familie
Gerolstein), Viktoriastraße (Konfektionshaus der Gebrüder Rosenberg),
Bahnhofstraße (Textilladen der Geschwister Winter), Siegstraße,
Wilhelmstraße und im Klosterhof.
An Einrichtungen bestanden ein Betraum (s.u.), seit 1921 ein Friedhof.
Zuvor hatte man die in der Stadt verstorbenen jüdischen Personen im jüdischen
Friedhof in Hamm beigesetzt. Der jüdische Lehrer aus Hamm kam regelmäßig zum
Religionsunterricht der jüdischen Kinder nach Betzdorf.
Im Ersten Weltkrieg ist Unteroffizier Dagobert Tobias gefallen (geb.
5.10.1895 in Betzdorf als Sohn von Callmann Tobias, gef. 15.10.1916).
In den Jahren nach 1933 sind mit der
Zeit alle jüdischen Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1935 war am Bahnhof auf
einem Schild zu lesen: "Juden sind in Betzdorf unerwünscht". Boykottmaßnahmen richteten sich u.a. gegen das jüdische
Kaufhaus Gerolstein
in der Kirchstraße. Aus der Gedenktafel der Gefallenen des Ersten Weltkrieges
am Denkmal im Rainchen wurde der Name von Dagobert Tobias, Sohn von Callmann
Tobias entfernt. 1935 wurden noch 21 jüdische Personen in der Stadt
gezählt, 1939 lebten keine jüdischen Personen mehr in
Betzdorf.
Von den in Betzdorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; ergänzt durch die
Angaben im "Betzdorfer Gedenkbuch" des Vereins "Benzdorfer
Geschichte e.V."): Hilde Buschhoff geb.
Strauss (1910), Anneliese Cohn geb. Tobias (1907), Saul Hausmann (1886), Fanny
Hausmann geb. Spiegel (1891), Arthur Herz (1894), Erna Herz
geb. Levy (1896), Karoline (Lina) Hirschberg geb. Meyer (1890), Hedwig Koerber
geb. Hahn (1903), Herz Hugo Moses (1883), Felix Schwoim (1892), Emma Sonnenberg
geb. Bär (1879), Hedwig Strauss (1906), Martha Strauß (1902), Henriette Süßkind (1890),
Betty Tobias geb. Marx (1905), Erich Ernst
Tobias (1913), Friedrich Tobias (1908), Moses Tobias gen. Milton (1904), Ruth Tobias (1931), Theodor Tobias (1882), Theodor Tobias
(1904), Julia Winter (1879), Paula Winter geb. Lubinsky (1874), Rosalie Winter
(1875).
Weitere Informationen zu den einzelnen Personen im "Betzdorfer Gedenkbuch"
des Vereins "Betzdorfer Geschichte e.V." (siehe
unten)
Berichte zur Geschichte der jüdischen
Einwohner
Zur Geschichte des Betraumes
Die in Betzdorf lebenden jüdischen Familien hatten einen
Betraum im Hotel Stangier, dem späteren Hotel Bayerischer Hof (heute Schuhhaus
Feisel) eingerichtet, später in den Räumen der Eisenbahnhauptwerkstätte
hinter dem Kaufhaus Eufinger.
In der Nähe des früheren Standorts eines Betraums wurde 1988 - an einer Säule
der Fußgängerüberführung über die Bahngleise vor der Treppe zur
Viktoriastraße - eine Gedenk-Rosette angebracht mit dem Text: "Den
Lebenden zur Mahnung. Den Toten zum Gedenken. Zur Erinnerung an unsere
jüdischen Mitbürger. 9. November 1988".
Adresse/Standort des Hauses mit dem Betraum: Viktoriastraße
Fotos
(Fotos der Seiten des Gedenkbuches in der alten
Friedhofskapelle erstellt am 25.08.2009 von Hahn)