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in Basel
Basel (Schweiz)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt
von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er-Jahre
Auf dieser Seite:
- Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Basel
- Berichte zum jüdischen Leben in Basel-Stadt und -Land vom Ende des 18.
bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
- Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben von der 2.
Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er-Jahre
- Über Ereignisse und Einrichtungen in Basel von überregionaler Bedeutung
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Basel wurden in jüdischen Periodika
gefunden, die in Deutschland erschienen sind (ergänzend einige
Darstellungen aus dem "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz"); daher
endet die Berichterstattung im Laufe der 1930er-Jahre.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.
Hinweis: die meisten Texte auf dieser Seite
müssen noch abgeschrieben und teilweise mit Anmerkungen versehen werden,
können jedoch durch Anklicken der Textabbildung bereits gelesen werden.
Übersicht:
Allgemeine Beiträge zur jüdischen Geschichte in
Basel
Beitrag über "Die Juden in Basel" von
Rabbiner Dr. Cohn (1909)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli
1909: "Die Juden in Basel. Von Rabbiner Dr. Cohn,
Basel.
Unter diesem Titel veröffentlicht die Baseler Zeitschrift 'Für
Geschichte und Altertumskunde' eine Monographie von Dr. M. Fiesturze in
Sulz, in welcher alles verwendbare Material mit wahrem Bienenfleiß
zusammengetragen und verständnisvoll und sachkundig durchgearbeitet ist.
Sie behandelt die beiden jüdischen Gemeinden, die bis zum Jahre 1349
respektive 1394 in Basel bestanden. Aus den bemerkenswerten Details sei
eines herausgegriffen, das bei den Kennern unserer Literatur sicherlich
Interesse erwecken wird. Aus einem Dokumente, welches das Datum des Jahres
1290 trägt, ist ersichtlich, dass die Juden in Basel nicht wie in anderen
Städten im Ghetto wohnten, sondern vom Stift von St. Leonhard eine Anzahl
von Häusern gepachtet hatten, wofür sie außer der Zahlung einer
jährlichen Pachtsumme die Verpflichtung übernehmen mussten, dem Stift zu
jeder Zeit - und das war wohl der Grund ihrer Aufnahme in Basel - fünf Pfund
ohne Zinsen aber gegen gute und vollwertige Pfänder zu leihen. Unter den
von Juden bewohnten Häusern wird neben der Synagoge das hölzerne Haus
des 'Rabbi Rasor' genannt. Der Verfasser meint nun, dass die
Gemeinde in Basel um diese Zeit wohl nur klein, und kaum in der Lage war,
einen Rabbiner anzustellen, dass aber der Titel 'Rabbi' darauf schließen
lasse, dass dieser Rabbi Rasor eine hervorragende Persönlichkeit war, die
nur in Folge eines äußeren Anlasses sich in Basel aufhielt, der Name
Rasor sei durch ein Missverständnis auf R. Ascher = Rabbi Ascher
entstanden. Dieser Rabbi Ascher aber sei kein anderer, als der
berühmte Rabbi Ascher ben Jechiel der RA"Sch, der
Verfasser jenes Werkes, das mit bewunderungswürdiger Klarheit, Kürze und
Schärfe den Gang der Diskussionen im Talmud wiedergibt und entscheidet,
nach wem wir uns beim Widerstreit der Meinungen zu richten haben und das
mit Rücksicht auf seinen Wert und seine Bedeutung in fast allen Ausgaben
dem Talmud beigedruckt ist.
Welcher Lichtstrahl vom Glanze eines unserer größten Geister fällt mit
einem Male auf Basel. Wie viel wertvoller müsste der (hebräisch und
deutsch:) der Rabbinatssitz von Basel sein, wenn ihn wirklich, wenn
auch nur auf kurze Zeit der RA"Sch innegehabt hätte! Ist doch
der R"A eine der drei größten Autoritäten, deren
Entscheidung bei der Feststellung des Schulchan Aruch, unseres religiösen
Gesetzbuches neben Rambam (= Maimonides) und RI"F
(=Isaak ben Jakob Alfassi) maßgebend war.
Doch wie sollte Rabbi Ascher ben Jechiel nach Basel gekommen sein? Wir
wissen von ihm, dass er in Deutschland geboren wurde, wo sein Vater (nach
dem Bericht des Schalscheles) bis zum Jahre 1264 lebte. Er verließ seine
Heimat (Grätz nennt unter Berufung auf den Schalscheles das Jahr 1308,
während sich die Angabe der Jahreszahl in jenem Werk nicht findet),
siedelte nach Spanien über und starb als Rabbiner von Toledo, wo sich
damals die größte jüdische Gemeinde des Landes mit 70.000 Seelen
befand, im Jahre 1327. Der Verfasser glaubt hierüber Aufschluss geben zu
können.
Rabbi Ascher war ein Schüler des Rabbi Meir von Rotenburg ob der Tauber (Maharam
MiRotenburg), welcher unbestritten als der größte jüdische Gelehrte
Deutschlands galt und der fast wie ein Heiliger verehrt wurde. (Er ist der
Verfasser des zu den Klageliedern am 9. Aw gehörenden
Trauergesanges |
gelten
zu lassen, falls sie derjenige von Tosaphot widerspreche. Gerade dieses
letztere Gutachtern, das Rabbi Meir mit den Worten unterschreibt - wer
kann sich der Wehmut enthalten, wenn er diesen Seufzer eines Großen in
Israel liest - 'was weiß ich Armer, schon drei und ein halb Jahre weile
ich in Finsternis und Todesschatten, vergessen von allem Guten' - und das
also aus dem Jahre 1290 stammt, ist an Rabbi Ascher gerichtet, der damals
nach des Verfassers Ansicht in dem hölzernen Hause bei der Synagoge in
Basel wohnte. Wenn aber in dieser Anfrage von einem Manne berichtet wird,
welcher dem Leichenzug seiner Mutter außerhalb der Stadt bis zum Brunnen
folgte, so scheint dieses Detail nicht auf Basel zu passen, wo die Juden
damals nach den Angaben des Verfassers den Friedhof in Arsclaf, also in
der Stadt hatten.
Einen Anhaltspunkt für die Zeit der Abfassung der Gutachten bietet der
Umstand, dass sie meistens die Unterschrift tragen Meir B'R Baruch er
möge leben, den Vater Rabbi Meirs also als lebend erwähnen, während
der aus dem Gefängnis datierte Brief mit Meir B'R Baruch - sein
Andenken sei zum Segen in Ewigkeit unterschrieben ist, der Vater aber
gestorben ist, bevor das Unglück über seinen Sohn
hereinbrach." |
Auf der Reise in die Schweiz - Besuch in Basel
(1924)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar
1924: "Eine Schweizerreise nach Jahren. Fahrplan und Gebetzeiten.
Wenn man im Winter mit dem Frühzuge von Frankfurt abfährt, so entsteht
die Frage des Tefillinlegens, dieweil die Winterfahrpläne den Gebetzeiten
im 'Israelit' keine Rechnung tragen. Wenn man aber im glücklichen Besitze
eines Fenstereckplatzes ist und zudem einen großen Pelzmantel von seinen
Vätern ererbt hat, den man als Deckmantel der Liebe für allerlei
Anlässe gebrauchen kann, lässt sich das bei der starken Dunkelheit im
Wagen, ohne im geringsten aufzufallen, ganz gut machen.
Wie ich mit meinen Gebete fertig bin und aus meiner Pelzvermummung an die
morgengraue Öffentlichkeit komme, sehe ich, dass nur einer an meiner
gewagten Handlung Anstoß nahm. Ein Mann mir gegenüber, dem man es auch
im Zwielicht ansieht, dass seine Väter am Sinai standen... Die Väter
gerade nicht, die werden vielleicht in der Gegend von Krojanke oder
Neutomischel kleinen Handel betrieben haben, die Ur-Ur-Väter haben am
Sinai gestanden. Aber der Ur-Urenkel hat bitterböse Blicke für den Mann,
der es wagt, in einem weiland königlichen Eisenbahnwagen die Tefillin
behutsam zusammenzulegen. Ich merke es an der Art, wie er wütend in sein
Brot hineinbeißt - es muss nicht gerade Schinkenbrot sein, es ist nur
Einbildung von mir. - Ich glaube, wenn ich in meinem Gebete noch länger
verharrt, der gute Mann würde seine ganzen Vorräte auf einmal verzehrt
haben...
In Karlsruhe stieg ein junger katholischer Geistlicher ein, der kaum, dass
er Platz genommen hatte, ein schwarzes Buch aus der Tasche herauszog, sich
bekreuzte und halblaut zu beten anfing. Da schämte ich mich. Ich schämte
mich für mein Gegenüber, aber auch für mich selbst, der ich Deckung
hinter einem Pelzmantel suchen zu müssen glaubte.
Am Odenwalde vorbei. Die Bäume des Odenwaldes stecken bis zum Knie
in blendend weißem Schnee. Auch ihre Köpfe und verschlungenen Arme sind
weißgetupft. Aber die Sonne lacht schalkhaft über den Wipfeln und reißt
ihnen die weiße Haube vom Kopfe. Wenn der Wald zu Ende ist, dann stehen
hie und da kleine Baumgruppen am Fahrdamm. Als hätten sich die einzelnen
Bäume hier zum Morgengebete versammelt! Abseits stehen aber einzelne
verschneite junge Buchen und Erlen, einsam und allein, die aussehen, als
hätten sie ihre Hände in die Taschen vergraben und würden sie der
betenden Baumgemeinde spotten...
Oder fühlen sie sich verlassen und trauern sie ob ihrer Einsamkeit?
Vielleicht sind die unterirdischen Wurzelfäden, die von den abseits
Stehenden zu den Baumgruppen führen, feiner und reicher als wir ahnen.
Ich sehe dabei merkwürdigerweise mein Gegenüber an und er wird mir um
einige Nasenweiten näher, sympathischer...
Der Weg. Das feinste Wurzelwerk unserer Seele ist die Erinnerung. Mehr
denn anderthalb Jahrzehnte sind es her, dass ich diese Strecke fuhr, in
umgekehrter Richtung. Der Odenwald war damals genauso verschneit wie
heute. Was lag alles dazwischen?
Den Weg zur Größe über Not und Tod, über Gerstensuppe und Dörrgemüse
gingen wir - und zurück; den Weg von der Mark zur Billion - und zurück.
Den Weg zum geeinten Volke von Brüdern - und zurück
...
Wie ich die Menschen von drüben und damals, denen all diese Wege und
Rückwege erspart blieben, die noch scheinbar im Schnee von 1908 stecken,
antreffen werde? |
Feuer.
An der Grenzbarriere im Badischen Bahnhof in Basel steht der grüne
Zollbeamte auf dieser und der braune Käppi-Mann auf der andern Seite, und
die Verhandlungen zwischen Deutschland und der Schweiz bewegen sich ohne
Noten und Ultimata in den friedlichsten Bahnen.
'Du, Eidgenosse, brennt Dein Stumper?' fragt der Grüne.
'Ja!'
'Gib Feuer ani!'
Und die Schweiz feuert nach Deutschland hinüber, dass ein dichter
Rauchqualm über die Grenze stiebt.
Und dann unterhalten sich der Grüne und der Braune über das 'Chaibi
Schwi', das bei 'bester Fütterung' gar nicht fett werden will und
dergleichen mehr.
Und ich denke: Wenn sich doch alle Völker von Grenze zu Grenze
Zigarrenfeuer reichten - dass alle Bosheit wie Rauch vergehe - und sich
nur von Wesen unterhielten, die im Stall nicht fett werden
wollen.
Alte Freunde. Alte Freunde begrüßen mich auf Schweizerboden (der
Nachdruck ist auch auf alte zu legen.) Überall die gleiche
Begegnung. Man reicht sich die Hand und aus beider Mund kommt zugleich das
Wort: 'Sie sind aber grau geworden!'
'Na ja, man kann auch in Deutschland alt und grau werden.'
'Ist es drüben immer noch so schlimm?'
'Schlimm? Wir kamen hoch, bis zur Billion und wandern jetzt zurück zur
Mark. Man wird bald wieder um Pfennige betteln.'
'Ihr habt schlimme Zeiten hinter euch.'
'Die Welt hat schlimmere gesehen.'
'Wie das?'
'Das steht im Konzepte meines Vortrages.'
'Konnte man bei den Zuständen überhaupt leben?'
'Ja, man konnte es. Beweis: Wir leben...'
'Womit haben die Kinder bei euch am letzten Chanukka
gespielt?...'
Sie haben gar keine andern Sorgen, die dicken, lieben guten Freunde, die
mich zuerst auf Schweizerboden begrüßen.
Baseler Sabbat. In Basel ist das jüdische Leben im vollsten Fluss,
besonders am Sabbat, da von Morgenfrühe bis zum Abend das Rad des
geistigen Lebens nicht stille steht. Die Synagoge ist beim
Morgengottesdienst, der von einem Chasan mit nie versagender Tenorstimme
geleitet wird, gut besetzt. 'Nach Schul' ist im angefüllten Nebenraum
Vortrag des Herrn Rabbiners und nach dem Minchogebet zähle ich bei dem
Gemoroschiur im Bes hamedrasch über fünfzig Teilnehmer. Viel Jugend
dabei, die der Reihe nach die vom Rabbiner vorgelernten Gemorostellen
wiederholt. Ein herrlicher Anblick. Und ich erfahre, dass in diesem
Raume allabendlich fleißig gelernt wird, unter der Leitung des Rabbiners
wie eines angestellten Lehrers, eines hervorragenden Toragelehrten von ungarischer
Abstammung. Es soll auch 'Andere' in Basel geben, die man in
Synagoge |
und
Lehrhaus nicht sieht... Ich habe sie nicht gesehen und kann daher von
ihnen nichts erzählen...
Dennoch höre ich, dass auch diese zu Erhaltung der Torainstitutionen
reichlich beitragen und an allen philanthropischen Aktionen stark
beteiligt sind. Zur Deutschlandhilfe hat manch einer aus
französischem Patriotismus nur geheim beigesteuert ... Tragikomi!
des Golus...
Und abends ist Vortrag. Es fällt in diesem Milieu nicht schwer, von der
Aguda und von der Seele der Aguda, der Toralehre und der Toratat zu
sprechen.
Es fehlt hier wie in anderen Städten der Schweiz auch nicht an jungen
Freunden, die ein wenig diskutieren, opponieren, protestieren möchten,
unabhängig von dem, was der Redner sagt oder nicht sagt. Und sie
erklären vorweg, bevor sie noch ein Wort des Referates gehört: 'Sie
werden schon entschuldigen, wenn wir... denn Sie wissen, wir
sind...'
'Ich entschuldige alles, denn ich weiß, Sie sind....' Ich liebe
diese stürmische Jugend über alle Maßen, die so voraussetzungslos, so
unbefangen in die Versammlungen kommen, mit einem fertigen Protest in der
Tasche, egal gegen was. Und ich bedauere es immer von Herzen, wenn aus irgendwelchen
taktischen Gründen von der Leitung eine Diskussion verhindert wird.
(Fortsetzung folgt)." |
Die
Diffamierung von Juden und Judentum in der Schweiz wird vom Regierungsrat
verboten (1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember
1934: "Diffamierung von Juden und Judentum in der Schweiz verboten.
Basel, 11. Dezember (1934).
In Basel besteht seit einiger Zeit eine kleine politische Gruppe, die eine
antisemitische Zeitung unter dem Namen 'Volksbund' herausgibt. Der Regierungsrat
des Kantons Basel-Stadt hat nun der Zeitung und ihren Hintermännern unter
Androhung strafrechtlicher Ahndung jede gemeine Schmähung oder
Verunglimpfung der jüdischen Rasse oder des jüdischen Glaubens verboten.
Unter dieses Verbot fallen insbesondere der öffentliche Gebrauch der
bekannten Verwünschungen, die öffentliche Verbreitung des Anwurfs, dass
die Juden zu rituellen Zwecken Menschen töten, die öffentliche
Aufforderung, sich des Verkehrs mit Juden als etwas Entehrendem zu
enthalten, jede gemeine Verspottung oder böswillige Verunglimpfung der
Gegenstände, die von den Juden aus religiösen Gründen verehrt werden
oder ihrem Kultus dienen." |
Strafen
gegen eine antisemitische "Malkolonie" (1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November
1934: "Basel. Eine antisemitische Malkolonie, die die
Aufgabe hatte, Häuser, Brücken und Synagogen mit antisemitischen
Anschriften zu besudeln, wurde vom Gericht zu Gefängnisstrafen,
respektive zu hohen Geldbußen verurteilt. Die Beschmierung einer
Synagogenwand wird in der Urteilsbegründung als eine rohe Büberei und
eine Religionsschändung bezeichnet. Die Verurteilen haben auch an
die jüdische Gemeinde Schadensersatz zu entrichten." |
Berichte
zum jüdischen Leben in Basel-Stadt und -Land vom Ende des 18. bis zur Mitte des
19. Jahrhunderts
Über die
1789 nach Basel geflüchteten elsässischen Juden (Beitrag von
1886)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Juni
1886: "Die Juden in Basel 1789. Es schreibt ein Berner
Korrespondent: In Basel ist im Verlage von Ferd. Riehm eine Sammlung von
Beispielen über alle biblischen Hauptbegriffe in alphabetischer
Reihenfolge usw. für Lehrer und Familien erschienen. Darin heißt es: Im
Sommer des Jahres 1789 plünderten die Bauern die Juden im Elsass und
verjagten sie. Mehrere hundert Personen, darunter Greise, Kinder, Kranke,
wurden aus ihren Wohnungen vertrieben. Sie flüchteten nach dem nahen
Basel. Die Regierung und die Bürger daselbst nahmen die Verfolgten auf, beherbergten
sie und speisten die Armen unter ihnen. Der berühmte Zürcherische Prediger
Lavater hielt sich zu derselben Zeit in Basel auf. Er ließ zum Besten der
verfolgten Juden eine Schrift erscheinen. Als die Juden wieder in ihre
Heimat zurückkehren konnten, beteten sie jeden Sabbat in ihren Synagogen
für ihre Wohltäter. Sie flehten Gott um Segen für diejenigen, welche sie
aus der Gewalt der Verfolger gerettet hatten. Sie beteten: 'Herr Gott
unserer Väter, lass ihr Almosen vor deinem Thron sich erheben, blicke auf
sie herab von deiner heiligen Wohnung und gieße über sie den Becher
deines Segens' usw. Das ärgerte diejenigen, die das Volk aufgehetzt
hatten. In einer Druckschrift spottete einer derselben über die
barmherzigen Basler; er sagte darin: 'Wundert euch nicht über die Basler,
dass sie die Juden aufgenommen haben; denn ihren großen Reichtum haben
sie auch auf jüdische Weise erworben'. Die Basler kränkten sich nicht
über solche boshafte Worte; sie fuhren fort, barmherzig zu sein, wie ihr
Vater im Himmel barmherzig ist.". |
Judenfeindliche Stimmung im Kanton Basel-Land
(1839)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. August
1839: "Basel, 9. Juli (1839). Baselland hat den Juden
jeden Aufenthalt auf seinem Gebiete, außer an den Markttagen, untersagt.
Alle Handlungsdiener jüdischen Glaubens sollen binnen einigen Tagen das
Land verlassen.
- Wir haben diese Nachricht bis jetzt nur in einer Berliner Zeitung
gefunden, und erwarten deren Bestätigung aus dem 'Lande der freien
Schweizer' selbst." |
Kritik an der judenfeindlichen Stimmung im Kanton Basel-Land
(1839)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober
1839: "Hegenheim (im
Elsass, an der Schweizer Grenze). 12. September (1839). Ich freue mich,
Ihnen aus guter Quelle ein Dokument zustellen zu können, welches, wie es
zugleich eine nähere Beleuchtung des berüchtigten Gesetzes von Basellandschaft
gibt, zugleich den Beweis darlegt, dass unser Frankreich nicht
müde wird, gegen die Intoleranz und elende Beschränktheit anzukämpfen.
Es ist dies ein Schreiben des jetzigen Gesandten Frankreichs, des Grafen Mortier,
vom 24. August dieses Jahres an den Tagsatzungspräsidenten Heß in
Zürich. Sie werden daraus ersehen, dass der Religionshass und
Verfolgungsgeist in Basellandschaft gegen die Israeliten noch die
schimpflichsten Gesetze des Mittelalters festhalten, und dass keine Spur
liberalen Geistes in diesem Ländchen der sogenannten Freiheit zu fin(den
ist). Und so ist denn das Maß der Verfolgungen und Bedrückungen, welchen
die Juden seit einiger Zeit in diesem Kanton zum Ziel waren, erfüllt, das
Land ist jedem Juden verboten, ohne Unterschied, welchem Stande er zugehöre,
ob er Handwerker oder Schriftsteller, Handelsmann oder Künstler, wie und
was sein Lebenswandel sein möge.
Es reisen gegenwärtig Israeliten als Naturforscher in den unzivilisierten
Ländern Asiens und Afrikas. Sollte zufälliger Weise ein jüdischer
Gelehrter im Gebiete Basel-Landschafts irgendeine naturwissenschaftliche
Untersuchung unternehmen wollen: laut neueren Gesetzen wäre es ihm nicht
einmal gestattet, auf diesem Boden zu übernachten, und erstaunt würde er
erfahren, dass es in Europa noch ein Land gibt, wo Menschenrechte weniger
geachtet werden, als in den barbarischen Ländern Afrikas. O welche
Schande! Im 19. Jahrhundert, zwischen den gebildetsten Staaten Europas
soll es noch einen Winkel geben, der einer gewissen Menschenklasse wegen
Religionsverschiedenheit verschlossen wird!
Um Freiheit, heißt es, haben die Bewohner von Basel-Landschaft gekämpft,
nun zeigt es sich, in welchem Sinne des Wortes. Frei wollten sie sein, um
frei und unumschränkt gegen schutz- und wehrlose Menschen tyrannisieren
zu können. O Ihr Bewohner Helvetiens! die Ihr im Allgemeinen Euch
so hart und unduldsam gegen die Israeliten beweiset, wo bleiben Euere
Grundsätze von Freiheit und Menschenrechte? Wo bleibt Euere christliche
Nächsten- und Menschenliebe, Euere evangelische Duldsamkeit?
Die Juden, sagt Ihr, handeln hin und wieder gewissenlos gegen die
Christen. - Aber soll denn einer für den andern büßen? Kann eine ganze
Nation, wegen der Vergeh'n einiger Einzelner, angeklagt werden?
Ihr wählt einen unwissenden Dorfjuden, der von seiner Jugend an nicht den
geringsten Unterricht genossen, für den Typus des ganzen Judentums, mit
den Fingern auf ihn deutend: 'seht, was sind die Juden'. Aber mit
demselben Rechte könnten wir auf einen unwissenden, fanatischen Bauern
hinweisen, deren es so manche gibt, die sich nciht die geringsten
Gewissensbisse machten, einen Juden bis aufs Blut zu misshandeln - mit
demselben Rechte könnten wir, auf denen solchen deutend, sagen: 'seht,
was sind die Christen'. Gibt es Juden, die gewissenlos gegen Christen
handeln, so hat jede Regierung Mittel in Händen, den Missetäter zu
züchtigen; aber den Unschuldigen mit dem Schuldigen zu verdammen, das ist
himmelschreiend!
Gedenket Christen! es gibt ein ewiges Gericht. Dorthin appellieren die
Juden. M.N.R." (= Moses Nordmann, Rabbiner)
|
Über die judenfeindliche Stimmung im Kanton
Basel-Land (1839)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober
1839: "Basel, 17. September (1839). Damit Sie ersehen,
dass trotz den retrograden Schritten, welche unsere Landschaft in der
neuesten Zeit in der Angelegenheit der Israeliten getan, auch hier sich
die öffentliche Stimmung zu Gunsten der Letzteren erklärt, übersende
ich Ihnen einen Artikel, welchen No. 139 der Baseler Zeitung unter der
Rubrik 'Religionsverfolgung' brachte, zum gefälligen Abdruck.
Während Licht und Wissenschaften, Freiheit und Menschenrechte in
unserem aufgeklärten Jahrhundert tätige Fortschritte machen, die meisten
Völker Europas rüstig dem mächtigen Ruf des Zeitgeistes nachfolgen,
Vorurteile und Missbräuche, Religionshass und Gewalttätigkeitssinn
ablegen, mildere Gesinnungen und mildere Sitten annehmen, und bei dieser
wohltätigen Umgestaltung auch die Juden hie und da ihre Ketten schwinden
sehen, in vielen Ländern emanzipiert werden, und selbst da, wo sie dieser
Wohltat noch nicht genie0en, doch wenigstens milder und gelinder als
früher behandelt werden; tritt ein winziges Völklein auf, das die
finsteren Zeiten des Mittelalters mit ihren grausamen und barbarischen
Gesetzen gegen jene Unglücklichen wieder hervorruft. Während die
gebildeten Staaten Europas mit dem schönen Beispiel vorangehen, die
Juden, die doch gewiss nur allzu viel schon gelitten, wie die andern
Kinder des Landes zu behandeln, aus ihrem gesunkenen Stande sie erheben,
zu allen ehrbaren Gewerben, zu allen glänzenden Ämtern den Weg ihnen
öffnen: sucht der Regierungsrat von Basel-Landschaft die alten Gesetze
der Inquisition wieder hervor; gibt ein Dekret heraus, das den Juden jedes
Verweilen in seinem Gebiet, außer einem Markttag, untersagt. Während
Frankreich Juden in die Deputierten-Kammer aufnimmt, London dieses Jahr
einen zweiten jüdischen Serif (= Sheriff) erwählt, was beweist, wie sehr
man mit der Verwaltung des Ersteren zufrieden sein muss: bezeichnet die
Polizei von Liestal allen Israeliten, die in irgendeiner Eigenschaft in
ihrem Bezirk sich aufhalten, (es waren einige in christlichen Kaufläden
als Ladendiener angestellt) binnen wenigen Tagen den Kanton zu
verlassen." |
Auf Grund der judenfeindlichen Verhältnisse ging die Zahl der
jüdischen Familien in Basel zurück
(1841)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. April
1841: |
Die Lage der Juden in Basel bessert sich
(1841)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juni
1841: |
Über die in Basel lebenden Juden
(1847)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Januar
1847: "Die Juden in Basel sind wegen ihres loyalen Benehmens
von den dortigen Bürgern wohlgelitten und zeichnen sich aus durch echt
israelitische Mildtätigkeit. Sie stehen unter dem ebenso gelehrten als
für die Verbesserung und Reform in Israel eifrig bemühten und
verdienstvollen Rabbiner Nordmann zu Hegenheim
im Elsass. Die in St. Gallen
wohnenden Juden - aus Hohenems im
Vorarlberg - bringen dieser Stadt enorme Summen durch ihre
Einkäufe." |
Die Aufnahme von Juden im Kanton Basel-Land bleibt umstritten
(1852)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Januar
1852: |
Über die Situation der Juden in Basel
(1852)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Januar
1852: "Basel, 29. Dezember (1852). Die Note wegen der
französischen Juden ist noch nicht zu öffentlicher Kenntnis gelangt.
Wenn indess die vom 'Bunde' seinerzeit gemachten Mitteilungen richtig
sind, so muss man annehmen, die frazsöische Regierung begründe ihre
Klagen gegen Basel auf durchaus irrtümliche Berichte. von gewalttätiger
Expulksion französischer Juden aus Basel ist heirorts so wenig Etwas
bekannt, dass vielmehr die seit Jahren hier regelmä0ig angessenen Juden
nicht die gerinhgste Belästigung erfahren haben. Nach der Voilksszählung
von 1847 befanden sich circa 10 Juden in Basel, dagegen sollen ´circa 40
baseler Familien in Frankreich niedergelassen sein. Dass vor nicht nicht
vier Jahren zahlreiche Juden, die dirch Pöbelbannden"
|
Elsässische Juden lassen sich in Basel nieder
(1872)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober
1872: "Basel. Die 'Swiss Times' meldet, dass sich in Basel
viele elsässische Israeliten, die für Frankreich optiert, niedergelassen
haben, um in der Nähe ihres früheren Wohnsitzes zu sein." |
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er-Jahre
Verschiedene Mitteilungen aus dem Gemeinde- und
Vereinsleben (1891)
(Sammlung für notleidende russische Gemeinden -
Wohltätigkeitsveranstaltung des Vereins "Erholung" - Synagogenbau -
Schüler schreiben nicht am Sabbat)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai
1891: "Basel, 5. Mai (1891). In Ihrer jüngsten Korrespondenz
aus Basel sind mehrere Irrtümer enthalten, die ich mir zu berichtigen
erlaube. Was zunächst die Sammlung für unsere notleidenden Brüder in
Russland anbetrifft, so hat das Comité, bestehend aus Herrn Rabbiner
Dr. Cohn, dem Gemeinde-Präsidenten, Herrn Dreyfus-Neumann und
dem Präsidenten des Lokalkomités der Alliance, Herrn
Dreyfus-Brettauer, bereits gegen 10.000 Frcs. (davon die Hälfte aus
Basel) teils an die Alliance, teils an Herrn Rabbiner Dr. Rülf in
Memel abgeliefert. Es verdient diese Tatsache allerdings hervorgehoben zu
werden; denn bisher hören wir wenig von ähnlichen Sammlungen, die doch nach
den herzzerreißenden Schilderungen des dortigen Elends überall energisch
in Angriff genommen werden sollten. Es ist Ehrenpflicht für
alle wohlhabenden Glaubensgenossen, nicht alles den kleinen Gemeinden an
der russischen Grenze zu überlassen, sondern tatkräftig zu
helfen, dass die Ausgewiesenen und Flüchtenden ein rettendes Asyl
finden.
Bei einer hiesigen, von dem Verein 'Erholung' veranstalteten
Wohltätigkeits-Vorstellung soll nach dem Berichte Ihres Korrespondenten
ein 'offizielles' trefenes (sc. = nicht koscheres) Souper stattgefunden
haben. So tief sind wir Gottlob denn doch nicht nicht gesunken, dass diese
möglich wäre, ohne dass maßgebende Persönlichkeiten dagegen Einspruch
erhoben hätten. Vielmehr hat erst jüngst der 'neue Cercle', eine
Vereinigung von größtenteils jungen Männern, sein Etablissement rituell
eingerichtet. Bei jenem Feste war ein Essen gar nicht beabsichtigt; es war
vielmehr nur für Erfrischungen und für kalte, natürlich koschere Küche
gesorgt. Lebhaft zu bedauern ist es allerdings, dass einige trotzdem und
gegen die Verabredung, ohne Rücksicht auf Andersdenkende, sich trefene
Speisen reichen ließen.
Was den Synagogenbau angelangt, so steht allerdings zu hoffen, dass
die Entweihung des Gottesnamens, des Bauens am Sabbat, der hier
umso größer wäre, als der Sonntag von den Christen überaus streng
gehalten wird, vermieden werden wird, zumal in der Synagoge, die nur
vergrößert wird, während der Bauzeit regelmäßig Gottesdienst
abgehalten werden soll.
Da Sie die leider unleugbar vorhandenen Schattenseiten unseres
Gemeindelebens hervorgehoben haben, so gestatten Sie mir wohl auch auf
zwei Lichtpunkte aufmerksam zu machen. Unser Rabbiner hat es durch seine
Bemühungen erreicht, dass von den etwa 200 jüdischen Kindern, die hier
die niederen und höheren Schulen besuchen, seit einiger Zeit keines mehr,
weder Knaben noch Mädchen, am Sabbat schreibt. Überhaupt wehr in unserer
Jugend der Geist, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Ferner will
ich nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dass mit Rücksicht auf unseren
Rabbiner die Gemeinde die Orgelfrage vorläufig vollkommen ad acta
gelegt hat." |
Pestalozzifeier in der Synagoge
(1896)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar
1896: |
Gemeindeversammlung mit umstrittenen Beschlüssen
(1898)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar
1898: |
Generalversammlung der Gemeinde zu verschiedenen
Fragen (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Januar
1902: |
Neuwahlen für das Handelsregister
(1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli
1902: |
Rücksichtnahme auf die israelitischen Schüler an
Schabbat und den Feiertagen (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September
1902: |
Aus der Arbeit der jüdischen Armenkasse
(1905)
Artikel
im "Frankfurter israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai
1905: |
B. W. Rosenzweig wird Präsident des Vereins "Misrachi"
(1905)
Artikel
im "Frankfurter israelitischen Familienblatt" vom 17. März
1905: |
Jahresbericht
der Armenkommission der Gemeinde (1906)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11.
Mai 1906: |
Der
Schomreh-Thorah-Männer-Verein veranstaltet wieder Abend-Schiurim (1907)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. Januar
1907: |
40-jähriges
Bestehen der Chewre Espérance (1907)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Februar
1907: |
Jahresbericht des israelitischen Frauenvereins
(1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar
1908: |
Über die Chewra Kadischa (Wohltätigkeitsverein) der Gemeinde
(1911)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar
1911: |
Vorstandswahlen in der Gemeinde
(1911)
Artikel
im "Frankfurter israelitischen Familienblatt" vom 29. Dezember
1911: "Basel. Die Vorstandwahl in der jüdischen
Gemeinde hatte folgendes Ergebnis: J. Dreyfus-Brodsky
(Präsident), J. Mayer-Sommer, M. Jacobsohn, S. Bloch-Roos, S.
Günzburger-Hirsch, Viktor-Wyler, Elias Haas, J. Bloch-Bloch, Dr. M.
Ditisheim (sämtlich bisher dem Vorstande angehörend), Dr. O.
Meyer und Jakob Wyler (neu)." |
Ein
jüdischer Soldat will am Jom Kippur nicht vom Dienst befreit sein (1912)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Oktober
1912: |
Generalversammlung
der zionistischen Ortsgruppe (1912)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. November
1912: |
Vorstellung
der jüdischen Gemeinde Basel (1916)
Aus dem "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 5677 Jahrgang
1916/17 S. 195: "Basel.
In Basel wurde im Jahre 1848 eine jüdische Gemeinde gegründet, welche
heute 467 Gemeindemitglieder mit ca. 2.500 Seelen zählt. Vorstand:
J. Dreyfuss-Brodsky, Präsident; S. Günzburger, Vizepräsident; S.
Bloch-Roos, Sekretär; B. Disisheim, Kassier; weitere Mitglieder: Dr. M.
Ditisheim, E. Hess, J. Mayer-Sommer, Jules Spira, Viktor Wyler. Beamte:
Dr. A. Cohn, Rabbiner; S. Druyan, Oberkantor; Dr. L. Hausmann,
Religionslehrer; M. Löb, Kantor und Religionslehrer, S. Nordmann und M.
Günzburger, Synagogendiener.
Institutionen der israelitischen Gemeinde: Synagoge:
Eulerstraße 2-6 (Abwart: R. Levy). Gemeindehaus mit Betsaal. - Rituelles
Bad. - Schächt- und Fleischkommission (Präsident: Elias Haas). -
Religionsschule mit 4 Lehrern und 335 Schulkindern (Präsident: J.
Mayer-Sommer). - Friedhof (Präsident: S. Bloch-Roos). - Israelitische
Leihkasse (Präsident: J. Spira). - Rabbiner Dr. A. Cohn'sche
Jubiläumsstiftung Hachnossas-Kallo. - Israelitischer Armenfonds. -
Pensionsfonds. - Synagogenchor Schir-Zion (Präsident: S.
Günzburger-Hirsch).
Weitere Jüdische Institutionen: Beth Hamidrasch (Israel.
Lehrhaus) Spalentorweg 32, reichhaltige Bibliothek, tägliche
Lernvorträge. - Bethaus Kleinbasel, Florastraße 20 (Präsident: J.
Scheps), Gottesdienst am Sabbat und an den Feiertagen. - Bethaus Linas
Hazedek, Hegenheimerstraße (Präsident: K. Jacubowitz), Gottesdienst an
Sabbat und an den Feiertagen. - Israelitisches Waisenhaus (Präsident: J.
Dreyfus-Brodsky). - Israelitisches Spital (Präsident: J. Dreyfus-Bernheim).
- Kuratorium für jüdische Krankenschwestern (Präsident: Dr. med. E.
Wormser). - Hilfskomitee für israelitische Auswanderer (Präsident: J.
Bollag-Feuchtwanger). - Jüdische Bibliothek (Präsident: Rechtsanwalt Dr.
S. Brunschwig). - Schweizer jüdische Volksbibliothek, Spalentorweg
32.
Vereine: Loge Bnei-Bris (Präsident: Notar Dr. Werner Bloch)
- Chevra Kadischa (Präsident: L. Eisenmann). - Schomre Thora
Männer-Verein (Präsident: Charles Nordmann), unterhält eine hebräische
Fortbildungsschule (Lehrer M. Schwarz) und veranstaltet täglich Schiurim.
- Schomre Thora Jünglingsverein (Präsident: Hermann Cohn),
Vereinsversammlung jeden Sonntag. - Chewro Espérance (Präsident: J.
Dreyfus-Strauss). - Chewro Ez-Chaim (Präsident: Dr. M. Ditisheim). -
Chewro Dowor Tow (Präsident: B. Levaillant). - Israelitischer
Frauenverein (Präsidentin: Frau Dreyfus-Strauss). - Jüdisch-polnischer
Frauenverein (Präsidentin: Frau M. Orzel). - Chewro Malbisch Arumim
(Präsidentin: Frau Dreyfus-Nördlinger). - Verein für Erziehung
israelitischer Waisen (Präsident: J. Dreyfus-Strauss). - Agudas Isroël
Ortsgruppe. - Agudas Jisroël Frauen- und Mädchengruppe. - Zionistische
Vereinigung (Präsident: Rechtsanwalt Dr. F. Arnstein). - Verein Zion. -
Alliance Israélite Universelle, Lokalkomitee. - Verein Erholung. - Verein
Achdus. - Jüdischer Turn- und Sportverein. - 'Hachower' zionistischer Studentenverein.
- 'Nehardea' jüdisch-akademische Vereinigung. - Verein der
jüdisch-nationalen Studenten. - 'Kibbuz Akademi Jwr'
(Hebräisch-akademische Vereinigugn)." |
Vorstandswahlen in der Israelitischen Gemeinde
(1921)
Artikel
im "Frankfurter israelitischen Familienblatt" vom 7. Januar
1921: "Basel. Die Israelitische Gemeinde wählte in
geheimer Urabstimmung ihrer Mitglieder J. Dreyfuß-Brodski wieder
zum Präsidenten und S. Ginsburger-Hirsch, S. Bloch-Roos, Dr. Werner
Bloch, Dr. M. Ditisheim, J. Spira, Alfred Bodenheimer, E. Heymann, J.
Jung, L. Levy-Hemmendinger und Großrat Dr. Wormser als
Vorstand..." |
Bericht
über die jüdische Abteilung des Museums für Völkerkunde (1922)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. März
1922: |
Besuch von Oberrabbiner Kuck in Basel
(1924)
Anmerkung: es geht um einen Besuch des Großrabbiners Abraham Isaak Kook
(Kuck) (1865-1935) in Basel; zu seiner Person siehe Wikipedia-Artikel
Abraham Isaak Kook.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember
1924: "Basel, 9. Dezember (1924). Oberrabbiner Kuck weilte
über Sabbat in Basel und wurde von seinen zahlreichen Verehrern enthusiastisch
gefeiert. An dem Empfang beteiligten sich alle Vereine einschließlich der
Agudas Jisroel-Ortsgruppe. In mehreren Vorträgen entwickelte Oberrabbiner
Kuck seine Ideen über die Zukunft Erez Jisroels; man müsse von jeder
Partei das Gute nehmen und für eine Stärkung des rabbinischen
Geisteslebens in Jerusalem sorgen." |
Jüdische Schüler können auf Antrag der Eltern vom
Schulbesuch an Sabbat und Feiertagen dispensiert werden
(1930)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai
1930: |
Sijum-Feier des Talmud-Thora-Vereins
(1936)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember
1936: "Basel, 21. November (1936). Man kann es ruhig sagen,
dass in Basel schon lange keine jüdischer Feier stattgefunden hat, die
auf einem solch geistigen Niveau stand und mit soviel Elan und Geschick
geleitet wurde, wie die Sijumfeier der Talmud Thora am Sonntag, den
15. dieses Monats. Im vollbesetzten Saale des Spalenkasino wurde das Fest
eingeleitet mit dem Hadron-Vortrag des Herrn Rabbiner D. I. Schochet,
der es verstand, in einstündiger freier Rede, die Materie bis ins Tiefste
beherrschend, sich die volle Anerkennung der zahlreich anwesenden
Thorakundigen zu erwerben. Mit einer Begrüßungsansprache des
Präsidenten Herrn Gabriel Plaut und Dankesworten für den Leiter
der Talmud Thora wurde die eigentliche Sijumfeier eröffnet. Es folgte
dann Nummer auf Nummer. Geistvolle Ansprachen, gewürzt mit Thoraworten
von Herrn Rabbiner Dr. Bohrer, Gailingen,
Rabbiner Schochet, Dr. Eugen Fränkel, Dr. W. Ringwald,
humoristische Vorträge der Herren Max Meyer, stud. med. Prenzlauer,
Manfred Plaut, Tischlieder, für die verantwortlich zeichneten Frau
Dr. Estella Fränkel und Kurt Stern, trugen zur
Verschönerung des Festes bei und ließen keine Minute der Langeweile
aufkommen. Volles Lob und Anerkennung verdient noch das Damenkomitee, das
sich um das reichlich und schön servierte Menü und die reizvolle
Tafelausschmückung bemühte. Trotz der vorgerückten Stunde ergab die
Versteigerung des Benschens einen befriedigenden Betrag. Alles in allem
kann das schöne Fest als ein in jeder Beziehung gelungenes bezeichnet
werden." |
Über Ereignisse und Einrichtungen in Basel von
überregionaler Bedeutung
Anmerkung: Über die zionistischen Kongresse in Basel werden - außer den
nachstehenden kurzen Berichte - keine Presseberichte zusammengestellt, da dies
den Rahmen der Darstellung der Geschichte der jüdischen Gemeinde in der Stadt
sprengen würde.
Die Zionisten wollen Basel zum Zentrum ihrer Arbeit
machen (1898)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September
1898: |
Dr. Theodor Herzl erhält eine Antwort vom Sultan
(1898)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September
1898: |
Gründung
des Vereins "Schomre Schabbos, jüdischer Stellen-Vermittlungs-Verein für
die Schweiz" (1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 10. November 1902: |
Zum 6. Zionistenkongress (1903)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 27. August 1903 (nur erste Seite des Berichtes abgebildet): |
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Artikel
im "Frankfurter israelitischen Familienblatt" vom 11. September
1903: |
Das Kasino - Tagungsort der zionistischen Kongresse -
wird umgebaut (1905)
Artikel
im "Frankfurter israelitischen Familienblatt" vom 17. März
1905: |
Delegiertentag des schweizerischen Zionisten-Verbandes
in Basel (1906)
Artikel
im "Frankfurter israelitischen Familienblatt" vom 15. Juni
1906: |
Über die Zionistische Vereinigung in Basel
(1906)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. November
1906: |
Der
Führer der Katholiken wendet sich im Großen Rat von Basel gegen das
schweizerische Schächtverbot (1907)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Januar
1907: |
Gründung des Vereins zur Förderung des
gesetzestreuen Judentums in der Schweiz (1907)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August
1907: |
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Bericht
vom 10. Zionistenkongress (1911)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. August
1911: |
Kurze
Vorstellung des "Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes" (1916)
Aus dem "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 5677 Jahrgang
1916/17 S. 203: |
Kurze
Vorstellung des "Vereins zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der
Schweiz" (1916)
Aus dem "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 5677 Jahrgang
1916/17 S. 204-205: |
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Kurze
Vorstellung des "Schweizerischen Komitees für Erez Jisroël" (Suisse
Comité pour Erez Jisroël) (1916)
Aus dem "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 5677 Jahrgang
1916/17 S. 208: |
Anzeige
des Internationalen Pro Falascha-Komitees (1916)
Aus dem "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 5677 Jahrgang
1916/17 S. 211: |
Vorstellung des Schweizerischen Comité's für Erez-Jsroel
(1921)
Artikel
im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 5682 Jahrgang 1921/22
S. |
Generalversammlung des "Schweizerischen Komitees für
Erez Jisroël" (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni
1921: |
Tagung des Schweizer thoratreuen Zentralvereins im
Bet-ha-midrasch in Basel (1930)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Februar
1930: |
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